Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher, Filme und Games vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

Kringel macht zurzeit Urlaub. Deshalb hat diese Homepage vorerst Sendepause...

 

20.06.2016

DVD: Dexter - Die fünfte Season

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur fünften Staffel der Fernsehserie »Dexter«, von der ich nach wie vor gefesselt bin, die jedoch so langsam mal neue Wege einschlagen müsste. Nach Ritas Tod ändert sich einiges in Dexters Leben, aber nicht sein Drang zu töten. Dieses Bedürfnis wird allerdings in Bahnen gelenkt, die sich Dexter nie zu träumen gewagt hätte. Als Dexter einem Serienmörder tötet, begegnet er einer jungen Frau namens Lumen Pierce, die von dem Mörder und vier weiteren Männern über einen langen Zeitraum hinweg schrecklich gequält worden ist. Dexter gewinnt nicht nur Lumens Vertrauen - er wird ihr Partner in einem gnadenlosen Rachefeldzug! Die zutiefst traumatisierte Frau kann keinen Frieden finden, solange auch nur ein einziger ihrer Peiniger lebt. Allmählich kommen sich Dexter und Lumen näher. Dexter stellt fest, dass es einen Menschen gibt, der die ganze Wahrheit über ihn kennt und ihn dennoch nicht für ein Monster hält.

19.06.2016

Blu-ray: A Girl Walks Home Alone at Night

 

Eine im Iran spielende amerikanische Vampirfilm-Romanze mit sehr wenig Dialog, gedreht in Schwarzweiß und mit langen Einstellungen, in denen meist eigentlich gar nichts geschieht? Das klingt merkwürdig, und tatsächlich will dieser Film so gar nicht in die üblichen Schubladen passen. Faszinierend finde ich ihn trotzdem oder gerade deswegen. Die Story dreht sich um eine namenlose junge Frau, die des Nachts im Tschador durch die Straßen der fiktiven Stadt Bad City streift und vorwiegend das Blut von unangenehmen Typen wie dem Zuhälter und Dealer Saeed trinkt. Bei dieser Gelegenheit begegnet sie dem jungen Arash, der sein von Saeed zur Kompensation der Schulden seines Vaters einbehaltenes Auto mit gestohlenen Ohrringen auslösen wollte. Zwischen Arash und der namenlosen Frau entwickelt sich allmählich eine ganz besondere Beziehung.

16.06.2016

Blu-ray: John Wick

 

Mit diesem ebenso stylishen wie packenden und ziemlich brutalen Thriller meldet sich Keanu Reeves eindrucksvoll im Action-Genre zurück. Er spielt den ehemaligen Auftragskiller John Wick, der sich vor Jahren aus dem »Geschäft« zurückgezogen hat, um in Frieden mit seiner über alles geliebten Frau Helen leben zu können. Nach Helens frühem Tod wird John eine Transportbox mit einem kleinen Hund zugestellt. Helen muss dies noch zu Lebzeiten veranlasst haben. Im beigelegten Brief erklärt sie, dass John etwas braucht, das er lieben kann. Tatsächlich hilft ihm das anhängliche Tier über den Verlust hinweg. Doch das ist nicht von langer Dauer. Iosef Tarasov, der Sohn des russischen Gangsterbosses Viggo Tarasov, will Johns 1969er Ford Mustang kaufen. Als John ablehnt, wird er von Iosef beleidigt und zahlt mit gleicher Münze zurück. In der Nacht brechen Iosef und zwei Schergen bei John ein, schlagen ihn zusammen, demolieren die Wohnung, stehlen den Mustang und töten den Hund. Das war eine ganz dumme Idee, denn John schlägt erbarmungslos zurück…

13.06.2016

Volker Klüpfel / Michael Kobr: Milchgeld

Piper, 2013

313 Seiten

 

Kommissar Kluftinger kann keine Leichen sehen. Zum Glück bleibt ihm ein derartiger Anblick bei seiner Tätigkeit im beschaulichen Oberallgäu meistens erspart, doch eines Montagabends, als sich Kluftinger gerade mit Kässpatzen und einer Extraportion Röstzwiebeln für die ungeliebte Musikprobe stärkt, erhält er die Nachricht, dass ausgerechnet in seinem Wohnort Altusried jemand ermordet wurde. Philip Wachter, Lebensmitteldesigner bei einem örtlichen Milchwerk, wurde in seiner Wohnung mit einer Vorhangschnur erdrosselt. Widerwillig und noch mit dem Trachtenanzug bekleidet nimmt Kluftinger den Tatort in Augenschein. Anschließend befragt er Hinterbliebene und Arbeitskollegen des Opfers. Dabei zeigen sich dunkle Punkte in Wachters Vergangenheit. Abgesehen von unzähligen Frauengeschichten muss Wachter vor vielen Jahren in einen großen Skandal verwickelt gewesen sein, der ihn eine lukrative Stelle in Köln gekostet und dazu geführt hat, dass er nur noch in der Provinz arbeiten konnte. Karl Schönmanger, Seniorchef des Altusrieder Milchwerks, hat hiervon enorm profitiert, denn eine Spitzenkraft wie Wachter hätte er sich sonst nicht leisten können.

 

Sehr zur Freude von Kluftingers Chef Lodenbacher, der gern vor der Presse glänzen möchte, rückt schon bald ein Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungen. Wachters Haushälterin hat kurz vor der Tat einen Streit beobachtet. Der Mann, mit dem Wachter aneinandergeraten ist, erscheint bei der Beerdigung des Mordopfers und flieht, als Kluftinger ihn anspricht. Bei der Verfolgung macht der etwas übergewichtige Kommissar keine gute Figur. Der Verdächtige entkommt, kann aber als Andreas Lutzenberg identifiziert werden. Er ist der Sohn eines ehemaligen Kollegen Wachters. Damals müssen Wachter und Lutzenberg senior befreundet gewesen, dann aber im Streit auseinandergegangen sein. Von lebensgefährlichen Experimenten und Verrat ist die Rede. Dass ausgerechnet ein Fotoalbum mit Bildern der Kölner Zeit aus Wachters Wohnung verschwunden ist, gibt Kluftinger zusätzlich zu denken. Doch welches Mordmotiv sollte Lutzenberg junior gehabt haben? Kluftinger tappt weiter im Dunkeln – und dann ereignet sich ein zweiter Mord, der alle Theorien kippen lässt…

 

»Milchgeld« bildet den Auftakt einer ganzen Reihe von Krimis mit dem liebenswert-grantigen Kommissar Kluftinger. Wer es nicht mag, wenn es in Krimis »menschelt«, weil Person und Privatleben des Ermittlers mindestens ebenso breiten Raum einnehmen wie der Kriminalfall, für den ist »Milchgeld« wohl nicht geeignet. Es wird durchaus viel Ermittlungsarbeit betrieben, und zwar auf bodenständige, anfangs vielleicht etwas zu gemächliche Art und Weise. Action mit Schießereien und Verfolgungsjagden darf man von Klufti nicht erwarten, dafür umso mehr Realismus. Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob die Polizeiarbeit korrekt dargestellt wird, aber was den Büroalltag und das Miteinander der Kollegen angeht, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Passt! Besonders knifflig ist der Fall nicht, es dauert halt nur geraume Zeit, bis Klufti das Puzzle zusammengesetzt hat. Die Auflösung ist absolut glaubwürdig.

