Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher, Filme und Games vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

21.09.2017

Erfurt

 

Ich war schon oft in Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens, bisher aber immer dienstlich. Es hat mir jedes Mal sehr gut gefallen in der Stadt am Fluss Gera, ich hatte aber nach der Arbeit wenig Zeit und Lust, mich genauer umzusehen. Das galt es nachzuholen, und so haben meine bessere Hälfte und ich vom 18. bis zum 21. September einen Kurzurlaub dort verbracht – passend zum Lutherjahr. Der Reformator hat einige Jahre lang in Erfurt gelebt und gewirkt. Haben uns im Hotel Zumnorde einquartiert, einem relativ kleinen (nicht mehr ganz neuen) Haus direkt an der Haupteinkaufsstraße Anger und am Rand der Altstadt. »Zumnorde?« wird sich der kundige Leser vielleicht verdutzt fragen, »Das ist doch ein Schuhladen?!?« Stimmt, das gleichnamige Schuhgeschäft ist direkt nebenan; vom Hotel aus kann man durch Oberlichter in den Laden hineinschauen. Den Service fanden wir teilweise verbesserungswürdig. Beim Frühstück hat sich nur selten jemand aus der Küche rausgewagt, um Tische neu zu decken, sich ums Büffet zu kümmern oder Kaffee auf den Tisch zu stellen. Nicht schlimm, insgesamt haben wir und dort wohl gefühlt. Vor allem ist die Lage unschlagbar. Die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich vom Hotel aus in ein paar Minuten zu Fuß erreichen, zum Beispiel der imposant auf einem Hügel über einen großen Platz aufragende Mariendom mit direkt daneben gelegener Severikirche.

Severikirche, dahinter ein Teil des Doms von der Zitadelle Petersberg aus gesehen

Ich habe schon so manche deutsche Stadt besucht, die im Krieg weniger unter Luftangriffen gelitten hat, so dass das Flair vergangener Zeiten erhalten geblieben ist. Manchmal hatte ich dort allerdings das Gefühl, mich eher in einem bewohnten Freilichtmuseum zu befinden, in dem alles auf den Tourismus ausgerichtet ist. Ich denke da vor allem an Rothenburg ob der Tauber. Erfurt ist da ganz anders, authentischer, sympathischer, gemütlicher und lebendiger. Zumindest ist das mein Eindruck. Der spätmittelalterliche Altstadtkern muss sich definitiv nicht vor Rothenburg, Nürnberg oder anderen weltbekannten Orten verstecken. Im Gegenteil! Nach der Wende wurde die historische Bausubstanz saniert und moderne Bausünden wurden vermieden. Fachwerkhäuser, Renaissancebauten, überdurchschnittlich viele Kirchen und Klöster sowie Synagogen können besichtigt werden. Ich will jetzt nicht alle Sehenswürdigkeiten aufzählen – ein Blick in die Wikipedia dürfte ausreichen, um klar zu machen, dass Erfurt wirklich viel zu bieten hat. Hervorheben möchte ich nur die Krämerbrücke, auf deren Bögen sich zahlreiche Brückenhäuser mit Wohnungen, Läden und Lokalen aneinander schmiegen. Die so entstehende Gasse ist geradezu typisch für Erfurt, denn Alt und Neu existieren harmonisch nebeneinander, man fühlt sich in eine längst vergangene Zeit versetzt und hat doch nicht das Gefühl, dass einem etwas vorgespielt wird.

Beide Seiten der Krämerbrücke sind bebaut

Hier und anderswo haben sich in vielen alten Gebäuden Restaurants, Cafés, Kneipen und interessante Läden angesiedelt. So kann man stilvoll unter niedrigem Gewölbedach oder hinter reich verzierten altehrwürdigen Fassaden shoppen und schlemmen. Das Angebot an Gastronomie hat mich geradezu begeistert! Für jeden Geschmack, jedes Alter und jeden Geldbeutel ist etwas vorhanden. Früher bin ich besonders gern in der Trattoria La Grappa eingekehrt – die gibt’s immer noch! An jeder Ecke findet man Lokale, eines uriger, origineller als das andere, außerdem gibt es viele idyllische Biergärten, denn Erfurt ist grün. Verzweigte Nebenarme der Gera schlängeln sich durch die Altstadt und nördlich der Krämerbrücke kann man im naturbelassenen Park »Klein Venedig« spazieren gehen. Etwas außerhalb gelegen sind der Zoopark (haben wir nicht besucht) und die Erfurter Gartenbauausstellung »Egapark«. Der Egapark ist eine 36 Hektar große, nach verschiedenen Themen gestaltete Anlage, in der man einen ganzen Tag verbringen kann. Es gibt eine Sternwarte, einen Aussichtsturm, einen Kinderbauernhof, verschiedene Lokalitäten, Tropen- und Schmetterlingshäuser. Besonders gut haben mir die japanischen Gärten gefallen.

Im unteren japanischen Garten

Erfurt ist mit der Bahn von überall her problemlos zu erreichen und hat ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz. Ich empfehle den Erwerb der ErfurtCard. Für knapp 18 Euro kann man alle städtischen Verkehrsmittel 48 Stunden lang benutzen, zum Beispiel um Zoo und Egapark zu erreichen, zudem sind eine zweistündige Stadtführung sowie Eintrittspreise für sämtliche Museen inkludiert. Bei verschiedenen Theatern, Zoo und Egapark, Rundfahrten etc. p.p. genießt man Ermäßigungen.

 

Ich wage zu behaupten, dass Erfurt eine der schönsten Städte Deutschlands ist. Drei Übernachtungen sind zu wenig, wenn man sich alles in Ruhe anschauen und sich nicht hetzen möchte. Ich werde sicher wiederkommen!

 

17.09.2017

Karl May: Allah il Allah!

