Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

13.12.2017

The Zero Theorem (Blu-ray)

 

In diesem Film, der nach eigener Angabe des Regisseurs eine moderne Version von Brazil aus dem Jahre 1985 sein soll, meiner Meinung nach aber nicht annähernd an dieses Meisterwerk Terry Gilliams heranreicht, spielt Christoph Waltz mit viel Mut zur Hässlichkeit einen menschenscheuen Programmierer namens Qohen Leth, der sich nach einem Heimarbeitsplatz sehnt, weil er immer in der Nähe des Telefons bleiben muss. Er ist davon überzeugt, dass jeden Moment jemand anrufen und ihm den Sinn des Lebens offenbaren wird. Leth erhält den Auftrag, das Zero-Theorem zu beweisen, dem zufolge sich das Universum zusammenzieht und eines Tages verschwinden wird. Trotz seiner überragenden Fähigkeiten verzweifelt Leth an dieser Aufgabe. Er fasst neuen Lebensmut, als er sich in eine junge Frau namens Bainsley verliebt, die sich mit ihm in einer virtuellen Realität trifft. Doch diese Beziehung basiert auf einer Lüge…

11.12.2017

Andreas Eschbach: Todesengel

Bastei Lübbe, 2015

541 Seiten

 

Erich Sassbeck, ein rüstiger Rentner, wird in einer Station der U-Bahn auf zwei Jugendliche aufmerksam, die eine Sitzbank demolieren. Als er die beiden Randalierer zur Ordnung ruft, wendet sich ihre sinnlose Wut gegen Sassbeck. Sie schlagen ihn brutal zusammen und treten mit voller Wucht auf den hilflos am Boden liegenden alten Mann ein. Sassbeck weiß, dass er hier und jetzt sterben wird. Da erscheint wie aus dem Nichts eine weiß leuchtende Gestalt, ein überirdisch wirkendes Wesen - Sassbeck glaubt einen Engel zu sehen. Doch dieser Engel hält in jeder Hand eine Pistole vom Typ Makarow PM. Er erschießt die beiden jungen Männer und verschwindet spurlos. Sassbeck verliert das Bewusstsein und wird zwischen den Leichen liegend aufgefunden. Da Sassbeck NVA-Grenzsoldat war und seinerzeit eine Makarow besessen hat, gerät er selbst in Tatverdacht. Im Gegensatz zum Staatsanwalt Dr. Lorenz Ortheil glaubt der mit den Ermittlungen betraute Kriminalhauptkommissar Justus Ambick nicht, dass Sassbeck die Angreifer getötet hat. Der Geschichte vom Racheengel kann er noch weniger abgewinnen, zumal eine solche Gestalt von keiner Überwachungskamera (die allerdings den Tatort nicht abgedeckt haben) gefilmt worden ist. Als der Racheengel erneut zuschlägt, versucht Ortheil die Sache zu vertuschen. Die Medien stürzen sich begeistert auf die Story.

 

Der Journalist Ingo Praise gewinnt das Vertrauen von Sassbecks Schwiegertochter Evelyn, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Sie verhilft ihm zu einem Exklusivinterview mit dem Verletzten. Nachdem es Praise gelungen ist, die Existenz des Racheengels zu beweisen, übernimmt er die Moderation einer Live-Talkshow, deren Gäste ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie Sassbeck. Einige haben sich zur Wehr gesetzt und sind deshalb in die Mühlen der Justiz geraten. In manchen Fällen wurden sie bestraft, die wahren Täter aber nicht. Praises Ziel ist es, den Opfern eine Stimme zu geben und die Taten des Racheengels zu verteidigen. Damit trifft er einen Nerv, denn die Bürger fühlen sich von der Polizei nicht mehr ausreichend geschützt. Sie haben den Eindruck, dass Häufigkeit und Schwere von Verbrechen unaufhaltsam zunehmen. Man gibt der angeblich zu laschen Justiz die Schuld. Deshalb halten viele Menschen den Racheengel für einen Helden, nicht zuletzt wegen Praises Show, die schon bald gigantische Einschaltquoten erzielt.