 

Für mich war der Kriminalfall fast schon nebensächlich, das heißt, viel mehr Spaß hatte ich an Klufti selbst. Er ist alles andere als ein Hardboiled-Detective, kein zynischer Einzelgänger, gebrochener Held mit problematischer Vergangenheit oder dergleichen. Stattdessen ist er derart mitten aus dem Leben gegriffen, dass ich mir ein ganz genaues Bild von ihm machen konnte. Ich kenne solche Leute, verdammt, ich bin ja fast selbst so ein Typ! Klufti (56) ist heimatverbunden, um nicht zu sagen erzkonservativ, allem neumodischen Kram gegenüber höchst skeptisch eingestellt und sparsam bis zur Knickrigkeit. Ein gemütlicher Abend auf der Couch ist für ihn die schönste Freizeitgestaltung. Urlaub im Ausland macht er nur der Gattin zuliebe. Tatsächlich steht er ein wenig unter dem Pantoffel! Klufti liebt deftige, einfache Hausmannskost und hat nichts für die kulinarischen Experimente seiner Frau übrig, die diese insbesondere bei Besuchen des befreundeten Ehepaares Langhammer veranstaltet. Das betont weltmännische Gehabe Dr. Martin Langhammers ist ihm ein Dorn im Auge. Klufti arbeitet am liebsten allein, denn von den Kollegen ist er schnell genervt. Einen Computer benutzt er nicht. Klufti hat einen scharfen Blick und ein fotografisches Gedächtnis, alle wichtigen Informationen notiert er auf Schmierzetteln. Man könnte ihn als Sammelsurium von Klischees bezeichnen, aber er hat das Herz am rechten Fleck und ist mir trotz oder gerade wegen seiner Knurrigkeit schnell sympathisch geworden. Und so nehme ich es den Autoren gar nicht übel, dass sie den Leser ausgiebig an Kluftis Privatleben teilnehmen lassen. Wegen des aktuellen Falls muss er den Mallorca-Urlaub ausfallen lassen und ist einigermaßen überrascht, als seine Frau stattdessen mit Frau Langhammer verreist, so dass er mit Dr. Langhammer ein Strohwitwer-Dasein fristen muss. Neben dem Humor ist der Lokalkolorit ein großer Pluspunkt von »Milchgeld«. Land und Leute werden plastisch beschrieben, ab und zu fließt ein bisschen Dialekt mit ein. Klufti ist Kult!

 

12.06.2016

Batman: Arkham City (Game of the Year – Edition)

Sony Playstation 3

 

Dieses Spiel ist die Fortsetzung von Batman: Arkham Asylum. Die Story schließt an das Ende von Asylum an. Der Joker hat sich eine Dosis der TITAN-Droge gespritzt und ist zu einem Riesenmonster mutiert, wurde aber von Batman besiegt. Der Joker hat die Prozedur nicht unbeschadet überstanden. Er leidet an einer tödlichen Krankheit und hat nicht mehr lange zu leben. Der Joker und viele andere Superschurken, Geisteskranke sowie »normale« Kriminelle wurden in Arkham City inhaftiert. Hierbei handelt es sich um abgeschottete Stadtteile von Gotham City. Sie sollen von der privaten Sicherheitsfirma TYGER überwacht werden, was jedoch mehr schlecht als recht funktioniert. Innerhalb von Arkham City haben sich Banden gebildet. Der Joker, der Pinguin und Two-Face kämpfen um die Macht. Außerdem landen immer mehr politische Häftlinge in Arkham City. Chef der Einrichtung ist Hugo Strange, einer von Batmans alten Feinden, der dessen wahre Identität kennt.

 

Als Bruce Wayne vor den Toren Arkham Citys für die Schließung des außer Kontrolle geratenen Gefängnisses plädiert, wird er von TYGER-Söldnern gefangen genommen und nach Arkham City gebracht. Er bleibt jedoch in Kontakt mit seinen Freunden, die ihm die Batman-Ausrüstung ins Gefängnis schicken. Nachdem er Catwoman aus den Fängen von Two-Face befreit hat, versucht Batman herauszufinden, was in Arkham City eigentlich vor sich geht. Er wird vom Joker und Harley Quinn überrumpelt und erhält eine Injektion vom verseuchten Blut des Jokers. Er leidet nun an derselben Krankheit. Damit will der Joker ihn motivieren, ein Heilmittel zu finden. Batman steht unter Zeitdruck, zumal Strange einen teuflischen Plan mit dem Decknamen »Protokoll 10« verfolgt, der in wenigen Stunden realisiert werden soll.

 

Beim Gameplay ist im Prinzip alles beim Alten geblieben, so dass ich auf meine Review zu Asylum verweisen kann. Allerdings stehen mehr Ausrüstungsgegenstände als im ersten Teil von Anfang an zur Verfügung, manche haben neuartige Zusatzfunktionen und neue Gadgets kommen hinzu. So erhält Batman von Mr. Freeze eine Waffe, mit der sich Gegner vorübergehend einfrieren lassen und die sich zum Erzeugen von Eisschollen auf Wasser einsetzen lässt. Auf solchen Eisschollen stehend kann Batman Wasserflächen überqueren, die ansonsten unpassierbare Hindernisse bilden. Ein weiterer wichtiger Gegenstand verschießt elektrische Ladungen, mit denen sich die verschiedensten Elektromotoren in Gang setzen lassen. Es macht Spaß, sich zu überlegen, wie all diese Spielzeuge eingesetzt werden können, sei es im Kampf oder beim Lösen von Rätseln.

 

Das Kampfsystem wurde aufgebohrt. Unter anderem kann Batsy Gegenstände zurückschleudern, mit denen er beworfen wird, außerdem können Angriffe mehrerer Gegner gleichzeitig gekontert werden. Auch diesmal lassen sich offene Kämpfe nicht vollständig vermeiden, denn an bestimmten Stellen, vor allem gegen Ende der Story, seid ihr situationsbedingt gezwungen, euch Gegnergruppen zu stellen. Das habe ich schon bei Teil 1 bedauerlich gefunden, diesmal hat es manchmal sogar richtig genervt. Gegner mit Schusswaffen, Messern und Elektroschockern sind wieder präsent. Andere tragen Körperpanzerung oder Schilde und lassen sich nur mit bestimmten Combos ausschalten. Bosskämpfe kommen mindestens genauso häufig vor wie in Asylum und sind abwechslungsreich gestaltet. Scarecow befindet sich nicht in Arkham City. Schade eigentlich, denn die Momente, in denen Batsy in Scarecrows Halluzinationswelten gefangen war, haben mir gut gefallen. Etwas Ähnliches geschieht bei Teil 2 nur einmal, wenn sich Batman im Verlauf der Story einer Prüfung der von Ra’s al Ghul und dessen Tochter Talia angeführten League of Assassins stellt.

 

Die Spielwelt soll fünfmal größer sein als in Asylum. Das glaube ich gern! Anders als im ersten Teil sind die Außenbereiche nicht in Levels unterteilt, stattdessen steht ganz Arkham City von Beginn an zur Verfügung. Man bewegt sich also durch eine offene Spielwelt, soweit das bei einem ummauerten Gefängnis überhaupt gesagt werden kann. Batman kann nur nicht sofort alle Gebäude betreten, diese werden im Verlauf der Story nach und nach freigeschaltet. Eine Rückkehr in bereits besuchte Gebäude ist diesmal bis zum Schluss jederzeit möglich. Die Stadt ist schön designt, mindestens genauso düster wie die Irrenanstalt des ersten Teils (kein Wunder, hier herrscht immer Nacht), und durchaus abwechslungsreich. Besonders gut gefallen hat mir das Stahlwerk. Dort hat der Joker sein Hauptquartier eingerichtet, und natürlich hat er es seinem bizarren Humor entsprechend dekoriert. Während Batsy in der Stadt unterwegs ist, kann er Gespräche sowie den Funkverkehr in seiner Nähe abhören. Das ist ein witziges Feature, denn die Gefängnisinsassen sind wahre Labertaschen, die sich über das schlechte Essen beschweren, die Aktionen ihrer Bosse kommentieren, über Batmans Taten spekulieren und so weiter.

