Kringel zockt zurzeit: Cities Skylines (PS4)
 Kringel zockt zurzeit: Cities Skylines (PS4)   

Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe.

 

11.07.2018

Tom Rob Smith: Kolyma

Goldmann, 2010

477 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Kind 44«.

 

Bis vor drei Jahren, in der Stalin-Ära, war Leo Demidow überzeugter, absolut linientreuer Kommunist und hat als hochrangiger Geheimdienstoffizier zahlreiche Menschen verhaftet, egal ob er von ihrer Schuld überzeugt war oder nicht. Viele Unschuldige sind somit in die Mühlen des Ministeriums für Staatssicherheit (MGB) geraten, wurden durch Folter zur Unterzeichnung vorgefertigter Geständnisse gezwungen und anschließend entweder hingerichtet oder in Arbeitslager deportiert, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen bis zum Tod schuften mussten. Leo hat sich grundlegend gewandelt. Er bereut seine früheren Taten zutiefst und versucht sie auf seine Weise wiedergutzumachen. Gemeinsam mit seinem Freund und Mitarbeiter Timur Nesterow hat Leo das erste Morddezernat der Sowjetunion gegründet. Da es in der vom Kommunismus angestrebten perfekten Gesellschaft keine Kriminalität geben kann, werden Leo und Timur mehr oder weniger inoffiziell tätig und müssen sich Behinderungen ihrer Arbeit gefallen lassen. Doch Leo lässt sich nicht beirren und verhaftet nur Personen, denen er ein Verbrechen nachweisen kann. Zudem haben Leo und seine Frau Raisa die Geschwister Soja und Elena adoptiert, um sie aus dem Elend des Waisenhauses herauszuholen. Ein Kollege Leos hatte die Eltern der Mädchen ermordet. Leo hofft, aus dieser Konstellation könne eine normale Familie werden, doch die vierzehnjährige Soja hasst ihn und will ihn tot sehen.

 

Im Jahre 1956 wird die Abschrift einer Rede Nikita Chruschtschows an alle Behörden des Landes verteilt. Darin spricht der Chef der KPdSU von schweren Fehlern, die unter Stalins Herrschaft gemacht worden seien. Er kritisiert den Kult um Stalins Person mit scharfen Worten und prangert Verbrechen an, die in seinem Namen begangen worden sind, so auch vom MGB, das inzwischen in den KGB übergegangen ist. Die Rede schlägt wie eine Bombe ein. Bislang für undenkbar gehaltene politische und gesellschaftliche Umwälzungen zeichnen sich ab. Viele unschuldig Inhaftierte werden auf freien Fuß gesetzt, zu Unrecht Denunzierte werden rehabilitiert – und die alten privilegierten Kader finden sich plötzlich in einer nicht mehr so angenehmen Lage wieder. Tatsächlich werden die einstigen Jäger zu Gejagten. Allerdings werden sie nicht vom Staat für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen, sondern von einer im Untergrund Moskaus agierenden Bande, der es gelingt, zwei ehemalige Geheimpolizisten in den Selbstmord zu treiben. Außerdem wird der Patriarch der Orthodoxen Kirche ermordet, ein Kollaborateur, der seinerzeit zahlreiche systemkritische Priester ans Messer geliefert hat. Leo ermittelt in diesen Fällen und ihm wird schnell klar, dass er selbst zum Kreis der gefährdeten Personen gehört.

 

Tatsächlich steht Leo im Zentrum des Racheplans einer Frau namens Anisja, die er im Jahre 1949 denunziert hat. Dies war Leos erster Auftrag. Zielperson war eigentlich der Priester Lasar. Beide sind nach Sibirien deportiert worden. Anisja, die sich jetzt Frajera nennt und sich erbarmungslos an die Spitze einer Verbrecherbande gekämpft hat, wurde nach einiger Zeit freigelassen. Lasar befindet sich noch immer in einem der schlimmsten Gulags in der Region Kolyma. Frajera entführt Soja, um Leo zu zwingen, Lasar aus dem Gulag zu befreien. Leo schleust sich mit Hilfe seines Vorgesetzten Frol Panin inkognito in das Lager ein, doch er fliegt schon bei der Ankunft auf und wird nun von seinen Mithäftlingen genauso gefoltert, wie sie es einst erdulden mussten. Währenddessen versucht Frajera, Soja auf ihre Seite zu ziehen. Das Mädchen ist nicht abgeneigt…

 

»Kolyma« ist ebenso wie der Vorgängerroman »Kind 44« in sich abgeschlossen, es schadet aber nicht, den ersten Roman der Demidow-Trilogie gelesen zu haben. Thema von »Kolyma« ist schließlich die Frage, was mit einem Menschen geschieht, wenn sein Weltbild durcheinandergerät, wenn aus Gut plötzlich Böse wird und wenn man erkennen muss, dass alle Rechtfertigungen, die man für das eigene Tun anführen konnte, nicht mehr gelten. So ergeht es der Hauptfigur Leo Demidow. Im Gegensatz zu einigen Ex-Kollegen akzeptiert er seine Schuld. Aber kann er Wiedergutmachung leisten und gar Vergebung finden? Oder ist Verdrängung der einzig mögliche Weg? Damit der Leser weiß, was für ein Mensch Leo früher war, beginnt der Roman mit einem Rückblick ins Jahr 1949. Was das angeht, ist damit eigentlich alles gesagt. Leos Wandlung wird aber nur richtig verständlich, wenn man seine Erlebnisse in »Kind 44« kennt.