 

Nacht für Nacht durchstreift der Racheengel die Stadt, seiner eigenen Überzeugung nach geleitet von einer höheren Macht, um all jene zu bestrafen, die sich an Wehrlosen vergreifen. Mit traumwandlerischer Sicherheit ist er immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort - und seine Kugeln verfehlen nie ihr Ziel…

 

Im Zentrum von Andreas Eschbachs Romanen steht meist eine ungewöhnliche Idee, die konsequent ausgearbeitet wird und als Grundgerüst für die Story dient. Das funktioniert manchmal wunderbar (z.B. Eine Billion Dollar), manchmal meiner Meinung nach überhaupt nicht (z.B. Der Nobelpreis). »Todesengel« liegt irgendwo dazwischen. Alles dreht sich um das Thema Selbstjustiz und die Frage, wie unsere Gesellschaft mit der realen Existenz eines »Superhelden« umgehen würde, einer Person also, die besondere Fähigkeiten besitzt und das Recht in die eigenen Hände nimmt.

 

Eschbach benutzt das Figurenensemble, um die denkbaren Reaktionen aufzuzeigen. Praise steht für den unvermeidlichen Medienrummel, das Hochkochen einer Sensation, die ohne diesen Hype vielleicht gar keine wäre. Eine andere Hauptfigur schottet sich vollkommen von der Außenwelt ab, verlässt das Haus nicht, besitzt keinen Fernseher und hat dem Lebensmittel-Lieferdienst eingeschärft, dass keine Zeitungen als Verpackungsmaterial benutzt werden dürfen. Also Sensationsgier und Übertreibungen auf der einen Seite, das Verschließen der Augen vor der Realität auf der anderen. In Praises Show werden einzelne Standpunkte formuliert. Manche Opfer suchen die Schuld bei sich selbst. Ein allzu plakativ als selbstverliebter Idiot mit Doppelmoral charakterisierter Soziologe sucht die Schuld bei der Gesellschaft. Ein pensionierter Richter referiert über die Grenzen der Notwehr. Einem Krav Maga – Lehrer ist das alles egal. Wenn er attackiert wird, schlägt er mit aller Kraft zurück. Der »Engel« schließlich ist so etwas wie der personifizierte Volkszorn, dem es gar nicht um Hilfe für die Opfer geht (der »Engel«, für dessen Fähigkeiten es übrigens zum Glück plausible Erklärungen gibt, lässt den schwer verletzten Sassbeck einfach liegen), sondern um Rache.

 

Für meinen Geschmack wird etwas zu oft auf dem Missstand herumgeritten, dass man Verständnis für die Täter haben soll, während sich ihre Opfer auf der Anklagebank wiederfinden, weil sie sich wie besagter Krav Maga – Lehrer zu heftig gewehrt haben. Ich will mich gar nicht darüber auslassen, wie ich zu alldem stehe oder wie Eschbach vermutlich dazu steht. Ich habe keine Ahnung, ob er auf reale Vorfälle zurückgreift oder nicht, es ist mir auch egal. Wir haben es hier schließlich mit einem Roman zu tun, nicht mit einer Studie über Jugendgewalt. Was mich stört, ist das Fehlen einer Geschichte. Es kommt mir so vor, als sei dem Autor mehr daran gelegen gewesen, das Für und Wider von Selbstjustiz zu beleuchten. Das Ergebnis finde ich durchaus interessant, aber nach der gelungenen Expositionsphase (am besten gefällt mir, wie Eschbach Sympathien für Praise weckt und diese ganz allmählich wieder demontiert) müsste sich eine übergreifende Handlung entwickeln. Aber das geschieht nicht. Zumindest laufen verschiedene Handlungsstränge mehr oder weniger berührungslos nebeneinander her, bis sie durch unglaubwürdige Zufälle miteinander verknüpft werden. Kulminationspunkt ist der vom Racheengel verursachte Tod eines Unschuldigen. Hier packt Eschbach den Holzhammer aus, damit der Leser auch ganz bestimmt kapiert, dass Selbstjustiz keine Lösung ist. Ohne dieses Ende hätte mir der Roman erheblich besser gefallen.

 

10.12.2017

The Walking Dead – Siebte Staffel (Blu-ray)

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur siebten Staffel der Fernsehserie »The Walking Dead«. Vorsicht! Schon im ersten Satz der Inhaltsangabe der ersten Folge lauern massive Spoiler.

