Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe.

 

16.10.2018

Masters of Horror 1.07: Deer Woman (Blu-ray)

 

Die siebte Episode der Filmreihe »Masters of Horror« trägt unverkennbar die Handschrift des Regisseurs John Landis, dem wir das ebenso furchterregende wie witzige Horror-Meisterwerk »American Werewolf« zu verdanken haben. Auch bei »Deer Woman« wird auf Humor gesetzt, was bei der zugrundeliegenden Idee von einem übermenschlich starken Naturgeist in Gestalt einer schönen Frau mit Hirschbeinen, der Männer verführt und anschließend zu Brei trampelt, vielleicht auch angezeigt ist. Ein ernsthafterer Ansatz hätte zu unfreiwilliger Komik führen können. Leider funktioniert das Ganze längst nicht so gut wie in »American Werewolf« Der Film ist sowieso weniger dem Horrorgenre zuzuordnen, eher dem des »Buddy-Cop-Films«, denn zwei charakterlich ganz verschiedene Cops müssen zusammenarbeiten, um herauszufinden, ob es sich im Fall dreier auf bizarre Weise ums Leben gekommener Männer um Morde oder um Tierunfälle handelt…

15.10.2018

China Miévielle: Das Gleismeer

Heyne, 2015

399 Seiten

 

Shamus Yes ap Soorap aus Streggeye hat als Famulus des Bordarztes auf der Medes angeheuert, einem Maulwurfsfänger, der im Gleismeer Jagd auf den Großen Südlichen Moldywarp macht. Damit ist er dem Rat seiner Pflegeväter nachgekommen, die Shams Träume als Hirngespinste abgetan haben. Tatsächlich interessiert sich der junge Mann nicht sonderlich für die Jagd auf die riesigen Bestien, welche die freien Bereiche zwischen den ineinander verwobenen Schienensträngen des Gleismeeres unsicher machen und jeden in ihr unterirdisches Reich zerren, der es wagt, die blanke Ebenerde zu betreten. Viel lieber würde Sham als Artefakter arbeiten und jene Überbleibsel einer versunkenen Zivilisation erforschen, die – zum Teil immer noch funktionsfähig – überall neben und unter den Gleisen zu finden sind. Deshalb geht er ein großes Risiko ein, als die Medes eines Tages auf das Wrack eines anderen Zuges stößt. Bei der Erkundung eines halb im Erdreich versunkenen Waggons findet Sham Überreste eines menschlichen Skeletts. Kurz vor seinem Tod hat der oder die Unbekannte offensichtlich versucht, etwas in einem Loch im Erdboden zu verstecken. Sham holt eine Speicherkarte aus dem Loch und wird prompt von Säbelzahnmullen attackiert, die unter dem Waggon lauern. Sham rettet sich mit knapper Not, muss seinen hart erworbenen Fund allerdings sogleich an Kapitänin Abacat Naphi abgeben.

 

Sham darf zusehen, während Naphi den Inhalt der Speicherkarte beim nächsten Landgang lesbar macht. Die Kapitänin hofft, Hinweise auf »Mocker-Jack« zu finden, den gigantischsten aller Moldywarps. Vor Jahren hat Naphi einen Arm an dieses Ungeheuer verloren. Seitdem setzt sie alles daran, Mocker-Jack zur Strecke zu bringen. Angezeigt werden Fotos, die von den toten Bahnern aufgenommen worden sind. Auf häusliche Szenen, die unter anderem Sohn und Tochter der Toten zeigen, folgen Aufnahmen von verschiedenen Abschnitten des Gleismeeres. Von Mocker-Jack ist nichts zu sehen, dennoch sind Naphi und Sham fasziniert, denn der wracke Zug muss auf seinen ausgedehnten Reisen in die entlegensten Regionen des Gleismeeres einem »Engel« begegnet sein, einem der legendären automatisierten Züge, zu deren Aufgaben die Instandhaltung der Schienenstrecken gehört. Angesichts des letzten Bildes verschlägt es Sham und Naphi den Atem. Die Aufnahme zeigt eine unmögliche Ungeheuerlichkeit: Ein einzelnes, sich schnurgerade in die Unendlichkeit erstreckendes Gleis, das aus dem Gleismeer hinausführt!

 

Naphi löscht alle Aufnahmen, doch es gelingt Sham, das letzte Bild heimlich mit seiner eigenen Kamera abzulichten. Mit List und Tücke bringt er die Kapitänin dazu, die große Bahnhofsstadt Manihiki anzusteuern, denn dort müssen die Hinterbliebenen der toten Bahner leben. Sham, selbst Waise, ist fest entschlossen, ihnen die Nachricht vom Ende ihrer Eltern zu überbringen. So macht er die Bekanntschaft von Caldera und Caldero Shroake, die ziemlich genau wissen, wonach ihre Eltern gesucht haben und aus diesem Grund unter ständiger Beobachtung stehen. Als sie sich auf den Weg machen, um den Spuren ihrer Eltern zu folgen, heften sich verschiedene Glücksritter auf ihre Fersen. Da Sham mehr oder weniger eingeweiht ist, wird er von Piraten entführt…

 