 

Es empfiehlt sich, hoch über den Dächern zu bleiben, um ungefährdet von oben zuschlagen zu können. Batman kann sich sogar an die Kufen von Hubschraubern hängen, die ständig über der Stadt kreisen. Wie eine echte Fledermaus kann Batman lautlos über weite Strecken hinweg durch die Straßenschluchten schweben und sich mit seinem Greifhaken immer wieder hoch in die Lüfte schwingen. Er kann aber auch in die dunklen Straßenschluchten hinabsteigen, das heißt, manchmal bleibt ihm gar nichts anderes übrig. Überall warten neue Entdeckungen – und dabei handelt es sich zumeist um Riddler-Rätsel. Sobald man eine bestimmte Anzahl von Rätseln gelöst hat, erfährt man, wo der Riddler Geiseln gefangen hält. Diese Bedauernswerten müssen befreit werden, wobei auch wieder Rätsel zu lösen und Fallen zu entschärfen sind. 440 Riddler-Herausforderungen sind insgesamt vorhanden! Das ist eindeutig zu viel des Guten, zudem werden die Fundorte von Sammelobjekten auf der Karte erst sichtbar, wenn man Riddler-Informanten gefunden und verhört hat, was natürlich nicht ohne Kämpfe abgeht.

 

Hinzu kommen mehrere Nebenquests, bei denen es sich eigentlich um Mini-Storys abseits der Haupthandlung handelt. Zum Beispiel ist Deadshot in Arkham City unterwegs, um Menschen zu töten. Batman muss die Tatorte untersuchen. Politische Gefangene werden von Häftlingen überfallen, hier muss Batman einschreiten. Bane teilt Batsy mit, dass mehrere TITAN-Behälter in Arkham City versteckt sind, die es zu vernichten gilt. Victor Zsasz ruft an öffentlichen Fernsprechern an. Batsy muss das jeweilige Telefon rechtzeitig erreichen und abheben, um das Versteck des Schurken orten zu können. Vicky Vales Pressehubschrauber wird abgeschossen, sie sitzt danach zwischen Scharfschützen fest. Mr. Freeze bittet Batsy, seine Frau Nora zu finden.

 

Nach dem Schluss der Hauptstory ist das Spiel nicht zu Ende. Batman kann weiter nach Riddler-Trophäen suchen und Nebenquests absolvieren, außerdem begegnet er einem mysteriösen Ninja, der ihn zu beobachten scheint und an verschiedenen Stellen von Arkham City aufgespürt werden muss. Außerdem kann das Spiel jetzt mit allen Ausrüstungsgegenständen und Fähigkeiten neu gestartet werden. Die Gegner sind dann stärker und das Kontern-Symbol erscheint nicht mehr. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von gesonderten Herausforderungs-Modi. Hier tritt man auf unterschiedlichen Maps im Nahkampf gegen Wellen von bösen Burschen an oder muss selbige innerhalb eines Zeitlimits unbemerkt unschädlich machen.

 

Besonderheiten der Game of the Year – Edition: In dieser Version des Spiels ist Catwoman als weiterer spielbarer Charakter von Beginn an enthalten. Sie ist sexy und bewegt sich sehr geschmeidig, außerdem lässt sie gern zynische Kommentare ab. Sie bildet somit einen netten Gegensatz zum ernsthaften, bulligen Batman. Catwoman hat andere Fähigkeiten als Batman, zum Beispiel kann sie kopfüber an Decken herumkraxeln, wenn sich dort ein Gitter befindet. Die Katze verfolgt natürlich ihre eigenen Interessen, sie hilft Batman aber manchmal. Nach dem Ende der Story kann an bestimmten Punkten jederzeit zwischen Batman und Catwoman gewechselt werden, zudem lassen sich alle Catwoman-Kapitel im Hauptmenü noch einmal starten. Two-Face hat Catwomans Sachen geklaut, wofür er natürlich bestraft werden muss. Danach begibt sich Catwoman auf die Suche nach 16 Schergen, die einen Teil ihrer Besitztümer bei sich tragen.

 

Die GotY-Edition enthält die kurze Bonuskampagne »Harley Quinns Rache«. Hier steuert der Spieler abwechselnd Batman und dessen Sidekick Robin. Letzterer schleppt einige neue Ausrüstungsgegenstände mit sich herum, unter anderem einen Kampfstab, an dem sich ein Schild zur Abwehr von Geschossen ausklappen lässt. Die Kampagne beginnt einige Zeit nach dem Ende der Hauptstory. Batman hat das Ende seines Erzfeindes Joker anscheinend nicht so gut verkraftet (Hass und Liebe liegen bekanntlich nahe beieinander), aber das ist noch gar nichts im Vergleich mit Harley Quinns Reaktion. Sie zelebriert einen wahren Personenkult um den Joker und nistet sich im Stahlwerk ein. Als Batman dort bei einer Rettungsaktion für entführte Polizisten verschwindet, greift Robin ein.

 

Außerdem werden in der GotY-Edition diverse kleinere Zusatzinhalte wie neue Karten für den Herausforderungsmodus sowie neue Skins geboten. Bei jedem Spielstart kann man das Outfit der spielbaren Figuren modifizieren. Zu den interessantesten Skins gehören »Batman of the Future« und das Kostüm, das Batman in den Comics Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger trägt. Zu guter Letzt ist sogar ein neuer spielbarer Charakter vorhanden: Nightwing! Allerdings steht er nur im Herausforderungsmodus zur Verfügung.

 

Insgesamt bleibt es bei dem positiven Fazit, zu dem ich schon bei Arkham Asylum gekommen bin. Wie so oft bei Fortsetzungen gilt auch hier: Es wird noch einmal dasselbe geboten, von allem aber viel mehr. Ich hatte erneut sehr viel Spaß dabei, in der Rolle des Dunklen Ritters für Recht und Ordnung in der relativ weitläufigen Stadt Arkham City zu sorgen, mich elegant durch große Gegnergruppen zu prügeln und verschiedene aus dem Comic-Universum bekannte Superschurken das Fürchten zu lehren. Nur die Riddler-Rätsel sind mir irgendwann zu viel geworden, die habe ich dann ignoriert. Das Sahnehäubchen sind die in der GotY-Edition spielbaren anderen Charaktere. Somit möchte ich an die bei Teil 1 vergebene Note 2 ein dickes Plus dranhängen!

 

09.06.2016

DVD: 96 Hours – Taken 3 (Extended Cut)

 

Im ersten Teil der »Taken« - Trilogie machen Mädchenhändler den Fehler, die Tochter des Ex-Spezialagenten Bryan Mills zu entführen. Keiner überlebt Bryans Gegenschlag. Im zweiten Teil wollen sich die Hinterbliebenen der Gangster an Bryan rächen und entführen seine Frau. Sie haben kaum Zeit, diese dumme Idee zu bereuen, bevor sie ins Gras beißen. Jetzt geht es Bryan selbst an den Kragen. Seine Exfrau Lenore wird ermordet und jemand versucht ihm diese Tat anzuhängen. Diesmal wird also niemand entführt. Dennoch bekommt man im Grunde dasselbe geboten wie in den ersten beiden Teilen. Bryan mutiert einmal mehr zur unaufhaltsamen Kampfmaschine und eliminiert jede denkbare Bedrohung, muss sich dabei aber permanent vor der Polizei in Acht nehmen. Das klingt nach spaßiger Action, aber leider wird genau dieser Aspekt derart maßlos übertrieben, dass das Vergnügen auf der Strecke bleibt.