06.12.2017

Ghost in the Shell (Blu-ray)

 

In dieser Realverfilmung äußerst populärer Mangas und Animes aus den Achtziger- und Neunzigerjahren spielt Scarlett Johansson eine junge Frau, deren Körper bei einem Terroranschlag so schwer geschädigt wird, dass er nicht gerettet werden kann. Man verpflanzt ihr Gehirn in einen humanoiden Robotkörper, den sie nach einem Jahr perfekt beherrscht. Sie wird zur besten Kämpferin einer Antiterror-Spezialeinheit, leidet aber unter schweren Erinnerungsstörungen und stellt sich ständig die Frage, ob sie überhaupt noch als Mensch bezeichnet werden kann. Ist sie ein menschlicher Geist in einer Maschinenhülle – oder nur eine KI?

04.12.2017

Arthur C. Clarke / Gentry Lee: Rendezvous mit Übermorgen

Bastei Lübbe, 2009

605 Seiten

 

Vor siebzig Jahren hat ein 54 Kilometer langes zylinderförmiges Raumschiff, in dessen Innerem sich ein künstliches Habitat verbirgt, das Sonnensystem durchquert. Ein Forschungsteam hat das Objekt – nach einer hinduistischen Gottheit Rama genannt – so gut erkundet, wie es in der Kürze der Zeit möglich war. Es hat sich gezeigt, dass Ramas Kunstwelt Lebensbedingungen bietet, die für Menschen geeignet sind. Über die Herkunft des gigantischen Schiffes und seine Erbauer konnten keinerlei Erkenntnisse gewonnen werden. Offenbar war das Sonnensystem lediglich eine Zwischenstation auf Ramas interstellarer Reise; das Schiff ist wieder in den Tiefen des Alls verschwunden. Sollte es jemanden geben, der das Schiff steuert, dann hat derjenige keine Notiz von der Existenz der Menschheit genommen.

 

In den folgenden Jahren erlebt die Menschheit einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung, der allerdings nach kurzer Zeit zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft und zu globalem Elend unvorstellbaren Ausmaßes führt. Siebzig Jahre nach dem Vorbeiflug Ramas haben sich die meisten Nationen mehr oder weniger von den Folgen der Krise erholt und sind in der Lage, ein großangelegtes militärisch-wissenschaftliches Projekt auf die Beine zu stellen, als festgestellt wird, dass sich ein zweites, zumindest äußerlich baugleiches extraterrestrisches Schiff nähert. Diesmal können sich die Raumfahrer intensiv auf die Erforschung von Rama II vorbereiten. Von der Bergung eines »Bioten« (so werden die organisch-kybernetischen Kunstwesen genannt, die von der ersten Expedition beobachtet worden sind) verspricht man sich einen technologischen Innovationsschub. Die Mission soll lückenlos dokumentiert und der Weltöffentlichkeit präsentiert werden. Zu diesem Zweck sind zwei Journalisten mit an Bord der Newton, die nach reibungslosem Flug an Rama II andockt.

 

Doch schon kurz nach der Ankunft überschlagen sich die Ereignisse. Unter den Teammitgliedern brechen Konflikte aus und beim Kommandanten der Newton wird eine Blinddarmentzündung festgestellt. Er muss operiert werden. Der an sich harmlose Eingriff schlägt fehl; der Robot-Chirurg hört nicht auf zu schneiden und tötet den Kommandanten. Einer der beiden Reporter wird bei der Biotenjagd von den Kunstwesen zerstückelt – sein Tod wird live zur Erde übertragen. Dann ändert Rama II seinen Kurs und fliegt direkt auf die Erde zu. Da eine Kollision befürchtet wird, erhält die Besatzung der Newton den Befehl, das fremde Schiff mit Atomwaffen zu zerstören…

 

Diese Fortsetzung von »Rendezvous mit Rama« war dem Nachwort Arthur C. Clarkes zufolge nicht geplant. Ich möchte hinzufügen, dass sie auch nicht nötig war, zumindest nicht in dieser Form. Der erste Roman endet, ohne dass das Forschungsteam oder der Leser erfährt, von wem und zu welchem Zweck Rama erbaut wurde. Ich hatte gehofft, dieses Rätsel werde in der Fortsetzung gelöst. Das ist nicht der Fall. Es gibt zwei weitere Rama-Romane und möglicherweise sind die aufschlussreicher, aber ich glaube nicht, dass ich sie noch lesen werde. Zu ernüchternd war die Lektüre des zweiten Bandes! Im Grunde wird dasselbe noch einmal abgehandelt: Forschungsteam fliegt zum fremden Schiff, schaut sich dort um, findet nichts heraus und fliegt wieder ab. Am Ende war ich nicht schlauer als am Anfang. Gut, ein paar Ausnahmen gibt es doch. Drei Besatzungsmitglieder des irdischen Schiffes bleiben nämlich in Rama II zurück. Dort entdecken sie verschiedene andere Lebewesen (oder Hinterlassenschaften derselben) und erhalten Zugang zu den Computersystemen des Schiffes. Zwischendurch werden wirtschaftliche, gesellschaftliche und religiöse Implikationen des Rama-Besuchs angerissen, aber längst nicht so tiefgehend behandelt, wie ich es mir gewünscht hätte; von einer sinnvollen Einbindung in die Handlung ganz zu schweigen.

