Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

17.02.2018

Retrogaming

 

Ich bezeichne mich gern als Gamer der ersten Stunde, weil ich mit der Daddelei angefangen habe, als »Pong« von Atari Mitte der Siebzigerjahre in Deutschland herausgekommen ist. Allerdings habe ich bis Anfang der Neunziger kein eigenes Videospielsystem besessen, wenn man mal von »Microvision« absieht, einem der ersten Handhelds überhaupt, das vermutlich 1980 unter dem Weihnachtsbaum gelegen hat. Meine Eltern waren der Ansicht, dass ich sowieso zu wenig an die frische Luft komme (ich habe lieber gelesen statt mich von den anderen Kindern herumschubsen zu lassen), da wollten sie der Stubenhockerei wohl nicht noch Vorschub leisten. Außerdem waren die Geräte schlicht zu teuer für uns. An die Anschaffung eines Heimcomputers war erst recht nicht zu denken. »Pong« konnte ich damals nur bei meinem besten Freund und Blutsbruder spielen, ansonsten habe ich einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Taschengelds in Arcade-Automaten versenkt, die meist in völlig verqualmten Kneipen standen – der Jugendschutz war zu meiner Zeit noch nicht so streng wie heute…

 

Anfang 1993 habe ich mir dann endlich das Super Nintendo Entertainment System zugelegt. Es war eine Offenbarung. Jahrelang habe ich »Super Mario World«, »The Legend of Zelda – A Link to the Past« und andere Zeitfresser exzessiv gezockt, bis das Gaming mit der ersten Playstation von Sony allmählich in eine neue Phase eingetreten ist. Heute haben Videospiele eine Grafikqualität, wie man sie früher höchstens von Kinofilmen kannte, außerdem ist der Traum von der Virtuellen Realität wahr geworden; mit VR-Brillen lässt sich ein nie dagewesenes Gefühl der Immersion erreichen. Dennoch sind mir die Klassiker der 16-Bit-Ära in all den Jahren unvergesslich geblieben. Ich besitzt das SNES noch heute, habe jedoch alle Spielmodule schon vor vielen Jahren verschenkt oder verkauft. Wie dumm von mir! Aber jetzt muss ich mich nicht mehr darüber ärgern, denn seit Herbst 2017 gibt es das SNES Classic Mini von Nintendo, eine Spielkonsole mit dem Look des alten grauen Kastens, aber viel kleiner und ohne Steckmodule.

 

Stattdessen sind 21 Spiele vorinstalliert. Neben den beiden oben genannten sind das unter anderem Knaller wie »Final Fantasy III« (eigentlich VI), »Street Fighter II«, »Super Metroid« und »Secret of Mana«. Für mich der absolute Nostalgieflash! Über den letztgenannten Titel freue ich mich ganz besonders, denn ich wollte »Secret of Mana« damals unbedingt spielen, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. Das werde ich jetzt nachholen! Tatsächlich habe ich schon damit angefangen und meine Befürchtung, die Realität werde meinen verklärten Erinnerungen an längst vergangene Zeiten einen herben Dämpfer versetzen, hat sich zum Glück überhaupt nicht bewahrheitet. Im Gegenteil! »Mario« und »Zelda« haben mich derart in ihren Bann gezogen, dass ich mich zum Aufhören zwingen musste. Die Grafikqualität ist richtig gut, selbst auf einem großen Full-HD-Gerät. Wunderbar!

 

Besonders cool: Beendet man ein Spiel, indem man den Reset-Knopf drückt, so kehrt man ins Auswahlmenü zurück und kann dort bis zu vier Speicherstände anlegen – also Savegames, die über das hinausgehen, was ingame möglich ist! Außerdem kann man von diesen Speicherständen aus bis zu 60 Sekunden »zurückspulen«, wenn man irgendwo im Spiel nicht weiterkommt oder einen Fehler gemacht hat. Das hätte es mal früher schon geben sollen! Damit hätte ich so manchen Frustmoment vermeiden können. Spielanleitungen sind nicht vorhanden. Im Auswahlmenü findet sich ein QR-Code, den man scannen kann, um zu einer Webseite von Nintendo zu gelangen. Dort stehen alle Anleitungen zum Download bereit. Es handelt sich um Reproduktionen der Original-Anleitungen im PDF-Format. Die Anleitung zu »Secret of Mana« ist knapp 20 MB groß.