07.06.2016

Mike Resnick: Jäger des verlorenen Einhorns

Bastei Lübbe, 2011

382 Seiten

 

Privatdetektiv John Justin Mallory ist am Silvesterabend nicht in Feierlaune. Seine Ehefrau ist mit Mallorys Geschäftspartner durchgebrannt. Sie haben nur eine Flasche Whiskey und einen Berg von Schulden zurückgelassen. Obendrein wurde ihm die Wohnung gekündigt, so dass er die Nacht im Büro in New York verbringen muss. Nachdem Mallory dem Whiskey den Garaus gemacht hat, ist er nicht überrascht, einen kleinen Elf im Büro zu sehen, der seine Dienste in Anspruch nehmen will. Mallory fragt sich nur, wo die rosa Elefanten geblieben sind, die er nach übermäßigem Alkoholgenuss normalerweise sieht. Der Elf stellt sich mit dem Namen Murgelström vor und hat einige Mühe, dem Detektiv klar zu machen, dass er keineswegs eine Halluzination ist. Das gelingt dem Elf erst, als zwei Schuldeneintreiber ins Büro stürmen. Murgelström hält die Zeit für die beiden Schläger an, so dass sie wie festgefroren stehenbleiben. Da Murgelström bereits den von Mallory geforderten Tagessatz von zehntausend Dollar plus Spesen akzeptiert hat, nimmt der Detektiv den Job an, so merkwürdig dieser auch klingen mag. Murgelström hatte den Auftrag, das Einhorn Rittersporn zu bewachen, doch es ist ihm abhandengekommen. Der Elf muss das Tier bis zum Tagesanbruch auftreiben, sonst wird er von seiner eigenen Gilde mit dem Tod bestraft.

 

Gemeinsam beginnen Mallory und Murgelström in New York mit der Suche. Es handelt sich allerdings nicht um die Stadt, in der sich Mallory wie in seiner Westentasche auskennt, sondern um ein anderes New York, in dem Elfen, Einhörner, U-Bahn-Trolle, Leprechaune, Geister, sprechende Tiere, Dämonen sowie viele andere Fabelwesen leben. Normale Menschen können diese Stadt nur unter ganz besonderen Umständen sehen. Murgelström führt Mallory auf verschlungenen Pfaden in die fremde Welt und muss ihm erst einmal die dort herrschenden Regeln erklären. Am Tatort angekommen, begegnen die beiden dem Katzenmädchen Felina, das sich ihnen anschließt, weil Mallory ihr gefällt. Felina ist ihrer Art gemäß äußerst unzuverlässig, aber als Fährtenleserin unschlagbar. Außerdem hat sie Rittersporns Entführung beobachtet. Mallory erfährt, dass das Einhorn von einem Leprechaun namens Fliegenfänger Gillespie gestohlen wurde. Dieser wiederum arbeitet für den Grundy, einen Dämon, der als Ursprung des Bösen in beiden Welten gilt und bereits darüber im Bilde ist, dass sich ein Detektiv auf die Spur des Einhorns gesetzt hat. Allmählich dämmert es Mallory, dass zehntausend Dollar ein viel zu geringer Lohn für seine Mühen sind!

 

Nach einem Zusammenstoß mit dem Dämon, den Mallory und Murgelström knapp überstehen, findet der Detektiv in dem nur gut 15 Zentimeter großen Pferd Eohippus einen weiteren Gefährten. Das Pferd schrumpft jedes Mal, wenn es selbst oder ein anderes Rennpferd geschlagen wird. Anschließend versucht Mallory mehr über Einhörner in Erfahrung zu bringen. Seine erste Adresse ist Oberst Winnifred Carruthers, eine ehemalige Einhornjägerin. Sie langweilt sich im Ruhestand und ist deshalb gern bereit, Mallory beizustehen. Sie stellt ihn dem Großen Mephisto vor, einem Magier, der erklären kann, warum Rittersporn entführt wurde. Es geht dem Grundy gar nicht um das Tier, sondern um einen Rubin, den es unter dem Horn trägt. Nur solange Rittersporn lebt, ist die Grenze zwischen Menschen- und Fabelwelt durchlässig. Wer den Edelstein besitzt, kann nach Belieben zwischen beiden Welten wechseln. Während Mallory weitere Hinweise sammelt, wird ihm klar, dass sein Auftraggeber ein doppeltes Spiel treibt. Doch er kann Murgelström den Fall nicht vor die Füße werfen, denn Rittersporn lebt längst nicht mehr – wenn Mallory in seine eigene Welt zurückkehren will, muss er den Rubin an sich bringen…

 

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich, der ich mich seit Jahrzehnten für einen Science-Fiction-Fan halte, noch nie etwas von Mike Resnick gelesen habe und nicht einmal wusste, dass dieser Autor überhaupt existiert. Angesichts seines umfangreichen Werks und der vielen Preise, die er dafür eingeheimst hat, ist das ganz schön peinlich. Und nachdem ich nun mit »Jäger des verlorenen Einhorns« (1997 unter dem Titel »Die Einhornpirsch« schon einmal erschienen) meinen ersten Resnick-Roman gelesen habe, muss ich außerdem feststellen, dass mir eine wirklich köstliche Lektüre entgangen ist!

 

Der Roman enthält einen kuriosen Genremix: Ein hartgesottener, desillusionierter Detektiv ganz nach dem Vorbild von Raymond Chandlers Philip Marlowe begibt sich in einer reichlich abgedrehten Fantasywelt, in der sich Phantastisches auf bizarre Weise mit Alltäglichem vermischt, auf die Suche nach einem Fabelwesen und erlebt dabei ganz wie Lewis Carrolls Alice ein absurdes Abenteuer nach dem anderen, wobei satirische Seitenhiebe und philosophische Betrachtungen geschickt eingeflochten werden. So ist der Grundy davon überzeugt, das absolut Böse verkörpern zu müssen, damit es das Gute geben kann. Außerdem betonen alle Fabelwesen ständig, dass die unerklärlichen Phänomene, mit denen Mallory konfrontiert wird, absolut gar nichts mit Magie zu tun haben, sondern rein wissenschaftlich mit Psychologie, Quantenphysik und so weiter erklärt werden können. Einmal fragt Mallory, worin der Unterschied bestehen würde, wenn stattdessen Magie zum Einsatz gekommen wäre. Es gibt natürlich keinen… Über weite Strecken wirkt der Roman etwas episodenhaft, wenn Mallory Begegnungen hat, die im Grunde nichts zur Story beitragen, aber bestens zur Einführung in die bunte Welt des »anderen« New York geeignet sind. Manche Erlebnisse und Dialoge (der Text ist sehr dialoglastig) sind eindeutig auf Pointen ausgelegt, aber dadurch wird das Vergnügen nicht geschmälert.