Karl-May-Verlag 1953

386 Seiten, gebunden

 

Dieser Roman ist ein Kuriosum, denn er ist in den Orient-Zyklus eingebettet, aber die Story stammt gar nicht von Karl May, zumindest nicht in dieser Form. Die Geschichte basiert auf einzelnen Kapiteln aus »Deutsche Herzen – Deutsche Helden«, einem der großen Kolportageromane Karl Mays. Darin bereisen die Haupthelden Hermann von Adlerhorst und Oskar Steinbach verschiedene Länder auf der Suche nach verschollenen Mitgliedern einer Adelsfamilie. Kara Ben Nemsi und Halef kommen in diesem über 2.000 Seiten starken Roman gar nicht vor! Der Karl-May-Verlag hat Oskar Steinbach in den Ich-Erzähler Kara Ben Nemsi verwandelt, Halef hinzugefügt und die Handlung so verändert, dass sie in eine Lücke passt, die in der Handlung von Durch die Wüste klafft: Gerade befindet man sich noch in der Oase Kbilli, wo Hamd el Amasat, ein Mitglied der Schut-Bande und Mörder des Vaters von Omar Ben Sadek, vor Gericht gestellt werden sollte, aber entkommen konnte. Im nächsten Kapitel ist Kara Ben Nemsi schon in Kairo, wo er die schöne Senitza aus dem Harem Abrahim Mamurs befreit.

 

In »Alla il Allah« reiten Kara Ben Nemsi und Halef von Kbilli weiter Richtung Ägypten. Nachdem Halef vergeblich versucht hat, seinem Sihdi einen Namen zu geben, der mindestens so eindrucksvoll ist wie sein eigener, kommt es zu einer Begegnung mit Krüger-Bei, in deren Verlauf Kara Ben Nemsi die schöne Wüstentochter Hiluja und deren alte Dienerin Haluja unter seine Fittiche nimmt. Der gutherzige Deutsche kann den Waffen der Frauen nicht widerstehen (tatsächlich würde Halef ihn gern verkuppeln) und erklärt sich bereit, Hiluja zu ihrer Schwester Badija zu führen, die den Beinamen »Khanum der Wüste« trägt. Sie ist das Oberhaupt des Stammes der Beni Sallah, seit ihr ungeliebter Gatte, der Scheik, gestorben ist. Mitten in der Wüste gerät die kleine Reisegesellschaft in die Ausläufer eines Sandsturms, dem eine Karawane zum Opfer fällt. Kara Ben Nemsi entdeckt die Toten und stellt fest, dass die Kamele 300 moderne Gewehre und viele tausend Schuss Munition transportiert haben. Einem Lieferschein zufolge waren sie für den Stamm der mit den Beni Sallah verfeindeten Beni Suef bestimmt. Ein Mann ist noch am Leben, aber er ist schwer verwundet. Sein Name ist Hilal aus dem Stamm der Beni Sallah. Die Männer der Karawane haben versucht, ihn zu ermorden. Hiluja pflegt den jungen Araber und verliebt sich in ihn.

 

Hilal drängt zum Aufbruch. Er muss unbedingt rechtzeitig zu einer Versammlung erscheinen, in der über die weitere Zukunft Badijas und des Stammes entschieden wird. Badija soll ihren Schwager Falehd heiraten. Sie liebt Tarik, Hilals Bruder, doch der kann Badija nur für sich gewinnen, wenn er Falehd im Zweikampf besiegt – ein aussichtsloses Unterfangen, denn Falehd ist ein wahrer Riese, grausam und heimtückisch. Mit ihm als Scheik würden sich die Beni Sallah gegen den Vizekönig von Ägypten wenden, womit sie im Sinne des Padischah handeln würden, dem der Khedive zu mächtig geworden ist. Abgesandte aus Russland und der Türkei, denen aus eigenen Interessen an einem Aufstand der Beni Sallah gegen den Vizekönig gelegen ist, sind bereits vor Ort. Ein solcher Aufstand wäre für die Beni Sallah jedoch äußerst gefährlich, zumal sie unter den ständigen Angriffen der Beni Suef zu leiden haben. Kara Ben Nemsi greift ein, um die Liebenden zusammenzubringen und die Gefahr für die Beni Sallah abzuwenden.

 

Soweit das grobe Handlungsgerüst. Wie üblich zeigt Kara Ben Nemsi in jeder Situation absolute Überlegenheit. Er bezwingt jeden Gegner, sei es im Faustkampf oder in offener Feldschlacht. Man schenkt ihm, dem Christen, aufgrund seiner Fähigkeiten und seines Edelmuts volles Vertrauen. Auch Tarik und Hilal dürfen Heldentaten vollbringen, nach vielen Gefahren winkt ein Happy End. Halef steuert den für ihn so typischen Humor bei. So kann sich der Leser über ein richtig schönes Reiseabenteuer ganz im bekannten Stil des Orient-Zyklus freuen. Karl May mag das so nicht beabsichtigt haben, aber es funktioniert! Das Buch enthält außerdem noch zwei Kapitel, die überhaupt nicht von May stammen. Sie spielen nach den Ereignissen des sechsten Orient-Romans (Der Schut) in Kairo. Kara Ben Nemsi begegnet Hilal und Hiluja unerwarteter Weise noch einmal. Diesmal ist es Sir David Lindsay, eine weitere sehr beliebte Figur aus dem Orient-Zyklus, der die jungen Liebenden rettet.

