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Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe.

 

12.11.2018

Frederik Pohl: Jenseits des blauen Horizonts

Heyne, 2004

342 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Gateway«.

 

Die Menschheit ist immer noch weit davon entfernt, die Supertechnik der Hitschi wirklich zu verstehen, doch die aus den Hinterlassenschaften dieses vor Äonen verschwundenen Volkes gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sind von unschätzbarem Wert. Die Nutzung der Hitschi-Technik ist allerdings mit nicht unerheblichen Gefahren verbunden und seit einigen Jahren kommt es zu einem regelmäßig wiederkehrenden bedrohlichen Phänomen, dessen Ursprung vermutlich irgendwo in einer bislang unentdeckt gebliebenen Einrichtung der Hitschi zu suchen ist. Alle 130 Tage wird die gesamte Menschheit von einer Art Kollektivwahnsinn heimgesucht, der mehrere Stunden lang anhält. Alle Menschen haben verwirrende Visionen und irreale Sinneseindrücke, die manchmal so schlimm sind, dass das öffentliche Leben zusammenbricht.

 

Robinette Broadhead gibt die Hoffnung nicht auf, bei der Untersuchung der in der ganzen Milchstraße verteilten Hitschi-Einrichtungen etwas zu finden, das es ihm ermöglicht, seine erste große Liebe Klara Moynhin zu retten. Robin nimmt an, dass Klara noch lebt und dass für sie praktisch keine Zeit vergangen ist, seit er sie an Bord eines mit relativistischer Geschwindigkeit am Rande eines Schwarzen Loches fliegenden Hitschi-Raumschiffes zurücklassen musste, um sein eigenes Leben zu retten. Dieser letzte Flug hat Robin zum Multimillionär gemacht, aber es waren Jahre intensiver Psychotherapie nötig, damit Broadhead einigermaßen über Klaras Verlust und die damit verbundenen Schuldgefühle hinwegkommen konnte. Er hat Semya Yagrodna Laworowna geheiratet und ein Firmenimperium gegründet, dessen Gewinne ihm ein sorgenfreies Leben bescheren.

 

Als eines Tages durch Zufall eine Hitschi-Nahrungsmittelfabrik in der Oortschen Wolke entdeckt wird, finanziert Broadhead eine Erkundungsmission. Die vier Raumfahrer (Peter Herter, dessen Töchter Janine und Dorema, genannt »Lurvy«, sowie Lurvys Ehemann Paul C. Hall) sollen versuchen, die Fabrik in den Mondorbit zu bugsieren, denn die letzten Nahrungsmittelvorräte der Erde werden wahrscheinlich in längstens zehn Jahren aufgebraucht sein. Kurz nach Ankunft der Herter-Halls bei der Fabrik kommt es auf der Erde zum schlimmsten Wahnsinnsanfall aller Zeiten. Unzählige Unfälle ereignen sich und bei einem davon wird Broadheads Frau lebensgefährlich verletzt...

 

Dieser Roman ist keineswegs der Mittelteil einer Trilogie, wie uns das Cover des Sammelbandes weismachen will. Es ist vielmehr der zweite von fünf Romanen einer Serie, die nur leider nicht vollständig in die deutsche Sprache übersetzt worden ist. Jedenfalls sollte man »Gateway« gelesen haben, um zu verstehen, von welchen inneren Dämonen Broadhead umgetrieben wird und was es mit den Hitschi sowie ihrer Technik auf sich hat.

 

Der Roman hat zwei Handlungsebenen. In der einen geht es um die Erkundung der Hitschi-Fabrik und jenes Ortes, den diese Fabrik mit Nahrung versorgt. Es ist ein Weltraumhabitat, das als Hitschi-Himmel bezeichnet wird. Hier stehen die Herter-Halls sowie eine Art Findelkind namens Wan im Mittelpunkt. In der anderen gibt es ein Wiedersehen mit Broadhead, der Hauptfigur von »Gateway«, der um das Leben seiner Frau und die eigene wirtschaftliche Existenz kämpfen muss. Während die Raumfahrerfamilie – ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der so gar nicht dem Klischee heldenhafter Weltraumpioniere entspricht – den Leser in faszinierende neue Umgebungen mitnimmt, ist in den Broadhead-Kapiteln durch Essies Unfall, auf den ein langer Weg zurück ins Leben folgt, für Spannung gesorgt. Wie schon im ersten Band dienen sympathische, vielschichtig charakterisierte Protagonisten als Identifikationsfiguren. Zugegeben, ich hätte auf pubertierende Jugendliche verzichten können, aber Pohl gewinnt dem Ganzen durchaus ungewöhnliche Aspekte ab. Wan hat fast sein ganzes Leben in der Weltraumfabrik und dem Hitschi-Himmel verbracht, nur betreut von Maschinen und unterrichtet von den Stimmen der Toten – fehlerhaften Kopien menschlicher Bewusstseinsinhalte, die in einen Computer eingespeist worden sind. Wan hat daher keine Ahnung, wie man sich im Umgang mit echten Menschen verhält, schon gar nicht in der Gegenwart einer jungen Frau, die nach jahrelangem Raumflug und damit verbundener sexueller Abstinenz ganz besonders an ihm interessiert ist, es ihm aber auch nicht zu leicht machen will…