Die Story dieses Romans dürfte dem kundigen Leser sehr bekannt vorkommen. Es handelt sich um einen Mix aus »Moby Dick« von Herman Melville und »Die Schatzinsel« von R.L. Stevenson mit einer Prise Strugatzki. Schon gleich in den ersten Kapiteln, in denen kein Wal gefangen wird, sondern ein mindestens ebenso großer Maulwurf (bis hin zur in allen blutigen Details beschriebenen Verwertung des Kadavers), woraufhin der jugendlichen Hauptfigur keine Schatzkarte in die Hände fällt, sondern eine Speicherkarte, deren Inhalt den gleichen Zweck erfüllt, werden diese Bezüge unmissverständlich hergestellt. Und zwar stets mit deutlichem Augenzwinkern. So ist Abacat Naphi keineswegs die einzige Kapitänin, für die die Jagd auf ein besonderes Exemplar der mörderischen Gleismeerfauna zur an Wahnsinn grenzenden Besessenheit geworden ist, oder genauer gesagt zu einer »Philosophie«. Jeder Kapitän-Ahab-Verschnitt assoziiert eine bestimmte Eigenschaft mit seinem jeweiligen Schicksalstier, die es zu deuten gilt und die er selbst besitzt. Im Falle von Naphi und Mocker-Jack sind dies Täuschung und Irreführung. So kommt es nicht überraschend (Achtung, Mini-Spoiler), dass Naphi in Wahrheit gar kein Körperteil an ihre »Philosophie« verloren hat, wie es sich für einen ordentlichen Kapitän gehört. Sie hat diese Geschichte nur erfunden und trägt den mechanisierten Kunstarm wie einen Handschuh über dem gesunden Arm.

 

Die Story von »Das Gleismeer« ist trotz derartiger Kniffe zu vorhersehbar, um spannend zu sein. Faszinierend wird der Roman nur durch den Weltenbau, den ich als Bahn-Vielfahrer übrigens als vollkommen unrealistisch bezeichnen muss, denn nach meinen Erfahrungen nimmt die Zuverlässigkeit eines solchen Verkehrsmittels mit zunehmender Ausdehnung und Komplexität dramatisch ab. Scherz beiseite! In der Steampunkwelt dieses Romans muss man die Ozeane gedanklich ebenso durch endlose ineinander verwobene, in mehreren Schichten und verschiedenen Spurweiten verlaufende Schienenstränge ersetzen, wie man sich anstelle von Segel- und Dampfschiffen verschiedene Züge vorstellen muss: Maulwurfsjäger, Güterzüge, schwer bewaffnete Militäreinheiten und so weiter, auch Piraten, die ganz ähnlich auf Kaperfahrt gehen wie Captain Jack Sparrow. Ganz so wie unter der Wasseroberfläche unserer Ozeane leben diverse bizarre Kreaturen unter der Erdoberfläche. Die vergifteten oberen Atmosphäreschichten werden von fliegenden Bestien aus anderen Welten unsicher gemacht. Legenden zufolge wurden sie dort in ferner Vergangenheit von Fremden ausgeladen, die obendrein diversen Müll auf den Planeten gekippt haben, welcher in der Handlungsgegenwart zum Ziel von Schatzsuchern geworden ist – das meinte ich oben mit »eine Prise Strugatzki«, siehe »Picknick am Wegesrand«. Dieser Weltenbau ermöglicht einen köstlichen finalen Clou (Achtung, weitere Spoiler). Das Gleismeer ist das Ergebnis komplett aus dem Ruder gelaufener Spekulationsgeschäfte und jenseits des Gleismeers leben die degenerierten Nachkommen der Betreibergesellschaft. Sie warten darauf, den Benutzern der Verkehrswege eine Rechnung in astronomischer Höhe vorlegen zu können…

 

Ideen dieser Art sind es, die den Roman lesenswert machen, auch wenn er ab und zu hart an der Grenze zur Selbstparodie entlangschrammt oder diese sogar überschreitet. Die Lektüre wird nicht unerheblich dadurch erschwert, dass im gesamten Text kein einziges Mal das Wort »und« vorkommt. Stattdessen wird ausschließlich das Zeichen »&« verwendet. Damit soll die Komplexität der endlosen Windungen des Gleismeers symbolisiert werden.

 

11.10.2018

Masters of Horror 1.05: Chocolate (Blu-ray)

 

Mick Garris, Produzent der Fernsehserie »Masters of Horror«, hat selbst eine Episode zur Serie beigesteuert. In diesem weder besonders blutrünstigen noch wirklich spannenden Film (»Horror« passt nicht, es ist eher ein Psychothriller) spielt Henry Thomas – wer den Film »E.T.« kennt, dem dürfte sein Gesicht sehr bekannt vorkommen - einen Mann, der aus unbekannten Gründen plötzlich verstörend realistische Visionen hat. Ihm wird klar, dass es sich um echte außerkörperliche Erfahrungen handelt. Die Sinneseindrücke einer jungen Frau werden auf ihn übertragen. Irgendwann ist es für ihn so, als befinde er sich gänzlich im ihrem Körper. Da er nicht nur all ihre Wahrnehmungen teilt, sondern auch ihre Emotionen mitempfindet, erfährt er zum ersten Mal in seinem Leben, wie sich wahre Liebe anfühlt. Er verliebt sich in die schöne Unbekannte. Eines Tages erlebt er mit, wie die Frau ihren Geliebten ermordet, weil dieser sie betrogen und misshandelt hat…

09.10.2018

Das Leben des Brian – The Immaculate Edition (Blu-ray)