 

Erneut ist Leo Kristallisationspunkt realer geschichtlicher Geschehnisse. Diesmal erlebt er am eigenen Leib, was seine Opfer durchmachen mussten. Tom Rob Smith beschreibt die damaligen Gräuel sowie die Folgen für die Betroffenen äußerst eindrucksvoll und, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, ohne Übertreibungen. Abermillionen Menschen haben in den verschiedenen Straf- und Arbeitslagern auf unvorstellbare Weise gelitten, Millionen sind dort gestorben. Diesmal geht der Autor allerdings noch einen Schritt weiter, und prompt gerät das Ganze aus den Fugen. Bekanntlich ist es infolge des Entstalinisierungsprozesses unter anderem in Ungarn zu einem Volksaufstand gekommen, der schließlich niedergeschlagen wurde. Soweit die wahre Geschichte. Smiths Erfindung (Vorsicht Spoiler): Sowohl Frajera als auch Frol Panin spielen dabei wichtige Rollen. Panin schickt Frajera nach Ungarn. Sie soll dafür sorgen, dass aus den friedlichen Demonstrationen blutige Kämpfe werden, die er mit massivem Militäreinsatz beenden kann. Auf diese Weise will er der von Chruschtschow angestrebten Abrüstung der konventionellen Streitkräfte entgegenwirken. Frajera wiederum lässt sich absichtlich benutzen, um der ganzen Welt vor Augen zu führen, wie brutal die Sowjetunion ist. Leo, seine Frau Raisa und Soja geraten mitten in diesen Aufstand hinein. Auf diesen effekthascherischen Teil des Romans hätte ich gut verzichten können.

 

Abgesehen davon bietet »Kolyma« gute Thrillerkost zum Mitfiebern, die außerdem zum Nachdenken und zur Beschäftigung mit einem sehr dunklen Kapitel der Menschheitsgeschichte anregt. Nicht so gut wie »Kind 44«, aber das war auch nicht zu erwarten.

 

08.07.2018

Douglas Preston / Lincoln Child: Labyrinth – Elixier des Todes

Knaur, 2017

521 Seiten

 

Vor noch nicht einmal zwei Jahren hat FBI-Agent Aloysius Pendergast erfahren, dass er zwei erwachsene Söhne hat. Der ältere, Alban, ist aufgrund einer Kombination aus beinahe übermenschlichen Kräften und absoluter Gefühllosigkeit zu einer perfekten Tötungsmaschine mit einer Vorliebe für sadistische Spielchen geworden. Als Pendergast ihn zuletzt gesehen hat, ist Alban im Dschungel Brasiliens verschwunden. 18 Monate später taucht Alban wieder auf – als Leiche, die von Unbekannten auf der Türschwelle von Pendergasts Stadthaus in New York abgelegt wurde. Das ist eine eindeutig an Pendergast gerichtete Botschaft, aber was hat sie zu bedeuten und wer ist der Absender? Wer auch immer dahintersteckt, muss über große Ressourcen und höchst ungewöhnliche Fähigkeiten verfügen, denn es ist seinerzeit selbst Pendergast nicht gelungen, seinen Sohn dingfest zu machen. Es wurden keinerlei Spuren hinterlassen und Pendergast hat keinen Ansatzpunkt. Das gilt auch für Lieutenant Peter Angler vom New York Police Department, der den Fall untersucht und sich Pendergasts ständige Einmischung gefallen lassen muss. Für Angler ist Pendergast der Hauptverdächtige in dieser Angelegenheit. Bei der Autopsie wird ein Türkis in Albans Magen gefunden. Pendergast lässt nicht locker, bis Angler ihm den ungewöhnlich gefärbten Stein für eine Herkunftsanalyse überlässt.

 

Um sich abzulenken und den Kopf frei zu bekommen, unterstützt Pendergast in der Zwischenzeit seinen alten Freund Vincent D’Agosta bei den Ermittlungen in einem anderen Mordfall. Der gerade erst aus den Flitterwochen mit seiner Angetrauten Laura Hayward zurückgekehrte Lieutenant soll klären, wer Victor Marsala erschlagen hat, einen Techniker des New York Museum of Natural History. Zunächst geht D’Agosta von einem Raubmord aus, doch schon bald zeigt sich, dass als Täter nur ein Gastforscher in Betracht kommt, der sich für das im Jahre 1889 in die Museumssammlung aufgenommene Skelett eines männlichen Hottentotten interessiert hat. D’Agosta freut sich über die Hilfe seines alten Freundes, nur um gleich wieder allein dazustehen, denn Pendergast erhält die Information, dass der Türkis nur aus einer ganz bestimmten aufgegebenen Mine am Rande des Saltonsees in Kalifornien stammen kann. Also zieht D’Agosta eine andere alte Bekannte zu Rate: Die Anthropologin Dr. Margo Green. Sie stellt fest, dass dem bewussten Skelett ein Oberschenkelknochen fehlt, obwohl es in den dazu gehörenden Unterlagen als vollständig bezeichnet wird, und dass es sich um die Überreste einer ungefähr sechzigjährigen Amerikanerin handelt.