 

14.09.2017

Star Wars – Das Erwachen der Macht (Blu-ray)

 

Zwei Jahre nach dem Kinostart weiß ich noch nicht, was ich von diesem Film halten soll. Folgender Satz reicht, um auszudrücken, warum mir der Film sehr gut gefällt und trotzdem ein ungutes Gefühl hinterlässt: »Das Erwachen der Macht« enthält alles, was das Herz eines Star Wars - Fans begehrt! Die typische Atmosphäre der alten Trilogie ist wieder da, man fühlt sich sofort zu Hause. Die Spezialeffekte sind spektakulär, die Hauptfiguren sind sympathisch – und Han Solo ist zurück! Alles super, aber der Film wirkt so sehr wie eine leicht abgewandelte Kopie von »Krieg der Sterne«, dass ich mir veräppelt vorkomme. Widerständler kämpfen gegen böses Regime. Superwichtige Daten werden in einem niedlichen kleinen Droiden versteckt, der auf einem Wüstenplaneten strandet. Ein maskierter Oberschurke in Schwarz mit rotem Lichtschwert jagt dem Droiden hinterher. Junge Heldin, die keine Ahnung von der Macht hat, diese Kraft dann aber in sich selbst entdeckt, findet den Droiden. Klingt bekannt, oder? Und so geht es immer weiter, bis hin zur Starkiller-Base, die nichts anderes ist als ein aufgepumpter Todesstern...

12.09.2017

Real Humans – Zweite Staffel (DVD)

 

In meinem Archiv findet ihr einen ausführlichen kommentierten Episodenführer mit Screenshots zur zweiten Staffel der schwedischen SF-Fernsehserie »Real Humans«.

 

11.09.2017

Clive Barker: Abarat – In der Tiefe der Nacht

Heyne, 2011

621 Seiten, gebunden, mit Schuber

 

Der im Ozean Izabella gelegene Archipel Abarat ist eine Welt jenseits der Menschenwelt. Im Abarat leben die verschiedensten Kreaturen - manche humanoid und manche mit nichts zu vergleichen, was je eines Menschen Auge erblickt hat - auf 25 Inseln. Normalerweise sind Abarat und Menschenwelt (das »Hernach«) strikt voneinander getrennt, doch manchmal gelangen Bewohner der einen Welt in die andere. So ist es vor einiger Zeit der sechzehnjährigen Candy Quackenbush aus Minnesota ergangen. Candy hat sich immer für ein ganz normales Mädchen gehalten, doch sie ist mehr als das. Sie hat erfahren, dass ihr ungeborener Körper als Gefäß für die Seele einer Prinzessin namens Boa benutzt wurde, die auf diese Weise vor einem Attentat gerettet werden sollte. Candy hat im Abarat neue Freunde gefunden und ist in einen vom Magier Christopher Carrion angezettelten Krieg hineingezogen worden, in dessen Folge ganz Chickentown überflutet wurde. Christoper Carrion wurde beim gescheiterten Angriff auf das Hernach scheinbar getötet. Nachdem sich Izabellas Wogen geglättet haben, will Candy sich von Boa trennen. Die Prinzessin teilt diesen Wunsch. Candy wendet sich an Laguna Munn, eine magiekundige Frau, die sich hilfsbereit zeigt und ein Ritual einleitet, welches tatsächlich zum Erfolg führt. Doch es stellt sich heraus, dass Boa keineswegs so edel ist, wie Candy dachte. Sobald Boas Seele frei ist, fällt sie über Candy her, um ihr die Lebenskraft auszusaugen und einen neuen Körper für sich selbst zu erschaffen.

 

Währenddessen arbeitet Mater Motley, die wahnsinnige Großmutter Christopher Carrions, weiter an ihrem Plan zur Zerstörung und Neuerschaffung der Welt. Sie setzt die Beutelbrut frei. Die gewaltigen Schwärme dieser bizarren Insektenwesen aller Größen und Formen haben sich jahrhundertelang in den Tiefen der Welt vermehrt und verfinstern jetzt den Himmel. In der so entstehenden absoluten Mitternacht erstarken uralte Unholde, Feinde des Lichts, die für tot und begraben gehalten worden sind. Sie verbreiten unvorstellbaren Schrecken über alle Inseln des Archipels. Gleichzeitig nutzt Mater Motley die Macht ihrer Auftraggeber, der hinter den Sternen lebenden Nephauree, um eine viele Kilometer große Monstrosität von einem Schlachtschiff herzustellen: Den Sturmschreiter. Abertausende Sticklinge (mit rudimentärer Intelligenz begabte Kämpfer, die aus krude zusammengenähten Säcken voller lebendigem Schlamm bestehen) und andere Schergen Mater Motleys machen sich bereit, die Inseln des Abarat zu unterwerfen und jeden zu töten, der es wagt, sich ihrer Herrin in den Weg zu stellen. Allerdings gibt es noch einige Unsicherheiten in Mater Motleys Plänen. So ist ihr Enkel nicht ganz so tot, wie es den Anschein hat, und auch Christophers Vater Zephario Carrion ist noch am Leben. Er besitzt Teile des Abarataraba, eines Buches, das für die Quelle aller Magie im Abarat gehalten wird, und er ist bereit, Candy etwas davon zu überlassen…

 

Der dritte von fünf geplanten Romanen des »Abarat«-Zyklus hält, was der Titel verspricht. Der Archipel versinkt in Finsternis und wird teilweise zerstört, das Böse breitet sich überall aus, Chaos und Entsetzen regieren. Die Brutalität ist mehr, als ich bei einem Jugendbuch erwartet hätte (als solche werden die »Abarat«-Romane ja immer noch vermarktet, was ich nicht für richtig halte); insbesondere in den Abschnitten mit Mater Motley als Hauptfigur erreicht Barker fast schon wieder die Qualität der harten Horror-Kurzgeschichten in den »Büchern des Blutes« oder der Novelle Hellraiser, die recht eindrucksvoll von Barker selbst verfilmt wurde. Tatsächlich hat mich das Wachstum von Boas neuem Körper auf Candys Kosten sehr an das erinnert, was Frank Cotton seinem Bruder antut. Barker läuft in der Beschreibung von Schrecken und Grausamkeiten zu alter Hochform auf. In diesem Zusammenhang darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass der Stil des Romans als uneinheitlich bezeichnet werden muss. Einprägsame, saft- und kraftvolle, sehr düstere Abschnitte wechseln sich ab mit unfassbar dämlichen, banalen Dialogen und Passagen, die ich bestenfalls als unfreiwillig komisch bezeichnen kann.