 

Steckmodule werden wie gesagt nicht verwendet, der vermeintliche Schacht an der Oberseite dient nur der Verzierung. Dasselbe gilt natürlich für den Eject-Knopf. Auch die beiden Anschlüsse für Controller an der Vorderseite sind nicht funktionsfähig, es handelt sich um eine aufklappbare Blende. Dahinter verbergen sich die Anschlüsse für die beiden mitgelieferten Controller, die allerdings nicht nur aussehen wie die Originale, sondern auch genauso groß sind und dieselben Funktionen haben. Mir scheint, dass sie etwas leichter sind als Original-SNES-Pads.

 

Leider sind die Controllerkabel mit 1,5 Metern etwas zu kurz. Verlängerungskabel sind für wenig Geld erhältlich. Die Konsole wird via HDMI ans Fernsehgerät angeschlossen. Es ist ein USB-Kabel enthalten, ein Netzteil leider nicht. Macht nichts, ich nutze einfach einen USB-Port meines Fernsehers, damit funktioniert die Stromversorgung einwandfrei.

 

Einziger Wermutstropfen: Die Spieleauswahl könnte viel größer sein! Ich hätte mir zum Beispiel »Wing Commander«, »Jimmy Connors Pro Tennis Tour«, »Spindizzy Worlds« und »Another World« gewünscht. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die Tatsache, dass in den Spielen nur englische Texte vorhanden sind, ist für mich dagegen eher ein Pluspunkt, lassen die deutschen Übersetzungen doch manchmal sehr zu wünschen übrig!

 

14.02.2018

Die Insel der besonderen Kinder (Blu-ray)

 

Aufgrund einer genetischen Besonderheit entwickeln manche Menschen erstaunliche Fähigkeiten. Zu den mächtigsten gehören die Ymbrynes, weibliche »Besondere«, die die Zeit manipulieren können. Da besondere Kinder verfolgt werden, haben es sich die Ymbrynes zur Aufgabe gemacht, sie zu beschützen. Sie erzeugen Zeitschleifen, in denen sich derselbe Tag immer wiederholt. Dort sind die Kinder in Sicherheit und bleiben ewig jung. Gefahr droht nicht nur von den normalen Menschen. Ein Besonderer namens Barron hat ein Experiment mit einer Ymbryne durchgeführt, um deren Kräfte auf sich und seine Gefolgsleute zu übertragen. So wollten sie Unsterblichkeit erlangen. Das Experiment ist fehlgeschlagen. Barron und seine Leute wurden in Monster verwandelt, die ihre menschliche Gestalt nur wiedererlangen können, wenn sie die Augäpfel von Besonderen verzehren. Auch Jacob Portman ist »Besonders«, ahnt hiervon aber nichts. Er wird zur Schlüsselfigur im Kampf der besonderen Kinder gegen Barrons mörderische Spießgesellen…

12.02.2018

Boris Akunin: Die Schönheit der toten Mädchen

Aufbau Taschenbuch Verlag, 2003

222 Seiten

 

Zu Ostern 1889 beabsichtigt Zar Alexander III. der Moskauer Residenz einen Besuch abzustatten. Lange hat Fürst Wladimir Andrejewitsch Dolgorukoi, Generalgouverneur Moskaus, auf dieses Ereignis hingearbeitet, von dem er sich eine Stärkung seiner Position gegenüber der neidisch auf seinen Posten schielenden Konkurrenz aus St. Petersburg erhofft. Er träumt gar von der Verleihung des Andreas-Ordens anlässlich seines sechzigsten Offiziersjubiläums. Ausgerechnet am Kardienstag, den 4. April, wird in Moskau die bestialisch zugerichtete Leiche einer Prostituierten gefunden. Der Täter hat sein Opfer ausgeweidet und die Organe in einem bizarren Stillleben um die Leiche herum arrangiert. Kollegienrat Erast Fandorin, Sonderbeauftragter des Gouverneurs, glaubt die Handschrift eines Serienmörders zu erkennen, dem im Vorjahr mehrere Prostituierte in London zum Opfer gefallen sind. Fandorin war seinerzeit in England und konnte sich selbst ein Bild von den Vorfällen machen. Er gibt Fürst Dolgorukoi den Rat, den Besuch des Zaren abzusagen, denn sollte wirklich Jack the Ripper in Moskau sein Unwesen treiben, ist mit weiteren Untaten zu rechnen.

