Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe.

 

12.12.2018

Es (Blu-ray)

 

Diese kongeniale Neuverfilmung des gleichnamigen Buchs von Stephen King enthält nur eine der beiden Handlungsebenen des Romans, nämlich jene, in der sieben in der Kleinstadt Derry lebende Dreizehnjährige – der »Club der Verlierer« – erstmals mit dem personifizierten Bösen aneinandergeraten, das alle 27 Jahre erwacht, um sich Opfer zu suchen, an deren Fleisch und Furcht es sich laben kann. Diese Beschränkung schadet dem Film gar nicht. Ganz im Gegenteil! Das ist vor allem den jugendlichen Hauptdarstellern zu verdanken, die keineswegs nerven, sondern ernst genommen werden und dem Zuschauer ans Herz wachsen. »Es« ist ein Film mit Kindern in den Hauptrollen, aber es ist kein Kinderfilm. Der Horror funktioniert bestens und Bill Skarsgard macht den Clown Pennywise, dessen Gestalt das Böse mit Vorliebe annimmt, zu einer wahrhaft furchteinflößenden Figur!

10.12.2018

Neal Asher: Prador Mond

Bastei Lübbe, 2011

285 Seiten

 

Seit der Entwicklung der als »Runcibles« bezeichneten Materietransmitter haben sich die Menschen über zahlreiche Sonnensysteme ausgebreitet. Eines Tages berührt die Polis – das von Künstlichen Intelligenzen geführte Staatswesen der Menschheit – bei ihrer Expansion die Grenzen des Königreichs der Prador. Die an riesige Krabben erinnernden Wesen betreiben überlichtschnelle Raumfahrt und kennen die Runcibletechnik nicht, sind der Polis aber auf dem Gebiet der metallverarbeitenden Technik weit überlegen. Die Prador sind paranoide Individualisten. Sie leben in einem streng hierarchisch gegliederten System, in dem die Familienoberhäupter uneingeschränkte Macht besitzen und ihre Nachkommen mittels spezieller Pheromone und purer Gewalt gefügig machen. Unter den Erst- und Zweitkindern jedes Prador-Clans (noch jüngere Exemplare liegen buchstäblich auf Eis, bis sie gebraucht werden) tobt ein ständiger Konkurrenzkampf. Wenn ein Familienoberhaupt Schwäche zeigt, endet es gewöhnlich in den Mandibeln der eigenen Brut. Der erste Kontakt zwischen Menschen und Prador findet in der Raumstation Avalon statt. Ein Botschafter soll eine Abordnung der Krabbenwesen in Empfang nehmen. Jebel Krong, ein Sicherheitsoffizier der Station, wird Zeuge, wie der Anführer der Prador den Botschafter mit seinen Scheren in zwei Hälften teilt…

 

Die Prador sind nicht an einer friedlichen Koexistenz interessiert. Sie kommen als Eroberer, überrennen die Station, töten tausende Zivilisten und nehmen hunderte gefangen, um mit ihnen zu experimentieren oder sie zu verspeisen – Menschenfleisch ist für die Prador besonders lecker, wenn auch schwer verdaulich. Die Menschen führen ein aussichtsloses Rückzugsgefecht, um die Flucht der Bewohner Avalons zu decken. Jebel versucht vergeblich, die Entführten zu retten. Durch eine wagemutige Aktion gelingt es ihm, den Anführer der Prador zu töten, doch unzählige Zivilisten sterben, darunter eine Frau, in die sich Jebel verliebt hat. In der folgenden Zeit greifen die Prador einen zur Polis gehörenden Planeten nach dem anderen an und metzeln gnadenlos alles nieder, was ihnen in die Quere kommt. Die Menschen kämpfen auf verlorenem Posten, weil nicht genug Schlachtschiffe zur Verfügung stehen und die Panzerungen der gegnerischen Einheiten fast unzerstörbar sind. Nur langsam läuft die Produktion neuer, besser bewaffneter Einheiten an.