 

Währenddessen erkundet Pendergast die Umgebung der Türkismine. Da er annimmt, dass er in eine Falle gelockt werden soll, sucht er nach einem Hintereingang. Es gibt tatsächlich einen, er befindet sich in einem verlassenen Luxushotel. Dort wird Pendergast von einem Killer angegriffen. Es gelingt ihm, den Mann zu überwältigen, doch ganz offensichtlich ist dieser nur ein Handlanger oder vielmehr ein Köder. Trotz Pendergasts Vorsicht schnappt die Falle zu. Beide Männer werden mit Gas betäubt. Nachdem Pendergast wieder zu sich gekommen ist, sorgt er dafür, dass der Killer ins Gefängnis wandert. Der Mann schweigt hartnäckig, beginnt aber nach einiger Zeit, vom Gestank vermoderter Blumen zu faseln und zu toben. Schließlich begeht er auf äußerst bizarre Weise Selbstmord. Pendergast, dem allmählich klar wird, dass sowohl Alban als auch er selbst für die schrecklichen Taten eines ihrer Vorfahren büßen sollen, nimmt eines Tages den nur für ihn vorhandenen unangenehmen Geruch welkender Lilien wahr…

 

Im 14. Pendergast-Roman ist der Titelheld nach den traumatischen Erlebnissen, die zu Helens Tod und Albans Entdeckung geführt haben (siehe Fear-Grab des Schreckens), zunächst wieder obenauf und im Vollbesitz seiner Kräfte, nur um nach der Hälfte des Romans tiefer zu stürzen als je zuvor. Berücksichtigt man die Tatsache, dass seitdem schon zwei weitere Pendergast-Romane erschienen sind, spoilere ich jetzt wohl nicht zu sehr, wenn ich verrate, dass er sogar stirbt. Es bedarf des selbstlosen Einsatzes zweier wichtiger Nebenfiguren der Pendergast-Reihe (Margo Green und Constance Greene), damit es nicht dabei bleibt. Tatsächlich haben Margo und Constance sehr wichtige Rollen in diesem Roman, genauer gesagt sind sie die Heldinnen eines Dutzende Seiten umfassenden, heillos übertriebenen Showdowns, der an zwei Schauplätzen stattfindet (New York Museum of Natural History / Botanischer Garten Brooklyn) und den Kampf gegen Nazis in einem ausbrechenden Vulkan – wieder »Fear« – zwar nicht toppt, aber nahe daran ist. Da werden tumbe Söldner mit einer Supersäure in blutigen Brei verwandelt, Walfischaugäpfel werden als Waffen eingesetzt und ein toter Tyrannosaurus Rex beißt ein letztes Mal herzhaft zu! Mir war das eindeutig »too much«, wie Guido Maria Kretschmer sagen würde.

 

Bis dahin ist der Roman aber durchaus gelungen. So gut gelungen, dass ich während der Lektüre dachte, ich könnte in ihn in dieser Review als einen der besten der Reihe bezeichnen. Geschickt wird Spannung aufgebaut, werden falsche Spuren gelegt und faszinierende Schauplätze wie der Saltonsee beschrieben, von dessen Existenz ich bis dato keine Ahnung hatte. Es verschlägt Pendergast sogar in eine Favela in Rio de Janeiro, wo er erfährt, was aus Alban nach dem Verschwinden im Dschungel geworden ist. Pendergasts Sohn hatte einen erstaunlichen, aber nicht unglaubwürdigen Sinneswandel. Es macht Spaß, gemeinsam mit Pendergast und D’Agosta nach der Wahrheit zu suchen (natürlich hängen Albans Tod und der Mord im Museum zusammen), der Ausflug in die schaurige Vergangenheit von Pendergasts Familie ist interessant, zumal er dazu führt, dass Pendergast am Ende einige Altlasten abschüttelt. Bis es soweit ist, macht Pendergast eine Wandlung durch, die für all jene, die diese Figur seit Jahren kennen und ins Herz geschlossen haben, geradezu schockierend sein dürfte. Mir und meiner besseren Hälfte ist es jedenfalls so ergangen.

 

Leider hat besagter Showdown mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, wobei ich noch lobend erwähnen sollte, dass auf übernatürliche Phänomene vollständig verzichtet wurde. Ich habe nur eine Frage: Wie kam der Türkis in Albans Magen?

 

22.06.2018

Blu-ray: Wonder Woman

 

Die anbetungswürdige Gal Gadot, meiner bescheidenen Meinung nach die perfekte Besetzung für die erste Superheldin, macht diesen von der Story her nicht so wahnsinnig aufregenden Film zum Besten, was das DC-Universum bisher hervorgebracht hat. Wonder Woman - oder besser: Diana - ist die Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta. Jahrtausendelang haben die Amazonen auf der paradiesischen Insel Themyscira ein ruhiges Leben fernab der Wirren der Menschenwelt geführt. Nach dem Ende der olympischen Götter hat Zeus diese Insel mit dem letzten Rest seiner Kraft eigens für sie erschaffen. Die Ruhe ist trügerisch, denn der Kriegsgott Ares lebt noch immer und es ist die Aufgabe der Amazonen, ihm Einhalt zu gebieten. Ares vergiftet die Herzen der Menschen mit Eifersucht und Neid, um sie zu schrecklichen Kriegen anzustacheln. Der Krieg findet eines Tages auch den Weg nach Themyscira...