 

Dies ist meiner bescheidenen Meinung nach einer der besten, vor allem aber einer der witzigsten Filme aller Zeiten. Man hat den »Monty Python«-Kultkomikern damals (Premiere war 1979) Blasphemie vorgeworfen, was völlig absurd ist, weil sich die Religionskritik des Films nicht gegen den Glauben oder christliche Werte richtet, sondern gegen Dogmengläubigkeit und Fanatismus. »Das Leben des Brian« ist somit heute so aktuell wie eh und je. Hauptfigur ist Brian Cohen, ein Zeitgenosse von Jesus Christus, der sich im Jahre 33 AD in Jerusalem der Volksfront von Judäa anschließt. Hauptgrund ist sein Wunsch, das Land von den römischen Besatzern zu befreien, allerdings spielt die Tatsache, dass die schöne Judith zur VVJ gehört, eine nicht unwesentliche Rolle. Nur zu bald muss Brian feststellen, dass die anderen Untergrundkämpfer kaum mehr zustande bringen als umständlich formulierte Verlautbarungen, und dass das Volk gar nicht befreit werden will, sondern sich lediglich einen Führer wünscht, dem es hinterherrennen kann…

08.10.2018

Jürgen Kehrer: Wilsberg und die dritte Generation

Grafit-Verlag, 2006

205 Seiten

 

Die 25-jährige Journalistin Felizia Sanddorn, genannt Feli, ist verschwunden. Ihr in Amsterdam lebender Vater Peter Fahle weiß nur, dass sie über die Rote Armee Fraktion recherchiert hat, eine Terrororganisation, von der Deutschland insbesondere in den Siebzigerjahren in Angst und Schrecken versetzt worden ist. Fahle wendet sich an Georg Wilsberg, weil dieser während seiner Referendarzeit für eine Anwaltskanzlei gearbeitet hat, die mit der Verteidigung eines RAF-Mannes befasst war. Mit dieser Phase seines Lebens hat Wilsberg längst abgeschlossen, doch 5000 Euro Anzahlung sind ein überzeugendes Argument für den unter chronischer Geldnot leidenden Münsteraner Privatdetektiv. Es gibt nur eine Spur: Feli wollte eine zur dritten Generation der RAF gehörende Frau namens Regina Fuchs interviewen, die nach der Auflösung der RAF untergetaucht ist und jetzt in New York lebt. Bevor Wilsberg in die USA reist, hört er sich in Felis Bekanntenkreis um. Ihm wird schnell klar, dass Fahle nicht die ganze Wahrheit gesagt hat. Wilsbergs Auftraggeber muss etwas mit der RAF zu tun haben; er selbst hat seiner Tochter den Hinweis zu Regina Fuchs gegeben. Wilsberg stöbert die Frau in New York auf, erfährt aber nur, dass Feli tatsächlich bei ihr war. Vor vier Tagen ist sie abgereist. Seither fehlt jede Spur von der jungen Frau. Wilsberg fliegt nach Amsterdam, um Fahle auf den Zahn zu fühlen. Fahle gibt zu, dass er zur Kommandoebene der RAF gehört hat. Eine echte Familie hatte er nicht, Frau und Tochter waren damals lediglich Bestandteil seiner Legende von einem normalen Leben.

 

Da sich Fahle wirklich Sorgen um Feli macht, bleibt Wilsberg an der Sache dran. Er befragt Felis Mutter Henrike, die auf Fahle alles andere als gut zu sprechen ist (die Ehe existiert nur noch auf dem Papier). Sie behauptet, Feli habe am Vortag angerufen und es gehe ihr gut. Noch am selben Abend erhält Wilsberg Besuch vom Staatsschutz. Er wird aufs Polizeirevier »gebeten« und unter Druck gesetzt, muss aber laufen gelassen werden, weil er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Spätestens jetzt steht fest, dass Wilsberg in eine größere Sache als gedacht hineingeraten ist. Überraschenderweise erhält er einen Anruf von Feli, die das bestätigt und den Detektiv auffordert, sie in Ruhe zu lassen. Für Wilsberg ist die Sache nun fast schon erledigt. Dann wird er von Fahle zu einem persönlichen Treffen gebeten. Als Wilsberg eintrifft, findet er Fahle tot vor – mit einem Loch im Schädel und einer Pistole in der Hand. Wilsberg wird von Unbekannten betäubt. Als er mit blutbeschmierten Händen zu Hause wieder zu sich kommt, steht schon ein Sondereinsatzkommando vor der Tür. Die Waffe, mit der Fahle erschossen wurde, und 150.000 Euro werden in Wilsbergs Wohnung gefunden. Außerdem gibt es einen Zeugen, der gesehen haben will, wie Wilsberg vom Tatort weggefahren ist. Es sieht schlecht aus für Wilsberg…

 