 

Um jeden Preis muss verhindert werden, dass den Prador ein Runcible in die Hände fällt. Genau dieses Ziel verfolgt Immanenz, Kapitän jenes Prador-Kampfschiffes, das Avalon angegriffen hat. Sein Ziel ist das Trajeen-Runcible, ein experimenteller Großtransmitter für Fracht und Raumschiffe. Moria Salem, eine beim Trajeen-Torprojekt eingesetzte Technikerin, entwickelt eine tollkühnen Plan zur Rettung des Runcibles und zur Vernichtung des unbezwingbar scheinenden Feindes.

 

»Prador Mond« ist Bestandteil des Polis-Universums und spielt vor dem ebenfalls in dieses Universum eingebetteten fünfbändigen Ian-Cormac-Minizyklus, den ich jüngst beendet habe. In den Bänden des Minizyklus, vor allem in Band 4 (»Das Tor der Zeit«) wird immer wieder auf den lange zurückliegenden Pradorkrieg angespielt, durch den die Polis an den Rand des Untergangs getrieben wurde und der weitreichende Veränderungen nach sich gezogen hat. Um den Ausbruch genau dieses Krieges und nicht viel mehr geht es im vorliegenden Roman. Asher erweist sich wieder einmal als nicht zimperlich bei der Schilderung von Gewalt, und so geht es in den Jebel-Krong-Kapiteln sehr, sehr blutig zur Sache. Die Prador wirken wie Klischees aus Space Operas der Fünfzigerjahre, allerdings wird das Ganze einerseits durch Gedanken der Protagonisten ironisch gebrochen, die sich darüber wundern, dass die Prador aussehen und sich verhalten wie B-Film-Monster, andererseits sind die Prador nicht einfach böse. Sie entstammen nun einmal einer ganz anderen Kultur, in der Rücksichtnahme auf Schwächere völlig unbekannt ist. Bei ihnen gilt der Grundsatz »Fressen und gefressen werden«. Die Prador gehen mit den Menschen einfach genauso um wie mit ihresgleichen und verstehen gar nicht, warum sich diese weichlichen Zweibeiner so sehr darüber aufregen. Das sorgt in den Kapiteln, bei denen die Perspektive der Prador eingenommen wird, für einige sehr schwarzhumorige Situationen.

 

Die Kämpfe zwischen Menschen und Prador sind durchaus packend, hätten aber auf die Dauer doch langweilig werden können. Zum Glück springt Asher nicht nur zwischen beiden Parteien hin und her. In einer dritten Handlungsebene erleben wir mit, wie Moria Salem ihren ersten Zerebralverstärker erhält. Im Ian-Cormac-Zyklus trägt praktisch jeder Bürger der Polis so ein Ding, mit dem sich die Leistungsfähigkeit des menschlichen Hirns steigern lässt und das zur Vernetzung mit den allgegenwärtigen KIs dient. Hier ist das noch nicht so. An Morias Beispiel erfahren wir, wie es sich anfühlt, einen Verstärker zu benutzen. Hinzu kommt der eine oder andere Querverweis. So lässt sich Moria von Aubron Sylac aufrüsten, einem gewissenlosen Arzt, der Arian Pelter in »Cormacs Krieg« mit Hardware zur Steuerung des Killer-Golems Mr. Crane ausstattet, außerdem erleben wir das Polis-Schlachtschiff Occam Razor in Aktion. Insgesamt ist die Handlung dieses kurzen, knackigen Romans ziemlich simpel, als kleine Facette eines größeren Universums ist das Buch dennoch OK.

