Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher, Filme und Games vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

23.02.2017

DVD: Birdy

 

Zwei US-Soldaten kehren traumatisiert aus Vietnam in die Heimat zurück. Sergeant Alfonso Columbato wurde schwer verwundet. Eine Granate ist direkt vor seinem Gesicht explodiert. Die Wunden von Als Jugendfreund »Birdy« sind psychischer Natur. Er hat als einziges Besatzungsmitglied einen Hubschrauberabsturz mitten im Kampfgebiet überlebt und war einen Monat lang verschollen. Seitdem verharrt er in einem Zustand der Katatonie. Birdy war schon als Jugendlicher fasziniert von Vögeln und hat sich gewünscht, selbst einer zu sein. Jetzt verhält er sich vollends wie ein Vogel, spricht nicht und verhält sich völlig apathisch. Al soll versuchen, zu Birdy durchzudringen. Nur so könnte Birdy dem Schicksal entgehen, für immer weggesperrt und medikamentös ruhiggestellt zu werden.

20.02.2017

Constantin Gillies: Das Objekt

Goldmann, 2015

383 Seiten

 

Schröder, Computerforensiker beim Dienstleister Forensecura, arbeitet am liebsten allein. Außerdem hat der in die Jahre gekommene Nerd wenig Erfahrung im Umgang mit Frauen. Die Zusammenarbeit mit seiner neuen Kollegin Harriet Thorborg beginnt deshalb denkbar schlecht. Schröder hat nichts Besseres zu tun, als das Hinterteil der attraktiven jungen Frau mit seiner Webcam zu filmen, was ihr natürlich nicht verborgen bleibt. Schon beim ersten gemeinsamen Auftrag beweist Harriet, dass sie mindestens genauso viel auf dem Kasten hat wie Schröder, der sich nur zu gern als Chef aufspielen würde. Die Kriminalpolizei zieht Forensecura in einem Mordfall hinzu. Ein gewisser Jan Kellermeister wurde zu Hause von einem Scharfschützen erschossen. Es gibt keine Hinweise auf das Motiv, aber der unbekannte Täter hat auch auf den Computer des Opfers geschossen. Die Festplatte wurde zerstört. Dennoch kann Harriet einen Großteil der Daten retten, mit denen sich das Mordopfer zuletzt beschäftigt hat. Neben Pornobildern (Kellermeister war Achselfetischist) befinden sich zahlreiche körnige Schwarzweißaufnahmen im Hauptspeicher des Computers.

 

Schröder erkennt sofort, womit er es zu tun hat. Kellermeister war einer von vielen Enthusiasten, die am Lunar Image Project der NASA mitgearbeitet und Aufnahmen von der Mondoberfläche ausgewertet haben. Die Bilder sind in den Sechzigerjahren zur Vorbereitung der Mondlandung angefertigt worden und sollen jetzt mit aktuellen Aufnahmen verglichen werden. Man hofft, auf diese Weise erkennen zu können, wie sich die Mondoberfläche in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Qualität der alten Bilder ist zu schlecht für eine Auswertung durch Computer. Freiwillige in aller Welt können sich Bilder von einer Webseite herunterladen, am heimischen PC bearbeiten und wieder zurückschicken. Da nicht anzunehmen ist, dass sich der Mörder für Achselpornos interessiert hat, gehen Schröder und Harriet davon aus, dass Kellermeister auf den NASA-Bildern etwas entdeckt hat, das nicht an die Öffentlichkeit gelangen darf. Schröder wendet sich per Mail an das Project, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.

 

Zur gleichen Zeit in den USA: Jesko von Neumann, Ex-Mitarbeiter des NASA-Jet Propulsion Laboratory und jetziger Chef des Project, entgeht nur knapp dem Tod, als Unbekannte das Gebäude in die Luft jagen, in dem er arbeitet. Wenig später erhält Neumann Schröders Mail. Der Computerforensiker und seine Kollegin sind bereits in den USA. Sie sollen an einer Schulung in Las Vegas teilnehmen. Den Laptop mit Kellermeisters Daten hat Harriet dabei. In Vegas kommen sich Schröder und Harriet ein wenig näher. Tatsächlich ist Schröder bereits rettungslos verliebt. Nachts werden beide in ihren Hotelzimmern überfallen. Harriet wird entführt…

 

Remittendentische. Welche Leseratte kennt diese Fundgruben für preiswerte Taschenbücher nicht? Die so genannten »preisreduzierten Mängelexemplare« (die meist überhaupt keine Mängel außer einem Stempelaufdruck auf dem Unterschnitt haben) unterliegen nicht der Buchpreisbindung und sind so günstig, dass ich gern mal Risiken eingehe. Manchmal habe ich Pech und erwische Machwerke, für die selbst ein Euro noch zu viel wäre. Manchmal dagegen finde ich echte Perlen. Auf diese Weise habe ich so manchen mir bis dahin nicht bekannt gewesenen Autor entdeckt, dessen (vollpreisige!) Bücher seitdem bei mir den »Autobuy-Reflex« auslösen. »Das Objekt« rangiert irgendwo dazwischen. Ich fand den Roman unerwartet unterhaltsam und bin durchaus neugierig auf andere Romane von Gillies geworden… aber ein weiteres Buch würde ich mir doch lieber wieder als preisreduziertes Mängelexemplar zulegen!