…und das ist erst der Auftakt für ein Verwirrspiel, in dem es Wilsberg gleich mehrfach an den Kragen geht! Wilsbergs 17. Fall ist actionreicher, bleihaltiger und düsterer als üblich, außerdem ist die Story derart verzwickt, dass für den in dieser Romanserie ansonsten so typischen Münsteraner Lokalkolorit kein Platz mehr bleibt. Wilsbergs Privatleben wird ebenfalls weitgehend ausgeklammert. Tochter Sarah kommt nur mal übers Wochenende zu Besuch und mit Pia Petry (siehe Band 16) läuft es zurzeit nicht gut; Wilsbergs Kollegin aus Hamburg wird nur kurz erwähnt. Das ist einerseits schade, weil diese Elemente einen guten Teil des Charmes der Wilsberg-Romane ausmachen. Andererseits finde ich die Konzentration auf den Fall gar nicht schlecht. Wilsberg tastet sich durch das Gestrüpp falscher Informationen, so dass der Leser zusammen mit ihm ganz allmählich den wahren Zusammenhängen auf die Spur kommt. Dabei ist sich Wilsberg der Tatsache, dass jeder seiner Schritte genau beobachtet wird, zunächst gar nicht bewusst. Er hat recht viel solide Ermittlungsarbeit zu leisten, das heißt, Kehrer verzichtet darauf, ihm den Zufall zu Hilfe kommen zu lassen. Sehr schön!

 

Wilsberg wird tief in die Nachwirkungen eines finsteren Kapitels der jüngeren Geschichte hineingezogen. In meiner Kindheit, also in den Siebzigerjahren, waren sie überall zu sehen, die Fahndungsplakate mit den Fotos der RAF-Mitglieder, und die von ihnen im so genannten »Deutschen Herbst« des Jahres 1977 verübten schrecklichen Anschläge waren medienbeherrschend. In dieser Zeit war die zweite Generation der RAF aktiv, deren Anführer dann in der Haftanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord begangen haben (sollen). Über die dritte Generation ist weit weniger bekannt. Um den Tod von Wolfgang Grams in Bad Kleinen (1993) ranken sich Legenden und es wurde behauptet, nicht die RAF hätte die ihr zugeschriebenen Attentate begangen, zumindest nicht allein, sondern mit Hilfe der Geheimdienste, die daran interessiert waren, das Bedrohungsszenario am Leben zu erhalten. Inzwischen scheint die RAF aus unserem kollektiven Bewusstsein verschwunden zu sein. Genau hier setzt Kehrers Roman an. Aus Spoilergründen nur soviel: Im Wilsberg-Universum sind die Verschwörungstheorien durchaus begründet. Wenn ich berücksichtige, was sich die Geheimdienste und/oder deren V-Männer in der Realität schon alles geleistet haben, dann muss ich sagen, dass die Story vielleicht nicht so weit hergeholt ist!

 

07.10.2018

Kringel hat ne Meise!

 

Eine? Dutzende! Vor dem Fenster meines Büros tummeln sich zahlreiche lustige Federbälle, vor allem Kohlmeisen, Tannenmeisen und Blaumeisen. Kein Wunder, schließlich streue ich ab und zu etwas Vogelfutter aufs Fensterbrett. Das wird ganzjährig gern genommen. Elstern, eine Krähe und ein Eichelhäher haben mir auch schon Besuche abgestattet. Leider bleiben die quirligen kleinen Kerlchen nie still sitzen und lassen sich nur schlecht fotografieren.

Die Fotos wurden durchs geschlossene (ziemlich schmutzige) Bürofenster gemacht, besser kriege ich es nicht hin. Jedenfalls macht es Spaß, die Meisen dabei zu beobachten, wie sie sich um’s Futter büngeln. Meistens holen sich die Vögel nur was und zischen gleich wieder ab. Ab und zu bleiben sie aber auch länger, dann lassen sich interessante Verhaltensweisen beobachten. So werden z.B. Sonnenblumenkerne zwischen die Krallen geklemmt und sorgfältig aufgemeißelt. Kommt eine zweite Meise hinzu, beschützt die erste ihre »Beute« mit leicht ausgebreiteten Flügeln. Manchmal wird sogar gebalzt – wer weiß, womöglich besuchen mich inzwischen die Nachkommen von Tieren, die ich letztes Jahr gefüttert habe? Besonders lustig wird es, wenn eine Meise auf den Fensterabsatz hüpft und neugierig mit schief gelegtem Köpfchen zu mir hereinlinst. Es ist schon vorgekommen, dass so ein Geselle an die Scheibe gepickt hat. So als wolle er anklopfen, um zu sagen »Hallo! Die Körner sind schon wieder alle!« Vielleicht sehen die Vögel auch nur ihr Spiegelbild.

 

04.10.2018

The Osiris Child (Blu-ray)

 

Im englischen Original heißt der Film genauso, allerdings mit dem Präfix »Science Fiction Volume One«, was darauf schließen lässt, dass eine Fortsetzung angedacht ist. Sollte die genauso langweilig sein wie dieses Machwerk, dann könnte ich darauf verzichten. Die meisten Spezialeffekte sind super gelungen, aber das rettet den Film nicht vor der wirren und obendrein vollkommen uninteressanten Story. Geht es um die Suche eines Mannes nach seiner Tochter auf einem fernen Planeten, der von mörderischen Bestien (die allerdings leider kaum bedrohlich wirken) überrannt wird? Oder um das Schicksal eines ausgebrochenen Strafgefangenen auf derselben Welt? Oder soll es sich um die Origin Story des besagten Mädchens handeln, dessen weiterer Lebensweg im (zurzeit noch nicht existierenden) zweiten Teil erzählt wird? Man weiß es nicht. Schade drum – hätte man sich auf einen einzigen Handlungsstrang konzentriert, dann hätte vielleicht was draus werden können.