 

05.12.2018

Hannu Rajaniemi: Fraktal

Piper, 2013

396 Seiten

 

Ich gebe offen zu, dass ich nicht ganz kapiert habe, um was es in diesem Roman eigentlich geht. Das soll nicht heißen, dass man der Handlung nicht folgen könnte; man kommt schon irgendwie mit. Mir ist auch klar, dass der Autor uns ein Universum des Posthumanismus vorführen möchte, in dem Körper und Bewusstsein schon lange keine Einheit mehr bilden und in dem es keine Individualität gibt, weil ein Bewusstsein beliebig oft kopiert sowie in die verschiedensten Trägermedien eingespeist werden kann; sei es ein aus Nanomaschinen bestehender Kunstkörper, eine virtuelle Realität oder ein planetengroßes Supergehirn. Aber welche Ziele die Protagonisten verfolgen? Warum sie sich diese Ziele gesetzt haben? Was sie tun, um die Ziele zu erreichen? Und wer die Protagonisten überhaupt sind? Das ist mir größtenteils schleierhaft geblieben. Deshalb müsste ich mir wie schon beim Vorgängerroman »Quantum« einiges zusammenreimen, um einen vernünftigen Teaser schreiben zu können. Ehrlich gesagt fehlt mir dazu die Lust.

 

Soweit ich es verstanden habe, soll der Meisterdieb Jean le Flambeur den Kaminari-Stein für die Gründerin Josephine Pellegrini stehlen (keine Ahnung, was das für ein Ding ist). Der Stein befindet sich im Besitz Matjek Chens, des derzeitigen Herrschers des Sobornost, und er wird zur Vollendung des großen Plans dieser Halbgötter benötigt. Ein virtuelles Universum soll entstehen, in dem alle Menschen, die vor dem Großen Zusammenbruch auf der Erde gelebt haben, wiedergeboren werden und ewig leben können. Um an Chen heranzukommen, benötigt Jean dessen Gründercodes. Diese kann er am ehesten mit der unfreiwilligen Hilfe einer Bewusstseinskopie Chens erlangen. Eine solche Kopie soll sich auf der Erde in einem Tiefbunker befinden, der so perfekt gesichert ist, dass er den Großen Zusammenbruch überstanden haben könnte. Die Sicherung stellt natürlich ein Problem dar, außerdem ist die Erde eine Wüste, in der eine ungeschützte Person von wilden Naniten zerfressen oder durch die Einwirkung von Chaoscode mutieren würde. Nur die herrschenden Muthasib-Familien können schützende Siegel verleihen. Um sich in Chens VR einschleusen zu können, nimmt Jean die Identität eines Abgesandten des Sobornost an, der einen Mord aufklären soll. Er bedient sich einer jungen Frau namens Tawaddud Gomelez, die bei ihrem Vater in Ungnade gefallen ist und sich nun rehabilitieren will. Derweil lässt sich Mieli als Söldnerin anheuern, um ebenfalls auf der Erde aktiv werden zu können.

 

Ich hatte dieselben Probleme wie beim ersten Roman der Trilogie, die ich jetzt wohl doch nicht wie ursprünglich beabsichtigt beenden werde. Teil 3 ist bis jetzt nur in englischer Sprache erschienen. Wenn ich bei den ersten beiden Bänden schon meistens Bahnhof verstanden habe, dann wird das beim dritten sicher noch schlimmer sein. Der Autor konfrontiert den Leser ununterbrochen mit nicht immer nachvollziehbarem Technobabble, unverständlichen Neologismen und sonstigen Fantasiebegriffen, zu denen nur in den seltensten Fällen irgendwann später wenigstens Häppchen jener Informationen geliefert werden, die man bräuchte, um zu begreifen, was der Autor einige Kapitel vorher gemeint hat. Ein Glossar wäre sehr hilfreich gewesen und über einen Abriss der Vorgeschichte, auf die in den beiden Romanen immer wieder – allerdings stets nur andeutungsweise – Bezug genommen wird, hätte ich mich gefreut. Der ständige Wechsel zwischen der selbst für SF-Fans nicht leicht verständlichen Zukunftswelt und unzähligen ineinander verschachtelten virtuellen Realitäten/Träumen/Visionen, in denen sowieso alles möglich ist, macht die Lektüre nicht gerade leichter. Irgendwann wusste ich buchstäblich nicht mehr, »wo« ich gerade war. Wie schon bei Band eins finde ich den Roman durchaus faszinierend. Besonderheit ist diesmal die Atmosphäre aus Tausendundeiner Nacht, die bei den auf der Erde spielenden Kapiteln entsteht. Nur reicht das nicht als Motivation, den Trilogie-Abschluss in einer Fremdsprache zu lesen.