 

Die Story ist durchaus spannend, wenn man die etwas zu weit hergeholte Ausgangssituation geschluckt hat. Schließlich geht es »nur« um alte Fotos von der Mondoberfläche, auf denen etwas zu sehen ist, bei dem es sich möglicherweise um ein nicht von Menschenhand gefertigtes Objekt handeln könnte, ebenso gut aber auch um eine Bildstörung. Ich finde es nicht glaubwürdig, dass die Hintermänner bereit sind, mehrere Morde im In- und Ausland zu begehen sowie einen Bombenanschlag mitten in einer amerikanischen Großstadt zu verüben. Dadurch wird viel zu große Aufmerksamkeit auf das Project gelenkt! Geschickter wäre es gewesen, das Project still und leise einschlafen zu lassen und die Mitarbeiter als Verschwörungstheoretiker zu diffamieren. Zudem endet gefühlt jedes Kapitel mit einem Cliffhanger. Die vermeintliche Bedrohung entpuppt sich in der Regel als völlig harmlos. Das funktioniert irgendwann nicht mehr. Wie dem auch sei: Ich konnte mitfiebern, denn die Figurenzeichnung ist gut gelungen. Am Ende hat sich sogar ein wenig »Sense of Wonder« eingestellt, jenes schwer zu beschreibende sehnsuchtsvolle Gefühl, das SF-Fans und Sternguckern gut bekannt sein dürfte. Einen befriedigenden Schluss gibt es nicht. Weder erfährt man, wer die Hintermänner sind, noch worum es sich beim titelgebenden Objekt handelt.

 

Was den Roman für Menschen, die in den Siebzigern und Achtzigern aufgewachsen sind, zu etwas Besonderem macht, das ist »Schröders innerer Film«. Der Ich-Erzähler in den Schröder-Kapiteln (andere Kapitel haben die auktoriale Erzählsituation) vergleicht alle Erlebnisse permanent mit entsprechenden Situationen aus Filmen, Fernsehserien und Games seiner Kindheit. Er spricht in Zitaten, die von der viel jüngeren Harriet meist nicht verstanden werden, lässt unzählige Anspielungen einfließen und ist begeistert, als sich Harriet als PC-Puristin erweist, die lieber Textbefehle eingibt, als Klickibunti-Benutzeroberflächen zu bedienen. Das alles macht natürlich besonders viel Spaß, wenn man so alt ist wie Schröder und die Referenzen versteht. Gillies geht nicht so weit wie Ernest Cline in Ready Player One, dennoch sind Schröders Jugenderinnerungen nicht unwichtig für den Showdown. Dabei spielt ein C64 eine entscheidende Rolle!

 

16.02.2017

Blu-ray: Ant-Man

 

Als der frisch aus dem Gefängnis entlassene Meisterdieb Scott Lang in ein scheinbar verlassenes Anwesen einbricht, weil er Geld braucht, um Unterhaltszahlungen an seine geschiedene Frau zahlen zu können und im Gegenzug seine kleine Tochter Cassie besuchen zu dürfen, ahnt er nicht, dass er von Henry Pym beobachtet wird. Pym, Ex-Mitarbeiter von S.H.I.E.L.D., genialer Wissenschaftler und einstiger Superheld, sucht nach einem geeigneten Kandidaten für einen Einbruch bei seinem Zögling Darren Cross. Viele Jahre lang hat Pym jene Substanz vor Cross verborgen gehalten, die zur Verkleinerung von Lebewesen eingesetzt werden kann und mit deren Hilfe sich Pym in Ant-Man verwandeln konnte. Jetzt steht Cross kurz vor dem Durchbruch bei der Neuentwicklung dieser Substanz. Sollte er Erfolg haben, würde er Chaos über die Welt bringen. Lang muss in den Ant-Man-Anzug schlüpfen und eine Armee von Sechsbeinern aufstellen, um das zu verhindern…

13.02.2017

Karl May: Der Schatz im Silbersee

Kindle Edition

 

Im Jahre 1870 streifen große Gruppen von Gesetzlosen durch den Wilden Westen. Diese so genannten Tramps rauben und morden, wo immer sie sich durch Betrug oder schiere Überzahl im Vorteil wähnen. Sie überfallen Farmen, rauben Reisende aus und schrecken auch sonst vor keiner Schandtat zurück. Einer ihrer gefährlichsten Anführer ist ein gewissenloser Schurke namens Brinkley, den man den »roten Cornel« nennt. Er ist mit einigen Spießgesellen unterwegs zum Silbersee in den Rocky Mountains, auf dessen Grund ein gewaltiger Schatz liegen soll. Brinkley hat bereits einige Morde begangen, um an die Schatzkarte heranzukommen. Ein aus Deutschland stammender Polizeiagent namens Sebastian Melchior Pampel, besser bekannt als »Tante Droll«, ist ihm auf den Fersen. Auf einem Raddampfer, der den Arkansas hinauffährt, gerät der rote Cornel mit dem berühmten Westmann Old Firehand aneinander. Auch Old Firehands Ziel ist der Silbersee. Er hat dort reiche Silber- und Goldvorkommen entdeckt, deren Ausbeutung er mit der Hilfe des Ingenieurs Butler vorbereiten möchte. Der rote Cornel stiehlt Butlers gesamtes Vermögen und setzt sich ab. Er schart immer mehr Tramps um sich und plant verschiedene Überfälle. Eine Gruppe von Holzfällern, die Farm von Butlers Bruder und eine Eisenbahnstation sollen ausgeraubt werden. Old Firehand, Tante Droll und einige andere Westmänner folgen den Tramps, um ihre Pläne zu durchkreuzen. Winnetou schließt sich ihnen an.