 

Nicht nur Ideenreichtum und Wortwitz können überzeugen. Der Kriminalfall ist spannend, entwickelt sich auf für den Leser nicht vorhersehbare Weise und wird intelligent aufgelöst. Rittersporn beziehungsweise der Rubin dienen nicht einfach nur als MacGuffin, dem hinterhergejagt werden muss. Der Besitz des Rubins entscheidet buchstäblich über das Schicksal beider Welten. Ich spoilere ein wenig: Mallory wurde natürlich nur benutzt, aber es gelingt dem gewitzten Detektiv, den Grundy auszutricksen und das Böse in Schach zu halten. Am Ende bleibt Mallory im »anderen« New York und eröffnet mit seinen Freunden eine Detektei. Zwei weitere Mallory-Romane liegen bereits in meinem SUB. Dort werden sie nicht lange bleiben, denn bei der Lektüre von »Jäger des verlorenen Einhorns« wollte das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht verschwinden und ich hoffe, dass das bei den Fortsetzungen genauso sein wird. Das Buch hat übrigens mehrere sehr amüsante Anhänge. Zum Beispiel eine von Oberst Carruthers verfasste Anleitung zur Einhornjagd. Ich habe gelesen, dass diese Anhänge in der 1997-er Ausgabe fehlen. Eine Kurzbiografie Mike Resnicks schließt den Band ab.

 

06.06.2016

DVD: Die Braut

 

In diesem 1985 entstandenen Remake des Films »Frankensteins Braut« (1935) spielt Sting den Baron Frankenstein mit bemerkenswerter Ausdruckslosigkeit. Er kann in dieser Rolle noch weniger überzeugen als Jennifer Beals, die den Part der titelgebenden, vom Baron erschaffenen Kreatur übernimmt. Zudem besteht der Film aus zwei Handlungsebenen, die sich ständig gegenseitig stören: Der Baron versucht die weibliche Kreatur (Eva) zu einer emanzipierten Frau zu formen, stört sich dann aber an ihrer Unabhängigkeit. Währenddessen ist eine männliche Kreatur – eine nicht ganz so gut wie Eva gelungene frühere Schöpfung des Barons, der man die weibliche Kreatur als Braut versprochen hatte – mit dem Zwerg Rinaldo unterwegs nach Budapest, wo sich die beiden bei einem Zirkus verdingen wollen. Die Storys laufen berührungslos nebeneinander her, bis sie am Ende zusammengezwungen werden. Obendrein konnte sich der Regisseur offenbar nicht entscheiden, was für eine Art von Film er machen wollte. Und so ist eine leider wenig überzeugende Mischung aus Kostümfilm und Gesellschaftsdrama mit nur leichten Horror-Anklängen dabei herausgekommen.

01.06.2016

DVD: Antboy – Die Rache der Red Fury

 

In seinem zweiten Abenteuer stürzt Pelle in eine Sinnkrise. Sein Alter Ego Antboy, der unbesiegbare Superheld, erfreut sich größter Popularität. Antboy sorgt in Middellund für Ruhe und Ordnung, die Damen liegen ihm zu Füßen. Doch davon hat Pelle, der kleine Junge hinter der Maske, rein gar nichts. Im Gegenteil! Die Verbrecherjagd ist aufreibend und derart zeitintensiv, dass Pelle nie die Gelegenheit hat, seiner Angebeteten Ida zu sagen, was er für sie empfindet. Hilflos muss er mit ansehen, wie sich ein neuer Mitschüler an Ida heranmacht. Obendrein hat Pelle es eines Tages nicht mehr nur mit Dieben und Einbrechern zu tun. Superschurken mit besonderen Kräften machen ihm das Leben schwer, zum Beispiel Red Fury, die sich unsichtbar machen kann und nur ein Ziel verfolgt: Antboys Vernichtung!

31.05.2016

Albig – Nachtrag

 

Vor einem Jahr habe ich euch zu einem kleinen Rundgang in Albig und Umgebung mitgenommen, den ihr im Archiv findet. Neulich war ich dort noch einmal unterwegs, und so gibt es jetzt einen kurzen Nachtrag.

 

Albig liegt am Schnittpunkt zweier Autobahnen. Die A63 verbindet Mainz und Kaiserlautern, auf der A61 kommt man im Süden bis Hockenheim und im Norden bis nach Köln und in die Niederlande. Wenn man in Albig wohnt, hat man das Autobahnkreuz Alzey quasi direkt vor der Haustür.

 

Bild 12: Die A63 mit Abfahrt zur A61. Albig hat sogar eine eigene Auffahrt an der A63

Das ist einerseits sehr praktisch, denn über die Autobahnen kommt man schnell nach Mainz und Worms, andererseits muss man mit dem Verkehrslärm leben. Je nach Windrichtung hört man die Autos besser als einem lieb ist. Aber was soll’s – dort wo ich jetzt wohne, haben wir stattdessen Fluglärm, das ist auch nicht besser. Die im obigen Bild zu sehenden Strommasten sind in unserer Region übrigens auch ein allgegenwärtiger Anblick. Wenn man direkt unter diesen Leitungen steht, kann man hören, wie sie knistern.

 

Ich kann mich noch gut an den Bau der Autobahnen erinnern. Das hiesige Teilstück der A61 wurde laut Wikipedia im Jahre 1975 fertiggestellt, das der A63 im Jahre 1978. Wenn ich mich nicht irre, sind wir damals vor der Einweihung auf den Autobahnen spazieren gegangen. Einen Bahnhof hat Albig auch. Regionalbahnen fahren nach Norden und Süden.

 

Wenn wir schon bei den Verkehrsverbindungen sind, darf der »Promilleweg« nicht unerwähnt bleiben. Das ist ein Wirtschaftsweg, der entlang der Bahnlinie zur benachbarten Kreisstadt Alzey führt. Es handelt sich nicht um eine Bundes-, Kreis- oder Landstraße, aber auch nicht um einen für PKW unpassierbaren Feldweg.

 

Bild 13: Der Promilleweg mit Blick auf ein Albiger Neubaugebiet

Soweit ich weiß, war der Weg schon zu meiner Zeit nur für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr sowie für Fahrräder freigegeben, nur hat das niemanden interessiert. Der Weg wurde vermutlich gern von Leuten genutzt, die etwas zu tief ins Glas geschaut hatten und nicht riskieren wollten, von der Polizei kontrolliert zu werden – daher der Name, den der Weg im Volksmund hat. Bei meinem Spaziergang konnte ich feststellen, dass auf dem Promilleweg auch heute noch Fahrzeuge unterwegs sind, die dort eigentlich nichts verloren haben! Diesen Weg habe ich in meiner Jugend unzählige Male zurückgelegt. Damals sind nicht annähernd so viele Züge zwischen Albig und Alzey gefahren wie heute, und wenn ich zum Beispiel sonntags ins Kino wollte, dann habe ich mich eben zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf den Promilleweg begeben.

 

Um zu unserem nächsten Ziel zu gelangen, müssen wir die A63 überqueren. So erreichen wir einen kleinen Aussichtsturm, der laut Inschrift auf der Infotafel im Jahre 2001 errichtet wurde. Anlass war der Abschluss der jahrzehntelangen Flurbereinigungen rund um Albig. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Seinerzeit wurden viele kleine Parzellen zusammengelegt, nicht zuletzt weil die Weinberge längst nicht mehr wie noch in den Siebzigern und teils in den Achtzigern durchweg von Hand abgeerntet werden, sondern mit Maschinen. Und mit so einem riesigen Ding durch einen Mini-Wingert zu fahren ist ziemlich sinnlos.