 

Pohl baut das Hitschi-Universum weiter aus. Im Hitschi-Himmel ist seit Jahrhunderttausenden eine Maschine am Werk, die ebenfalls das Bewusstsein eines Lebewesens in sich trägt. Die Herter-Halls halten die Handlanger dieser Maschine zunächst für Hitschi, doch es stellt sich heraus, dass es sich um ferne Nachfahren von irdischen Urmenschen handelt, die einst von den Hitschi entführt worden sind. Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass die Hitschi vor ihrem Verschwinden ein Vorhaben unfassbaren Ausmaßes verwirklicht haben. Es wird angenommen, sie hätten sich hinter den Ereignishorizont des zentralen Schwarzen Loches der Milchstraße zurückgezogen, wo die Zeit praktisch stillsteht, um die Ergebnisse ihrer Manipulationen abzuwarten. Was die Menschen nicht wissen: Die Hitschi gehen davon aus, dass sie selbst für einen unbekannten Feind dasselbe darstellen, was die »Experimente« (also zum Beispiel die Menschheit) für die Hitschi sind!

 

08.11.2018

Der letzte Auftrag – Special Edition (DVD)

 

Dies ist der (vorerst?) letzte Film der sechzehnteiligen Reihe »Die Scharfschützen«. Nach dem Ende der Aufstände in Indien im Jahre 1817 wollen Richard Sharpe und sein Freund Patrick Harper nur noch nach Hause. Der Gouverneur bittet Sharpe, einen letzten Auftrag zu übernehmen, dessen Ausführung nicht allzu schwierig sein sollte. Er soll auf seinem Weg nach Norden Marie-Angelique Bonnet eskortieren, eine junge Frau, die ihren Verlobten in der Garnison Kalimgong besuchen möchte. Doch die Reise wird alles andere als ein Spaziergang. Kurz nachdem Sharpe seinen etwas störrischen Schützling in die Obhut einer aus königlichen Soldaten und Sepoys der Ostindien-Kompanie bestehenden Marschkolonne überstellt hat, wird diese von Banditen angegriffen. Der kommandierende Offizier wird tödlich verwundet. Widerwillig übernimmt Sharpe den Befehl und gerät somit in eine Verschwörung hinein, deren Ausmaße ihm zu spät klar werden…

05.11.2018

Terry Pratchett: Wachen! Wachen!

Piper, 2013

424 Seiten

 

Lord Vetinari, regierender Patrizier der Stadt Ankh-Morpork, hat das Verbrechen vor geraumer Zeit legalisiert. Diebe, Meuchelmörder und so weiter sind in Gilden organisiert, deren Oberhäupter regelmäßig Rechenschaft über die Aktivitäten ihrer Zunft ablegen müssen. Jede Gilde darf nur eine festgelegte Anzahl genau definierter und lizenzierter Verbrechen verüben. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, wird von seinesgleichen streng bestraft, denn sollten die Lizenzverstöße ein bestimmtes Maß überschreiten, würde das auf die Gildenchefs zurückfallen. Diese Selbstregulierung ermöglicht es den Bürgern Ankh-Morporks, ihre Verluste (für die sie stets eine Quittung erhalten) im Voraus zu kalkulieren. Sie hat allerdings auch dazu geführt, dass sich niemand mehr für die Stadtwache interessiert. Ordnungshüter werden schlicht nicht mehr gebraucht, und so schrumpft die Mannschaftsstärke der Wache immer weiter, bis nur noch Hauptmann Samuel Mumm, Feldwebel Colon und Korporal Nobbs übrig sind. Sie haben kaum mehr zu tun, als nach Einbruch der Dunkelheit durch die Straßen zu ziehen und die Uhrzeit zu verkünden. Hauptmann Mumm ertränkt die Gedanken an die Sinnlosigkeit seiner Existenz in Alkohol. Seine Männer sind nur einen Schritt vom Halunkentum entfernt.

 

Eines Tages tritt ein junger Rekrut in die Nachtwache ein. Der muskelbepackte Hüne Karotte Eisengießersohn verdankt seinen Namen der Tatsache, dass seine Hüften schmal, die Schultern aber so breit sind wie seine Eltern hoch. Er wurde als Findelkind von Zwergen großgezogen und hat erst kürzlich erfahren, dass er ein Mensch ist. Jetzt soll er bei der Nachtwache zu einem echten Mann heranreifen. Der zwei Meter große Adoptivzwerg ist der naiven Überzeugung, dass es die Aufgabe der Wache ist, dem Gesetz, das er während der Reise von den Spitzhornbergen nach Ankh-Morpork auswendig gelernt hat, Geltung zu verschaffen. Mit dieser Einstellung wirbelt Karotte das zwar deprimierende, aber ruhige Leben der Wachen gehörig durcheinander. Doch damit nicht genug. In Ankh-Morpork treibt ein Drache sein Unwesen! Diverse Bürger und Gebäude Ankh-Morporks wurden bereits in Aschehäufchen verwandelt.