 

Zur gleichen Zeit begegnet Old Shatterhand, der mit seinem Schüler Heliogabalus Morpheus Edeward Franke (»Hobble-Frank«) unterwegs ist, den Westmännern Humply-Bill und Gunstick-Uncle. Die beiden wurden gerade erst vom abenteuerlustigen und wettbegeisterten Lord Castlepool aus Schottland als Führer angeheuert. Alle fünf geraten in Konflikt mit Großer Wolf, einem Häuptling der Utahs. Dieser Stamm wurde von den Tramps des roten Cornel überfallen und hat deshalb das Kriegsbeil ausgegraben. Die Utahs haben allen Weißen den Tod geschworen. Old Shatterhand und seine Gefährten sollen am Marterpfahl sterben…

 

»Der Schatz im Silbersee« dürfte einer der bekanntesten Romane Karl Mays sein, zumindest was den Titel angeht, denn die 1962 uraufgeführte, extrem erfolgreiche Verfilmung trägt denselben Titel. Dieser Film war der Auftakt der allseits bekannten Karl-May-Verfilmungen. Pierre Brice und Lex Barker waren zum ersten Mal als Winnetou und Old Shatterhand zu sehen. Der Film weicht allerdings ganz erheblich vom Roman ab. Im Text spielen Winnetou und Old Shatterhand zunächst einmal überhaupt keine Rolle. Sie stoßen erst in der zweiten Hälfte hinzu. Hauptfigur der ersten Hälfte ist Old Firehand. Deshalb verwundert es nicht, dass es in diesem Teil keinen Ich-Erzähler gibt. Doch dabei bleibt es, das heißt, Old Shatterhand erzählt ausnahmsweise nicht selbst. Old Firehand tritt später gegenüber den beiden großen Helden in den Hintergrund und die Tramps (auch der rote Cornel), die ja über mehrere Kapitel hinweg als Hauptantagonisten aufgebaut wurden, werden schnell abserviert. Sobald Old Shatterhand hinzukommt, nehmen die fiesen Utahs die Position der Oberschurken ein. Ich hatte den Eindruck, dass hier zwei völlig verschiedene Romane eher ungeschickt zusammengekleistert wurden.

 

Die Handlung besteht größtenteils aus den üblichen Versatzstücken. Verschiedene Gegner werden von »den Guten« belauscht, so dass ihre finsteren Pläne relativ leicht durchkreuzt werden können. Dennoch geraten die Helden mehrmals in Gefangenschaft. Sie müssen um ihr Leben kämpfen oder werden von Freunden befreit. Am Schluss kommt ein wenig Flair in die Story, wenn es tatsächlich um den uralten versunkenen Schatz geht. Alles wie gewohnt also und durchaus unterhaltsam, aber nichts Besonderes, wenn man davon absieht, dass es von Anfang bis Ende ganz schön blutig zugeht. In den zahlreichen Kämpfen kommen unzählige Tramps ums Leben, dem roten Cornel werden die Ohren abgeschnitten, Menschen werden zu Tode gemartert und bei lebendigem Leibe skalpiert, über 100 Utahs ertrinken… in späteren Werken Karl Mays kommen nicht so viele Grausamkeiten vor. Eine weitere Besonderheit sind die vielen skurrilen Figuren, mit denen sich Old Firehand und Old Shatterhand umgeben. Tante Droll wird zum Beispiel wie ein Transvestit oder Transsexueller beschrieben. Er stammt aus Sachsen und redet in einer merkwürdigen Mundart, wenn er mit Landsleuten spricht. Die entsprechenden Textstellen sind nicht ganz leicht zu lesen. Sobald Tante Droll seinem Vetter Hobble-Frank begegnet, werden ganze Seiten mit derartigen schrägen Dialogen gefüllt. Hobble-Frank, ebenfalls Sachse, hat einen etwas anderen Dialekt und obendrein die Angewohnheit, Fremdworte völlig falsch zu benutzen. Das ist irgendwann nicht mehr lustig.

 

09.02.2017

Blu-ray: Stolz und Vorurteil & Zombies

 

In diesem herrlichen Mash-up von Jane Austens Klassiker mit einer über das viktorianische England hereingebrochenen Zombie-Apokalypse mutieren die fünf zarten Bennet-Schwestern zu Kampfamazonen, die sich beim Waffenreinigen über potentielle Ehemänner unterhalten, unter deren Abendkleidern Kampfmesser und Schwerter versteckt sind und die bei einer Untotenattacke während einer Tanzveranstaltung schlagkräftig für Ordnung sorgen. Trotz knackiger Zombie-Action geht der Kern von »Stolz und Vorurteil«, nämlich die mit zahlreichen Irrungen und Wirrungen verbundene Liebesgeschichte rund um Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy, nie verloren. Sie erhält durch die im Hintergrund brodelnde Bedrohung erst richtige Würze. Dies ist wirklich Jane Austen – nur eben mit Zombies!