 

Bild 14: Turm auf dem Fels

Das Türmchen steht auf dem so genannten »Fels«. Das ist eigentlich nur ein bescheidener, heutzutage dicht mit Buschwerk und kleinen Bäumen bestandener Erdhügel. Zu meiner Zeit war der Bewuchs noch nicht so stark und man konnte eine Art Abbruchkante erkennen, um die sich Geschichten rankten, die uns von unseren Eltern vermutlich zur Abschreckung erzählt wurden, damit wir beim Spielen vorsichtig waren. Der Legende nach soll es dort früher eine Höhle gegeben haben, in der angeblich jemand (ein Kind?) bei einem Erdrutsch ums Leben gekommen ist. Der Teil mit der Höhle scheint zu stimmen, aber ich konnte heute nicht mehr herausfinden, ob an der Sache mit dem Todesfall etwas Wahres dran ist.

 

Der Fels gehört zur Weinlage »Albiger Hundskopf«, und so steht man hier mal wieder zwischen Reben.

 

Bild 15: Weinberg-Idyll

Wie ich im archivierten Text schrieb, gibt es neben all den landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen immer wieder kleine grüne Refugien für Flora und Fauna. Bei meinem Spaziergang am Fels sind mir zahlreiche Kaninchen über den Weg gelaufen! Heutzutage stört sich niemand mehr an dem, was man zu meiner Zeit als Unkraut betrachtet und erbarmungslos gerodet oder gar mit der Giftspritze vernichtet hat.

 

Bild 16: Blütenpracht am Wegesrand

Damit soll’s für heute schon wieder genug sein. Vielleicht finde ich ja irgendwann mal die Gelegenheit, die Albiger Kirchen, das Rathaus und andere Gebäude von innen zu knipsen. Das wäre dann ein Anlass für einen weiteren Nachtrag.

 

30.05.2016

Alan Dean Foster: Genom

Bastei Lübbe, 2012

349 Seiten

 

Infolge des globalen Klimawandels ist so manche Küstenstadt im Ozean versunken. Mittels neuer Techniken und Werkstoffe konnten andere auf Stelzen oder hydraulische Plattformen gesetzt und somit gerettet werden. Der Mars und andere Himmelskörper des Sonnensystems wurden kolonisiert. Doch nicht nur die Welt hat sich gewandelt. Auch die Menschheit hat sich zum Teil drastisch verändert. Immer mehr Menschen nutzen neue Errungenschaften in Medizin- und Gentechnik, um ihre Körper den veränderten Umweltbedingungen, den Anforderungen der Arbeitswelt, der Mode und dem persönlichen Geschmack anzupassen. Jedermann kann aussehen wie Marilyn Monroe, muskulöser sein als Arnold Schwarzenegger oder sein Erscheinungsbild dem des geliebten Haustiers angleichen. Wer Präzisionsarbeiten durchführen muss, lässt sich Augen mit Mikroskopsicht implantieren, Serviererinnen wählen ein zusätzliches Armpaar, Fischer entscheiden sich für Kiemen. Derartige Veränderungen werden als Melds bezeichnet (nicht aufgerüstete Menschen werden Naturals genannt) und bei der Körpermodifikation sind der Phantasie allenfalls finanzielle Grenzen gesetzt. Melds sind in allen Preisklassen erhältlich. Träger besonders teurer Modifikationen werden automatisch zur Beute von Kriminellen wie Jiminy Grille und Archibald Kowalski, genannt Whispr.

 

Whispr hat sich einem Ganzkörpermeld unterzogen. Er ist derart dünn, dass er sich durch die engsten Zwischenräume quetschen und sich nahezu lautlos bewegen kann. Jiminy und Whispr ermorden einen vermeintlichen Touristen, indem sie sein Kunstherz aus der Ferne anhalten. Sie entfernen die hochwertige Kunsthand ihres Opfers und nehmen außerdem einen hauchfeinen Faden aus einem unbekannten Material mit – vermutlich ein Speichermedium – der in einer Tasche des Toten eingenäht war. Dass sie es keineswegs mit einem gewöhnlichen Touristen zu tun hatten, wird den Räubern klar, als ein Großaufgebot der Polizei anrückt, sobald sie einen Hehler aufsuchen, um die hochwertige Kunsthand zu verkaufen. Auf der Flucht lässt Jiminy seinen Partner im Stich, läuft aber der Polizei in die Arme, während es Whispr gelingt, sich zu verstecken. Jiminy wird brutal verhört und getötet, sobald er den Polizisten verraten hat, wo sich die Beute befindet. Doch die Polizisten waren nicht hinter der Meld-Hand her, sondern hinter dem Speicherfaden, den Whispr bei sich trägt.

 

Bei der Suche nach jemandem, der ihm verraten kann, was auf den Faden gespeichert ist, wird Whispr angeschossen. Die Projektile sind gleichzeitig Peilsender und müssen so schnell wie möglich entfernt werden. Whispr wendet sich hilfesuchend an die Chirurgin Dr. Ingrid Seastrom, eine Natural, deren wissenschaftliches Interesse geweckt wird, als es ihr nicht gelingt, den Speicherfaden auszulesen. Die beiden schließen ein Zweckbündnis. Whispr nimmt an, ein Vermögen aus den im Faden gespeicherten Daten schlagen zu können. Ingrid dagegen ist begierig, mehr über das Material herauszufinden, aus dem der Datenträger besteht. Dieses dürfte unter den auf der Erde herrschenden Bedingungen überhaupt nicht existieren. Whispr und Ingrid ahnen nicht, dass ihnen jemand auf der Spur ist, dessen Auftraggeber über Leichen gehen…

 

»Genom« bildet den Auftakt einer Trilogie und hat ein offenes Ende. Das hätte ich mal vor dem Kauf wissen sollen! Einerseits möchte ich jetzt natürlich schon wissen, warum der Speicherfaden so wichtig ist, dass mindestens zwei unabhängig voneinander agierende Gruppen hinter ihm beziehungsweise seinen neuen Besitzern her sind und wieso ein aus aus metallischem Wasserstoff bestehendes Objekt überhaupt auf der Erde existieren kann. Andererseits ist es dem Autor nicht gelungen, mein Interesse für die Hauptfiguren zu wecken. Der Roman beginnt mit dem von Jiminy und Whispr kaltblütig begangenen Mord. Weder hinterfragt Whispr seine Tat, noch verschwendet er einen Gedanken an das Opfer. Whispr ist nichts weiter als ein gewissenloser Mörder und bleibt derart eindimensional, dass er sich nicht mal als Antiheld eignet. Im weiteren Verlauf des Romans bildet er mit Ingrid Seastrom ein Team und es ist offensichtlich, dass der Autor versucht, die Sympathie des Lesers für Whispr zu gewinnen. Was mich betrifft, hat das nicht funktioniert. Der Typ ist und bleibt einfach unsympathisch. Ingrid ist eine positive Figur, wird aber viel zu spät eingeführt und verhält sich obendrein unglaubwürdig. Ihre Bereitschaft, sich Hals über Kopf in eine lebensgefährliche Situation zu stürzen, wird mit ihrem Wissensdurst erklärt. Diese Charaktereigenschaft wirkt total aufgesetzt. Ingrids Motivation überzeugt mich nicht, das hätte besser vorbereitet werden müssen. Ein Killer namens Napun Molé ist die dritte Hauptfigur. Das brutale, rücksichtslose Vorgehen des bis zur Unbesiegbarkeit aufgerüsteten Mannes wird explizit geschildert, aber auch beim Aufbau dieses Hauptantagonisten verharrt der Autor in Klischees.