 

Mumm und seine Leute sollen sich der Sache annehmen, stehen der Kreatur jedoch hilflos gegenüber, denn es handelt sich nicht etwa um einen jener nur 30 Zentimeter langen Sumpfdrachen, die von der adligen Züchterin Lady Sybil Käsedick liebevoll und sehr, sehr vorsichtig (aufgrund des besonderen Stoffwechsels der Drachen besteht bei jedem Schluckauf Explosionsgefahr) aufgepäppelt werden. Dieses Exemplar gehört zur für ausgestorben gehaltenen Spezies der Erhabenen Drachen, ist zwanzig Tonnen schwer und spuckt Feuer, das sogar Stahl verdampfen lässt. Niemand ahnt, dass der Drache von einer Geheimbruderschaft beschworen wurde und eine entscheidende Rolle bei der Entmachtung Vetinaris spielen soll. Doch mit Beschwörungen ist es so eine Sache – manchmal wenden sie sich gegen den Beschwörer…

 

Terry Pratchett mag sich ab und zu ein wenig wiederholen, was beim achten Scheibenwelt-Roman auch nicht verwunderlich ist, aber er bringt doch immer wieder das Kunststück fertig, seinem an sich schon faszinierenden Universum zusätzliche Facetten hinzuzufügen und neue Hauptfiguren einzuführen, die auf ihre ganz eigene Weise ebenso schrullig wie liebenswert sind. Diesmal sind das die Mannen von der Stadtwache Ankh-Morporks, die übrigens in vielen weiteren Romanen auftreten. Am besten gefallen mir Hauptmann Mumm, der allmählich seine Trunksucht überwindet, längst vergessen geglaubte kriminalistische Instinkte wiederentdeckt und von den Avancen der wehrhaften Lady Käsedick womöglich noch mehr ins Schwitzen gebracht wird als durch den Kampf gegen den Drachen – und natürlich der Adoptivzwerg Karotte, den man sich als äußerst korrekte, höfliche, naive und vollkommen phantasielose Version von Conan, dem Barbaren, vorstellen kann. Es ist typisch für Pratchett, dass er die Jungs von der Wache trotz aller Skurrilität nicht zu Witzfiguren macht, zumindest nicht allzu sehr. Pratchett widmet den Protagonisten viel Aufmerksamkeit, so dass mir Mumm und seine Mannen ans Herz gewachsen sind.

 

Lady Käsedick ist ein Kaliber für sich. Normalerweise stapft die stattliche Dame aufgrund ihres Hobbys mit schwerer feuerfester Schutzkleidung durch die Gegend. Für Hauptmann Mumm wirft sie sich schon mal in mehrere Hektar Seide und wirkt dann wie eine voll getakelte und parfümierte Vollmastbark. Dass ausgerechnet diese mehr als nur resolute Jungfrau dem Drachen geopfert werden soll, ist eines der vielen i-Tüpfelchen des Romans. Dazu gehören: Lord Vetinari, die Nüchternheit in Person, der die Geschicke Ankh-Morporks mit einer wohldosierten Mischung aus Gewalt und Kalkül lenkt… die ebenso größenwahnsinnigen wie beschränkten »Aufgeklärten Brüder der Völlig Schwarzen Nacht«, die den Drachen beschwören… verschiedene Drachenjäger, die wegen des eklatanten Mangels an Königstöchtern, die ihnen üblicherweise als Lohn zustehen, die Arbeit verweigern… ein kleiner Sumpfdrache namens Errol, der vorübergehend zum Maskottchen der Wache wird… Sie alle und viele weitere Figuren sorgen für köstliche Situationen, humorvolle Dialoge und das unverwechselbare Scheibenwelt-Flair. Witzige Anspielungen auf andere (Fantasy-)Universen und Seitenhiebe auf die reale Welt fehlen nicht, aber die gut ausgearbeitete Story ist mehr als nur der Stichwortgeber für Gags. Sehr schön!