06.02.2017

Thomas F. Monteleone: Ozymandias

Moewig, 1983

192 Seiten

 

Die menschliche Hochkultur der »Ersten Zeit« ist in einem apokalyptischen Krieg untergegangen. Zweitausend Jahre später künden nur noch Mythen und Legenden von der einstigen Größe der Menschheit. Die Überlebenden der globalen Katastrophe sind auf eine mittelalterliche Zivilisationsstufe zurückgefallen und leben in den nicht verseuchten Gebieten entlang des Golfs von Aridard. Inmitten der Eisenwüste, dem Schauplatz der letzten großen Schlacht am Ende der Ersten Zeit, erhebt sich die Zitadelle, eine sich selbst versorgende und von einer künstlichen Intelligenz gesteuerte Verteidigungsanlage, in deren Datenspeichern umfassende Informationen über alle Errungenschaften der Ersten Zeit gespeichert sind. Während der Entscheidungsschlacht hat die KI – der Wächter – einen Kyborg namens Kartaphilos entsandt. Das mit einem menschlichen Gehirn ausgestattete Maschinenwesen sollte Hilfe herbeiholen, konnte diese Mission aber erst Jahrhunderte später erfüllen, als der Krieg längst in Vergessenheit geraten war.

 

22 Jahre sind vergangen, seit vier Abenteurer die Zitadelle entdeckt haben. Der Wächter hat sie getestet und ihnen dann die Freiheit geschenkt. Danach haben der Wächter und Kartaphilos ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen: Die Erschaffung eines menschlichen Körpers für den Wächter. Nun ist der zu diesem Zweck hergestellte genmanipulierte, mit übermenschlichen Kräften ausgestattete Klon eines vor Jahrtausenden gestorbenen Soldaten bereit zur Aufnahme des Maschinengeists. Die KI wird in den Körper des Klons transferiert. Sie gibt sich selbst den Namen Ozymandias nach einer Figur in einem uralten Gedicht. Begleitet von Kartaphilos verlässt Ozymandias die Zitadelle, um die Menschen kennenzulernen und das Zeitalter der Barbarei mit Hilfe seines enormen Wissens zu beenden. Auf der Insel Gnarra geht Ozymandias bei dem Magier Beldamo in die Lehre und verliebt sich in dessen Enkelin Miratrice. Um mit ihr zusammen sein zu können, lässt sich Ozymandias für die Zwecke Beldamos instrumentalisieren. So wird er gegen seinen Willen zur Galionsfigur für einen heiligen Krieg…

 

»Ozymandias« und »Zitadelle des Wächters« bilden einen Doppelroman. Allerdings muss man »Zitadelle des Wächters« nicht gelesen haben, um »Ozymandias« zu verstehen. Die Hauptfiguren Varian Hamer, Tessa, Stoor und Raim spielen keine Rolle mehr (nur Varian und Stoor werden am Rande erwähnt) und die Suche nach der Zitadelle sowie ihre dortigen Erlebnisse haben nicht die geringste Bedeutung für den zweiten Roman. Band 1 kann aufgrund des skizzenhaften Weltenbaus und der Abservierung der Hauptfiguren nicht mal als Expositionsphase für Band 2 bezeichnet werden. Der Wächter kommt am Ende von Band 1 auf die Idee, einen lebenden Körper für sich selbst herzustellen. Daran knüpft Band 2 an – das ist alles. Somit wird die an sich schon dünne Story von »Zitadelle des Wächters« noch weiter entwertet.

 

Der zweite Roman wirkt in sich geschlossener als »Zitadelle des Wächters«, weil sich von Beginn an alles auf die beiden Hauptfiguren Ozymandias und Kartaphilos konzentriert. Die erste Romanhälfte berichtet von der Selbstfindung des zum Menschen gewordenen Computers. Das ist ganz interessant, allerdings frage ich mich, wie diese Menschwerdung eigentlich funktioniert. Im Computernetzwerk der Zitadelle scheint danach keine Spur des Wächters mehr vorhanden zu sein, das heißt, sein »Bewusstsein« wird nicht in das menschliche Gehirn kopiert, sondern tatsächlich restlos übertragen. Das kommt mir merkwürdig und leichtsinnig vor. Schließlich wäre das gesamte Wissen der Vorzeit im Falle von Ozymandias‘ Tod für immer verloren! Die Geschichte läuft ein bisschen aus dem Ruder, sobald Ozymandias Miratrice begegnet und zum Zauberlehrling wird. Das große Ziel, zu dessen Zweck er erschaffen wurde, erreicht Ozymandias nicht. Er unternimmt aber auch kaum noch entsprechende Anstrengungen. Insgesamt und unter Berücksichtigung von »Die Zitadelle des Wächters« kann ich nur sagen: Die gute Grundidee wurde nicht überzeugend umgesetzt. Zu unausgegoren, lieblos ausgearbeitet und skizzenhaft wirkt das Ganze.