 

Auf ganz andere Weise furchteinflößend als die von Mater Motley gesäte Verderbnis ist die im obigen Teaser nicht erwähnte Wandlung von Candys Vater Bill. Der gewalttätige Alkoholiker, unter dem die ganze Familie zu leiden hatte, findet nach der Überflutung Chickentowns ein Artefakt aus dem Abarat, durch das er Macht gewinnt und unter dessen Einfluss er eine verdrehte Religiosität entwickelt. Er gründet eine Art Kirche und konstruiert eine Maschine, mit der sich Erinnerungen absorbieren lassen. An den Kapiteln, in denen sich Candy mit ihrem Vater auseinandersetzen muss, zeigt sich aber auch, dass Barker anscheinend nicht so genau weiß, was er mit den Figuren seiner Romane anfangen soll. Dieser Subplot steht nämlich in keinem Zusammenhang mit dem Rest des Buches. Auch sonst herrscht viel Durcheinander. Besonders peinlich wird es, wenn Candy einem Typen namens Gazza begegnet. Die beiden verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Gazza wird aus dem Nichts herbeigezaubert und gehört plötzlich zu Candys innerem Zirkel. Die Liebesgeschichte wirkt platt und unmotiviert, sie hat mich nicht überzeugt. Am Ende stürzt Candy wie einst Rincewind über den Rand der Welt und findet sich plötzlich in einer völlig neuen Realität wieder. Damit soll natürlich die Neugier des Lesers auf den vierten Band geweckt werden, der bis jetzt – sechs Jahre nach Band 3! - noch nicht einmal im englischen Original erschienen ist. Ganz ehrlich? Bei mir hält sich das Interesse in Grenzen…

 

Durch Zufall bin ich in den Besitz der großformatigen, auf schwerem Hochglanzpapier gedruckten und auf 1650 nummerierte Exemplare limitierten Ausgabe des Romans geraten. Sie enthält über 100 teils doppelseitige Gemälde Clive Barkers. Manche sind auf finstere Weise schön oder wahrhaft verstörend, andere… nicht.

 

06.09.2017

Resident Evil: Vendetta (Blu-ray)

 

Ebenso wie die beiden CGI-Filme Resident Evil: Degeneration und Resident Evil: Damnation ist auch »Resident Evil: Vendetta« Bestandteil des Spiele-Universums, hat aber nichts mit den sechs Realfilmen zu tun, in denen Milla Jovovich die Hauptrolle spielt. Diesmal legen sich Chris Redfield, Leon Kennedy und Rebecca Chambers, drei Überlebende des Raccoon-City-Zwischenfalls, mit dem mächtigen Waffenhändler Glenn Arias an. Arias hat eine neue Variante des Virus entwickelt, mit dem Menschen und Tiere in Biowaffen umgewandelt werden können. Es geht ihm allerdings keineswegs darum, dieses Virus an den Meistbietenden zu verkaufen. Er hat nur ein Ziel: Rache für den Tod seiner Frau, die bei einem von der US-Regierung autorisierten Drohnenangriff ums Leben gekommen ist. Er plant die Freisetzung des Virus mitten in New York. Alle Menschen sollen sich in Zombies verwandeln. Für Rebecca ist ein anderes Schicksal vorgesehen, denn sie sieht Arias‘ Frau zum Verwechseln ähnlich…

04.09.2017

Karl May: Der Sohn des Bärenjägers

Kindle Edition

 

Neben dem titelgebenden Roman ist noch »Der Geist der Llano Estakata« enthalten. Beide Geschichten gehören zu den so genannten Jugenderzählungen Karl Mays, die nicht in der Ich-Form geschrieben sind. Karl Mays Alter Ego Old Shatterhand kommt in beiden Romanen vor, aber nicht von Anfang an und keineswegs als Hautpfigur. Im Zentrum stehen vielmehr verschiedene äußerst skurrile Westmänner. Sie zeichnen sich stets durch besonders merkwürdige Kleidung, körperliche Besonderheiten und oft verwendete Redewendungen aus.

 

In »Der Sohn des Bärenjägers« sind das der dicke Jemmy und der lange Davy. Sie retten den jungen Indianer Wohkadeh aus der Gewalt einer Gruppe von Pferdedieben. Er berichtet, dass der bekannte Bärenjäger Baumann von Ogallalla-Sioux gefangen genommen worden ist und am Marterpfahl sterben soll. Die Ogallalla wollen den Mann im Yellowstone-Nationalpark zu Ehren dreier berühmter Krieger opfern, die dort vor mehreren Jahren von Old Shatterhand im Zweikampf getötet worden sind. Bei dieser Gelegenheit begegnen Jemmy und Davy Baumanns Sohn Martin und einem weiteren Westmann namens Hobble-Frank. Zu den beiden war Wohkadeh unterwegs. Old Shatterhand und Winnetou schließen sich der Expedition später an. Nachdem sie die Freundschaft der mit den Ogallalla verfeindeten Schoschonen gewonnen haben, müssen sich die Gefährten mit einer Gruppe von Upsaroka-Indianern auseinandersetzen, denen die Medizinen von den Ogallalla gestohlen wurden. Old Shatterhand bezwingt ihren Anführer, den Medizinmann Feuerherz, woraufhin sich die Upsarokas dem Zug anschließen.