 

Der Weltenbau ist besser geraten als die Figurenzeichnung. Foster treibt den Schönheitswahn unserer Tage auf die Spitze; tatsächlich bezweifle ich nicht, dass die Meldtechnik in der Realität ganz genau so genutzt werden würde wie im Roman. Es gibt ja heute schon Vertreter eines »Transhumanismus«, die der Meinung sind, der Mensch habe sich an die Technik anzupassen – nicht umgekehrt. Der Leser wird nicht von einem allwissenden Erzähler in dieses Umfeld eingeführt, er erlebt es quasi durch die Augen der Hauptfiguren mit. Da sie zu völlig unterschiedlichen sozialen Schichten gehören, ist dieser Aspekt des Romans gut gelungen. Dennoch bleibt die Welt trotz des großen Ideenreichtums und aller Exotik nur Kulisse. Sie wird irgendwie nicht so richtig greifbar, tritt mir nicht plastisch genug vors innere Auge. Durch den ständigen Perspektivwechsel wird die Hatz nach dem Speicherfaden einigermaßen spannend, aber der holprige Stil (mangelhafte Übersetzung?) hat mich leider immer wieder rausgerissen.

 

29.05.2016

Blu-ray: Planet der Affen – Revolution

 

Dieser Film ist ein schönes Beispiel dafür, was die moderne CGI leisten kann. Inzwischen ist es möglich, computergenerierte Figuren zu erschaffen, die es in der Realität so nicht gibt, aber so überzeugend wirken, dass der Zuschauer perfekt getäuscht werden kann und im Idealfall gar nicht darüber nachdenkt, ob er es nun mit einem Spezialeffekt zu tun hat oder nicht. In diesem Fall sind das intelligente Affen, insbesondere deren Anführer Caesar und sein Gegenspieler Koba. Ihre Bewegungen, vor allem aber ihre Mimik sind derart genial umgesetzt, dass ich sie ebenso problemlos als »echte« Charaktere akzeptieren konnte wie die von menschlichen Hauptdarstellern verkörperten Figuren. Die Story dreht sich um den Untergang der Menschheit infolge einer Virus-Pandemie, in deren Folge Affen so intelligent werden wie der Homo Sapiens. Die intelligenten Affen gründen eine Siedlung in der Nähe von San Francisco und vermehren sich, während überall auf der Welt die Lichter ausgehen. Zehn Jahre nach Ausbruch des Virus stellen sie fest, dass die Menschen keineswegs ausgestorben sind. Nach anfänglichem gegenseitigem Misstrauen zeichnet sich die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz ab. Doch in beiden Lagern gibt es Personen, die damit ganz und gar nicht einverstanden sind. Sie wollen Krieg – und den bekommen sie…

26.05.2016

Graeme Thomson: Kate Bush – Under the Ivy

Bosworth Music GmbH, 2013

459 Seiten

 

Siehe auch Rob Jovanovic: Kate Bush - Die Biografie. Dort habe ich ein wenig über Kate Bush geschrieben, was ich hier wiederholen müsste.

 

Dieses Buch beginnt mit der Frage »Wer ist sie?« und wie jeder Biograf vor ihm steht auch der Musikjournalist Graeme Thomson bei der Suche nach Antworten vor einem Problem, denn wie kaum eine andere Künstlerin hat Kate Bush es verstanden, ihr Privatleben aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit herauszuhalten, ohne sich hinter einer fiktiven Persona zu verstecken, über die man wenigstens etwas berichten könnte. Thomson konnte Kate Bush nicht selbst interviewen und musste auf ältere Interviews zurückgreifen, aus denen er seine eigenen Schlüsse zieht. Er konnte jedoch mit vielen Personen aus Kate Bushs privatem und beruflichem Umfeld sprechen. Sogar Mitschülerinnen aus ihrer Kindheit wurden interviewt. Thomson versucht nicht nur Kate Bushs Lebensweg anhand dieser Interviews und allen anderen erreichbaren Quellen nachzuzeichnen, sondern sich vor allem ihrer Gedanken- und Gefühlswelt zu nähern. Dabei geht er etwas anders vor als Rob Jovanovic, was auch der Grund dafür ist, dass ich mir eine zweite Kate-Bush-Biografie zugelegt habe.

 

Jovanovic räumt zudem mit Klischees auf, die sich viele Jahre lang hartnäckig gehalten haben. So wurde Kate Bush immer wieder als in fremden Gefilden schwebende, leicht entrückte Esoterikerin charakterisiert. Glaubt man Thomson beziehungsweise seinen Quellen, dann war sie vielmehr schon immer eine bodenständige, mit beiden Beinen fest im Leben stehende Frau, die allerdings in jüngeren Jahren ziemlich viel geraucht hat – und nicht nur Tabak. Bei Thomson wird Kate Bush weder verklärt noch verunglimpft, sondern so lebensnah vorgestellt, wie es überhaupt möglich ist. Dass recht viel Unsinn über sie geschrieben und gesagt wurde, ist sicherlich ihrer beharrlichen, meiner Meinung nach nicht nur absolut verständlichen, sondern völlig normalen Weigerung geschuldet, der sensationslüsternen Presse das zu liefern, was so mancher Paradiesvogel im Genre der Pop- und Rockmusik nur allzu gern liefert. Dass diese Haltung als unnormal betrachtet wurde, sagt mehr über die so genannten Journalisten aus als über die Künstlerin! Kate Bush wollte einfach nur Musik machen und die Kontrolle über ihre Kunst behalten. Sie bringt es in folgendem Zitat auf den Punkt: »Es gibt da eine Figur, die verehrt wird, aber ich möchte stark bezweifeln, dass ich das bin«.

 

Die im Jahre 2010 erstmals erschienene Biografie wurde zwei Jahre später in einer aktualisierten Ausgabe neu aufgelegt. Damit ist Kate Bushs gesamtes Werk bis zum aktuellsten Album »50 Words for Snow« abgedeckt. Thomson beleuchtet den Entstehungsprozess jedes einzelnen Albums und liefert Reviews zu allen wichtigen Titeln. Dabei schlägt er durchaus kritische Töne an, insbesondere was die nicht immer gelungenen Experimente Kate Bushs mit dem Medium Film angeht, so dass man ihm nicht den Vorwurf der Lobhudelei machen kann. Zahlreiche Schwarzweißfotos, eine Bibliografie und eine Diskografie sowie ein umfangreicher Anhang mit Quellenangaben und Register runden diesen schönen Band ab.

 

24.05.2016

DVD: American Horror Story: Coven

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen Episodenführer zur dritten Staffel der Fernsehserie »American Horror Story«. Diesmal geht es um Hexen, die in New Orleans eine Schule betreiben, welche gleichzeitig als Zufluchtsstätte für den Nachwuchs dient, aber in Gefahr gerät, weil die machthungrige Hexenoberste (Jessica Lange) alles daransetzt, ihre Nachfolgerin zu finden und zu töten. Außerdem lebt in New Orleans eine unsterbliche Voodookönigin (Angela Bassett), die eine Rechnung mit den Hexen offen hat, und ein uralter Orden von Hexenjägern hat bereits mit der Infiltration der Schule begonnen. Mein Kommentar zu dieser Staffel fällt nicht besonders enthusiastisch aus, denn leider muss ich sagen, dass die Qualität der ersten beiden Staffeln nicht annähernd erreicht wird…

23.05.2016

Andreas Eschbach: Ein König für Deutschland

Bastei Lübbe, 2009

491 Seiten

 