 

Tatsächlich haben sich bereits mehrere Morde ereignet, die auf das Konto desselben Täters gehen und es dauert nicht lang, bis der Ripper wieder zuschlägt. Dieser Skandal muss unbedingt vertuscht werden. Einem Rat Leonti Ishizyns folgend, dem Untersuchungsführer beim Bezirksstaatsanwalt, schiebt der Gouverneur die Absage des Zarenbesuchs aufs Frühjahrshochwasser. Doch schon bald machen Gerüchte in der Bevölkerung die Runde und die Ermittler tappen im Dunkeln. Während sich Fandorin als Zuhälter verkleidet, um unerkannt im Milieu der Opfer zu ermitteln, versucht sein Assistent Anissi Tulpow drei Verdächtige auszuhorchen. Ishizyn fährt schwerere Geschütze auf. Er lässt die Verdächtigen verhaften und konfrontiert sie mit den verstümmelten Leichen. Wenig später wird Ishizyn tot aufgefunden – inmitten eines aus seinen inneren Organen bestehenden Tableaus. Jetzt ist es vorbei mit der Geheimhaltung. Der Innenminister erscheint persönlich in Moskau, um Köpfe rollen zu lassen. Auch Fürst Dolgorukois Posten steht zur Disposition, sollte es Fandorin bis Ostersonntag nicht gelingen, den Ripper zu fassen.

 

»Die Schönheit der toten Mädchen« ist im Original zusammen mit »Russisches Poker« in einem Band erschienen. Die Erzählweise ist in beiden Romanen gleich (die Perspektive wechselt ständig zwischen Fandorin, Tulpow und den jeweiligen Widersachern), sie könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. In beiden Fällen hat Fandorin ein persönliches Interesse daran, den Verbrecher dingfest zu machen, aber während er in »Russisches Poker« mit einem im Grunde sympathischen Hochstapler aneinandergerät, der lediglich den Schmuck der Geliebten Fandorins geklaut hat, jagt er diesmal eine Bestie in Menschengestalt, der nicht nur mehrere Prostituierte zum Opfer fallen, sondern auch zwei Personen aus Fandorins unmittelbarem Umfeld.

 

Hat man es bei »Russisches Poker« mit einem humorvollen Schelmenroman zu tun, so ist »Die Schönheit der toten Mädchen« ein sehr düsterer Thriller mit tragischem Ende, in dem nicht mit äußerst blutrünstigen Details gegeizt wird. Das Spannungslevel steigt kontinuierlich an, da der Autor geschickt falsche Fährten auslegt und eine wichtige Figur nach der anderen in Gefahr bringt. Der Autor fügt dem Mythos von Jack the Ripper eine originelle neue Facette hinzu. Wer hätte gedacht, dass der Ripper kein Brite ist? Ich kann unmöglich mehr dazu schreiben, ohne zu spoilern. Nur so viel sei verraten: Fandorin deckt die Identität des legendären Killers auf und beendet das Treiben des Rippers ein für alle Mal! Er zahlt allerdings einen hohen Preis für diesen Erfolg…

 

08.02.2018

Arrival (Blu-ray)

 

In diesem wunderbaren SF-Film, der auf der Story »Geschichte deines Lebens« von Ted Chiang basiert (enthalten in der Kurzgeschichtensammlung »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes«) spielt die großartige Amy Adams eine Linguistin namens Louise Banks, die vom US-Militär hinzugezogen wird, als zwölf gigantische Raumschiffe auf der Erde landen. Die Außerirdischen - große nicht-humanoide Wesen, die als Heptapoden bezeichnet werden – verhalten sich friedlich, aber keine Seite versteht die Sprache der anderen. Weltweit kommt es zu Unruhen und auch die Regierungen sind besorgt, denn niemand weiß, welche Absichten die Heptapoden verfolgen. Kommen sie als Eroberer? Wollen sie die Menschheit versklaven? Oder bringen sie Geschenke? Während Louise die Schriftsprache der Heptapoden entschlüsselt, verändert sich allmählich ihr eigenes Bewusstsein. Die Grenzen zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft beginnen zu verschwimmen…

05.02.2018

Andreas Eschbach: Der Jesus-Deal

Bastei Lübbe, 2016

724 Seiten

 