 

»Der Geist der Llano Estakata« beginnt ebenfalls damit, dass ein Westmann-Duo einem jungen Indianer beisteht (die Geschehnisse werden im zweiten Kapitel geschildert, dieses spielt zwei Stunden vor Beginn des ersten Kapitels). Jim und Tim Hofmann, aufgrund ihrer riesengroßen Nasen »Snuffles« genannt, begegnen einer Gesellschaft von Glücksrittern, die ein als Llano Estakata bekanntes Wüstengebiet durchqueren wollen, um in Arizona nach Diamanten zu suchen. Die Snuffles haben das gleiche Ziel. Sie untersuchen die Leiche eines skalpierten Weißen und stoßen auf Schiba-bigk (»Eisenherz«), Sohn eines Häuptlings der Komantschen, der von einem Llano-Geier erschossen wurde. Diese Banditen geben sich als Wüstenführer aus, locken ihre Schutzbefohlenen aber stets ins Verderben, um die Leichen in aller Ruhe plündern zu können. Die Geier können ihr blutiges Handwerk seit einiger Zeit nicht mehr ungestört ausüben. Ein geheimnisvoller Rächer, der Geist der Llano Estakata, macht Jagd auf die Verbrecher. Den beiden Snuffles begegnet Old Shatterhand auch in »Im Reiche des Silbernen Löwen I«, einem Roman, der nach Winnetous Tod spielt. Während sie hier als fähige Westmänner vorgestellt werden, benehmen sie sich dort schlimmer als Greenhorns.

 

Der Hobble-Frank (Heliogabalus Morpheus Edeward Franke) ist ein Sachse aus Moritzburg, der äußerst weitschweifig monologisiert, und zwar in deutscher Sprache mit sächsischem Akzent, den Karl May lautmalerisch wiedergibt. Hobble-Frank bildet sich viel auf seine vermeintlichen Kenntnisse auf allen möglichen und unmöglichen Fachgebieten ein, redet aber nur Unsinn, bringt alle Fremdworte durcheinander oder spricht sie völlig falsch aus. Wer es wagt, ihn zu verbessern, wird mit einem wahren Wortschwall in Grund und Boden gefaselt. Das soll lustig sein, ist mir aber ganz gehörig auf die Nerven gegangen. Ich musste mich zwingen, diese viel zu langen Textstellen nicht zu überlesen.

 

Zu loben sind einige sehr einprägsame Kapitel, zum Beispiel im Zusammenhang mit einem jungen Mann, der »Bloody Fox« genannt wird. Diese Figur kommt auch in »Old Surehand I« vor. Interessant ist übrigens ein Dialog in »Der Sohn des Bärenjägers«, in dem Winnetou seine erste Begegnung mit Old Shatterhand völlig anders schildert, als wir es aus »Winnetou I« kennen.

 

31.08.2017

Die Scharfschützen Teil 10 - Todfeinde (DVD)

 

In seinem zehnten Abenteuer muss sich Richard Sharpe (Sean Bean) mit den üblichen Widrigkeiten herumschlagen: Arrogante adlige Offiziere, unmögliche Aufträge, zudringliche Grazien, schurkische Franzosen, Verräter und vorwitzige Untergebene. Es ist inzwischen fast schon sinnlos, die Handlung zusammenzufassen, denn sie läuft nach dem immer gleichen Schema ab: Die Briten müssen an irgendeiner Stelle gegen die Franzosen kämpfen, verlieren aufgrund der Unfähigkeit von Sharpes Vorgesetzten im ersten Anlauf und gewinnen letzten Endes nur, weil Sharpe das Kommando an sich reißt. Wenigstens darf Sharpe in diesem Film seine Jane heiraten. Er bekommt es aber auch mit einem tot geglaubten alten Widersacher zu tun.

29.08.2017

The Revenant (Blu-ray)

 

In diesem beeindruckenden Film, der angeblich auf einer realen Geschichte basiert und mich aufgrund der faszinierenden Bildersprache sowie der grandiosen Naturaufnahmen an die besten Werke von Werner Herzog und Andrei Tarkowski erinnert hat, liefert Leonardo diCaprio eine Meisterleistung ab. Er spielt den Jäger John Glass, der im Jahre 1823 als Kundschafter für eine Gruppe von Fallenstellern arbeitet, den Angriff eines Grizzlybären überlebt und von seinen Kameraden zum Sterben zurückgelassen wird. Sie können den Delirierenden nicht mitschleppen, denn sie werden von Arikaree-Indianern verfolgt. Drei Männer, darunter Glass‘ Sohn Hawk, sollen bei dem Schwerverletzten bleiben, um ihn anständig zu beerdigen. Einem Trapper namens Fitzgerald dauert die Sache zu lang. Er tötet Hawk und flieht mit dem dritten Mann. Doch Glass weigert sich beharrlich zu sterben. Der Wunsch nach Rache hält ihn am Leben…

28.08.2017

Volker Klüpfel / Michael Kobr: Herzblut

Knaur, 2014

395 Seiten

 

Der brutale Mord an einem Taxifahrer namens Siegfried Holz erregt großes Aufsehen im Allgäu. Dem Mann wurde mit einer Schrotflinte von hinten ins Herz geschossen. Vom Täter gibt es keine Spur. Kriminalhauptkommissar Kluftinger und seine Kollegen von der Kemptener Polizei können den Medienvertretern bei der vom Polizeipräsidenten Lodenbacher anberaumten Pressekonferenz keine neuen Erkenntnisse präsentieren. Plötzlich klingelt Kluftingers Handy. Hektisch drückt der in technischen Dingen gänzlich ahnungslose Kommissar auf dem Telefon herum und beendet den Anruf, wobei er zufällig die Aufzeichnungsfunktion aktiviert. Später spielt Kluftinger die Audiodatei ab. Es sind zwar nur undefinierbare Geräusche zu hören, doch Kluftinger ist fest davon überzeugt, dass ein Mord aufgezeichnet wurde. Er gibt die Datei einem Kollegen zur Auswertung, kann sich zunächst aber keinen Reim auf die Ergebnisse machen. Im Taxi-Mordfall hat Kluftinger dagegen einen Geistesblitz und kann den Täter identifizieren. Da es sich um einen Drogensüchtigen namens Wolfgang Schratt handelt, wird von Beschaffungskriminalität ausgegangen. Lodenbacher hat Grund zur Freude, denn Schratt legt kurz nach seiner Festnahme ein Geständnis ab.