 

01.11.2018

Masters of Horror: Sick Girl (Blu-ray)

 

In der zehnten Episode der Fernsehserie »Masters of Horror« dreht sich alles um eine äußerst ungewöhnliche Dreiecksgeschichte. Die eigenbrötlerische Entomologin Ida Teeter verliebt sich in Misty Falls, ein introvertiertes Hippie-Mädchen, das bei ihr einzieht. Die Liebenden ahnen nicht, dass es einen Dritten im Bunde gibt: »Mick«, ein Rieseninsekt, das Ida von einem Unbekannten mit der Post geschickt worden ist. Ida ist fasziniert von dem Tier, das keiner bekannten Spezies entstammt, und setzt es in ein Terrarium. Unbemerkt injiziert die bizarre Kreatur Misty ein Sekret, welches eine Veränderung im Erbgut der jungen Frau bewirkt. Misty fühlt sich krank, verhält sich seltsam und wird schließlich aggressiv. Zu spät erfährt Ida, welch gefährlichen Untermieter sie sich mit Mick ins Haus geholt hat…

29.10.2018

Gregory Benford: Wider die Unendlichkeit

Knaur, 1985

249 Seiten

 

Der Jupitermond Ganymed wird durch Terraforming bewohnbar gemacht. Die Oberfläche des Mondes, der einen größeren Durchmesser als der Planet Merkur hat und auf dem eine Durchschnittstemperatur von –160 Grad Celsius herrscht, besteht praktisch aus einem einzigen Gletscher. Langsam über die Oberfläche wandernde Maschinen schmelzen die kilometerdicke Eiskruste. Speziell für die Verhältnisse auf dem lebensfeindlichen Himmelskörper zugeschnittene Kunstwesen ernähren sich von giftigen Substanzen und scheiden Sauerstoff oder Dünger aus. Auf diese Weise konnten die Verhältnisse auf Ganymed innerhalb einiger Jahrzehnte so verändert werden, dass die Errichtung menschlicher Kolonien möglich wurde. Das Leben in den Kuppelstädten Hiruko und Sidon ist hart und entbehrungsreich. Die Gewinnung von Rohstoffen und die Herstellung von Nahrungsmitteln sind mit großen Risiken verbunden. Nur im Schutze der Kuppeln kann man sich ohne beheizte Schutzanzüge bewegen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Unfällen, auch aufgrund tektonischer Verschiebungen infolge der Eisschmelze. Obendrein mutieren die Kunstwesen schnell, so dass sich Lebensformen mit unerwarteten, teils gefährlichen Eigenschaften entwickeln. Die Population dieser Muties muss durch regelmäßige Jagden außerhalb der Kuppeln niedrig gehalten werden.

 

Es gibt noch einen Faktor, der die Besiedlung Ganymeds gefährdet: Das Aleph. Dieses riesige, möglicherweise Jahrmillionen alte Artefakt unbekannten Ursprungs gräbt sich auf unvorhersehbaren Bahnen durch den Eispanzer des Mondes, erscheint manchmal auch an der Oberfläche und macht die Bemühungen der Menschen zunichte. Es greift die Siedlungen nicht gezielt an, aber was auch immer dem Aleph im Wege steht, wird zermalmt. Auf viele Siedler übt das Aleph eine eigenartige Faszination aus, so auch auf den dreizehnjährigen Manuel Lopez aus Sidon. Zusammen mit seinem Vater und einigen Siedlern, zu denen der erfahrene alte Veteran Old Matt Bohles gehört, geht Manuel eines Tages auf seine erste Mutie-Jagd. Unterstützt von intelligenzoptimierten, in Maschinenhüllen steckenden Tieren dezimieren die Männer den Bestand mutierter Biotech-Wesen, aber in Wahrheit geht es ihnen um das Aleph. Sie alle wünschen sich nichts sehnlicher, als dieses geheimnisvolle, unaufhaltsame Artefakt mit eigenen Augen zu sehen – und zu versuchen, ob sie mehr Glück als unzählige Jäger vor ihnen haben, die dem Aleph bis jetzt vergeblich mit allen möglichen Waffen zu Leibe gerückt sind und ihren Wagemut oft mit dem Leben bezahlt haben…

 

»Wider die Unendlichkeit« ist einer jener Romane, bei denen der Weltenbau im Vordergrund steht. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Leser nicht aus der Feldherrnhügel-Perspektive von Machthabern oder sonstigen privilegierten Personen heraus erfährt, wie es sich anfühlt, auf Ganymed zu leben. Die Verhältnisse werden »von unten« geschildert, aus dem Blickwinkel einfacher Arbeiter und Jäger. Das funktioniert erstaunlich gut! Ich konnte mich stets in die Situationen hineinversetzen und hatte ein deutliches Bild vom harten Leben der Pioniere in der Eishölle Ganymeds vor Augen. Die Fremdartigkeit des Aleph, dessen Geheimnis gewahrt bleibt, ist ebenfalls gut rübergekommen.