Im Jahre 1959 begegnet Samuel Barron einer Frau aus Schweden, die durch ein unbekanntes Ereignis aus dem Jahr 1994 in Barrons Zeit versetzt wurde. Sie ist schwer krank und stirbt wenig später, weil es das für sie lebenswichtige Medikament noch nicht gibt. Niemand außer Barron weiß, woher die Frau kommt. Er wird zum reichsten Mann der USA, denn die Unbekannte hatte eine Zeitschrift mit Börseninformationen bei sich, die in Barrons Besitz verbleibt. Einem Artikel der Zeitschrift kann Barron entnehmen, welche Aktien er wann kaufen und verkaufen muss, um riesige Gewinne zu erzielen. Ende der Neunzigerjahre erfährt auch die Weltöffentlichkeit, dass Zeitreisen möglich sind, als bei Ausgrabungen in Israel neben einem 2000 Jahre alten Skelett die Bedienungsanleitung einer Videokamera gefunden wird, welche derzeit nur auf dem Reißbrett existiert. Der Medientycoon John Kaun, Finanzier der Ausgrabungen, initiiert eine Suche nach der Kamera. Er geht zu Recht davon aus, dass der Tote ein Zeitreisender war, der ein Video von Jesus Christus angefertigt hat. Die Filmaufnahmen werden tatsächlich gefunden. Die katholische Kirche versucht dies zu vertuschen, doch Kopien des Jesus-Videos gehen in den folgenden Jahren von Hand zu Hand. Wer das Video sieht, wird entweder überhaupt nicht davon berührt oder ändert sein Leben grundlegend. Zu letzteren gehört John Kaun.

 

Für Barron, einen strenggläubigen Christen, sind diese Ereignisse ein göttliches Zeichen. Inzwischen ist er nicht nur der reichste, sondern auch der mächtigste Mann des Landes. Barron gehört zur Führungsspitze der weltweiten evangelikalen Bewegung. Sein Einfluss reicht bis in die höchsten politischen Ämter. Er besitzt somit alle erforderlichen Mittel, um ein Projekt aufzusetzen, durch das die biblische Prophezeiung der Wiederkunft Christi verwirklicht werden soll. Barron verpflichtet einen russischen Wissenschaftler, dem es gelingt, eine funktionierende Zeitmaschine zu konstruieren. Eine kleine Gruppe handverlesener Getreuer, zu denen auch Barrons Sohn Michael gehört, soll in die Zeit kurz vor der Kreuzigung geschickt werden. Die Zeitreisenden sollen Jesus mit der Zeitmaschine in die Gegenwart bringen – eine Gegenwart, die von Samuel Barron persönlich vorbereitet wird. Der Bibel zufolge wird Jesus das Böse vernichten und die ganze Welt erlösen, doch vor seiner Wiederkunft müssen sich die Prophezeiungen der Offenbarung erfüllen. Bevor Gottes Reich vollendet werden kann, muss es zum Armageddon kommen. Mit anderen Worten: Barron beabsichtigt den Dritten Weltkrieg auszulösen.

 

Nach den Erlebnissen in Israel hat John Kaun fast seinen gesamten Konzern veräußert und nur das einzig wirklich profitable Objekt (eine Kartoffelchipsfabrik) behalten. Er hat eine Frau gefunden, die er liebt; sie hat ihm geholfen, ein anderer Mensch zu werden. Kaun und seine Frau Bethany führen ein glückliches, einfaches Leben, das abrupt endet, als ihre fünfjährige Tochter Kathleen an Leukämie erkrankt. Nur durch eine Knochenmarksspende könnte das Kind noch gerettet werden, aber es existiert kein geeigneter Spender. Durch Zufall wird Kaun auf das streng geheime Zeitreiseprojekt aufmerksam. Ihm wird klar, dass es nur eine Hoffnung für Kathy gibt. Seine Tochter muss die Zeitreise mitmachen, damit sie von Jesus geheilt werden kann…

 