03.10.2018

Masters of Horror 1.06: Homecoming (Blu-ray)

 

Ich habe ja schon unzählige Zombiefilme gesehen. Meist geht es darin um das Ende der Welt, inzwischen gibt es aber auch zahlreiche Zombie-Komödien, Liebesfilme mit Zombies und zombifizierte Klassiker der Weltliteratur. Ein politischer Zombiefilm war in all den Jahren noch nicht dabei! Joe Dantes Beitrag zur Fernsehserie »Masters of Horror« aus dem Jahre 2005 ist – obwohl die Untoten hier durchaus nicht bissig sind – eine beißende Politsatire, in der die Gefallenen eines von den USA im Ausland geführten Krieges als wandelnde Tote zurückkehren, um ihre Stimmen bei der laufenden Präsidentschaftswahl abzugeben. Man verweigert den heldenhaft Gefallenen dieses Bürgerrecht nicht – bis sich herausstellt, dass Die Zombies den Gegenkandidaten des republikanischen Präsidenten wählen wollen, um zu verhindern, dass weitere Soldaten für eine Lüge geopfert werden…

01.10.2018

Jens Lossau / Jens Schumacher: Der Pfuhldrache

Feder und Schwert, 2017

375 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Die Wüstengötter«

 

Meister Hippolit, Agent des Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie (IAIT), hat seine magischen Fähigkeiten noch längst nicht wieder im vollen Umfang zurückerlangt. Nach wie vor muss ihm ein versierter Assistent zur Hand gehen. Selbst mit vereinten Kräften gelingt es den beiden IAIT-Agenten nicht, eine Mordserie zu stoppen, der schon zahlreiche Personen aus allen Bevölkerungsgruppen der großen Stadt Nophelet zum Opfer gefallen sind. Menschen, Elben, Zwerge und sogar ein Troll wurden auf grausige Weise in ihren Wohnungen ermordet. Ein Muster in der Auswahl der Mordopfer ist nicht erkennbar. Sämtliche Leichen sehen aus, als wären sie von innen heraus explodiert. Spuren der Anwendung von Thaumaturgie wurden an allen Tatorten gefunden, aber nicht in der Stärke, die erforderlich wäre, derart schreckliche Verletzungen zu verursachen. M.H. gerät unter Druck, denn die Zahl der Toten steigt schnell und er hat keinerlei Erfolge vorzuweisen. Sein Vorgesetzter, Geheimrat Karliban, befürchtet das Schlimmste, sollte der Fall nicht bald aufgeklärt werden. Es kommt zur Lynchjustiz, als in der Presse angedeutet wird, der Täter sei womöglich ein Ork. Obendrein scheint es keine Hindernisse für den Mörder zu geben. Er könnte also auch im königlichen Palast zuschlagen.

 

Hippolits langjähriger Partner, der Troll Jorge, ist in dieser Angelegenheit keine große Hilfe. Bei der Befragung der Nachbarn des ermordeten Trolls ist er einer Verflossenen namens Juudit begegnet. Jorge kann sich kaum an die gemeinsam verbrachten Nächte erinnern, aber es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der übergewichtige, bebrillte und ziemlich un-trollisch gekleidete Junge, den Juudit ihm präsentiert, die Frucht seiner Lenden ist. Der Gedanke, Verantwortung für den dreizehnjährigen Jungen namens Jopert übernehmen zu müssen, lässt Jorge nicht los. Er verteidigt Jopert gegen drei Schulhofschläger, verbringt Zeit mit seinem Sohn und beginnt das zu genießen. Trotz dieser Ablenkung erkennt Jorge endlich doch, worin das verbindende Element der Morde besteht. Die Anschläge wurden stets auf dem stillen Örtchen verübt – und alle Toten haben sich den Luxus eines Wasserklosetts geleistet! Offensichtlich hat sich der Täter seinen Opfern über die Kanalisation genähert.

 

Hippolit und seine Kollegen steigen in die Unterwelt hinab, wo sie prompt thaumaturgische Spuren finden. Bevor sie diesen nachgehen können, werden sie von den »Zerbrochenen« attackiert, Bewohnern der versunkenen Stadt Kantarh. Deren Anführer Kologarn versichert, dass die Morde nicht auf das Konto seiner Leute gehen. Tatsächlich haben sie ähnliche Probleme; in jüngster Zeit sind zahlreiche Unterweltbewohner spurlos verschwunden. Steckt etwa der legendäre Pfuhldrache, eine ganz aus Exkrementen bestehende Kreatur, hinter den Klosettmorden und dem Verschwinden der Zerbrochenen?