 

03.12.2018

Westworld – Staffel Eins: Das Labyrinth (DVD)

 

Einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur ersten Staffel der Fernsehserie »Westworld« findet ihr in meinem Archiv. Vorsicht! Die Episodenzusammenfassungen enthalten massive Spoiler.

 

27.11.2018

Volker Klüpfel / Michael Kobr: Himmelhorn

Knaur, 2017

493 Seiten

 

Früher war Hauptkommissar Kluftinger von der Kripo Kempten begeisterter Wanderer, doch es ist lange her, seit er zuletzt im Hochgebirge unterwegs war. Klufti hat ordentlich Fett angesetzt, wofür nicht zuletzt seine Vorliebe für gemütliche Fernsehabende mit Kässpatzen und Bier verantwortlich ist. Ein wenig mehr Bewegung wäre da nicht schlecht. Das denkt jedenfalls Kluftis Familie! Und so leisten alle einen Obolus, um dem notorischen Couchpotato ein schnittiges E-Bike zum Geburtstag schenken zu können. Kluftis Freude über den Hilfsmotor, der die körperliche Betätigung doch sehr erleichtert (zumindest bis der Akku leer ist), wird deutlich durch die Tatsache getrübt, dass Dr. Martin Langhammer es sich nicht nehmen lässt, sich ebenfalls solch ein Sportgerät zuzulegen und Klufti bei der ersten Tour zu begleiten. Gemeinsam radeln die beiden durchs Naturschutzgebiet Oytal und stoßen prompt auf drei zu Füßen eines Felsmassivs liegende Leichen. Wie sich später herausstellt, haben zwei Bergführer - die einheimischen Brüder Franz und Herbert Kagerer - den berühmten Berg-Filmemacher Andi Bischof auf den Rädlergrat begleitet. Die Besteigung dieser gefährlichsten Passage am Himmelhorn sollte im Zentrum von Bischofs neuem Film stehen. Man geht davon aus, dass es dabei zu einem schrecklichen Unglück gekommen ist. Offensichtlich ist Bischofs weithin bekannte Risikobereitschaft den Männern zum Verhängnis geworden. Sie müssen auf dem grasbewachsenen Rädlergrat, wo man sich nur an einem knorrigen alten Bäumchen sichern kann, ins Rutschen gekommen sein. Der Baum konnte das Gewicht der Männer nicht halten und so sind sie in den Abgrund gestürzt.

 

Es handelt sich also nicht um einen Fall für Klufti, der momentan sowieso mit den Gedanken ganz woanders ist. Sein Sohn Markus und dessen Ehefrau Yumiko haben sich bei Kluftingers einquartiert, denn Yumiko ist hochschwanger und Markus muss für Prüfungen büffeln. Yumiko, ohnehin emotional nicht ganz stabil, fühlt sich vernachlässigt, weil Markus sich kaum um sie kümmert und lieber mit Freunden um die Häuser zieht, wenn er nicht gerade lernt. Der Haussegen hängt schief, zumal Kluftis Frau Erika ganz auf der Seite ihres Sohnes steht, während der Kommissar mehr um das Wohlergehen der Schwangeren (oder seines ungeborenen Enkels?) besorgt ist. In dieser vertrackten Situation holt sich Klufti praktische Anregungen aus der Seifenoper »Feuer der Leidenschaft«, in der es um das Schicksal der Schillingsberg-Zieselheims von Gut Halderzell geht. Erstaunt stellt Klufti fest, dass die von ihm bei jeder Gelegenheit angebrachten melodramatischen Zitate aus der Serie insbesondere bei der Damenwelt gut ankommen.