 

Die Geschichte Manuels und seine Entwicklung treten dem gegenüber deutlich in den Hintergrund. Die Story verläuft mit mehreren Zeitsprüngen und lässt sich auf die Binsenweisheit reduzieren, dass der Mensch zu vernichten trachtet, was er nicht versteht. Das Aleph ist für die Protagonisten ein Schicksalstier wie der Weiße Wal für Kapitän Ahab; zu spät erkennen sie, dass ihre Welt ohne das Aleph weit ärmer und möglicherweise nicht einmal weniger gefährlich ist als zuvor. Insgesamt hatte ich irgendwie den Eindruck, dass Benford den Roman nicht wirklich vollendet hat. »Wider die Unendlichkeit« wirkt auf mich eher wie das Exposé für einen Roman, der viel länger und komplexer hätte sein können…

 

25.10.2018

Orphan Black – Staffel 5 (Blu-ray)

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur fünften (und letzten) Staffel der Fernsehserie »Orphan Black«.

23.10.2018

7 Zwerge – Männer allein im Wald (Blu-ray)

 

Ein Film mit Otto Waalkes – in den Siebzigerjahren wäre das für mich wahrscheinlich das Größte gewesen, denn damals war Otto in Sachen Humor mein absoluter Held. Heute ist das anders, und so habe ich jahrelang einen großen Bogen um die beiden »7 Zwerge«-Filme gemacht. Jetzt habe ich mich doch mal herangewagt und siehe da: So schlecht ist zumindest der erste Film gar nicht. Das ist allerdings nicht unbedingt Otto in der Rolle eines unterbelichteten Zwergs zu verdanken, sondern in erster Linie Nina Hagen. Ich finde ihre heillos übertriebene Darstellung der bösen Königin, die das viel schönere Schneewittchen (Cosma Shiva Hagen) loswerden will, einfach köstlich. Auch sonst finde ich die diversen Cameo-Auftritte in diesem Film witziger als die Performance der diversen Comedians, die als Zwerge auftreten.

22.10.2018

Bernd Kreimeier: Seterra 2 – Die Macht der Ursachen

Goldmann, 1986

313 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Seterra 1 – Die Trägheit der Masse«.

 

Die Seterra ist in den Orbit des gleichnamigen Planeten eingeschwenkt. Das schwer angeschlagene Raumschiff wird die Umlaufbahn nie wieder verlassen, zumindest nicht aus eigener Kraft. Kommandant Bran McLelan und der Schiffsarzt Harl Calins sind zwei Monate nach der Zündung des Bremstriebwerks einem Unfall zum Opfer gefallen. McLelans Stellvertreterin Lana Seran musste das Kommando an Wade Vendelt abgeben, ein Mitglied des aus der Hibernation erweckten militärischen Exekutivrates. Den anderen Überlebenden der Kernbesatzung ist es ähnlich ergangen, sie wurden auf unbedeutende Posten abgeschoben. An die 300 Personen wurden inzwischen erweckt, darunter zahlreiche Soldaten, die die Machtposition des Militärrates sichern. Die Situation ist angespannt, denn nicht alle Besatzungsmitglieder sind mit Vendelts Entscheidungen einverstanden. Zudem leiden immer mehr Erweckte unter den Nachwirkungen der langen Hibernationsphase. Schlafstörungen und andere Probleme sind die Folge. Manche Erweckungen schlagen fehl. Die Betroffenen fallen ins Koma. Plötzlich erscheint ein als NACHTMAHR bezeichnetes Computerprogramm in den Verzeichnissen, dessen Verwendungszweck selbst dem Militärrat nicht bekannt ist. Der auf die Entschlüsselung angesetzte Chefprogrammierer Algert Stenvar und die Technikerin Chris Morand finden heraus, dass NACHTMAHR von McLelan und Calins geschrieben worden ist. Ihren Informationen zufolge verlieren die Medikamente, welche zur Blockierung der Erinnerung an die mit der Hibernation verbundenen Alpträume eingesetzt werden, unter psychischem Druck ihre Wirkung. Sollte einer der bis an die Zähne bewaffneten Soldaten von diesem Phänomen betroffen sein, wären die Folgen katastrophal.

 

Währenddessen wird die Besiedlung Seterras vorbereitet. Der Planet, dessen Atmosphäre von großen Staubmassen durchsetzt ist und auf dessen Oberfläche es zwanzig große Hitzezonen gibt, wurde bisher nur von automatischen Sonden erkundet. Jetzt landen zwei Teams an entgegengesetzten Seiten einer Hitzezone, die den Namen »Hades« erhält. Über die Entstehung dieses mit radioaktivem Magma gefüllten Kraters kann nur spekuliert werden. Die Landung des von Alaen Manarque kommandierten Alphateams gerät zum Beinahe-Absturz; die Raumkapsel kann nicht wieder starten. Die Atmosphäre von Seterra ist atembar und es gibt Leben auf der so unwirtlich wirkenden Welt. Die verschiedenen teils gefährlichen Kreaturen bereiten den Forschern Kopfzerbrechen, denn einige ähneln der irdischen Fauna. Manche Menschen glauben ohnehin, dass die Reise der Seterra nicht zu einem fremden Planeten geführt hat, sondern zurück zur verstrahlten und verseuchten Erde. Gleichwohl wird mit dem Aufbau einer Siedlung begonnen. Absetzcontainer bringen Menschen und Material auf die Planetenoberfläche. Doch nach einiger Zeit greifen die psychischen Störungen immer weiter um sich. Eine Militärpatrouille verschwindet. Später wird festgestellt, dass sich die Soldaten gegenseitig umgebracht haben.