Vincent W. Merrit hält sich für einen genialen Hacker und kann der Versuchung nicht widerstehen, die eigene Signatur in all seinen Programmen zu verstecken, so auch in einem Trojaner, den er für einen Kollegen schreibt, ohne zu bedenken, dass dieser die Schadsoftware einsetzen könnte, um Kreditkartendaten zu stehlen. Vincent wird überführt und zu einer Woche Arrest verurteilt. Er ist somit vorbestraft und muss froh sein, anschließend überhaupt noch eine Festanstellung zu finden. Sein neuer Job bei einer kleinen IT-Firma in Florida entwickelt sich unerwartet gut. Vincent macht Karriere und wird hinzugezogen, als die Firma beauftragt wird, die Software von Wahlcomputern zu hacken. Angeblich wollen die Auftraggeber nur herausfinden, wie sicher solche Computer sind. Vincent hat jedoch den starken Verdacht, dass die Wahl des US-Präsidenten George W. Bush durch sein Programm entscheidend beeinflusst wird. Derselben Ansicht ist Benito Zantini, der Freund seiner Chefin, ein begabter Zauberkünstler und Abkömmling einer Familie der italienischen Mafia. Zantini kennt Mittel und Wege, Vincent dazu zu bringen, eine verbesserte Version des Programms zu schreiben. Es soll bei Landtagswahlen in Deutschland eingesetzt und dann an den Meistbietenden verkauft werden. Vincent geht auf Zantinis Forderungen ein, zumal er sie als berufliche Herausforderung betrachtet. Doch dann meldet sich sein Gewissen. Er löscht alle Daten und flieht. Vincents Flucht endet im Gefängnis, aber eine CD mit der letzten Kopie des Programms ist per Post unterwegs nach Deutschland zu seinem Vater.

 

Simon König hat seit Jahren nichts mehr von seinem während einer Studienreise gezeugten Sohn gehört. Als er die CD erhält, kann er nichts damit anfangen. Er misstraut den modernen Medien und besitzt keinen Computer. Wenig später wird er in der Schule von einer jungen Frau angesprochen, die sich Sirona nennt. Sie ist eine Online-Bekanntschaft Vincents und wurde von ihm gebeten, König zu unterstützen. Doch der vertraut ihr nicht und stellt sich dumm. Zu Hause erwartet ihn eine unangenehme Überraschung. Zantini hat ihn aufgespürt! Der Zauberkünstler lässt sich nicht täuschen, bringt die CD an sich und verschwindet. Nun wendet sich König doch an Sirona. Erst jetzt erfährt er, was es mit dem von seinem Sohn geschriebenen Programm auf sich hat. Er bleibt skeptisch, doch durch den unerwarteten Ausgang der Landtagswahl in Hessen lässt er sich davon überzeugen, dass an der Sache etwas dran ist. Es steht zu befürchten, dass Zantini Käufer finden wird, die die nächste Bundestagswahl manipulieren wollen. Um das zu verhindern, arbeitet König mit Sirona sowie deren Freunden zusammen, einem Hacker mit dem Spitznamen Root und Alexander Leicht, einem wohlhabenden Veranstalter von Online- und Live-Action-Rollenspielen. Sie haben erfahren, dass Vincent wie üblich seine Initialen in dem Programm versteckt hat, diesmal allerdings als Auslöser für eine »Trapdoor«: Wenn eine Partei mit dem Kürzel VWM an einer Wahl teilnimmt, dann erhält sie automatisch 95 Prozent der Stimmen.

 

Um Zantinis Betrügereien aufzudecken, gründen König und seine Helfer eine solche Partei, mit der sie an der Bundestagswahl teilnehmen. Alexanders LARP-Gemeinde stellt die erforderliche Anzahl von Parteimitgliedern. Damit das Kürzel stimmt, wird die Bezeichnung »Volksbewegung für die Wiedereinführung der Monarchie« gewählt. Diese Partei ist auch ohne Wahlmanipulation unerwartet erfolgreich – und Zantinis Kunden sind darüber alles andere als glücklich…

 

Es war Andreas Eschbachs erklärtes Ziel, auf die Gefahren der Benutzung von Wahlcomputern hinzuweisen. Dieses Ziel hat er, was mich betrifft, definitiv erreicht. Sollte in Deutschland jemals mit Computern abgestimmt werden, werde ich mich nicht beteiligen! Zum Glück werden Wahlcomputer, wie Eschbach in einem Nachwort anmerkt, seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (2009) in Deutschland nicht eingesetzt. Das Gericht hat aber nur die damaligen Geräte für ungeeignet erklärt und somit eine Hintertür offengelassen; schließlich könnten ja eines Tages bessere Wahlcomputer konstruiert werden. Ich bezweifle nicht, dass Eschbach Recht hat, wenn er behauptet, dass es sichere Wahlcomputer per se nicht geben kann. Ebenso wie Eschbach frage ich mich manchmal, warum wir Computer ohne Not auch dort einsetzen, wo herkömmliche Verfahren mindestens genauso effizient wären. Aus beruflicher Erfahrung glaube ich behaupten zu dürfen, dass die Verwendung von Computern keineswegs automatisch zur Vereinfachung der Arbeit oder zur Einsparung von Papier führt. Gar nicht so selten ist das genaue Gegenteil der Fall.

 

Damit der Leser nicht denkt, er habe es mit reiner Fiktion zu tun, werden die realen (technischen und rechtlichen) Hintergründe in zahlreichen Fußnoten erläutert. Sie sind teilweise länger sind als der Romantext einer Seite, aber man kann sie ja ignorieren. Zudem erfährt man recht viel über das Hickhack rund um die US-Präsidentschaftswahl des Jahres 2000, die ja bekanntlich denkbar knapp ausgegangen ist und von ziemlich peinlichen Pannen begleitet war. Dieser Auftakt ist für meinen Geschmack etwas zäh, zumal ich mich nicht so recht mit Vincent anfreunden konnte. Der Knabe ist mir zu unbedarft und trottelig. Er wird nach 130 Seiten als Hauptfigur abgelöst und dann weitgehend ignoriert. Die Handlung wechselt von den USA nach Deutschland zu Vincents Vater Simon König, einem Gymnasiallehrer in Stuttgart. Jetzt endlich wird der Roman seinem Titel gerecht und tritt in eine Phase ein, die mir am besten gefallen hat. Die VWM wird zunächst als Spaßpartei gegründet, doch dann entwickelt die Angelegenheit eine Eigendynamik und Simon beginnt Gefallen an seiner Rolle als zukünftiger König zu finden. Da er nicht gewinnen will und nichts zu verlieren hat, kann er ungehemmt drauflospolitisieren und bei Interviews spontan Ziele entwerfen, die gar nicht so dumm klingen. Insbesondere seine Reform des Bildungswesens hat es mir angetan. Ich glaube, Eschbach hatte besonderen Spaß an der Ausarbeitung dieser Ideen. Es folgt ein etwas hastig abgehandelter Showdown mit finsteren Hintermännern, in dem Vincent plötzlich wieder die Hauptrolle spielt.

 

»Ein König für Deutschland« ist vielleicht nicht Eschbachs stärkster Roman, aber er enthält interessante Gedankenspiele und wirkt auf mich runder, in sich geschlossener als zum Beispiel »Herr aller Dinge« oder »Ausgebrannt«, von »Der Nobelpreis« gar nicht zu reden.

 

Ältere Inhalte (Archiv)

  Kringels Archiv

In meinem Archiv findet ihr ältere Inhalte von dieser Page:

- Bücher

- Filme

- Games

- Kommentare

 

Zusätzliche Inhalte im Archiv:

- Perry Rhodan

- Atlan

- Bilder

- Storys

Aktueller Perry Rhodan-Heftroman im Archiv: Nr. 2861 - Der Flug der BRITOMARTIS (Autor: Leo Lukas)

(c) VPM KG Rastatt
DruckversionDruckversion | Sitemap
© Johannes Kreis 2002 - 2016