 

Nebenbei muss sich der Kommissar doch mal um die Arbeit kümmern. Er stattet Eva Wolf einen Besuch ab, Bischofs Geschäftspartnerin in der Filmproduktionsfirma. Sie stellt die letzten für den neuen Film gemachten Probeaufnahmen zur Verfügung. Auf den Filmausschnitten ist etwas zu sehen, durch das Kluftis Spürsinn geweckt wird. Der Boden rund um das entwurzelte Bäumchen auf dem Rädlergrat sieht aufgewühlt aus. Klufti muss wohl oder übel selbst aufs Himmelhorn steigen, um seinem Verdacht nachzugehen - und er behält Recht. Jemand hat beim Absturz nachgeholfen! Im Rahmen der sich anschließenden Ermittlungen befragt Klufti auch die Angehörigen der verunglückten Bergführer. So wird er in eine generationenübergreifende Familienfehde hineingezogen, die mit einem tragischen Unglück am Himmelhorn begonnen hat. Oder war es damals schon Mord?

 

Ich kann kaum etwas neues zu diesem Roman schreiben, denn Klüpfel und Kobr bedienen die Erwartungen ihrer Fans (zu denen ich mich zähle, was ich vorausschicken muss, damit kein falscher Eindruck entsteht) im neunten Kluftinger-Roman exakt so, wie man es inzwischen von ihnen erwartet. Diese Bemerkung reicht, um alle Kenner der Serie wissen zu lassen, was sie erwartet. All jenen, die womöglich mit »Himmelhorn« in die Serie einsteigen, sei gesagt, dass es in den Romanen nicht primär um Kriminalfälle geht, die von irgendwelchen Ermittlern gelöst werden. Nein, in dieser Serie wird die Lebensgeschichte von Hauptkommissar Kluftinger erzählt, und dazu gehören selbstverständlich Mordermittlungen - aber eben auch das Alltagsleben zu Hause, das Gefrotzel mit den Kollegen im Büro, der Ärger mit den Vorgesetzten (die neue Polizeipräsidentin legt Wert auf Fortbildungskurse, die niemand außer ihr gut findet - eine mir nur allzu gut bekannte Situation) sowie der unvermeidliche Kleinkrieg mit Dr. Langhammer. Dreh- und Angelpunkt ist stets Klufti, eine trotz einzelner Übertreibungen so wunderbar aus dem Leben gegriffene Figur, dass er für mich schon fast real geworden ist. Ich habe ein Bild von ihm vor Augen, wenn ich die Romane lese, ich weiß genau, wie es bei Kluftingers daheim aussieht, und wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass auch in mir drin ein kleiner Klufti steckt. Wenn ihr wissen wollt, was er für ein Typ ist, lest meinen Kommentar zum ersten Klufti-Roman »Milchgeld«.

 

Klufti ist ein guter alter Bekannter! Ich will wissen, wie es mit ihm, Erika, Markus und Yumiko weitergeht, und deshalb finde ich es völlig in Ordnung, dass der Kriminalfall auch diesmal wieder über weite Strecken in den Hintergrund tritt. Genauer gesagt dauert es geraume Zeit, bis aus dem Bergunglück überhaupt ein Fall für Klufti wird. Ungeduldige Leser, denen Klufti nicht so ans Herz gewachsen ist wie mir, könnten monieren, dass der Roman zu lang ist, weil die Autoren zu viele Nebenkriegsschauplätze aufmachen. Neben Yumikos Schwangerschaft und Kluftis neu entdecktem Interesse für eine seichte Telenovela sind das unter anderem: Ein Eifersuchtsdrama im Hause Langhammer, in dem Klufti mitmischt. Kluftis Versuch, ins Wertpapiergeschäft einzusteigen. Das Wiedersehen mit einem alten Freund namens Korbinian Frey, bei dem sich Klufti seit 15 Jahren nicht mehr gemeldet hat. Einzelne Nebenhandlungen werden erstaunlich abrupt beendet. Entweder haben die Autoren mindestens ein Kapitel nachträglich wieder entfernt oder sie haben sich eines nicht ganz überzeugenden Kunstgriffs bedient, um die Auflösung nicht erklären zu müssen. Zu besagten Nebenkriegsschauplätzen gehört im Grunde sogar die im obigen Teaser erwähnte Familienfehde. Sie hat (Achtung, Spoiler!) überhaupt nichts mit dem Mordfall zu tun, nimmt aber breiten Raum ein. Mich stört es nicht, denn sie enthält eindrucksvolle Einblicke in die finstere Vergangenheit zweier Bergbauernfamilien.