 

Leider kam diesmal bei mir nur noch selten »Sense of Wonder« auf, was zum Teil daran liegt, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, einen weniger spannenden zweiten Aufguss der Erlebnisse der ersten Erkundungscrew zu lesen. Einen Roman, der nur existiert, damit weitere Fortsetzungen geschrieben werden konnten. Möglicherweise ist den Autoren selbst aufgefallen, dass Kenner des ersten Bandes sich vielleicht fragen würden, warum sie einen zweiten mit im wesentlichen gleichen Inhalt lesen sollten. Und so wurden Elemente hinzugefügt, die den Roman für mich an die Grenze der Unerträglichkeit bringen. Ich kann gerade noch akzeptieren, dass Reporter mit an Bord sind. Dass die Journalistin Francesca Sabatini keine Gelegenheit auslässt, in der Vergangenheit der anderen Crewmitglieder zu wühlen und somit Konflikte während der Weltraummission heraufzubeschwören, ist schon schwerer zu schlucken. Geradezu lächerlich wird das Ganze, als Sabatini und der leitende Wissenschaftler (der sich im weiteren Verlauf auch noch als Hochstapler entpuppt) ein Komplott gegen den Kommandanten der Newton schmieden, damit besagter Wissenschaftler dessen Platz einnehmen kann. Und das nicht etwa im Vorfeld der Mission, sondern in deren Verlauf! So geht es immer weiter. Die Astronauten bringen sich durch dämliches Verhalten, unüberlegte Alleingänge usw. selbst in Gefahr, und als Rama II Kurs auf die Erde nimmt, reagiert man dort unangemessen hysterisch. Ernst nehmen konnte ich das Ganze irgendwann nicht mehr.

 

29.11.2017

Passengers (Blu-ray)

 

Dieser Film bietet eine faszinierende Mischung aus Zweipersonen-Kammerspiel und grandiosem Weltraumspektakel. Die Handlung konzentriert sich auf die mit Jennifer Lawrence und Chris Pratt hervorragend besetzten Hauptfiguren, findet jedoch vor dem Hintergrund einer interstellaren Reise in einem ebenso gigantischen wie luxuriösen Raumschiff statt. Die Avalon ist mit 5000 Passagieren an Bord unterwegs zu einer Kolonialwelt. Alle Kolonisten sowie die 258 Crewmitglieder verbringen den 120 Jahre dauernden Flug im Hyperschlaf. Sie sollen erst ein paar Monate vor der Ankunft geweckt werden. Doch es kommt zu einer Fehlfunktion, so dass der Techniker Jim Preston 90 Jahre zu früh erwacht – und zwar nur er. Nach einem Jahr erträgt er die Einsamkeit nicht mehr. Er steht kurz vor dem Selbstmord. Doch dann wird er auf eine schlafende Schönheit namens Aurora Lane aufmerksam. Er verliebt sich in die Frau und kämpft monatelang gegen den Wunsch, sie aufzuwecken…

27.11.2017

Hans Dominik: Kautschuk

Heyne, 1975

205 Seiten

 