20.06.2018

Robert Charles Wilson: Vortex

Heyne, 2016

289 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Spin« und »Axis«.

 

In den Wirren der Spin-Jahre ist die Kriminalitätsrate so stark angestiegen, dass die Gefängnisse entlastet werden mussten. In Texas wurde deshalb die State Care als Auffangbecken für minder schwere Fälle gegründet. Seit sich die Verhältnisse wieder beruhigt haben, ist die State Care zu einer Fürsorgeeinrichtung für Menschen geworden, die nicht vom sozialen Netz aufgefangen werden. Sachverständige wie Dr. Sandra Cole haben über die Aufnahme neuer Kandidaten zu entscheiden. Eines Tages wird Sandra ein junger Herumtreiber namens Orrin Mather vorgestellt. Er wurde von Jefferson Bose eingeliefert, einem Officer der Houston Police. Orrin ist scheint verwirrt zu sein, ist aber nicht aggressiv und hat kein Verbrechen begangen. Es spricht also nichts dagegen, ihn in die Obhut seiner Schwester zu übergeben, die bereits von Bose benachrichtigt wurde. Doch dann wird Sandra von ihrem Vorgesetzten von dem Fall abgezogen. Orrin hat angeblich einen Pfleger angegriffen und soll für unzurechnungsfähig erklärt werden. Von Bose, der sich sehr für Orrin interessiert, erfährt Sandra, welchen Hintergrund die Geschichte hat. Orrin war Nachtwächter in einem Lagerhaus, das Boses Erkenntnissen zufolge als Umschlagplatz für verschiedene Chemikalien genutzt wird. Die Chemikalien werden zur Herstellung einer illegalen Variante der marsianischen Lebensverlängerungstherapie benötigt. Wahrscheinlich hat Orrin zu viel gesehen und soll mundtot gemacht werden. Sandra und Bose (die sich ineinander verlieben) machen gemeinsame Sache, um Orrin die Flucht zu ermöglichen und die Schmuggler zu überführen. Dabei begeben sie sich selbst in größte Gefahr.

 

Orrin hat einige Hefte mit Text gefüllt, der so gar nicht zu dem etwas zurückgebliebenen jungen Mann passen will. Außerdem werden Namen und Fakten erwähnt, die Orrin nicht bekannt sein dürften. Es handelt sich um die in Ich-Form verfassten Berichte eines Mannes namens Turk Findley und einer Frau namens Allison Pearl. Am Ende übernimmt ein gewisser Isaac Dvali die Berichterstattung. Die drei Personen erzählen eine phantastische Geschichte aus einer weit entfernten Zukunft: Auf der durch massive globale Erwärmung unbewohnbar gewordenen Erde existiert kein Leben mehr. Die Menschheit hat sich über die anderen Planeten des Weltenrings ausgebreitet. Neue Formen des Zusammenlebens wurden entwickelt. Die Bewohner der künstlichen Insel Vox sind durch limbische Implantate miteinander sowie mit den Prozessoren ihres gigantischen Habitats vernetzt und haben eine Art gemeinsames Über-Ich entwickelt, welches sie als Coryphaeus bezeichnen. Sie sind besessen von der Idee, sich mit ihren Göttern - den »Hypothetischen« - zu vereinigen. Zu diesem Zweck wollen sie von Äquatoria zur Erde reisen. Doch der Torbogen, der Erde und Äquatoria miteinander verbindet, hat seine Funktion schon vor Jahrhunderten eingestellt. Eine Durchquerung, so wird angenommen, ist nur möglich, wenn sich jemand auf Vox aufhält, den etwas mit den »Hypothetischen« verbindet. Es ist bekannt, dass Personen, die von den »Hypothetischen« absorbiert wurden, alle 9875 Jahre neu erschaffen werden. Und so warten die Bewohner von Vox mit geradezu religiöser Inbrunst auf die Wiederkehr der ersten Menschen, die ins Gedächtnis der »Hypothetischen« aufgenommen worden sind – darunter Turk Findley und Isaac Dvali…

 

Nachdem ich nun alle Romane der »Spin«-Trilogie gelesen habe, kann ich nur feststellen, dass eine Trilogie nicht nötig gewesen wäre. Wilson hätte es beim titelgebenden Band belassen sollen! Nach dem sehr enttäuschenden mittleren Band gefällt mir der letzte wieder besser, aber auch »Vortex« kann sich nicht mit dem ersten Roman messen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Wilson nicht versucht hätte, die in »Spin« offen gebliebenen Fragen zu beantworten, sofern denn überhaupt Fragen offengeblieben sind. Auf den allerletzten Seiten von »Vortex« erlebt Isaac Dvali eine Apotheose (erinnert sehr an den Film »2001 – Odyssee im Weltraum«) und erschafft praktisch das gesamte Universum neu, indem er eine alternative (bessere?) Zeitlinie eröffnet. Hier wird deutlich gesagt, was man sich bei der Lektüre von »Spin« schon zusammenreimen konnte. Die »Hypothetischen« sind keineswegs mächtige Außerirdische oder Götter. Man könnte sie eher als automatisch ablaufenden Prozess verstehen. Im Grunde handelt es sich um Maschinen, die einfach nur einer Programmierung folgen, dabei aber unfassbare Macht erlangt haben. Was sie mit den Menschen tun, ist nicht Ausdruck einer wohlwollenden göttlichen Absicht. Die Menschen sind lediglich für eine gewisse Zeit Nutznießer der Programmierung. Dieses letzte Kapitel wird weder für den vorliegenden Roman noch für das Verständnis von »Spin« wirklich gebraucht. Es gefällt mir sowieso nicht, wenn wichtige Informationen in derart gedrängter Form in einen Roman hineingequetscht werden.