 

Das Landeunternehmen muss abgebrochen werden. Man spricht von einer Epidemie, die angeblich auf Seterra ausgebrochen ist. Die Betroffenen werden in Quarantäne genommen. Der Militärrat greift zu drakonischen Maßnahmen, weil Aufruhr und Sabotage befürchtet werden. Trotz allem gehen die Erweckungen weiter. Die Zahl der Alptraumkranken steigt und die einzige bekannte Behandlungsmöglichkeit – ein operativer Eingriff am Gehirn – würde möglicherweise dazu führen, dass die Therapierten ihre Menschlichkeit verlieren…

 

Zum Mittelteil der »Seterra«-Trilogie fällt mir kaum was Neues ein, daher verweise ich auf meinen Kommentar zum ersten Band. Das alles gilt auch für diesen Roman. Möglicherweise ist die technisch-kalte Schilderung des Lebens im Raumschiff beabsichtigt, aber ich finde es doch seltsam, dass die Protagonisten nie in privaten Momenten gezeigt werden. Sie scheinen permanent zu arbeiten, zumindest erfahren wir nichts über ihre Freizeittätigkeiten und das sonstige Bordleben. Zwischenmenschliche Beziehungen existieren offenbar überhaupt nicht. Zudem treten einfach zu viele Figuren auf. Es ist schon bezeichnend, dass ich manchmal gar nicht wusste, wer die Person ist, aus deren Perspektive ein Kapitel erzählt wird.

 

Seltsam finde ich auch, dass keinerlei Aufbruchsstimmung spürbar ist bzw. dass sich das Führungspersonal nicht bemüht, so etwas herzustellen, ein gemeinsames Ziel zu beschwören und so weiter. Schließlich hat das Raumschiff ja sein Ziel erreicht und jetzt müsste man darangehen, sich auf dem fremden Planeten ein neues Leben aufzubauen. Stattdessen versuchen die Räte, die Menschen unmerklich zu manipulieren, wobei sie ganz schön verschwenderisch mit den allerletzten Überresten der Menschheit umgehen. So werden die in Quarantäne befindlichen Zivilisten geopfert, damit sich die Soldaten zum Abbau des psychischen Drucks austoben können. Ein unliebsamer Offizier wird nur deshalb in eine wichtige Position manövriert, damit er als Kristallisationspunkt für den Hass der Besatzungsmitglieder herhalten kann, der sich sonst gegen den Rat richten könnte. Ich würde sagen, dass der Autor beim Versuch, die Hoffnungslosigkeit der Situation zu schildern, deutlich übers Ziel hinausgeschossen ist.

 

Auch dieser Band enthält wieder einige Illustrationen von Gerd Striepecke und technische Zeichnungen von Christoph Anczykowski.

 

21.10.2018

Neulich im Rosenbogen

 

Welch herrliches Wetter! Strahlend blauer Himmel und Temperaturen um die 25 Grad noch in der zweiten Oktoberhälfte! Wenn die heutigen Kids erwachsen sein und den altbekannten Satz »Früher, da hat’s noch richtigen Sommer gegeben« bringen werden, dann wird es wohl der Sommer des Jahres 2018 sein, an den sie sich erinnern. Wenn es so schön warm und sonnig ist, mache ich’s mir gern im Garten meines Lieblingscafés in Bad Salzuflen gemütlich. Dort gab es neulich eine ganz besondere Erfrischung:

Barbarisch gut!

Steht im Rosenbogen neuerdings Conan hinter der Theke? Oder handelt es sich um eine Anspielung auf die Vorfahren der heutigen Ostwestfalen, die bekanntlich sogar die Römer das Fürchten gelehrt haben? Ach, halt, ich Dummkopf! Es ist natürlich ein Schreibfehler. Richtig wäre »Rhabarbärschorle«! Das ist doch dieses Getränk, das aus frisch gepressten Bären hergestellt wird. Die Ernte soll ja in diesem Sonnenjahr besonders gut gewesen sein.