 

05.02.2017

Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 30: Heimlich, still und leise

 

Ich reise regelmäßig mit Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn und besitze eine BahnCard 50, so dass ich für die Tickets nur den halben Preis zahlen muss. Das lohnt sich, aber so richtig günstig werden die Fahrkarten mit der BahnCard nicht, denn ich habe mich bisher stets für den so genannten »Flexpreis« entschieden und nicht für den noch niedrigeren Sparpreis. Beim Sparpreis gilt nämlich Zugbindung. Mit einem Flexpreis-Ticket bin ich dagegen nicht auf die gebuchten Züge festgelegt, sondern kann jede beliebige Alternativverbindung nutzen. Wie ihr meiner Verspätungsstatistik entnehmen könnt, habe ich das im Jahre 2016 ziemlich oft gemacht.

 

So kann ich weiter vorgehen, aber seit dem Fahrplanwechsel vom Dezember letzten Jahres ist man mit Flexpreis-Tickets doch nicht mehr so ungebunden unterwegs wie bisher. Genauer gesagt: Man muss sich auf einen Reisetag festlegen, denn das Ticket ist nur an dem Datum gültig, das auf dem Ticket steht. Das war früher anders! Beim Ticket für eine einfache Fahrt konnte man diese am angegebenen Tag oder am Folgetag antreten. Ein Ticket für Hin- und Rückfahrt konnte an jedem Tag innerhalb eines Monats ab dem 1. Geltungstag genutzt werden. Jetzt muss man das Ticket umtauschen, wenn man nicht am angegebenen Tag losfahren kann – und das kostet jetzt 19 Euro (4 Euro mehr als früher), wenn man das Ticket am Reisetag umtauschen möchte. Nur beim Umtausch vor dem 1. Geltungstag zahlt man nichts.

 

Das ist eine deutliche Verschlechterung. Ich kann damit leben, denn ich fahre fast immer am gebuchten Tag. Im vergangenen Jahr musste ich kein einziges Mal auf einen anderen Tag ausweichen. Richtig ärgerlich finde ich jedoch, dass ich von dieser Neuerung nur durch Zufall erfahren habe. Es mag sein, dass die Änderungen irgendwann auf der Homepage der Deutschen Bahn veröffentlicht worden sind und ich gebe zu, dass der entscheidende Satz deutlich sichtbar auf den Online-Tickets steht. Nur nutze ich eben keine Online-Tickets, sondern Handytickets. Und dort ist die Information nicht zu finden! Auf dem Handyticket steht nur »Fahrtantritt am…«. Die Tatsache, dass das Ticket nur an diesem Tag gültig ist, fehlt komplett. Auch bei der Buchung einer Fahrkarte erhält man keinen Hinweis. Die Beschneidung der Flexibilität des »Flexpreises« klingt schon wie Hohn. Was ich zu der Heimlichtuerei zu sagen habe, ist nicht druckreif.

 

02.02.2017

Blu-ray: Star Trek Beyond

 

Neuer Star Trek – Film, neues Glück? Nicht ganz. Ein nettes Effektspektakel wird durchaus geboten, aber leider schon wieder eine x-beliebige Actionstory mit einem 08/15-Bösewicht, der sich an der Föderation rächen will: Die Enterprise wird in eine Falle gelockt. Während einer Rettungsmission für die Besatzung eines Raumschiffes, welches angeblich auf einem Planeten innerhalb eines unerforschten Nebels abgestürzt ist, wird Captain Kirks Schiff von einem gewaltigen Schwarm kleiner Kampfschiffe angegriffen. Dieser Übermacht ist selbst das mächtige Sternenflottenschiff nicht gewachsen. Nach und nach vernichten die Aggressoren die Warpgondeln und den Rumpf. Sie dringen ins Schiff ein und suchen ein geheimnisvolles Artefakt, welches sich an Bord befindet. Krall, der Anführer der Fremden, scheint bestens über die Föderation informiert zu sein und ganz besondere Pläne mit ihr zu haben…

31.01.2017

Terry Pratchett: Die Farben der Magie

Heyne, 1995

270 Seiten

 

Auf dem Rücken von vier planetengroßen Elefanten, welche auf dem Panzer der noch weit größeren kosmischen Schildkröte Groß-A’Tuin stehen, ruht eine Welt, die sich von den meisten anderen Welten des Universums nicht nur durch die Scheibenform unterscheidet, sondern auch durch die Tatsache, dass Magie dort den Stellenwert einer Elementarkraft hat. Die Scheibenwelt dreht sich um sich selbst und in ihrem Zentrum erhebt sich ein zehn Meilen hoher Berg – der Sitz der Scheibenweltgötter – inmitten eines Landes, in dem ewiger Winter herrscht. Zum Rand hin werden die klimatischen Verhältnisse angenehmer. Ein ringförmiger Ozean umschließt die Landmassen und am Rand der Welt ergießt sich ein gewaltiger Wasserfall in die Tiefen des Alls. Die Menschen sind nicht die einzigen intelligenten Bewohner der Scheibenwelt. Elfen, Zwerge, Kobolde, Trolle und andere Kreaturen leben dort einträchtig neben- und miteinander. Die größte Stadt der Scheibenwelt trägt den Namen Ankh-Morpork. Dort befindet sich die Unsichtbare Universität, der Hauptsitz der Zauberer.