Die Atomenergie wurde nutzbar gemacht, doch die gewaltigen Energiemengen können nicht gebändigt werden, denn es gibt kein Isolationsmaterial, das die Dauerbelastung durch extrem hohe elektrische Spannung aushält. Chemiekonzerne in aller Welt suchen daher nach neuen Werkstoffen zur Isolierung von Stromleitungen. Dr. Walter Fortuyn von den MEA-Werken in Langenau arbeitet an einem Verfahren, durch das die Kautschuksynthese revolutioniert werden kann - zumindest in der Theorie. Praktische Erfolge konnte Fortuyn bislang nicht vorlegen. Dennoch richtet Sir Steve Hopkins, Chef des britischen Großkonzerns United Chemical, sein Augenmerk auf den deutschen Forscher. Er beabsichtigt Fortuyns Forschungsergebnisse an sich zu bringen und Marktführer zu werden. Hopkins‘ wichtigste Agenten vor Ort sind seine Geliebte Juliette Hartlaub und Morris Boffin. Sie nutzen die zwischen Fortuyn und Franz Düsterloh, einem Direktionsmitglied der MEA-Werke, bestehende Feindschaft, um die Konkurrenz zu schwächen. Unter dem Vorwand, ein wirtschaftlicheres Syntheseverfahren einzusetzen, verringert Düsterloh Fortuyns Budget zu Gunsten eines gewissen Dr. Moran. MEA-Generaldirektor Kampendonk steht jedoch hinter Fortuyn und unterstützt seinen besten Mann weiterhin.

 

Als Dr. Ottilie Gerland aus Fortuyns Team einen Durchbruch erzielt, schlägt Juliette zu. Sie becirct Düsterloh und entwendet die Unterlagen. Schon bald wird bekannt, dass United Chemical nach dem Fortuyn’schen Verfahren arbeitet, bisher aber noch keine greifbaren Ergebnisse produzieren konnte. Auch andere ausländische Konzerne betreiben Industriespionage in Langenau. Ihre Machenschaften werden durch einen gewissen Wittebold aufgedeckt, der in den MEA-Werken eine Stelle als Laboratoriumsdiener angetreten hat. Er recherchiert auf eigene Faust und gibt dem Werksschutz anonyme Hinweise, so dass verschiedene Aktionen vereitelt werden können. Daraufhin holen Boffin und seine Spießgesellen zu einem gegen Fortuyn persönlich gerichteten Anschlag aus...

 

Hans Dominik gilt als einer der Pioniere deutschsprachiger Science-Fiction. Seine in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts veröffentlichten Romane wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mehrfach neu aufgelegt, allerdings nicht immer im Originaltext. Manche Werke wurden inhaltlich stark verändert, so auch »Kautschuk« aus dem Jahre 1930. Das Heyne-Buch aus dem Jahre 1975 enthält die geänderte Fassung. Die Originalversion kann online im Projekt Gutenberg gelesen werden. Im Original spielt die Nutzbarmachung der Atomkraft überhaupt keine Rolle. Das Buch dagegen beginnt mit einem Kapitel, in dem ein Experiment zur Übertragung von Atomstrom fehlschlägt, danach folgt ein Zeitsprung von zwei Jahren. Das Kapitel fehlt im Originaltext komplett, dieser beginnt erst nach dem Zeitsprung. Hauptantagonist ist hier nicht der Brite Hopkins, sondern ein Amerikaner namens James Headstone, dessen Konzern seinen Sitz in Detroit hat. Der Originaltext endet anders als das Buch Es ist unter anderem die Rede davon, dass die Kautschukherstellung wegen der erfolgreichen Synthese wohl untergehen wird. Auch sonst sind mir verschiedene Änderungen (Kürzungen) aufgefallen. Schade, dass ich das nicht vorher gewusst habe!

 

Zur Story gibt’s nicht viel zu sagen. Sie konzentriert sich auf verschiedene Aktionen der Spionage und Gegenspionage, hinzu kommen diverse Subplots, in denen es um Herzensangelegenheiten geht. So liebt Fortuyn die Ehefrau eines der MEA-Direktoren, Ottilie wird von einem Kollegen angeflirtet, Juliette ist Hopkins hörig, der wiederum einer Frau den Hof macht, deren Aktienpaket er sich gern unter den Nagel reißen würde. Der Labordiener Wittebold ist niemand anderer als Juliettes sitzengelassener Ehemann. Er sollte für Hopkins spionieren, will aber seine Ehre wiederherstellen. Diese Nebenhandlungen sind größtenteils irrelevant, diverse andere Randfiguren teilen dieses Schicksal. Die Vielzahl der Namen hat bei mir nur zur Verwirrung beigetragen. Interessant ist der Roman eigentlich nur, weil trotz vieler Änderungen doch etwas vom Zeitgeist der Zwanziger-/Dreißigerjahre durchschimmert. Das fragwürdige Frauenbild trägt mit dazu bei. So wird Dr. Gerland ständig als »Tilly« oder gar »Tillychen« bezeichnet und zerfließt vor Ehrfurcht, wenn sie von Fortuyn auch nur angeschaut wird…