 

18.10.2018

Jack Reacher: Kein Weg zurück (Blu-ray)

 

Jack Reachers zweites Abenteuer gefällt mir bei weitem nicht so gut wie das erste. Die 08/15-Thrillerhandlung ist vorhersehbar und nur selten spannend, außerdem darf Jack Reacher diesmal gar nicht richtig zeigen, was er auf den Kasten hat. Die Story, in der es um illegale Machenschaften eines privaten Militärdienstleisters und korrupter Militärs geht, die von einer Freundin Reachers aufgedeckt zu werden drohen, woraufhin besagte Freundin beseitigt werden soll, wird durch Familienprobleme der Hauptfigur aufgepeppt. Jack Reacher und Familie? Geht gar nicht, wie auch Reacher selbst findet. Eine Frau, von der er vorher noch nie gehört hat, reicht Vaterschaftsklage ein. Reacher soll Alimente für seine fünfzehnjährige Tochter Samantha zahlen. Dummerweise kriegen die Bösen das mit und gehen auf Samantha los, weil sie an Reacher nicht herankommen…

16.10.2018

Masters of Horror 1.07: Deer Woman (Blu-ray)

 

Die siebte Episode der Filmreihe »Masters of Horror« trägt unverkennbar die Handschrift des Regisseurs John Landis, dem wir das ebenso furchterregende wie witzige Horror-Meisterwerk »American Werewolf« zu verdanken haben. Auch bei »Deer Woman« wird auf Humor gesetzt, was bei der zugrundeliegenden Idee von einem übermenschlich starken Naturgeist in Gestalt einer schönen Frau mit Hirschbeinen, der Männer verführt und anschließend zu Brei trampelt, vielleicht auch angezeigt ist. Ein ernsthafterer Ansatz hätte zu unfreiwilliger Komik führen können. Leider funktioniert das Ganze längst nicht so gut wie in »American Werewolf« Der Film ist sowieso weniger dem Horrorgenre zuzuordnen, eher dem des »Buddy-Cop-Films«, denn zwei charakterlich ganz verschiedene Cops müssen zusammenarbeiten, um herauszufinden, ob es sich im Fall dreier auf bizarre Weise ums Leben gekommener Männer um Morde oder um Tierunfälle handelt…

15.10.2018

China Miévielle: Das Gleismeer

Heyne, 2015

399 Seiten

 

Shamus Yes ap Soorap aus Streggeye hat als Famulus des Bordarztes auf der Medes angeheuert, einem Maulwurfsfänger, der im Gleismeer Jagd auf den Großen Südlichen Moldywarp macht. Damit ist er dem Rat seiner Pflegeväter nachgekommen, die Shams Träume als Hirngespinste abgetan haben. Tatsächlich interessiert sich der junge Mann nicht sonderlich für die Jagd auf die riesigen Bestien, welche die freien Bereiche zwischen den ineinander verwobenen Schienensträngen des Gleismeeres unsicher machen und jeden in ihr unterirdisches Reich zerren, der es wagt, die blanke Ebenerde zu betreten. Viel lieber würde Sham als Artefakter arbeiten und jene Überbleibsel einer versunkenen Zivilisation erforschen, die – zum Teil immer noch funktionsfähig – überall neben und unter den Gleisen zu finden sind. Deshalb geht er ein großes Risiko ein, als die Medes eines Tages auf das Wrack eines anderen Zuges stößt. Bei der Erkundung eines halb im Erdreich versunkenen Waggons findet Sham Überreste eines menschlichen Skeletts. Kurz vor seinem Tod hat der oder die Unbekannte offensichtlich versucht, etwas in einem Loch im Erdboden zu verstecken. Sham holt eine Speicherkarte aus dem Loch und wird prompt von Säbelzahnmullen attackiert, die unter dem Waggon lauern. Sham rettet sich mit knapper Not, muss seinen hart erworbenen Fund allerdings sogleich an Kapitänin Abacat Naphi abgeben.

 

Sham darf zusehen, während Naphi den Inhalt der Speicherkarte beim nächsten Landgang lesbar macht. Die Kapitänin hofft, Hinweise auf »Mocker-Jack« zu finden, den gigantischsten aller Moldywarps. Vor Jahren hat Naphi einen Arm an dieses Ungeheuer verloren. Seitdem setzt sie alles daran, Mocker-Jack zur Strecke zu bringen. Angezeigt werden Fotos, die von den toten Bahnern aufgenommen worden sind. Auf häusliche Szenen, die unter anderem Sohn und Tochter der Toten zeigen, folgen Aufnahmen von verschiedenen Abschnitten des Gleismeeres. Von Mocker-Jack ist nichts zu sehen, dennoch sind Naphi und Sham fasziniert, denn der wracke Zug muss auf seinen ausgedehnten Reisen in die entlegensten Regionen des Gleismeeres einem »Engel« begegnet sein, einem der legendären automatisierten Züge, zu deren Aufgaben die Instandhaltung der Schienenstrecken gehört. Angesichts des letzten Bildes verschlägt es Sham und Naphi den Atem. Die Aufnahme zeigt eine unmögliche Ungeheuerlichkeit: Ein einzelnes, sich schnurgerade in die Unendlichkeit erstreckendes Gleis, das aus dem Gleismeer hinausführt!