 

Dann endlich fällt bei Kluftinger auch bezüglich des merkwürdigen Telefonanrufs der Groschen. Der Anrufer wollte ihn auf den Teufelssee bei Immenstadt hinweisen. Mitten in der Nacht fährt Kluftinger allein dorthin und stolpert prompt mitten in eine riesige Blutlache hinein. Es handelt sich um menschliches Blut, aber es gibt keine Leiche. Es kann lediglich festgestellt werden, dass dem Opfer große Mengen des neuen Herzmedikaments »Cordial« verabreicht wurden. Cordial ist noch nicht auf dem Markt. Das Mittel wird ausschließlich im Rahmen einer Studie verabreicht, welche von einem gewissen Dr. Gordian Steiner geleitet wird. Kluftinger kennt den Namen. Er hat erst neulich mit Steiner telefoniert, und zwar in eigener Sache. Seit einiger Zeit leidet Kluftinger so stark unter Herzbeschwerden, dass er seine Ärztescheu überwinden und einen Spezialisten konsultieren musste. Steiner kann nicht befragt werden, er ist zurzeit in Urlaub. Wenig später ereignet sich ein weiterer Mord. Der Versicherungsmakler Christian Hübner wurde auf äußerst brutale Weise in seiner Wohnung getötet. Sein Herz wurde herausgeschnitten.

 

Dann finden Taucher die Leiche, von der das Blut am Seeufer stammt. Es ist Dr. Steiner, und auch sein Herz fehlt. Dass man es mit einem Serienmörder zu tun hat, wird spätestens klar, als im Zusammenhang mit beiden Taten die gleichen Streichholzbriefchen sichergestellt werden. In jedem Briefchen fehlt eine bestimmte Anzahl von Streichhölzern. Überraschenderweise erhält die Witwe des Taxifahrers per Post ein eben solches Streichholzbriefchen. Offensichtlich waren fünf Morde geplant und es muss damit gerechnet werden, dass der Täter noch zweimal zuschlagen wird. Aber welchen Zusammenhang gibt es zwischen einem Taxifahrer, einem Arzt und einem Versicherungsmakler? Und wer wird das nächste Opfer sein? Kluftinger gerät zunehmend unter Druck, was seinem Gesundheitszustand alles andere zuträglich ist…

 

In den Kluftinger-Krimis ist das Privatleben des sympathisch-grantigen Kommissars aus dem Allgäu stets mindestens genauso wichtig wie der aktuelle Kriminalfall. »Herzblut«, der siebte Kluftinger-Krimi, bildet da keine Ausnahme, kann aber mit einer gelungenen Verknüpfung beider Elemente punkten – das war in den bisherigen Romanen nicht immer so. Allerdings spielt der für die anderen Kluftinger-Krimis typische Lokalkolorit diesmal so gut wie keine Rolle. Es geht um Herzensangelegenheiten, wie man dem Zustand der drei Leichen unschwer entnehmen kann. Dem Taxifahrer wurde natürlich nicht zufällig ins Herz geschossen. Kluftingers in Kollegenkreisen geradezu legendäre Intuition kommt wieder zum Einsatz und ein bisschen Zufall ist auch im Spiel, aber lobenswerterweise werden die Zusammenhänge nicht aus dem Nichts hervorgezaubert. Alles passt zusammen, die Glaubwürdigkeit bleibt stets gewahrt und ich finde es gut, dass die gesamte Story aus dem Blickwinkel der Hauptfigur erzählt wird. Es bedarf längerer bodenständiger Ermittlungsarbeit, bis die Puzzleteile im Kopf des Kommissars (und des Lesers) an die richtigen Stellen fallen, und als es soweit ist, gewinnt der Fall durch die Identifizierung des letzten Opfers eine ganz neue Dynamik. Ich will nicht zu viel verraten, aber der geplante fünfte Mord betrifft eine Person aus Kluftingers unmittelbarem Umfeld! In diesem Zusammenhang kommen einige ziemlich bizarre Details über den Betreffenden ans Licht…

 

Kluftingers Sohn Markus hat sein Herz an die schöne Yumiko verloren, die beiden wollen demnächst heiraten. Auch Kluftingers Herz ist in Gefahr, aber nicht der Liebe wegen. Fettes Essen, das geliebte Feierabendbier, mangelnde Bewegung – da kommt es, wie es kommen muss: Kluftis Herz macht schlapp. Das jedenfalls glaubt der unter zunehmenden körperlichen Beschwerden leidende Kommissar. Es wird so schlimm, dass er sich dazu durchringt, sich von seinem Intimfeind Dr. Langhammer untersuchen zu lassen. Als Klufti unbemerkt mithört, wie Langhammer gleich nach dem Check-up mit einem Spezialisten telefoniert und von diesem bestätigt bekommt, dass die Pumpe raus muss, rechnet er mit dem Schlimmsten. Er verfasst später gar sein Testament. Er kann ja nicht wissen, dass der Spezialist ein Heizungsmonteur ist, der sich zum Zustand von Langhammers Heizungsanlage äußert. Jedenfalls wird Klufti in eine ernste Lebenskrise gestürzt und versucht sich zu ändern. Seine Frau Erika ist angenehm überrascht, als er Joghurt und Gemüse einkauft. Der grantige Kommissar bemüht sich um positives Denken und kommt auf diese Weise dem ungeliebten Kollegen Richard Meier menschlich näher. Doch ein von Langhammer geleiteter Yoga-Kurs, in den Klufti zufällig hineingerät, ist denn doch des Guten zu viel. Müssen wir uns Sorgen machen? Wird Kluftinger weich? Nun, am Ende renkt sich buchstäblich alles wieder ein, doch möglicherweise hat Klufti etwas gelernt. Wir müssen aber wohl nicht befürchten, dass er künftig nur noch alkoholfreies Bier trinken wird.