 

»Der Pfuhldrache« ist der sechste Band einer Reihe lose miteinander verknüpfter Romane, die im Lande Sdoom spielen. Magie wird hier als Thaumaturgie bezeichnet, und wenn derartige Kräfte eine Rolle bei Verbrechen spielen, kommen die Spezialisten des IAIT zum Einsatz. Meister Hippolit und Jorge bilden das ungewöhnlichste Ermittlerduo, das mir in der Fantasy je untergekommen ist. M.H. ist weit über 100 Jahre alt, steckt aufgrund eines fehlgeschlagenen Verjüngungsrituals jedoch im Körper eines schmächtigen Jungen und wird deshalb natürlich von niemandem ernst genommen. Troll Jorge ist der leicht unterbelichtete Mann fürs Grobe und bildet einen denkbar krassen Gegensatz zu seinem stets sachlichen, ziemlich überheblich daherkommenden Chef. Sdooms Hauptstadt Nophelet erinnert in mancherlei Hinsicht an die Metropole Ankh-Morpork in den Scheibenwelt-Romanen Terry Pratchetts, allerdings mit einer guten Prise Andrzej Sapkowski. Nophelet wurde schon in früheren Romanen als ziemlich zwielichtiger Ort voller Korruption, sozialer Ungerechtigkeit und Dreck beschrieben, aber die stinkenden Eingeweide der Stadt, in denen sich diesmal Teile der Handlung abspielen, sind denn doch eine Sache für sich. Überhaupt ist der Roman nichts für zart Besaitete; der Zustand der Mordopfer wird zum Beispiel in allen blutig-kotigen Details beschrieben…

 

Es mag etwas zu lange dauern, bis M.H. und Jorge die doch sehr naheliegenden Zusammenhänge der Klosettmorde erkennen. Die weitere Ermittlungsarbeit gestaltet sich jedoch recht interessant. Erst gegen Ende zeichnen sich die wahren Zusammenhänge ab. Aufgelockert wird das Ganze durch Jorges Bemühen, dem so unversehens in sein Leben getretenen Sohn ein guter Vater zu sein (dass man sich darunter in Trollkreisen etwas anderes vorstellt als bei Menschen, dürfte klar sein), und mittels anderer Nebenhandlungen. So erfahren wir erstmals etwas mehr über Geheimrat Karliban, M.H.s und Jorges Chef, den man auch »das Maul« nennt, weil man argwöhnt, der Gestaltwandler habe seinen Amtsvorgänger seinerzeit einfach verschluckt. Hippolits neuer Assistent bleibt eher blass; es wäre mir lieber gewesen, wenn M.H. sich weiterhin mit Magistra Iloven, die im vorherigen Roman eingeführt wurde, hätte auseinandersetzen müssen. Wie üblich werden viele Trollsprichwörter zum Besten gegeben, inzwischen stören sie mich gar nicht mehr. Auch sonst ist positiv zu vermerken, dass auf Slapstick und Blödeleien weitgehend verzichtet wurde. Ironie, Situationskomik, skurrile Ideen und schräge Vögel sorgen für amüsante Momente in einem an sich recht düsteren Roman. In diesem Stil kann es gern weitergehen!

 

27.09.2018

Salyut 7 (DVD)

 

Mit diesem auf realen Begebenheiten basierenden russischen Film wird eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass nicht nur die Hollywood-Filmindustrie fähig ist, atemberaubende Weltraumabenteuer auf die Leinwand zu bringen. Schauspieler, Tricktechnik, Dramaturgie und Ausstattung dieses Films sind über jeden Zweifel erhaben! Darin geht es um die Rettung der 1985 außer Kontrolle geratenen Raumstation Salyut 7 durch die Kosmonauten Wladimir Fjodorow und Viktor Aljochin. Die Männer stehen unter enormem Zeitdruck, denn sowjetische Technik darf keiner fremden Macht in die Hände fallen und die Amerikaner haben das Space-Shuttle Challenger mit dem Auftrag ins All geschickt, Salyut 7 zu kapern. Als die Mission fehlzuschlagen droht, planen die Verantwortlichen den Abschuss der Station, obwohl die Kosmonauten keine Chance haben, rechtzeitig zur Erde zurückzukehren…

25.09.2018

Angriff der Lederhosenzombies (Blu-ray)

 

In dieser trotz einer Laufzeit von nur 77 Minuten nicht sehr kurzweiligen und leider nur mäßig witzigen, immerhin mit sehenswerten handgemachten Spezialeffekten punktenden Horrorkomödie wird die Zombieapokalypse durch chemikalienverseuchten Kunstschnee in den österreichischen Alpen ausgelöst. Die Plage greift während der Happy Hour in »Ritas Gaudihütt’n« um sich, was den Anwesenden zunächst gar nicht auffällt – schließlich gibt es kaum Unterschiede zwischen einem sinnlos betrunkenen Partygast und einem hirnlosen Untoten. So wird der Schankraum zum Schlachthaus, dem die wenigen Überlebenden nur mit knapper Not entkommen. Doch draußen im Wald haben schon einige Rehe am Chemieschnee genascht, so dass die Gegend bald vor fleischgierigen Kreaturen auf zwei und vier Beinen wimmelt…

24.09.2018

Tom Rob Smith: Agent 6

Goldmann, 2013

541 Seiten

 

Normalerweise schreibe ich bei meinen kurzen Roman-Reviews immer erst einen Teaser, in dem ich nur so viel wie nötig verrate, um die zentralen Punkte der Handlung wiedergeben zu können, ohne jemandem den Spaß an der Story zu nehmen. Im Falle von »Agent 6« ist das nicht möglich und auch den Kommentar kann ich nicht spoilerfrei halten. Deshalb stelle ich ausnahmsweise mein Fazit an den Anfang. »Agent 6« ist meiner Meinung nach der beste Teil der Leo Demidow-Trilogie, ein wahrhaft krönender, wenn auch sehr bedrückender Abschluss der Lebensgeschichte des Hauptprotagonisten, ein trotz einzelner nicht unbedingt erforderlicher Handlungsbestandteile sehr spannender, in den besten Momenten geradezu mitreißender Pageturner, der dem Leser ein Wechselbad der Gefühle beschert. Wem das nicht als Kaufanreiz genügt, kann im nächsten Absatz weiterlesen – bitte beachten, dass ein ganz wesentlicher Plot-Twist in der Kurzzusammenfassung nicht ausgespart bleibt! Solltet ihr euch die Taschenbuchausgabe des Romans zulegen, dann lest unter keinen Umständen den reißerischen Text auf der Cover-Innenseite, denn in diesem Text wird besagter Plot-Twist verraten. Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte das vor Beginn der Lektüre nicht schon gewusst. Immer noch da? OK, dann folgt hier der Teaser. Zur Vorgeschichte siehe »Kind 44« und »Kolyma«.