Neulich habe ich Andreas Eschbachs gut 17 Jahre alten Roman »Das Jesus-Video« noch einmal gelesen. In meinem Kurzkommentar habe ich geschrieben, dass Eschbach die damalige Klasse nicht wieder erreicht hat. Leider gilt das auch für die Fortsetzung. Die Story von »Das Jesus-Video« braucht im Grunde keine Fortsetzung – erst recht nicht diese! Nach einer relativ kurzen Auftaktphase, in der zugrundeliegende Idee und Ausgangssituation skizziert werden, herrscht in »Das Jesus-Video« packende Spannung. Kaum ein Kapitel endet ohne unerwartete Wendungen, neue Erkenntnisse, scheinbar aussichtslose Situationen oder einen sonstigen Kniff. Alles führt sinnvoll zu einem fulminanten Finale hin, dem sogar noch zwei überraschende Epiloge folgen. Dagegen besteht »Der Jesus-Deal« fast nur aus Vorbereitung und Exposition! Zumindest musste ich mich durch viele, viele Kapitel quälen, deren Sinnhaftigkeit sich mir schon während der Lektüre nicht so recht erschlossen hat und die sich im Nachhinein betrachtet als überflüssig herausgestellt haben. So beginnt der Roman keineswegs so, wie es obiger Spoiler vermuten lässt. Nein, bis es soweit ist, geht es erst einmal um Michael Barron und seinen Bruder Isaak. Letzterer schaut sich das Jesus-Video an, woraufhin er sich mit seinem Vater überwirft, sich zu seiner Homosexualität bekennt, an AIDS erkrankt und stirbt. Klar, Michael muss einen bestimmten Background erhalten, denn er wird zum Dreh- und Angelpunkt des ganzen zusammengezwungenen Handlungskonstrukts, aber diesen Umfang hätte das Ganze wirklich nicht haben müssen.

 

Ähnlich ist es mit der Kaun-Handlungsebene. So anrührend sie auch ist und so glaubwürdig Kauns innere Wandlung rüberkommt – alles ist schlicht unnötig, denn es ist nicht Kaun, der sich Samuel Barron entgegenstellt, sondern Stephen Foxx, die Hauptfigur von »Das Jesus-Video«. Letzten Endes hat der gesamte Kaun-Subplot nur den Zweck, Foxx zurück in die Handlung zu bringen. Kaum ist das geschehen, nimmt der Roman deutlich Fahrt auf. Dann wird es sogar durchaus nochmal spannend. Das hätte Eschbach aber auch anders erreichen können. Schwupps! Schon hätte er Kaun ersatzlos streichen müssen und das Buch wäre mindestens 200 Seiten kürzer ausgefallen. Zugegeben, im Kontext des Romans sind die verschiedenen Handlungsfäden nicht vollkommen sinnlos und sie werden auf zufriedenstellende Weise miteinander verknüpft, aber am Ende musste ich mich doch fragen, welche Geschichte Eschbach eigentlich erzählen wollte. Gute Ansätze, insgesamt aber langatmig, überkonstruiert und verzichtbar – das ist mein Kurzfazit.

 

Hier folgen Spoiler. Weiterlesen auf eigene Gefahr! Nach langer Vorbereitung und Ausbildung (wird natürlich ebenfalls alles ausführlichst geschildert) reisen Michael und sein Team in die Vergangenheit und begegnen Jesus. Wenigstens dieser Wunsch, den sicher nicht nur ich hatte, wird also erfüllt. Die Geschehnisse werden in Interviewform wiedergegeben. Ein schlauer Kunstgriff, die entsprechenden Kapitel sind sehr interessant. Allerdings sind sie viel zu kurz. Man erfährt außerdem, wie der Zeitreisende aus »Das Jesus-Video« sowie die Schwedin in die Vergangenheit gelangt sind: Sie sind quasi in den Sog von Barrons Zeitmaschine geraten und mitgerissen worden. Denkt man genauer über solche sich selbst bedingenden gegenseitigen Voraussetzungen nach, droht akute Hirnverknotung!

 

04.02.2018

Mondbasis Alpha 1 – Staffel 1 (Blu-ray)

 

Am 9. September 1999 explodieren alle Atommülldepots auf dem Mond gleichzeitig und stoßen den Trabanten aus dem Erdorbit. So beginnt für Commander John Koenig, Professor Victor Bergman, Dr. Helena Russell und die dreihundertköpfige Besatzung der Mondbasis Alpha eine Irrfahrt durch Raum und Zeit, die neue Erkenntnisse über das Universum, dessen Bewohner sowie die Herkunft der Menschheit bringt, aber auch tödliche Gefahren… Durch die 1977 im ZDF erstausgestrahlte britische Fernsehserie »Mondbasis Alpha 1« ist mein Verständnis für Science Fiction entscheidend mitgeprägt worden und so freut es mich außerordentlich, dass der Serie ein würdiges HD-Release zuteilgeworden ist. Die Blu-ray-Box vom Filmverlag Fernsehjuwelen enthält alle 24 ungekürzten, neu synchronisierten Episoden der ersten Staffel – neu abgetastet und digital remastered, so dass man sich über ein scharfes, kontrastreiches Bild und leuchtende, kräftige Farben freuen kann!