 

23.11.2017

Die Scharfschützen 11: Der Verräter (DVD)

 

Bei Familie Sharpe hängt der Haussegen schief! Jane mopst sich, während ihr Gatte Richard irgendwo in der Gegend herumläuft, um sich mit den Franzosen zu schlagen. Da hat ein vermeintlicher Poet, der Jane mit Bonmots und angeblich von ihm für sie verfassten (in Wahrheit aber abgeschriebenen) Gedichten unterhält, leichtes Spiel. Das ist allerdings nur eine Nebenhandlung. Die Hauptstory folgt dem aus der Serie allzu gut bekannten Schema. Wieder einmal wird Sharpe von Wellington zu einer unmöglichen Mission gegen die Franzosen entsandt und muss sich obendrein mit einem arroganten Offizier herumärgern. Wie soll Sharpe bei diesem Hin und Her seine Frau beglücken oder wenigstens im Auge behalten? Knifflig…

21.11.2017

Rupture – Überwinde deine Ängste (Blu-ray)

 

In diesem leider nicht besonders spannenden oder sonstwie beeindruckenden Film spielt Noomi Rapace eine Frau mit Spinnenphobie, die von Unbekannten entführt, in einer abgelegenen Forschungseinrichtung gefangen gehalten und bizarren Experimenten ausgesetzt wird. Sie erfährt nicht, was mit ihr geschehen soll oder was von ihr erwartet wird. Die Unbekannten versuchen sie in Todesangst zu versetzen, um eine bestimmte körperliche Reaktion herbeizuführen. Weil das nicht geschieht, werden die Experimente immer grausamer…

20.11.2017

Roger Willemsen: Das Hohe Haus – Ein Jahr im Parlament

S. Fischer Verlag, 2014

398 Seiten, gebunden

 

Im Jahre 2013 hat Roger Willemsen, bekannt als TV-Moderator, Autor und Publizist, alle Sitzungen des Deutschen Bundestages besucht, um etwas über den Zustand unserer Demokratie zu erfahren, und zwar nicht als Journalist, sondern als Bürger. Er hat die Redner und das Plenum von der Zuschauertribüne aus beobachtet, sich durch Sitzungsprotokolle gearbeitet und auf die Reaktionen der Besucher geachtet. Seine Erlebnisse gibt er in Tagebuchform wieder. Dabei geht es ihm natürlich auch um die Themen der Parlamentsdebatten, die teilweise noch immer aktuell, teilweise aber längst überholt sind. Wer interessiert sich heute zum Beispiel noch für Herrn Rösler? Im Zentrum steht allerdings mehr die Art und Weise, in der die Abgeordneten miteinander und mit den Themen umgehen. Willemsen analysiert die Rhetorik und Körpersprache der Redner. Er legt den Finger auf die Inhaltslosigkeit der immer gleichen Worthülsen und die eingefahrenen Rituale. So hebt er die nicht gegen die Sache, sondern gegen die Person des am Rednerpult Stehenden gerichteten Zwischenrufe hervor. Er richtet sein Augenmerk übrigens ab und zu auch auf diejenigen, die für einen reibungslosen Ablauf der Sitzungen sorgen, also Saaldiener und so weiter.

 

Im »Hohen Haus«, so entsteht der Eindruck, herrscht nicht immer die Würde, die ein naiver Bürger wie ich erwartet. Redner wenden sich an Abgeordnete, die nicht zuhören, sondern sich mit ihren Sitznachbarn beschäftigen, Dokumente redigieren, in Handtaschen wühlen – oder gar nicht anwesend sind. Argumente werden reflexhaft abgelehnt, weil sie nicht aus der eigenen Fraktion kommen; aber nur bis zur Wahl 2013, die zum Regierungswechsel und somit zur Kehrtwende bei so manchem Standpunkt führt. Manchmal steigt der Lärmpegel im Plenum so sehr an, dass die Redner nicht mehr verstanden werden können, was vom Bundestagspräsidenten ebenso wenig gerügt wird wie persönliche Beleidigungen. In den Plenarsitzungen wird oft nur um des Redens willen geredet, Floskeln und Schwulst ersticken den Diskurs. Ganz so einseitig bleibt es aber nicht. Willemsen macht deutlich, dass viele Abgeordnete großes Fachwissen beweisen, glaubwürdig agieren und leidenschaftlich bei der Sache sind, so dass es auch kollegiale Zusammenarbeit im Parlamentsalltag gibt. Nur ändern auch sie nichts an der Tatsache, dass anderswo regiert wird.