 

Rincewind, ein ehemaliger Student der Unsichtbaren Universität, ist der schlechteste Zauberer, der je auf der Scheibenwelt gelebt hat. Abgesehen von der Fähigkeit, die Farbe Oktarin zu sehen und somit Dinge wahrzunehmen, die für andere Menschen unsichtbar sind, besitzt er keinerlei magische Fähigkeiten. Er beherrscht nur einen einzigen Zauberspruch – oder vielmehr verhält es sich umgekehrt. Um eine Wette zu gewinnen, hat Rincewind heimlich im uralten Grimoire »Oktav« geblättert. Dabei ist der Spruch von den Seiten direkt in sein Gehirn gesprungen und hat sich dort unauslöschlich eingebrannt. Niemand weiß, was dieser Spruch bewirkt, aber es steht fest, dass es sich um eine der acht mit dem Gefüge von Raum und Zeit verbundenen fundamentalen Formeln handelt. In Situationen großer Gefahr drängt sich der Spruch stets in den Vordergrund, doch bisher ist es Rincewind immer gelungen, ihn nicht auszusprechen.

 

Eines Tages begegnet Rincewind in Ankh-Morpork einem Ausländer namens Zweiblum, der sich äußerst merkwürdig verhält. Zweiblum versteht die Landessprache nicht, reagiert mit naiver Begeisterung auf alle möglichen Alltäglichkeiten, wirft mit Gold nur so um sich und merkt nicht, dass er gnadenlos über den Tisch gezogen wird. Kurz: Er ist der erste Tourist der Scheibenwelt. Zweiblum wird von einer großen Truhe aus intelligentem Birnbaumholz begleitet. Das wehrhafte Möbelstück läuft auf unzähligen winzigen Beinchen, ist praktisch unzerstörbar und beschützt seinen Herrn wie ein treuer Hund. Da Rincewind Zweiblums Sprache spricht, wird er vom Patrizier Ankh-Morporks verpflichtet, dem Fremden als Führer zu dienen. Zweiblum stammt vom mächtigen Gegengewichts-Kontinent, dessen Feindschaft sich der Patrizier nicht leisten kann. Rincewind soll sicherstellen, dass Zweiblum glücklich nach Hause zurückkehrt.

 

Diese Aufgabe übersteigt Rincewinds Fähigkeiten bei weitem. Zweiblums märchenhafter Reichtum lockt allerlei Gesindel an, außerdem überlegen sich die Mächtigen des Gegengewichts-Kontinents die Sache anders: Zweiblum soll sterben. Infolge eines von Zweiblum verursachten Missverständnisses zündet der Besitzer einer Taverne selbige an, was dazu führt, dass bald die ganze Stadt in Flammen steht. Rincewind und Zweiblum fliehen, doch damit sind ihre Abenteuer noch lange nicht zu Ende, denn die beiden ungleichen Gefährten sind Figuren in einem Spiel der Götter, bei dem der Tod höchstpersönlich ein Wörtchen mitzureden hat!

 

Mit diesem Buch, erstmals erschienen im Jahre 1983, beginnt eine der erfolgreichsten und lustigsten Reihen des Fantasy-Genres. 40 weitere Scheibenwelt-Romane wurden seitdem veröffentlicht! Darin wird zwar keine fortlaufende Geschichte erzählt, viele Romane sind aber eng miteinander verknüpft. Die Story von »Die Farben der Magie« wird zum Beispiel in »Das Licht der Fantasie« direkt fortgesetzt und Rincewind, der erfolglose Zauberer, kommt in zahlreichen anderen Scheibenwelt-Geschichten vor.

 

Der Roman ist eindeutig als Parodie angelegt. Viele Klischees, Stereotypen und Topoi des Fantasy-Genres werden auf die Schippe genommen. So sind Rincewind und Zweiblum offensichtlich Figuren in einem Tabletop-Rollenspiel der Scheibenwelt-Götter, genau wie zum Beispiel Hrun der Barbar, den man als Inkarnation sämtlicher Hauptfiguren der trivialen Heroic Fantasy bezeichnen könnte. Er hat sogar ein sprechendes Zauberschwert! Der kundige Leser wird zahlreiche Anspielungen finden, etwa auf Anne McCaffreys Serie rund um die Drachenreiter von Pern. Rincewind, Zweiblum und Hrun kämpfen sich durch einen Tempel, der inklusive der darin hausenden unaussprechlich bösen Kreatur aus der Feder H.P. Lovecrafts stammen könnte. Obendrein lässt Pratchett immer wieder Seitenhiebe auf die reale Welt einfließen. So ist Zweiblum von Beruf Versicherungsvertreter. Versicherungen sind in Ankh-Morpork unbekannt. Man missversteht sie als eine Art Wette, bei der Zweiblum sein Geld darauf setzt, dass kein Feuer ausbricht. Der Abschluss einer einzigen Feuerversicherung genügt daher, um Ankh-Morpork in Flammen aufgehen zu lassen. Der Roman strotzt bei aller Kürze nur so vor skurrilen Ideen dieser Art! Pratchetts unverwechselbarer Humor hat mir nach all den Jahrzehnten immer noch so manches Grinsen entlockt, obwohl ich den Roman schon kannte. Es wäre mir allerdings lieber gewesen, wenn der Autor auf Interjektionen wie »Arrgh« und dergleichen verzichtet hätte. Und manche Wortspiele muss man sich wegen der deutschen Übersetzung selbst zusammenreimen.