 

Leo Demidow hat den Dienst beim KGB quittiert. Er hat sich vollständig von seinem früheren Leben distanziert und will nichts mehr mit dem menschenverachtenden System der UdSSR zu tun haben. Leos innerer Wandel wurde nicht zuletzt durch die Beziehung zu seiner Frau Raisa ausgelöst, deren moralische Stärke nicht ohne Wirkung auf den ehemaligen Agenten geblieben ist. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft ist im Verlauf der Jahre innige Liebe entstanden, und je tiefer diese Gefühle geworden sind, desto mehr ist Leos Pflichtgefühl gegenüber dem Staat geschwunden. Durch diesen Wandel hat Leo sich selbst schwer geschadet; er hat sämtliche Privilegien verloren. Er arbeitet jetzt als Werksleiter einer kleinen Fabrik und bewohnt mit seiner Familie eine bescheidene Mietwohnung. Raisa dagegen hat Karriere gemacht. Sie wurde zur Schuldirektorin befördert und hat sich aufgrund ihrer Erfolge zu einer bekannten Größe im Schulsystem entwickelt. Im Juli 1965 wird ihr die Ehre zuteil, die Reise einer Delegation russischer Schüler in die USA zu organisieren. Im Rahmen des Programms »Schüler für den Frieden«, das zur Entspannung des Verhältnisses der verfeindeten Nationen führen soll, dürfen Kinder aus allen Regionen des Landes (darunter Raisas Adoptivtöchter Elena und Soja) Konzerte in New York und Washington geben. Raisa und ihre Töchter sind begeistert, denn Auslandsreisen waren für sie bisher undenkbar.

 

Leo, der aufgrund seiner Unzuverlässigkeit in Ungnade gefallen ist, darf nicht an der Reise teilnehmen. Schweren Herzens lässt er seine Familie ziehen. Ihm ist klar, dass die sowjetische Delegation unter der ständigen Beobachtung der Geheimdienste beider Seiten steht und dass man versuchen wird, politisches Kapital aus der Sache zu schlagen. Etwas anderes zu glauben wäre naiv, schließlich befinden sich die USA und die UdSSR mitten im Kalten Krieg, und in diesem Krieg wird mit harten Bandagen gekämpft. Leos Befürchtungen sind nur zu berechtigt. Ausgerechnet seine Tochter Elena soll zum Werkzeug in einer perfiden Intrige werden. Der zur Delegation gehörende junge Propagandaoffizier Mikael Iwanow spielt der Siebzehnjährigen die große Liebe vor und nutzt ihre Gefühle aus, um sie für seine Zwecke einzuspannen. Heimlich verlässt Elena auf sein Betreiben das Hotel, in dem die Delegation untergebracht ist, und sucht den Schwarzen Sänger Jesse Austin auf, um ihn dazu zu bewegen, nach dem Konzert am Veranstaltungsort – dem Haus der Vereinten Nationen – eine Rede vor Demonstranten zu halten. Austin ist überzeugter Kommunist und war früher ein wichtiges Sprachrohr der UdSSR in Amerika, wurde jedoch vom FBI-Agenten Jim Yates, der ihn auch jetzt noch permanent überwacht, gezielt zugrunde gerichtet. Austin lässt sich von der idealistischen jungen Frau überzeugen. Während seiner Rede wird er von einem Unbekannten erschossen. Die Tatwaffe wird Elena zugesteckt, doch im Durcheinander fällt sie Raisa in die Hände. Beide werden verhaftet. Als Raisa im Polizeirevier der Frau Jesse Austins begegnet, fallen erneut Schüsse. Raisa wird tödlich getroffen.

 

Leos Welt bricht zusammen. Er wird nur durch die Suche nach der Wahrheit am Leben gehalten. Es wurde so dargestellt, als sei Raisa Austins Geliebte gewesen. Der Sänger habe ihr ein Leben in den USA versprochen, sie dann aber im Stich gelassen. Daraufhin habe Raisa ihn getötet und sei von seiner Ehefrau aus Rache umgebracht worden, die danach die Waffe gegen sich selbst gerichtet habe. Leo glaubt keine Sekunde lang, dass von diesem Eifersuchtsdrama auch nur ein einziges Wort wahr ist. Nachdem er Jahre damit verbracht hat, die dürftigen Informationen zusammenzutragen, an die er in Moskau herankommen konnte, versucht er das Land zu verlassen. Iwanow ist seinerzeit untergetaucht und Leos Recherchen zufolge bereits gestorben. Nur in New York, so glaubt Leo, kann er Raisas Mörder finden. Er wird an der Grenze abgefangen und hat es nur der Protektion durch seinen alten Kameraden Frol Panin zu verdanken, dass er nicht hingerichtet wird. Leo hängt nicht an seinem Leben und verpflichtet sich für die gefährlichste Tätigkeit, die es zurzeit für einen Russen gibt – er geht als Berater der beim Volk verhassten sowjetfreundlichen Regierung nach Afghanistan…