01.02.2018

X-Men: Apocalypse (Blu-ray)

 

Im dritten Abenteuer der »Next Generation« bekommen es Professor Charles Xavier und seine Schüler mit einem Supermutanten namens Apocalypse zu tun, der die Menschheit ausrotten will. Wie originell! Nach einem wirklich sehenswerten im alten Ägypten spielenden Auftakt (Apocalypse ist viele tausend Jahre alt – er transferiert sein Bewusstsein stets in einen neuen Mutanten-Wirtskörper, wenn der alte gebrechlich wird) und einer starken Expositionsphase, in der Magneto mal wieder alles verliert, was ihm lieb und teuer ist, degeneriert der Film zu einem seelenlosen Effektspektakel, von dem ich insgesamt wirklich enttäuscht war.

31.01.2018

Patrick Woodroffe: Mythopoeikon

Moewig, 1980

156 Seiten

 

Patrick Woodroffe, gestorben 2014, hat in den Siebzigerjahren zahlreiche LP-Hüllen und Buchcover gestaltet, letztere insbesondere im Genre Science Fiction und Fantasy. Der großformatige Bildband »Mythopoeikon« enthält vermutlich alle Werke aus dieser Zeit; die englischsprachige Originalausgabe ist 1976 erschienen. Abgebildet sind nicht nur Gemälde, Radierungen und Stiche, sondern auch Skulpturen und dreidimensionale Bilder. Woodroffes Stil ist mit dem Untertitel »Phantasiebilder, Ungeheuer, Nachtmahre, Tagträume« ganz gut umrissen. Verschiedenartige reale Lebewesen werden zu bizarren Kreaturen verschmolzen. Ganz typisch sind Schneckenhäuser, in denen elefantenähnliche Wesen leben wie Einsiedlerkrebse. Die meisten Werke zeigen eine Flut collagenartig zusammengestellter Elemente mit winzigen Details, nicht unähnlich den Gemälden von Hieronymus Bosch. Besonders gut gefällt mir, dass die Bilder in diesem Band nicht einfach kommentarlos zusammengestellt wurden. Es sind recht ausführliche Anmerkungen des Künstlers vorhanden, in denen er seine Arbeitsweise erläutert, auf die Entstehungsgeschichte eingeht und erklärt, welche Bedeutung die einzelnen Elemente der Bilder haben.

 

25.01.2018

Spectre (Blu-ray)

 

In seinem 24. Abenteuer (dem vierten mit Daniel Craig in der Hauptrolle) wird James Bond von seiner Vergangenheit eingeholt, als er den letzten Auftrag seiner verstorbenen Chefin ausführt und einen Mann namens Sciarra tötet, der, wie Bond erst später erfährt, zu einem internationalen Verbrechersyndikat namens »Spectre« gehört. Alle früheren Gegner, mit denen es der Agent mit der Lizenz zum Töten zu tun hatte, waren nur Erfüllungsgehilfen des allseits gefürchteten Spectre-Oberhaupts Ernst Stavro Blofeld. Bond kennt diesen Mann besser als ihm lieb ist, allerdings unter anderem Namen. Blofeld hat ein ganz persönliches Interesse daran, Bond leiden zu sehen, und so wird der Jäger zum Gejagten. 007 geht auf eigene Faust gegen Blofeld vor. Von seinem Vorgesetzten hat er keine Hilfe zu erwarten, denn der steckt mitten im Machtkampf gegen einen Mann, der das Doppelnullprogramm für obsolet erklärt und stattdessen auf totale Überwachung setzt. Niemand ahnt, dass Spectre im Hintergrund die Fäden zieht…

22.01.2018

Andreas Eschbach: Das Jesus-Video

Bastei Lübbe, 2001

651 Seiten

 