 

Als erster Band der Reihe enthält »Die Farben der Magie« natürlich ziemlich viel Exposition. Pratchett beschränkt sich jedoch nicht auf Abhandlungen zur Scheibenwelt und ihren Bewohnern. Stattdessen schickt er seine Protagonisten in verschiedene Gegenden der Scheibenwelt und lässt sie die absonderlichsten Abenteuer erleben, um dem Leser nicht zu erklären, sondern zu zeigen, wie diese magische Welt beschaffen ist. Rincewind und Zweiblum landen sogar mal in »unserer« Realität! Die Story wirkt ein wenig uneinheitlich, denn die Hauptkapitel sind wie thematisch zusammenhängende Kurzgeschichten gestaltet. Es kommt sogar zu einem größeren Zeitsprung zwischen zwei Kapiteln. Rincewind, der als eher zwielichtige Figur eingeführt wird, nutzt Zweiblum zu Beginn nur aus und würde ihn im Stich lassen, hätte der Patrizier nicht andere Ziele. Nach der Lücke wirkt Rincewind viel sympathischer. Er und Zweiblum müssen in der nicht erzählten Zeit viel gemeinsam erlebt haben und sind danach Freunde.

 

»Die Farben der Magie« ist ein humorvolles Ideenfeuerwerk, das mich zu einem Mammutprojekt inspiriert hat. Ich habe die ersten beiden Romane vor vielen, vielen Jahren mit dem größten Vergnügen verschlungen. Dann habe ich die Reihe sträflich vernachlässigt. Das soll anders werden! Ich habe mir vorgenommen, alle Scheibenwelt-Romane von Beginn an zu lesen. Das kann allerdings einige Jahre dauern…

 

29.01.2017

Blu-ray: The Walking Dead – Sechste Staffel

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer zur sechsten Staffel der Fernsehserie »The Walking Dead«. Aber Vorsicht! Die Zusammenfassungen enthalten massive Spoiler. Und gerade bei dieser sehr düsteren Staffel gibt es besonders viel zu spoilern…

25.01.2017

Peter F. Hamilton: Seelengesänge

Bastei Lübbe, 2001

923 Seiten

 

Zur Vorgeschichte, siehe Fehlfunktion.

 

Die Besessenen konnten sich über mehrere Konföderationswelten ausbreiten. Ihre Ziele bestehen darin, so viele ihrer Leidensgenossen wie möglich aus dem Jenseits zu befreien und die okkupierten Planeten mit vereinten Kräften aus dem vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum herauszulösen. So hoffen sie Freiheit und ewiges Leben zu erlangen. Doch nicht alle Besessenen verfolgen diese Ziele. So verlässt Quinn Dexter den von ihm unterworfenen Planeten Norfolk und reist zur Erde. Die Urheimat der Menschheit soll Satan geopfert werden. Auf dem Planeten New California wird Al Capone wiedergeboren, dessen Verbrechersyndikat in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts über die irdische Stadt Chicago geherrscht hat. Capone setzt sich an die Spitze der schlecht organisierten Besessenen und gewinnt innerhalb kurzer Zeit die Kontrolle über den gesamten Planeten. Er will das neue Leben im Diesseits nicht aufgeben und unterdrückt das Bestreben der Possessoren, die Welt in eine andere Dimension zu versetzen. Da Nicht-Besessene zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und zum Aufbau einer schlagkräftigen Flotte gebraucht werden, leben auf New California bald Menschen aus beiden Lagern mehr oder weniger friedlich zusammen. Mit Hilfe seiner Geliebten, dem nicht besessenen Superstar Jezzibella, plant Al Capone die Ausdehnung seiner Herrschaft auf andere Planeten.

 

Die Lady MacBeth kehrt mit zahlreichen Überlebenden nach Tranquility zurück. Die von Kelly Tirrel angefertigte Sens-O-Vis-Dokumentation über die Ereignisse auf Lalonde schlägt ein wie eine Bombe. Die Wahrheit über die Invasion verbreitet sich wie ein Lauffeuer über die gesamte Konföderation. Durch Latons letzte Botschaft erfahren gleichzeitig auch die Edeniten, welche Bedrohung auf Lalonde entstanden ist. Als die zum Königreich Kulu gehörende Welt Ombey von den Besessenen infiltriert wird, setzt sich Ralph Hiltch, ehemaliger Chef des königlichen Geheimdienstes ESA auf Lalonde, an die Spitze der Verteidiger. Seinem Wissen ist es zu verdanken, dass die Invasion durch harte Gegenschläge eingedämmt werden kann. Die Possessoren bleiben unbesiegt, können die von ihnen besetzte Halbinsel Mortonridge aber nicht verlassen. Durch all diese Ereignisse wird das wahre Ausmaß der Bedrohung klar. Im »Jenseits« warten Millionen von Seelen auf eine Rückkehr in die Welt der Lebenden. Wird ein Besessener vernichtet, so kehrt seine Seele ins Jenseits zurück und könnte erneut wiedergeboren werden. Jeder Mensch, der im Kampf gegen die Possessoren fällt, verstärkt ihre Reihen nur noch. Die Entwicklung neuer Waffen kann also nicht die Lösung sein – es muss eine Möglichkeit gefunden werden, wie sich die Possession ohne Folgeschäden für das Opfer rückgängig machen lässt. Adamisten und Edeniten erkennen, dass sie zusammenarbeiten müssen, um ihre Zivilisationen vor dem Untergang zu bewahren.