 

Handlungsgegenwart, Vergangenheit und weit entfernte Zukunft beeinflussen sich gegenseitig. Turk Findley, den wir aus »Axis« kennen, wird 10.000 Jahre nach seinem Tod neu erschaffen. Er schreibt seine Erlebnisse auf. Die Aufzeichnungen werden von Isaac Dvali ins Bewusstsein des nur wenige Jahre nach der Auflösung der Spinmembran lebenden Orrin Mather transferiert. Dadurch verändert sich Orrins Schicksal grundlegend – und somit auch der Lebensweg Turk Findleys zu einem Zeitpunkt vor den Geschehnissen von »Axis«! Der Zirkelschluss ist ein netter Kunstgriff, außerdem werden dadurch zwei Handlungsebenen eröffnet, die auf ihre Weise durchaus interessant und manchmal sogar spannend sind. Vor allem funktioniert die menschliche Ebene viel besser als in »Axis«, die Figuren und ihre Beziehungen zueinander sind interessanter.

 

Im Kommentar zu »Axis« habe ich moniert, dass Wilson seinem Universum kaum etwas Neues hinzuzufügen hat. Zumindest was den Zukunfts-Handlungsstrang angeht, gilt dieser Kritikpunkt diesmal nicht. So finde ich die vernetzte Gesellschaft von Vox faszinierend. Das Verhalten aller Bewohner der Insel wird durch ein kollektives Gewissen normiert. Was auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussieht, erweist sich schon bald als Tyrannei der anderen Art. Damit sich Turk, ein Relikt aus einer völlig anderen Zeit, in dieser Welt zurechtfindet, wird ihm eine Frau namens Treya als »Dolmetscherin« zur Seite gestellt. Ihr Kopf wird mit Tagebuchaufzeichnungen einer Zeitgenossin Turks (Allison Pearl) vollgestopft. Als Treyas Implantat zerstört wird, so dass sie nicht mehr der Kontrolle durch Coryphaeus unterliegt, erwacht Allison sozusagen zum Leben und verdrängt die Treya-Persönlichkeit…

 

»Vortex« ist sicher kein schlechter Roman. Ich kann nur nicht umhin, ihn mit dem genialen ersten Band zu vergleichen – und das Ergebnis fällt nicht günstig aus für den Abschluss der Trilogie. Wer »Spin« nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Für »Axis« und »Vortex« gilt das leider nicht.

 

18.06.2018

Dexter: Die siebte Season (DVD)

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur siebten Staffel der Fernsehserie »Dexter« mit ein paar Screenshots. Wie immer gilt: Spoileralarm! Lesen auf eigene Gefahr!

13.06.2018

Kingsman: The Secret Service (Blu-ray)

 

Im Making of, welches sich auf der Blu-ray befindet, wird dieser Film als »postmoderne Liebeserklärung an alte Agentenfilme« bezeichnet. Das kann ich unterschreiben, denn die mit allerlei Hightech-Gadgets ausgestatteten Gentleman-Agenten der privaten Geheimorganisation Kingsman sind übersteigerte Versionen James Bonds, die es mit einem Schurken zu tun bekommen, der mindestens ebenso finstere Pläne verfolgt wie Hugo Drax in »Moonraker«. Der Internet-Multimilliardär Richmond Valentine ist der Meinung, die Menschheit sei ein Virus, das die Welt zu zerstören droht, und die globale Erwärmung sei das Fieber, durch das dieses Virus ausgemerzt werden soll. Egal wer sich durchsetzt, das Ergebnis kann nur katastrophal sein. Die Lösung: Man muss die Menschheit drastisch dezimieren, damit Valentine, seine Getreuen und zahlende Kunden die Welt anschließend neu aufbauen können…

12.06.2018

Will Hill: Department 19 – Die Wiederkehr

Lübbe, 2013

668 Seiten, gebunden

 

Zur Vorgeschichte siehe »Die Mission«.

 

Jamie Carpenter hat Alexandru Rusmanov vernichtet, einen der ältesten und mächtigsten Vampire der Welt. Außerdem ist es Jamie gelungen, einen Verräter in den Reihen von Department 19 zu überführen und somit seinen toten Vater zu rehabilitieren. Der Preis für diesen beispiellosen Erfolg ist hoch. Frankenstein ist beim Kampf gegen einen von Alexandrus Werwölfen über eine hohe Klippe ins Meer gestürzt und wird für tot gehalten. Jamies Mutter wurde in eine Vampirin verwandelt und darf die Operationszentrale von Department 19 nicht mehr verlassen. Jamie gibt sich die Schuld für den Tod seines besten Freundes, doch Frankenstein lebt. Er wurde von deutschen Fischern aus der Nordsee gezogen, hat aber sein Gedächtnis verloren und weiß nicht, wer er ist. Es zieht ihn nach Paris, denn der Name dieser Stadt bringt etwas in seinen Erinnerungen zum Klingen. Er läuft Jean-Luc Latour in die Arme, einem Vampir, mit dem er vor seiner Begegnung mit Jamies Großvater befreundet war. Latour bringt Frankenstein zu Lord Dante, dem selbsternannten Vampirkönig von Paris. Dante hat eine alte Rechnung mit Frankenstein offen, wovon dieser nichts ahnt.