Stephen Foxx hat mit einem kleinen IT-Unternehmen viel Geld verdient und könnte sich auf die faule Haut legen, möchte jedoch etwas erleben und Bedeutsames leisten. Er verdingt sich als Helfer bei archäologischen Ausgrabungen in aller Welt, wobei er seinen Reichtum stets unerwähnt lässt. Bei Grabungen in den Ruinen von Bet Hamesh in Israel entdeckt Foxx das gut erhaltene Skelett eines Mannes, neben dem ein Leinenbeutel liegt. Foxx glaubt an einen Streich seiner Kollegen, als er den Beutel öffnet und dabei die in Plastikfolie eingeschweißte Bedienungsanleitung einer Sony-Videokamera vom Typ MR-01 findet. Aber keiner der anderen Helfer macht sich über Foxx lustig, niemand ahnt etwas von dem Fund. Grabungsleiter Professor Charles Wilford-Smith will, dass das so bleibt. Er verdonnert Foxx zu strengstem Stillschweigen. Die Tatsache, dass einige Zähne des Toten überkront sind, lässt vermuten, dass es sich um ein Mordopfer handelt, das erst in jüngerer Zeit verscharrt worden ist. Doch das Skelett und das Papier der Bedienungsanleitung können eindeutig datiert werden. Sie sind gut 2000 Jahre alt! Als sich dann noch herausstellt, dass der Sony-Camcorder MR-01 zurzeit nur auf dem Reißbrett der Entwickler existiert und erst in einigen Jahren auf den Markt kommen soll, steht fest, dass der Tote ein Zeitreisender war. Und was – oder vielmehr wen - würde ein Zeitreisender im ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung wohl filmen wollen?

 

Smith unterrichtet John Kaun, den milliardenschweren Sponsor der Ausgrabung. Kaun leitet einen riesigen Konzern, der zurzeit etwas schwächelt. Er wittert das große Geld und die Chance, seinen Nachrichtensender N.E.W. an die Weltspitze zu bringen. Ein Video, das Jesus Christus zeigt – das wäre die größte Sensation aller Zeiten! Kaun reist nach Israel, um die Suche nach dem Jesus-Video persönlich zu leiten. Diesem Projekt ordnet er alles andere unter und er schlägt ungewöhnliche Wege ein, um zum Erfolg zu kommen. Unter anderem zieht er den Schriftsteller Peter Eisenhardt, einen Autor preisgekönter Zeitreiseromane, als Berater hinzu. Sonartomographische Untersuchungen des Ausgrabungsgebietes zeigen, dass die Kamera nicht zusammen mit dem Toten vergraben wurde. Man geht davon aus, dass der Zeitreisende die Kamera an einem sicheren Ort versteckt hat, damit sie die Jahrhunderte unbeschadet überdauern kann. Es gibt allerdings nicht den geringsten Hinweis auf das Versteck – zumindest glauben das Kaun und Wilford-Smith.

 

In Wahrheit hat der Zeitreisende einen Brief geschrieben, der sich bei der Bedienungsanleitung befunden hat. Foxx hat den Brief gefunden und dies verschwiegen. Vom Ehrgeiz gepackt will er Kaun ausstechen und das Jesus-Video vor dem gewissenlosen Tycoon finden. Foxx weiht die junge Grabungshelferin Judith Menez (in die er sich verliebt hat) und deren Bruder Yehoshuah ein. Yehoshuah besitzt als Restaurator des Rockefeller-Museums in Jerusalem die Mittel, die längst verblasste Schrift des Briefes zumindest teilweise lesbar zu machen. Der Text enthält genaue Ortsangaben. Die Kamera ist hinter einem bestimmten Stein in einer Mauer des herodianischen Tempels versteckt, die heute als Klagemauer bekannt ist…

 

Ich habe »Das Jesus-Video« vor gut 17 Jahren gelesen. Damals war ich restlos begeistert. Heute bin ich der Meinung, dass Eschbach seitdem kein besseres Buch geschrieben hat. Er hat die Klasse dieses Romans nie mehr erreicht. Sobald die Ausgangssituation etabliert ist und alle Hauptfiguren eingeführt sind, was recht flott und ohne größere Abschweifungen vonstattengeht, entspinnt sich ein spannendes und temporeiches Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Foxx und Kaun (sowie den jeweiligen Helfern), in das sich irgendwann sogar die Nachfolgeorganisation der heiligen Inquisition einschaltet. »Das Jesus-Video« hat mich nochmal richtig gepackt, obwohl ich mich sehr gut an den Handlungsverlauf erinnern konnte. Kaum eines der kurzen Unterkapitel endet ohne eine unerwartete Wendung, eine überraschende neue Erkenntnis, eine scheinbar aussichtslose Situation oder einen sonstigen Kniff, so dass man einfach weiterlesen muss! Immer wenn man denkt, nun sei wohl das Ende erreicht, macht die Handlung doch noch einen Schlenker und schlägt buchstäblich bis zur letzten Seite neue Bahnen ein. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten, ohne zu spoilern. Besonders erwähnenswert: Ganz im Gegensatz zu der Verfilmung aus dem Jahre 2002 (die ich für völlig misslungen halte) kommt der Roman ohne übertriebene Action aus und niemand wird getötet. Die Dynamik entsteht aus dem ständigen Wechsel der Erzählperspektive und dem geschickten Einsatz von Cliffhangern.