 

Die Besessenen sind nicht die einzige Gefahr, der sich die Konföderation stellen muss. Dr. Alkad Mzu, eine der letzten Überlebenden des Planeten Garissa, der vor über 30 Jahren von den Omutanern unbewohnbar gemacht worden ist, hat seinerzeit einen als »Alchimist« bezeichneten Planetenkiller entwickelt. Dr. Mzu wurde jahrzehntelang in Tranquility von den Geheimdiensten der verschiedenen Machtblöcke beobachtet, konnte aber entkommen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie die ultimate Waffe einsetzen will, um sich an Omuta zu rächen. Ione Saldana bittet Joshua Calvert, Dr. Mzu abzufangen. Sollte der Alchimist in Massenproduktion gehen, wäre ein galaktischer Krieg unausweichlich…

 

Dies ist der dritte Teil des »Armageddon«-Zyklus, einer modernen Space-Opera, die von Anfang an in derart epischer Breite angelegt wurde, dass die Beurteilung einzelner Romane schwierig ist. In jedem Einzelband wird nicht nur eine durchgehende Geschichte erzählt – es sind unzählige! Im obigen Teaser habe ich nur die wichtigsten Handlungsebenen erwähnt, dasselbe habe ich bei den ersten beiden Romanen getan. Alle Romane enthalten so viel mehr, dass ich einige Seiten füllen müsste, um zu erzählen, was mit den vielen Haupt- und Nebenfiguren geschieht. Das kann ich mir jedoch sparen, denn nicht alles ist relevant für den Fortgang des Zyklus, sondern dient der Ausarbeitung des gewaltigen fiktiven Konföderations-Universums und der Figurenzeichnung. Aus diesem Grund habe ich zum Beispiel den ESA-Agenten Ralph Hiltch in den Kurzzusammenfassungen der ersten beiden Romanen nicht erwähnt, obwohl er dort durchaus schon eine prominente Rolle spielt. Seinen Taten kommt erst jetzt entscheidende Bedeutung zu. Dr. Alkad Mzu ist auch so ein Fall. Tatsächlich beginnt der gesamte Zyklus mit einem Kapitel, in dem sie die Hauptfigur ist! Was damals geschehen ist, wird erst jetzt wichtig.

 

Das soll absolut nicht heißen, dass all diese Inhalte in den bisherigen Romanen sinnlos oder langweilig wären. Ganz im Gegenteil! Durch den häufigen Perspektivwechsel ist ein stetig hohes Spannungslevel garantiert und ich würde nicht sagen, dass Hamilton zu ausführlich schreibt. Er nimmt sich einfach die Zeit, die er zur Entwicklung einer komplexen Welt braucht. Hier einige der von mir nicht erwähnten Subplots: Louise Kavanagh und ihre jüngere Schwester Genevieve fliehen von Norfolk, wobei ihnen der wiedergeborene Fletcher Christian hilft (ganz recht, der von der Bounty). Schon in den vorherigen Bänden war zu lesen, dass nicht alle Besessenen bösartig sind. Christian scheint wirklich keine üblen Hintergedanken zu haben. Ähnliches gilt für die wiedergeborene Loren Skibbow, eine auf Lalonde gestorbene Siedlerin. Sie hilft ihrem Mann Gerald, das von Besessenen eingenommene BiTek-Habitat Valisk zu erreichen, damit er ihre Tochter Marie von der Possession befreien kann. Maries Possessorin wiederum hat einen Lockruf in die Galaxie ausgestrahlt, dem zahlreiche junge Nicht-Besessene folgen. Außerdem erfahren wir, dass die Kiint und die Tyrathca (mit der Konföderation assoziierte Aliens) in der Vergangenheit ebenfalls mit Possessoren zu kämpfen hatten.

 

In »Seelengesänge« schreitet die Ausbreitung der Besessenen weiter voran, entscheidende neue Erkenntnisse bleiben diesmal noch aus. Zumindest begreifen die Menschen endlich, womit sie es wirklich zu tun haben, und sie schlagen zurück. An verschiedenen Beispielen wird gezeigt, wie so etwas verlaufen kann. New California ist ein Sonderfall. Al Capone und Jezzibella bilden ein echtes Duo infernale. Die beiden schillernden und absolut gegensätzlichen Figuren werden in diesem Roman besonders gut ausgearbeitet.

 

Ich finde den Zyklus immer noch klasse, nur ein Aspekt kommt für meinen Geschmack zu kurz. Die Menschen wissen jetzt, dass es ein »Jenseits« gibt und dass sie nach dem Tod praktisch auf der Seite der Possessoren stehen werden. Inwieweit verändert sich dadurch ihre Einstellung zum Leben, zu den Religionen und zum Kampf gegen die Possessoren? Dieser Aspekt wird nur ab und zu mal kurz erwähnt, aber nicht vertieft.

 

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