 

Jamie hat eine neue Mitstreiterin für Schwarzlicht gewonnen, die zu einer guten Freundin für ihn und seine Geliebte Larissa Kinley (die Vampirin wurde ebenfalls als Schwarzlicht-Agentin rekrutiert) geworden ist: Kate Randall, eine der Überlebenden eines Vampirangriffs auf die Insel Lindisfarne. Jamie, Larissa und Kate bilden ein eingespieltes Team. Immer öfter sehen sie an ihren Einsatzorten den Schriftzug »Er kehrt zurück«. Damit ist Graf Dracula gemeint, dessen Asche Alexandru Rusmanovs älterem Bruder Valeri in die Hände gefallen ist. Dracula hat Alexandru, Valeri und ihren jüngeren Bruder Valentin, seine drei treuesten Gefolgsmänner, vor über fünfhundert Jahren zu Vampiren gemacht, kurz nachdem er selbst durch eine übernatürliche Macht in den ersten je dagewesenen Vampir verwandelt worden ist. Valeri lässt sich menschliche Opfer in großer Zahl zuführen, um seinen Meister mit ihrem Blut ins Leben zurückzuholen. Sollte es den Agenten von Department 19 nicht gelingen, Dracula zu vernichten, bevor er seine volle Stärke zurückerlangt, dann wird nichts ihn stoppen können.

 

Matt Browning, ein Teenager, der nach einem Vampirangriff in der Schwarzlicht-Zentrale behandelt worden ist und nach Hause entlassen wurde, wird zum Vierten in Jamies Bund, als es ihm gelingt, zu Schwarzlicht zurückzukehren. Man weiht ihn in die Hintergründe eines Projekts ein, das unter dem Codenamen »Lazarus« läuft und so geheim ist, dass selbst hochrangige Agenten wie Jamie nicht über alle Details informiert sind. Die Umstände von Matts Rückkehr zur Zentrale von Department 19 lassen darauf schließen, dass bei Schwarzlicht mindestens ein weiterer Maulwurf tätig ist, der Valeri Rusmanov mit Informationen versorgt. Allerdings gibt es Verrat auf beiden Seiten: Valentin Rusmanov ist mit den Plänen seines Bruders nicht einverstanden. Er läuft zu Schwarzlicht über.

 

»Die Rückkehr« ist der zweite Teil einer fünfbändigen Reihe rund um Department 19. Hätte ich mich mal nicht auf die positiven Internetreviews verlassen! Mir gefallen die ersten beiden Bände nicht wirklich. Den ersten Band fand ich lediglich aufgrund der ungewöhnlichen Idee OK, dass es reale Vorbilder für die Figuren aus den Romanen Bram Stokers und Mary Shelleys gibt, dass Department 19 von Graf Draculas Gegnern gegründet wurde und dass deren Nachkommen immer noch Krieg gegen Vampire führen, sofern diese über die Stränge schlagen – was viele tunlichst vermeiden, um ein ganz normales Leben führen zu können. Dieses Szenario wurde in »Die Mission« ausreichend etabliert, es wird in »Die Wiederkehr« nicht weiter ausgearbeitet. Somit fällt der größte Pluspunkt schon mal weg.

 

Wie schon in Band 1 wird viel gekämpft. Eher sogar noch mehr. Die Gewaltdarstellung hat es derart in sich, dass ich die Vermarktung dieser Romane als Jugendbücher nicht verstehen kann. Jede einzelne Kampfsituation wird, um es positiv auszudrücken, mit viel Liebe zum Detail beschrieben. Vampire werden mit UV-Licht gegrillt oder sie zerplatzen blutig, sobald ihr Herz zerstört wird. Es werden Kehlen aufgerissen, Gliedmaßen abgetrennt, Köpfe zermatscht, es wird in Eingeweiden herumgewühlt und so weiter und so fort. Damit die Beschreibungen in der x-ten Wiederholung nicht langweilig werden, wird der Gewaltgrad einfach immer weiter gesteigert. So kommt es mir jedenfalls vor und ich fand’s ermüdend. Überhaupt frage ich mich, warum der Roman mehr als 600 Seiten umfassen muss. Abgesehen von den redundanten Kampfszenen wird viel auf den Beziehungsproblemen der offenbar heftig pubertierenden Teenager herumgeritten. Gefühle werden verletzt, denn mal fühlt sich jemand zurückgesetzt und ist eingeschnappt, mal wird jemand eifersüchtig, Tränen fließen… sorry, für sowas bin ich definitiv zu alt. Zumindest wenn es so aufgesetzt rüberkommt wie hier.