 

Und damit tritt der Roman nach einem weiteren Zeitsprung (bereits zwischen Raisas Tod und Leos gescheitertem Fluchtversuch vergehen einige Jahre) in jene Phase ein, die ich oben mit »nicht unbedingt erforderlich« meinte. Leo schult Nachwuchsagenten der afghanischen Sicherheitspolizei und kommt dabei einer jungen Frau namens Nara Mir näher, die für den weiteren Handlungsverlauf zwar in gewisser Weise wichtig ist, eigentlich aber nicht gebraucht wird. Dasselbe gilt für ein kleines Mädchen namens Zabi, die einzige Überlebende eines russischen Luftangriffes auf ein afghanisches Dorf. Durch die beiden erhält Leo lediglich den Anstoß, doch noch einen Versuch zu machen, nach New York zu gelangen. Auch die Vorgeschichte (der Roman beginnt nicht 1965, sondern 1950 mit einem Besuch Jesse Austins in Moskau) hätte vielleicht nicht in dieser Ausführlichkeit erzählt werden müssen. Wie dem auch sei: Es gelingt Leo am Ende, den Fall aufzuklären. Die Tatsache, dass er dadurch keine Erlösung findet, ist natürlich tragisch, aber konsequent und lobenswert. Ein »Happy End«, bei dem Leo in sein früheres Leben zurückkehrt, wäre ebenso unglaubwürdig wie billig gewesen.

 

Im Abschluss der Leo Demidow-Trilogie zeichnet der Autor erneut nicht nur ein plastisches Bild der Hauptfigur, sondern auch eines der Verhältnisse, mit denen Leo es zu tun hat. Diesmal sind es die Machenschaften der Geheimdienste beider Seiten im Kalten Krieg, später dann die Situation im russisch besetzten Afghanistan. Menschen wie Jesse Austin sind für KGB und FBI nur kleine Schachfiguren, die man je nach Bedarf in wichtige Positionen schiebt oder opfert. Dass sich die Amerikaner bei der Verfolgung von Kommunisten in der McCarthy-Ära die Hände schmutzig gemacht haben, ist ja allgemein bekannt. Ich habe allerdings nicht gewusst, dass es für Jesse Austin ein reales Vorbild namens Paul Robeson gibt. Ich rechne es dem Autor hoch an, dass er weder die an der Intrige beteiligten russischen noch die amerikanischen Agenten als klischeehafte Bösewichte darstellt. Außerdem verzichtet er dankenswerterweise auf übertriebene Action, zumindest im Vergleich mit »Kolyma«, das heißt, die Protagonisten werden nicht so sehr ins Zentrum bekannter geschichtlicher Ereignisse gerückt. Anders als bei den vorhergehenden Bänden würde ich diesmal übrigens nicht sagen, dass man den Roman unabhängig von den anderen lesen kann. Rückschauend betrachtet bildet die Leo-Demidow-Trilogie eine Einheit.

 

23.09.2018

Das Boot – TV-Fassung (Blu-ray)

 

Die aus sechs Folgen zu je ca. 50 Minuten bestehende Fernsehserie »Das Boot« aus dem Jahre 1985 (der viel kürzere Kinofilm ist 1981 in die Lichtspielhäuser gekommen) ist ein aufwändig produziertes und ebenso eindrucksvolles wie packendes Drama, das man auch als zeitgeschichtliches Dokument bezeichnen könnte. Aus zweierlei Gründen: Zum einen wird der U-Boot-Krieg sehr authentisch dargestellt. Das U-Boot U 96 geht im Herbst 1941 auf Feindfahrt im Nordatlantik, wo es nach wochenlanger ereignisloser »Gammelfahrt« zu Zusammenstößen mit alliierten Zerstörern kommt. Anschließend wird das angeschlagene Schiff ins Mittelmeer beordert, doch bei der Durchquerung der schwer bewachten Meerenge von Gibraltar kommt es zur Katastrophe. Zum anderen kann man hier eine ganze Reihe junger Schauspieler sehen, die damals am Anfang ihrer Karrieren gestanden haben. Unter anderem Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge, Klaus Wennemann, Jan Fedder – und Herbert Grönemeyer!

19.09.2018

Urlaubsfotos 2018

 

Im Archiv habe ich einige Bilder aus meinem diesjährigen Sommerurlaub auf der schönen Insel Skiathos veröffentlicht.

 

Den Reisebericht findet ihr hier.

Ältere Inhalte (Archiv)

  Kringels Archiv

In meinem Archiv findet ihr ältere Inhalte von dieser Page:

- Bücher

- Filme

- Kommentare

 

Zusätzliche Inhalte im Archiv:

- Perry Rhodan

- Atlan

- Bilder

- Games

- Storys

Aktueller Perry Rhodan-Heftroman im Archiv: Nr. 2982 - Die Vernichtungsvariable (Autor: Kai Hirdt)

(c) VPM KG Rastatt
DruckversionDruckversion | Sitemap
© Johannes Kreis 2002 - 2018