 

Die Autoren haben übrigens eine merkwürdige Begabung dafür, Figuren unsympathisch werden zu lassen, die eigentlich positiv besetzt sein sollten. Gemeint ist Markus Kluftinger, der mir schon in früheren Romanen unangenehm aufgefallen ist. Er verhält sich seiner Frau gegenüber wie ein Vollidiot und benimmt sich selbst noch in der Entbindungsklinik daneben. Aber insgesamt kann ich sagen: Sind die Autoren in den letzten beiden Romanen ein paarmal zu oft und zu weit in Richtung Karikatur und Sexismus abgeglitten, so gelingt ihnen der Balanceakt diesmal erheblich besser.

 

25.11.2018

Kompetenzsingularität

 

In Kringels Kommentar vom 07.02.2013 ist meine Theorie der Arbeit anschaulich, wenn auch stark vereinfacht beschrieben. Sie fußt auf langjährigen empirischen Forschungen und konnte bisher nicht widerlegt werden. Die Theorie besagt kurz zusammengefasst, dass Arbeit den Weg des geringsten Widerstands nimmt. Sie fließt also immer dorthin, wo sie erledigt wird.

 

Leider ist mir bei der Formulierung dieses Kernsatzes ein entscheidender Fehler unterlaufen. Im oben verlinkten Eintrag stelle ich die Frage, warum ich so oft derjenige bin, bei dem die Arbeit letzten Endes landet. Schließlich reiße ich mich definitiv nicht darum. Die Erklärung ist naheliegend! In aller Bescheidenheit kann ich die Frage jetzt, nach weiteren Jahren unfreiwilliger Studien, durch eine Umformulierung des Kernsatzes beantworten. Richtig muss er lauten: »Die Arbeit geht immer dorthin, wo sie gut erledigt wird.«

 

Ich muss das in meiner Theorie der Arbeit postulierte Modell also um den Faktor »Kompetenz« erweitern. Er fügt sich problemlos in das Modell ein, denn ich habe geschrieben, dass das Medium, in dem sich die Arbeit ausbreitet (ich nenne es »Kollege(n)«) aus mehreren Einzelelementen besteht, die über eine Art Gravitationssenke verteilt sind. Hier kommt der neue Faktor ins Spiel! Ebenso wie Gravitation zu Krümmungen in der Raumzeit führt, führt der Faktor »Kompetenz« zu Dellen in der n-ten Dimension und letztlich dazu, dass Scheiße immer bergab rollt. Stellt euch einfach ein straff gespanntes Bettlaken vor, auf das ihr eine schwere Metallkugel legt. Eine zweite, leichtere Kugel wird in den von der ersten Kugel erzeugten Trichter rollen, eine schwerere wird einen neuen Trichter erzeugen, in den die erste hineinrollt. Nun, und wenn ihr jetzt annehmt, dass ihr mit dem Faktor »Kompetenz« gesegnet (oder vielmehr gestraft) seid, dann ist leicht zu verstehen, warum sich euch die Arbeit nähert, obwohl ihr im Grunde überhaupt nichts damit zu tun haben wollt. Die Erde wird ja auch nicht gefragt, ob sie es toll findet, dass immer mehr Menschen und sonstige Amöben auf ihr herumkrabbeln!