 

Humorvolle Heimatkrimikost wird definitiv geboten. Kluftinger lässt wieder kein Fettnäpfchen aus und stellt wie üblich seine Hilflosigkeit in Sachen moderner Technik unter Beweis. Das geht für mich schon in Ordnung, aber in anderer Beziehung übertreiben es die Autoren. Langhammer macht eine schlüpfrige Bemerkung nach der anderen, das anzügliche Gefrotzel zwischen Kluftingers Kollegen überschreitet die Grenze zum Mobbing und Markus entwickelt sich zu einem unsympathischen Sexisten. Keine Ahnung, was Yumiko an dem Typen findet. Hier sollte das Autorenduo einen Gang zurückschalten – mindestens!

 

24.08.2017

Hannu Rajaniemi: Quantum

Piper, 2011

432 Seiten

 

Seit einem schiefgegangenen Coup wird der Meisterdieb Jean le Flambeur in einem Dilemma-Gefängnis mit Umerziehungsmaßnahmen traktiert, die immer und immer wieder zu seinem Tod führen. Jean befindet sich nicht körperlich in der Endlosschleife des Gefängnisses. Lediglich sein Bewusstsein wurde dort eingekerkert – oder vielmehr: Eine Version seines Bewusstseins, bei der es sich nicht unbedingt um das Original handeln muss. In Jeans Epoche hat sich die Menschheit längst über alle körperlichen Beschränkungen hinaus weiterentwickelt. Erinnerungen lassen sich in den verschiedensten Medien speichern. Organische Körper oder solche aus mikroskopisch kleinen Nanomaschinen kommen als Träger ebenso in Betracht wie biomechanische Konstrukte, Roboter und virtuelle Welten. Somit ist die Einmaligkeit von Persönlichkeiten überholt. Ein und dasselbe Bewusstsein lässt sich beliebig oft kopieren und in verschiedene Trägerkörper verpflanzen. Man kann downgegradete Teile von sich selbst als Software für so genannte Gogols benutzen; universell einsetzbare Arbeitssklaven mit meist nur rudimentärer Intelligenz. Die Gründer einer Gruppierung namens Sobornost waren einst Menschen, haben ihren Geist jedoch in Millionen von Gogols hochgeladen und sind auf diese Weise zu Kollektivwesen mit unermesslicher Macht geworden. Sie residieren in künstlichen Habitaten irgendwo im Sonnensystem und verfolgen das Ziel, ein neues Universum zu erschaffen, in dem es keinen Tod gibt.

 

Eines Tages erhält Mieli, eine Kriegerin aus den Kolonien in der Oort’schen Wolke, von der Gründerin Joséphine Pellegrini den Auftrag, Jean aus dem Dilemma-Gefängnis zu befreien. Der legendäre Meisterdieb soll etwas für die Gründerin stehlen. Mielis Körper wurde in eine fast unbesiegbare Waffe verwandelt und ihr Geist ist eng mit dem hochentwickelten intelligenten Raumschiff Perhonen verbunden. Mieli willigt ein, obwohl sie Jean aufgrund ihres hohen Ehrenkodex verabscheut, denn die Pellegrini hat ihr ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen konnte. Die Gründerin hat versprochen, Mielis verlorene Geliebte zu neuem Leben zu erwecken. Nach der Befreiung wird Jeans Bewusstsein in einen Nanomaschinenkörper verpflanzt, den er nur behalten darf, wenn er auf Mielis Forderungen eingeht. Jean gewinnt Mielis Vertrauen, indem er den auf Perhonen gerichteten Angriff eines Archons abwehrt. Diese vom Sobornost erschaffenen Nanomaschinenkonglomerate verfolgen nur ein einziges Ziel: Alles, worauf sie abgefeuert werden, in ein Dilemma-Gefängnis umzuwandeln. In der folgenden Zeit kommen sich Jean und Mieli allmählich näher. Jean erkennt, dass ihm wichtige Erinnerungen fehlen. Diese muss er zurückgewinnen, um wieder zu dem Mann zu werden, der er einst war. Gemeinsam reisen Jean und Mieli zum Mars, denn dort hat Jean vor vielen Jahren unter dem Namen Paul Sernine in der wandernden Stadt Oubliette gelebt. Der Schlüssel zu Jeans Vergangenheit ist eine Frau namens Raymonde, die er damals geliebt hat.