 

Das schlimmste Ärgernis ist erneut Jamie, die Hauptfigur der Serie. Man muss natürlich berücksichtigen, dass der Typ nicht mal volljährig ist, dann werden seine hormongesteuerten Eskapaden verständlich. Unverständlich bleibt, dass er in die größten Geheimnisse von Department 19 eingeweiht wird (man beachte: Er ist gerade mal seit drei Monaten dabei) und ein Team in die gefährlichsten Einsätze führen darf. Wodurch qualifiziert er sich für all das? Durch die Tatsache, dass er Alexandru mit mehr Glück als Verstand vernichten konnte? Ansonsten hat er nur schlechte Eigenschaften. Er schrammt ständig am Rand der Befehlsverweigerung entlang, sein Urteilsvermögen wird durch Gefühle beeinträchtigt, er lässt sich zu Überreaktionen hinreißen und bringt das Team in Gefahr. Was für eine Nervensäge. Dabei hat der Roman durchaus einzelne positive Aspekte zu bieten, etwa die Rückblicke in Draculas und Frankensteins Vergangenheit, Valentins freundlich-überlegene Konversation mit den Leuten von Schwarzlicht und Kapitel, in denen eine tot geglaubte Person (damit meine ich nicht Frankenstein!) eine Reise der besonderen Art unternimmt. Die besten Kapitel sind also jene, in denen Jamie nicht vorkommt…

 

10.06.2018

Eine Leckerei aus unserer Kantine

 

Unsere Kantine hat einen neuen Pächter, der uns wie die früheren (siehe hier und hier) zwar nicht unbedingt mit ungewöhnlichen Gerichten, aber doch zumindest mit verblüffenden Formulierungen verwöhnt. Zum Beispiel gab es schon so oft Tortellonie, Maccaronie und Rigatonie, dass ich mich frage, ob der Verfasser des Speiseplans es wohl nie lernen wird. Nett war auch der Coq au Vine. Schlingpflanzen waren allerdings nicht dabei. Der Brockoliauflauf schmeckte besser als es klingt. Der allseits beliebte Schmorrbraten steht auch bei dem neuen Pächter noch so oft auf dem Plan wie die als Beilage verwendeten Schmorrzwiebeln. Bei den Desserts gibt es oft echte Highlights. Neulich konnte man Dampfnudeln mit Kirchen genießen! Man musste nur aufpassen, dass einem der Wetterhahn nicht im Rachen steckenblieb. Vergangene Woche wurde uns diese kleine Leckerei präsentiert:

Da war ich vom ersten Schock gleich so gebannt, dass mir der zweite zunächst gar nicht aufgefallen ist…

05.06.2018

Logan – The Wolverine (Blu-ray)

 

Hier ein kurzer Teaser zum ungewöhnlichsten und düstersten Superheldenfilm, den ich je gesehen habe: James Logan wird vom Adamantium in seinem Körper langsam vergiftet. Seine Selbstheilungskräfte lassen nach und er altert zusehends. Obendrein muss er sich um Prof. Charles Xavier kümmern, der an Demenz leidet und vor längerer Zeit einen Anfall hatte, bei dem viele Menschen gestorben sind, darunter einige X-Men. Die Ära der Mutanten scheint ohnehin zu Ende zu gehen. Seit 25 Jahren wurde kein Mutant mehr geboren. Gebrochen und desillusioniert wartet Logan nur noch auf den Tod – seinen eigenen und den seines Schützlings. Doch eines Tages tritt ein elfjähriges Mädchen namens Laura in Logans Leben und alles ändert sich. Xavier hat ihre Ankunft bereits gespürt, denn sie ist eine Mutantin. Mehr als das: Sie wurde mit Logans DNS in vitro gezeugt. Verantwortlich hierfür ist Dr. Zander Rice von der mächtigen Firma Alkali-Transigen. Rice und sein brutaler Scherge Donald Pierce gehen über Leichen, um Laura in ihre Gewalt zu bringen…

05.06.2018

Philip K. Dick und Ray Nelson: Die Invasoren von Ganymed

Bastei Lübbe, 1985

166 Seiten

 

Im Jahre 2047 kontrollieren Invasoren vom Ganymed die ganze Welt. Die Zentralregierung der Menschheit wurde zerschlagen. Alle Länder der Erde wurden in Lehen für hochrangige Ganymedaner und menschliche Günstlinge aufgeteilt. Nur die so genannten Neeg-Parts (Schwarze und amerikanische Ureinwohner) in Tennessee sind noch frei. Unter der Führung eines charismatischen Fanatikers namens Percy X haben sie sich in den Bergen verschanzt und leisten hartnäckig Widerstand. Trotz aller Anstrengungen ist es Marschall Koli, dem ganymedanischen Militäradministrator von Tennessee, noch nicht gelungen, die Widerständler auszuschalten. Koli träumt vergeblich davon, den Partisanenführer gefangen zu nehmen, ihm die Haut abzuziehen und diese zu einem schönen Wandbehang zu verarbeiten. Er schickt Percys Ex-Freundin Joan Hiashi nach Tennessee, damit sie unter dem Vorwand einer Recherche für ihre Musikfernsehsendung Kontakt mit den Neeg-Parts aufnimmt. Ein in ihren BH implantierter Peilsender soll es den Ganymedanern ermöglichen, die lästigen Rebellen aufzuspüren.