 

Naphi löscht alle Aufnahmen, doch es gelingt Sham, das letzte Bild heimlich mit seiner eigenen Kamera abzulichten. Mit List und Tücke bringt er die Kapitänin dazu, die große Bahnhofsstadt Manihiki anzusteuern, denn dort müssen die Hinterbliebenen der toten Bahner leben. Sham, selbst Waise, ist fest entschlossen, ihnen die Nachricht vom Ende ihrer Eltern zu überbringen. So macht er die Bekanntschaft von Caldera und Caldero Shroake, die ziemlich genau wissen, wonach ihre Eltern gesucht haben und aus diesem Grund unter ständiger Beobachtung stehen. Als sie sich auf den Weg machen, um den Spuren ihrer Eltern zu folgen, heften sich verschiedene Glücksritter auf ihre Fersen. Da Sham mehr oder weniger eingeweiht ist, wird er von Piraten entführt…

 

Die Story dieses Romans dürfte dem kundigen Leser sehr bekannt vorkommen. Es handelt sich um einen Mix aus »Moby Dick« von Herman Melville und »Die Schatzinsel« von R.L. Stevenson mit einer Prise Strugatzki. Schon gleich in den ersten Kapiteln, in denen kein Wal gefangen wird, sondern ein mindestens ebenso großer Maulwurf (bis hin zur in allen blutigen Details beschriebenen Verwertung des Kadavers), woraufhin der jugendlichen Hauptfigur keine Schatzkarte in die Hände fällt, sondern eine Speicherkarte, deren Inhalt den gleichen Zweck erfüllt, werden diese Bezüge unmissverständlich hergestellt. Und zwar stets mit deutlichem Augenzwinkern. So ist Abacat Naphi keineswegs die einzige Kapitänin, für die die Jagd auf ein besonderes Exemplar der mörderischen Gleismeerfauna zur an Wahnsinn grenzenden Besessenheit geworden ist, oder genauer gesagt zu einer »Philosophie«. Jeder Kapitän-Ahab-Verschnitt assoziiert eine bestimmte Eigenschaft mit seinem jeweiligen Schicksalstier, die es zu deuten gilt und die er selbst besitzt. Im Falle von Naphi und Mocker-Jack sind dies Täuschung und Irreführung. So kommt es nicht überraschend (Achtung, Mini-Spoiler), dass Naphi in Wahrheit gar kein Körperteil an ihre »Philosophie« verloren hat, wie es sich für einen ordentlichen Kapitän gehört. Sie hat diese Geschichte nur erfunden und trägt den mechanisierten Kunstarm wie einen Handschuh über dem gesunden Arm.

 

Die Story von »Das Gleismeer« ist trotz derartiger Kniffe zu vorhersehbar, um spannend zu sein. Faszinierend wird der Roman nur durch den Weltenbau, den ich als Bahn-Vielfahrer übrigens als vollkommen unrealistisch bezeichnen muss, denn nach meinen Erfahrungen nimmt die Zuverlässigkeit eines solchen Verkehrsmittels mit zunehmender Ausdehnung und Komplexität dramatisch ab. Scherz beiseite! In der Steampunkwelt dieses Romans muss man die Ozeane gedanklich ebenso durch endlose ineinander verwobene, in mehreren Schichten und verschiedenen Spurweiten verlaufende Schienenstränge ersetzen, wie man sich anstelle von Segel- und Dampfschiffen verschiedene Züge vorstellen muss: Maulwurfsjäger, Güterzüge, schwer bewaffnete Militäreinheiten und so weiter, auch Piraten, die ganz ähnlich auf Kaperfahrt gehen wie Captain Jack Sparrow. Ganz so wie unter der Wasseroberfläche unserer Ozeane leben diverse bizarre Kreaturen unter der Erdoberfläche. Die vergifteten oberen Atmosphäreschichten werden von fliegenden Bestien aus anderen Welten unsicher gemacht. Legenden zufolge wurden sie dort in ferner Vergangenheit von Fremden ausgeladen, die obendrein diversen Müll auf den Planeten gekippt haben, welcher in der Handlungsgegenwart zum Ziel von Schatzsuchern geworden ist – das meinte ich oben mit »eine Prise Strugatzki«, siehe »Picknick am Wegesrand«. Dieser Weltenbau ermöglicht einen köstlichen finalen Clou (Achtung, weitere Spoiler). Das Gleismeer ist das Ergebnis komplett aus dem Ruder gelaufener Spekulationsgeschäfte und jenseits des Gleismeers leben die degenerierten Nachkommen der Betreibergesellschaft. Sie warten darauf, den Benutzern der Verkehrswege eine Rechnung in astronomischer Höhe vorlegen zu können…

 

Ideen dieser Art sind es, die den Roman lesenswert machen, auch wenn er ab und zu hart an der Grenze zur Selbstparodie entlangschrammt oder diese sogar überschreitet. Die Lektüre wird nicht unerheblich dadurch erschwert, dass im gesamten Text kein einziges Mal das Wort »und« vorkommt. Stattdessen wird ausschließlich das Zeichen »&« verwendet. Damit soll die Komplexität der endlosen Windungen des Gleismeers symbolisiert werden.

 

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