 

Ganz schlimm wird es, wenn eure Kompetenz einen kritischen Punkt übersteigt. Dann werdet ihr automatisch und für alle Zeit zum tiefsten Punkt der oben beschriebenen Senke – zu einer Kompetenzsingularität, der nichts entkommen kann, nicht mal Arbeit, für die ihr nicht zuständig seid…

 

21.11.2018

7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug (Blu-ray)

 

Zum zweiten Zwergenfilm mit einem nicht wirklich begeisternden Otto Waalkes, einer umso besseren Nina Hagen und zahlreichen Promi- bzw. Comedian-Cameos gibt es nicht viel zu sagen, außer dass er im Prinzip genau dasselbe bietet wie der erste, nämlich episodenhafte, sehr seichte und in der Regel nur mäßig witzige Unterhaltung. Zwei Besonderheiten gibt es: Auf der Suche nach dem Namen des Bösen (= Rumpelstilzchen), dem das Kind von Königin Schneewittchen versprochen wurde, verschlägt es die Zwerge in die reale Welt. Außerdem gibt es eine Art Director’s Cut des Films, der im Fernsehen zu sehen war, auf Blu-ray aber nicht vorliegt.

19.11.2018

Arkadi und Boris Strugatzki: Die dritte Zivilisation

Heyne, 2014

198 Seiten

 

Im Rahmen einer als »Projekt Arche« bezeichneten Rettungsaktion für die Eingeborenen des Planeten Panta, dessen Sonne sich bald in eine Supernova verwandeln wird, untersuchen die Besatzungen von zwölf Raumschiffen eine fremde Welt, auf der es außer verschiedenen Pflanzen keine nennenswerten Lebensformen gibt und die sich somit zur Umsiedlung der vom Untergang bedrohten Panta-Bewohner eignet. Die Erdenmenschen errichten Basen und beginnen mit der Umformung der Ökosphäre. Einige Zeit später macht die vierköpfige Besatzung eines Raumschiffes beunruhigende Beobachtungen. Kommandant Jakow Vanderhoeze, Quartiermacherin Maja Glumowa sowie Dr. Gennadi Komow, Xenopsychologe und Sonderbevollmächtigter für das »Projekt Arche«, entdecken das Wrack eines irdischen Raumschiffes, das vor langer Zeit aus unbekannten Gründen auf dieser Welt abgestürzt ist. An Bord war nur ein Ehepaar, das bei der Katastrophe ums Leben gekommen ist. Der in der Basis gebliebene junge Kybertechniker Stas Popow hört Stimmen, die er mit Musik zu unterdrücken versucht, weil er sie für Produkte beginnenden Wahnsinns hält, verursacht durch die Stille einer leblosen Umgebung. Doch die anderen haben zu Popows Erleichterung ähnliche Erlebnisse. Alle vier fühlen sich von Phantomen beobachtet.

 

Nach einigen Tagen gelingt es ihnen, den Urheber der Phänomene ausfindig zu machen. Sie glauben, sie hätten einen Ureinwohner des Planeten entdeckt, doch es stellt sich heraus, dass sie es mit einem kosmischen Findelkind zu tun haben. Es ist der inzwischen zwölfjährige Sohn des Ehepaares aus dem abgestürzten Schiff. Das Kind hat den Absturz überlebt, was an sich schon kaum zu glauben ist. Die Tatsache, dass der Junge mindestens zehn Jahre lang in einer Umgebung ohne Nahrungsquellen und mit sehr niedriger Durchschnittstemperatur überlebt hat, ist eine Sensation. Abgesehen davon, dass sich der Junge (man gibt ihm den Namen »Knirps«) sehr seltsam verhält – schließlich hatte er nie zuvor Kontakt mit Menschen – besitzt er einige erstaunliche Fähigkeiten. Er kann Stimmen sowie Geräusche perfekt imitieren und Trugbilder erschaffen, die ihm gleichen. Anscheinend muss er sich etwas nur mit aller Kraft wünschen, damit es sich manifestiert. Man geht davon aus, dass das Kind von einem fortschrittlichen Volk gerettet und aufgezogen wurde, dessen Anwesenheit den Menschen bislang entgangen ist.