 

»Das Jesus-Video« hat mehr zu bieten als spannende Unterhaltung. Da wäre einerseits die unübersehbare, zum Glück aber ohne mahnend erhobenen moralischen Zeigefinger daherkommende Religionskritik. Die Tatsache, dass sich die katholische Kirche überhaupt nicht für den Inhalt des Videos interessiert, weil wahr ist, was seit Jahrhunderten verkündet wird, sagt wohl schon genug aus. Zum anderen gefällt mir, wie Eschbach die zentrale Klippe der zugrundeliegenden Idee umschifft. Jetzt muss ich doch spoilern, weiterlesen daher auf eigene Gefahr! Ja, es gibt eine ca. 2000 Jahre alte Videoaufzeichnung. Sie zeigt einen Mann mit unglaublicher Ausstrahlung. Dieser Mann, so wird auf den ersten Blick klar (die Tonspur ist nicht erhalten geblieben) lebt ganz im Hier und Jetzt. Er ist ist von tiefer Liebe zum Leben und den Mitmenschen erfüllt. Niemand kann sich seinem Charisma entziehen. Seine lebensbejahende Existenz ist eine Herausforderung an die Zuschauer - Schaut her, so wie ich könntet auch ihr sein – und steht im krassen Gegensatz zu den Lehren einer Religion, für die das Leben nur ein Jammertal ist, das zur Erreichung jenseitiger Seligkeit durchquert werden muss. So zumindest die Empfindungen einer Hauptfigur, die das Video sieht. Eine andere wird davon überhaupt nicht berührt und fühlt sich betrogen. Ist dieser Mann Jesus? Kann sein, muss aber nicht. So ist es eben mit dem Glauben: Man hat ihn, oder man hat ihn nicht. Die Frage ist nur, woran man glauben möchte.

 

Mit einem Abstand von 17 Jahren macht »Das Jesus-Video« noch auf einer ganz anderen Ebene Spaß. Es ist nämlich immer wieder von brandneuen technischen Entwicklungen die Rede, die für uns zum Teil schon überholt sind. So haben sich Foxx und Yehoshuah über eine revolutionäre Erfindung namens Usenet kennengelernt. Foxx besitzt ein Mobiltelefon, mit dem er einen Dienst anrufen kann, der alle Telefonbücher der Welt besitzt. Und bei der Sony MR-01 kommt erstmals digitale Speichertechnik zum Einsatz. An einer Stelle ist mir buchstäblich der Unterkiefer runtergeklappt. Da sinniert John Kaun über einen Mann, der ihm stets als mahnendes Beispiel vor Augen steht. Es handelt sich um einen längst vergessenen Immobilientycoon der Achtzigerjahre, der jahrelang als Wirtschaftswunderknabe und Erfolgsmensch hochgejubelt wurde, dann aber größenwahnsinnig geworden und tief gestürzt ist. Sein Name lautet Donald Trump…

 

18.01.2018

Fitzcarraldo (DVD)

 

In diesem visuell ungemein beeindruckenden Meisterwerk von Werner Herzog aus dem Jahre 1982 spielt Klaus Kinski sozusagen mit gebremstem Schaum, denn die von ihm verkörperte Hauptfigur eines Träumers, der ein Opernhaus in der Stadt Iquitos am Amazonas bauen will, ist ein durchaus sympathischer Zeitgenosse. Fitzcarraldo mag ein Besessener sein, der alles der Verwirklichung seines Traumes unterordnet, aber kein gefährlicher Irrer wie der Konquistador Aguirre nd kein abstoßender Nachtmahr wie Dracula. Um das Geld für sein ehrgeiziges Vorhaben zusammenzukratzen, versucht Fitzcarraldo in den Kautschukboom einzusteigen. Es gibt nur eine einzige zum Anbau geeignete Region, die sich noch nicht in der Hand der lokalen Kautschukbarone befindet. Das Problem: Zwischen ihr und Iquitos befinden sich unüberwindliche Stromschnellen. Fitzcarraldo kommt auf die Idee, das zum Kautschuktransport benötigte Schiff von einem parallel verlaufenden Fluss aus über einen Berg hinweg zu transportieren…

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