 

Mekkis, ein Mitglied des Großen Rates der Ganymedaner, hat andere Pläne mit Percy. Mekkis gehört der konservativen Fraktion an und hat gegen die Eroberung der Erde gestimmt. Zur Strafe wurde ihm Tennessee als Lehen zugeteilt. Um diese Demütigung in einen Erfolg umzuwandeln, beabsichtigt Mekkis, Percy die Herrschaft über einen Teil des Landes anzubieten und ihn somit zu korrumpieren. Das kann der Weltverband der Psychiater und Psychoanalytiker nicht zulassen. Diese Organisation arbeitet insgeheim hinter den Kulissen gegen die Ganymedaner. Man hat erkannt, dass Percy als Symbol für den Widerstand die letzte Hoffnung der Menschheit verkörpert. Sollte er unterliegen, würde es zu einer massiven Zunahme der Schizophrenieerkrankungen kommen – ein nicht mehr zu kontrollierender globaler Massenwahnsinn wäre die Folge. Dr. Paul Rivers erhält den Auftrag, Percy entweder vor den Nachstellungen der Ganymedaner zu schützen oder ihn zu töten, um ihn zum Märtyrer zu machen.

 

Währenddessen sucht Gus Swenesgard, einer der lokalen Feudalbarone, nach einem Geheimbunker, in dem angeblich Frauen für den Fall in Sicherheit gebracht wurden, dass die Menschheit in Abbilder der wurmartigen Invasoren umgezüchtet werden sollte. Der Bunker existiert wirklich, aber darin warten keine schönen Jungfrauen auf ihre Befreiung. Stattdessen werden dort Superwaffen gelagert, die vor Beginn der Invasion von Rudolph Balkani, dem genialen Leiter des Büros für psychedelische Forschungen, erschaffen worden sind. Diese Waffen fallen den Neeg-Parts in die Hände. Sollten sie eingesetzt werden, dann wären nicht nur die Ganymedaner von der Wirkung betroffen, sondern alle Bewohner der Erde…

 

Dieser Roman ist zusammen mit »Und die Erde steht still«, »Die seltsame Welt des Mr. Jones«, und »Die rebellischen Roboter« (auch bekannt als »Die Lincoln-Maschine«) im Sammelband »Die Welten des Philip K. Dick« erschienen, welcher außerdem ein Vorwort sowie ein kurzes Essay über Dicks Leben und Werk von Uwe Anton enthält.

 

»Die Invasoren von Ganymed«, erstmals erschienen im Jahre 1967, war der englischsprachigen Wikipedia zufolge ursprünglich als Fortsetzung von »Das Orakel vom Berge« (1962) gedacht, in der die Ganymedaner gar nicht vorgekommen wären. Zum Glück wurde das Buch nicht in dieser Form veröffentlicht, denn es wird dem genannten Meisterwerk in keiner Weise gerecht. »Die Invasoren von Ganymed« enthält zweifellos einige für den Autor typische Elemente bis hin zu surrealen Kapiteln, in denen sich die Realitätswahrnehmung der Protagonisten infolge des Einsatzes der Balkani-Superwaffe grotesk verändert. Ein Präkog, der eine schreckliche Zukunft vorhersagt, ist ebenso vorhanden wie Telepathen und Roboter, die nicht von echten Menschen zu unterscheiden sind, sowie die unvermeidliche zierliche dunkelhaarige Frau, der nicht zu trauen ist. Gibt es überhaupt einen Roman von P.K. Dick, in dem keine solche Figur vorkommt?

 

Und natürlich hat Dick keine handelsübliche Invasionsgeschichte abgeliefert. Das geht schon mit den Invasoren los. Die Ganymedaner waren vermutlich vor langer Zeit humanoide Wesen, haben jetzt aber eine derart hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie keine Gliedmaßen mehr brauchen. Zuchtsklaven aus verschiedenen Völkern, die Creechs, ersetzen ihnen Arme und Beine. Wenn doch mal ein Schalter betätigt werden muss, dann erledigt man das als Ganymedaner mit der Zunge. Die Invasoren werden letztendlich nicht von tapferen Widerstandskämpfern vertrieben, sondern vom Weltverband der Psychiater und Psychoanalytiker! Und dann gibt es da noch Rudolph Balkani, der das Bewusstsein der o.g. Frau durch sensorische Deprivation manipuliert und sich an ihr vergehen will, dann aber auf ein von ihm selbst konstruiertes Roboter-Simulacrum hereinfällt. Abgedrehte Ideen sind also durchaus vorhanden, aber irgendwie haben sich all diese Einzelteile für mich nicht zu einem überzeugenden Ganzen zusammengesetzt – und das, obwohl die Story für Dicks Verhältnisse völlig geradlinig verläuft.

 

Ältere Inhalte (Archiv)

  Kringels Archiv

In meinem Archiv findet ihr ältere Inhalte von dieser Page:

- Bücher

- Filme

- Kommentare

 

Zusätzliche Inhalte im Archiv:

- Perry Rhodan

- Atlan

- Bilder

- Games

- Storys

Aktueller Perry Rhodan-Heftroman im Archiv: Nr. 2969 - Tag des Grimms (Autorin: Susan Schwartz)

(c) VPM KG Rastatt
DruckversionDruckversion | Sitemap
© Johannes Kreis 2002 - 2018