 

Knirps ist neugierig und gesprächsbereit. In kürzester Zeit lernt er die Sprache der Menschen und stellt ihnen viele Fragen, kann aber wenig zur Erhellung der Situation beitragen. Immer dann, wenn er das Raumschiff aufsucht, erscheinen am Horizont riesige Objekte, die aussehen wie die Fühler eines gewaltigen Insekts. Während Komow alles daransetzt, den Knirps zur Kontaktaufnahme mit den hypothetischen Planetenbewohnern einzusetzen, erkennt Maja, dass der Junge an der Situation zu zerbrechen droht. Sie setzt ihre Karriere aufs Spiel, um das zu verhindern…

 

Dieser zum Zyklus »Welt des Mittags« gehörende Roman aus dem Jahre 1971 ist Bestandteil von Band 4 der Strugatzki-Werkausgabe, die außerdem Anmerkungen und Kommentare von Boris Strugatzki enthält. Einige alte Bekannte spielen in »Die dritte Zivilisation« wieder eine Rolle oder werden wenigstens erwähnt. So erfährt man unter anderem, dass Leonid Gorbowski die Katastrophe auf dem Planeten Regenbogen (siehe hier) überlebt hat. Sidorow, eine Hauptfigur in »Unruhe«, leitet das »Projekt Arche«. Auch sonst werden recht viele Anspielungen auf andere Romane des Mittagswelt-Universums eingestreut.

 

Die Ausgangssituation des Romans, den ich für ganz okay und gut lesbar, aber nicht unbedingt für ein Glanzlicht im Oevre der Strugatzkis halte, ist ganz typisch für deren Geschichten. Die Protagonisten müssen sich mit für sie unverständlichen Geschehnissen auseinandersetzen und richten aufgrund ihres mangelnden Wissens mehr Schaden an, als ihnen bewusst ist. So beginnt der Roman mit Popows komisch-verzweifelten Versuchen, die für Einbildung gehaltenen Stimmen auszublenden oder zu vertreiben. Später sorgt der Knirps mit seinen unmöglichen Fähigkeiten und den für Menschen nicht nur rätselhaften, sondern sogar erschreckenden Verhaltensweisen für Verwirrung. Immer wieder müssen ihm die selbstverständlichsten Dinge umständlich erklärt werden, umgekehrt gelingt es ihm nicht, den Menschen begreiflich zu machen, wie er auf dem unwirtlichen Planeten überleben konnte. Spannungen innerhalb der Gruppe erschweren die Situation zusätzlich. Am Ende erkennt Maja, dass der Knirps zwischen der Verbundenheit mit der Welt, auf der er aufgewachsen ist, und der Sehnsucht nach dem Volk, dem er entstammt, zerrieben wird. Sie trifft die moralisch richtige Entscheidung und stellt sich damit gegen ihre Kollegen, die für sich beanspruchen, selbst entscheiden zu können, was für Knirps gut ist – bzw. dass sein Wohl hinter dem Erkenntnisgewinn zurückzustehen hat. Ich vermute, hier klingt wieder einmal leise Kritik an der ehem. UdSSR an…

 

15.11.2018

Die Mumie (Blu-ray)

 

In dieser zwar mit großem Aufwand produzierten, leider aber uninspirierten und ziemlich langweiligen Neuauflage des gleichnamigen Horror-Klassikers aus dem Jahre 1932 mit Boris in der Titelrolle spielt Tom Cruise einen eher unsympathischen Typen namens Nick Morton, der durch puren Zufall den Sarkophag der Prinzessin Ahmanet entdeckt. Ahmanet war die Tochter eines altägyptischen Pharaos und hat vor Jahrtausenden einen Pakt mit dem Totengott Seth geschlossen, um die Macht übernehmen zu können. Man hatte sie zur Strafe für ihre Gräueltaten bei lebendigem Leibe mumifiziert und den Sarkophag in einem mit Quecksilber gefüllten Brunnen versenkt. Jetzt kehrt Ahmanet aus dem Reich des Todes zurück, um ein unterbrochenes Ritual zu Ende zu bringen. Morton wird mit einem Fluch belegt und soll mit einem magischen Dolch geopfert werden, so dass Seth Besitz von seinem Körper ergreifen kann…

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