 

»Das Hohe Haus« ist ein interessantes Buch für jemanden wie mich, der noch nie auf der Zuschauertribüne gesessen hat. Noch interessanter wäre es gewesen, wenn Willemsen mir hätte erklären können, wo und wie denn nun eigentlich die Entscheidungen getroffen werden, für die in den Bundestagsdebatten, wie er schreibt, nur noch die Schaufensterdekoration geliefert wird. Das Buch mag etwas zu lang sein, vieles sich wiederholen (das liegt in der Natur der Sache), aber immer wieder stößt man auf Formulierungen, für die sich das Weiterlesen lohnt. Die Neujahrsansprache der Kanzlerin bezeichnet Willemsen zum Beispiel als (Zitat) »Manifestation ritueller Zwecklosigkeit im interesselosen Raum«. Genial!

 

16.11.2017

The First Avenger: Civil War (Blu-ray)

 

In diesem Film, den ich für den bis dato besten des Marvel Cinematic Universe halte, wird endlich mal die Frage gestellt, mit welchem Recht Superhelden eigentlich in aller Welt zu Felde ziehen, zumal sie beim Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten meist wenig Sorgfalt walten lassen, so dass schonmal eine ganze Stadt in Schutt und Asche gelegt wird. Als es bei einem Einsatz der Avengers gegen Söldner, die eine gefährliche Biowaffe gestohlen haben, wieder einmal zu »Kollateralschäden« kommt (Dutzende Menschen sterben, weil Scarlet Witch eine Explosion nicht unter Kontrolle bringt), ist für die Regierung das Maß voll. Der Einsatz der Avengers soll staatlich kontrolliert werden. Wer sich weigert, das zu akzeptieren, muss sich entweder zur Ruhe setzen oder wird wie ein Verbrecher behandelt. Tony Stark und andere Avengers sind bereit, sich der Reglementierung zu beugen. Andere, allen voran Steve Rogers, lehnen dies strikt ab. Schon bald wenden sich die Freunde gegeneinander – und ahnen nicht, dass sie wie Marionetten agieren, deren Fäden von einem Unbekannten gezogen werden…

14.11.2017

Will Hill: Department 19 – Die Mission

Lübbe, 2012

492 Seiten, gebunden

 

Im Jahre 1891 vernichten Professor Abraham Van Helsing, Arthur Holmwood, Dr. John Seward, Jonathan Harker und Quincey Morris den Vampir Dracula. Dabei findet Morris den Tod. Seine Leiche und die Asche des Vampirs werden am Fuße von Schloss Dracula am Borgopass in Transsylvanien beigesetzt. Die Überlebenden glauben, sie hätten die Welt von einem großen Übel befreit, doch das Gegenteil ist der Fall. Schon 400 Jahre zuvor sind die Brüder Alexandru, Valeri und Valentin Rusmanov sowie deren Frauen zur Belohnung für treue Dienste zu Vampiren gemacht worden. Jahrhundertelang waren sie die einzigen ihrer Art, denn Dracula hat eifersüchtig über die Weitergabe der Unsterblichkeit gewacht. Mit seinem Tod werden die alten Regeln ungültig und die Vampire breiten sich über die ganze Welt aus. Schon ein Jahr nach Draculas Tod stößt Van Helsing auf ein Vampirnest mitten in London. Der Professor und seine Freunde ahnen, dass ein Krieg bevorsteht. Sie sind bereit, den Kampf aufzunehmen, doch auf sich gestellt hätten sie keine Chance gegen eine Armee übermenschlich starker Blutsauger. Van Helsing weiht den britischen Premierminister ein und erhält von ihm die Mittel zur Gründung einer streng geheimen Regierungsabteilung, deren alleinige Aufgabe darin besteht, mit allen Mitteln gegen die Vampirseuche vorzugehen. Dies ist die Geburtsstunde von Department 19, auch bekannt als »Schwarzlicht«.

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es Niederlassungen Schwarzlichts in allen Ländern der Erde, denn die Gebrüder Rusmanov und ihre Brut existieren noch immer. Department 19 wird von den Nachkommen der Gründer geleitet und ist im Verlauf der Jahrzehnte zu einer sehr mächtigen, mit weitreichenden Vollmachten und einer eigenen Streitmacht ausgestatteten Organisation geworden. Die Vampire halten sich zurück, denn sie sind nicht daran interessiert, öffentliches Interesse zu erregen. Viele Vampire wollen ein normales Leben führen und niemandem etwas zuleide tun; sie begnügen sich mit dem Blut von Tieren. Schwarzlicht überwacht die bekannten Vampire und schreitet lediglich bei Übergriffen ein. Eines Tages vernichtet Julian Carpenter, ein hochrangiger Agent von Department 19, Alexandru Rusmanovs Frau Ilyana. Um Alexandrus Rache zu entgehen, gibt Carpenter Geheiminformationen an den Vampir weiter, die es diesem ermöglichen, einen schweren Schlag gegen Schwarzlicht zu führen. In der nächsten Nacht wird Carpenter vor den Augen seiner Frau und seines vierzehnjährigen Sohnes Jamie von ehemaligen Kampfgefährten erschossen.

 

Zwei Jahre später wird Jamie von dem Vampirmädchen Larissa angegriffen. Sie soll ihn in Alexandrus Auftrag töten, verschont ihn jedoch und landet in einer Hochsicherheitszelle von Schwarzlicht. Alexandru entführt Jamies Mutter, um den Jungen zu zwingen, zu ihm zu kommen. Jamie wird von einem riesenhaften missgestalteten Mann gerettet, der ihn in die Geheimnisse von Department 19 einführt. Die hässliche, aber freundliche Kreatur hat den Namen ihres Schöpfers angenommen. Er lautet Victor Frankenstein…

 

»Die Mission« bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von Romanen rund um Department 19. Bisher sind nur drei von fünf Bänden in deutscher Übersetzung erschienen. Die Geschichte beginnt mit Julian Carpenters Tod und geht mit der Attacke der Vampire auf Jamie weiter. Die im obigen Teaser an den Anfang gestellten Hintergründe werden im weiteren Verlauf nach und nach enthüllt, erst ganz am Schluss stellt sich heraus, was es mit Carpenters Verrat wirklich auf sich hat. Hauptfigur ist Jamie und der Leser begreift zunächst ebenso wenig wie er, was überhaupt vorgeht. Der Roman bezieht seinen Reiz hauptsächlich aus der allmählichen Aufdeckung der Ausgangssituation, dass nämlich sowohl Bram Stoker als auch Mary Shelley eigentlich keine Romane geschrieben, sondern wahre Ereignisse wiedergegeben haben – wenn auch etwas ausgeschmückt, denn mit Knoblauch oder Kreuzen kann man Vampire nicht bannen und Frankensteins Monster ist gar kein solches, sondern ein ganz umgänglicher Zeitgenosse. Figuren aus Gruselklassikern als reale Zeitgenossen, das ist keine schlechte Idee.

 

Ansonsten hat der Roman außer recht viel rasanter Monsterhatz wenig zu bieten, oder anders gesagt: Was er zu bieten hat, gefällt mir nicht besonders. Zunächst einmal geht es natürlich völlig in Ordnung, dass Jamie – ein Sechzehnjähriger – durch die Entführung der Mutter und die ungeheuerlichen Enthüllungen, mit denen er konfrontiert wird, total aus der Bahn geworfen wird. Somit ist es verständlich, dass er regelmäßig durchdreht, sich äußerst aufmüpfig verhält und dauernd ausbüxen will. Es nervt aber trotzdem ganz gewaltig. Nicht nachvollziehbar ist dann die innerhalb weniger Tage stattfindende Wandlung eines traumatisierten Teenagers zum Superkämpfer, der es mit den stärksten noch existierenden Vampiren aufnehmen kann. Eine Lovestory darf wohl auch nicht fehlen, daher funkt es zwischen Jamie und Larissa gewaltig. Ein Teenieroman ist dies aber nicht, zumindest werden viele splatterige Details beschrieben, die in einem Film sicherlich für eine FSK-18-Einstufung sorgen würden.

 

Besonderer Clou dieser Ausgabe: Es werden immer wieder Kapitel mit Rückblicken eingeflochten, in denen es um die Abenteuer der Gründer geht. Die Seiten dieser Kapitel sind im Pergament-Look gestaltet. Da die Atmosphäre (Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts) gut getroffen ist und Jamie nicht darin vorkommt, haben mir diese Rückblicke besser gefallen als der restliche Roman.

 

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