 

Isidore Beautrelet, Architekturstudent und Bürger der Oubliette, arbeitet manchmal inkognito als Detektiv für den »Gentleman«, einen von vielen selbsternannten Ordnungshütern, die sich als Zaddiks bezeichnen und bei der Bevölkerung sehr beliebt sind. Mit seinem ungewöhnlichen Spürsinn ist es Isidore schon mehrmals gelungen, Fälle von Gogol-Piraterie und andere verzwickte Angelegenheiten aufzuklären. Als Isidores Identität durch die Presse allgemein bekannt gemacht wird, so dass er fast ebenso populär wird wie die Zaddiks, tritt der Millionär Christian Unruh an ihn heran. Unter unerklärlichen Umständen ist ein Brief in Unruhs bestens gesicherter Bibliothek aufgetaucht. Ein gewisser Jean le Flambeur kündigt an, er werde eine demnächst stattfindende Party des Millionärs infiltrieren. Isidore soll herausfinden, wie der Brief in die Bibliothek gelangt ist, außerdem soll er sich um die Sicherheitsmaßnahmen während der Party kümmern. Im Verlauf seiner Ermittlungen wächst in Isidore ein schrecklicher Verdacht. Offensichtlich manipuliert jemand die Erinnerungen aller Bürger der Oubliette…

 

»Quantum« ist der erste Band einer Trilogie und bis jetzt ist nur noch der zweite Teil (»Fraktal«) in deutscher Übersetzung erschienen. Angesichts der Tatsache, dass ich bei der Lektüre dieses Romans oft nur Bahnhof verstanden habe (obiger Teaser ist also mit Vorsicht zu genießen, ich musste mir einiges zusammenreimen), graut mir schon davor, den dritten Band im englischen Original lesen zu müssen. Dann werde ich vermutlich überhaupt nichts mehr kapieren! Lesen werde ich ihn aber auf jeden Fall, denn einerseits hege ich noch die Hoffnung, dass in »Fraktal« einige der jetzt schmerzlich vermissten Hintergrundinformationen nachgereicht werden, andererseits finde ich gerade die Fremdartigkeit und Surrealität des von Rajaniemi entworfenen Universums faszinierend.

 

Der Autor wirft Begriffe wie »Sobornost«, »Gogols«, »Gevulot«, »Zoku«, »Phoboi« usw. einfach mal in den Raum, ohne darauf einzugehen, was es mit alldem auf sich hat. So wird die Phantasie des Lesers gefordert. Man muss versuchen, die Bedeutung der Begriffe aus dem Kontext, eingestreuten Andeutungen und dem weiteren Verlauf der Geschehnisse herzuleiten. Allmählich wird manches Rätselhafte etwas verständlicher, ich muss aber gestehen, dass mir bis zuletzt nicht hundertprozentig klargeworden ist, wer da eigentlich gegen wen intrigiert und warum. Oder was Jean klauen soll. Hauptgegner des Sobornost scheinen die Zoku zu sein, und wenn ich es richtig verstanden habe, dann sind die transhumanen Mitglieder dieser Clans aus Gamer-Communitys hervorgegangen, die irgendwann angefangen haben, ihre eigenen Bewusstseine in die virtuellen Welten hochzuladen, in denen ihre MMORPGs angesiedelt sind! Dementsprechend ist die ganze Existenz für sie ein Spiel, eine Art immerwährender LAN- oder Cosplayer-Party, die hauptsächlich in der Quantenrealität stattfindet, aber voller Reminiszenzen an vergangene (d.h. unsere) Zeiten steckt. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen.

 

Das Gesellschaftssystem der Oubliette ist nicht minder interessant; auch hier werden aktuelle Verhältnisse extrapoliert. Privatsphäre ist für die Bürger extrem wichtig, sie wird durch das Gevulot sichergestellt. Fragt mich bitte nicht, was das Gevulot eigentlich ist! Fest steht, dass von einer Person mit maximal eingestelltem Gevulot nur ein Platzhalter wahrgenommen werden kann und dass alle Bürger der Oubliette all ihre Erinnerungen in einen Exospeicher hochladen, in eine Art Datencloud also. Man kann festlegen, inwieweit andere Personen darauf zugreifen können, so dass Erinnerungen als Kommunikationsform genutzt werden können. Außerdem erwächst aus der Gesamtheit des Exospeichers etwas, das als STIMME bezeichnet wird und vermutlich das Äquivalent einer Regierung in der Oubliette darstellt. ZEIT ist das wichtigste Gut in der Oubliette. Jeder Bürger darf nur für einen begrenzten Zeitraum in einem menschlichen Körper leben. Danach wird sein Bewusstsein in einen »Schweiger« verpflanzt, wobei es offenbar Reste der Individualität bewahrt. Wenn man seinen Dienst im Schweigen abgeleistet hat, wird man – dem Exospeicher sei Dank - in einem neuen Körper wiedergeboren. Eine ganz besondere Form der Unsterblichkeit!

 

Schweiger sind übrigens Roboter unterschiedlicher Größe, die unter anderem die Aufgabe haben, die wandernde Stadt gegen die unausgesetzten Angriffe der Phoboi zu verteidigen. Diese selbstreplizierenden biomechanischen Kreaturen wurden während eines lange zurückliegenden Krieges eingesetzt und haben den terrageformten Mars weitgehend zerstört. Oder so. Genau weiß man es nicht, denn wie Isidore Beautrelet herausfindet, wurde die Geschichte der Oubliette durch Gedächtnismanipulationen nachhaltig umgeschrieben. Irgendjemand scheint den Generalschlüssel für den Exospeicher zu besitzen. Philip K. Dick lässt schön grüßen!

 

Was die Story angeht – die wird geradliniger erzählt als zunächst gedacht. Nach anfänglicher Verwirrung konnte ich ihr gut folgen. Und erstaunlicherweise geht die zwischenmenschliche Seite in dieser posthumanen Welt nicht verloren. Man kann (und soll) sich natürlich fragen, wie »human« eine Person mit x-mal kopiertem Bewusstsein, manipulierten Erinnerungen und kaum noch als menschlich zu bezeichnendem Körper überhaupt sein kann. Dennoch haben wir es z.B. bei Jean und Mieli mit sympathischen Hauptfiguren zu tun, deren Gefühls- und Gedankenwelt uns nicht fremd ist. Auch wird nicht mit handfester Action und Humor gegeizt. Sehr schön! Ich werde dranbleiben, auch wenn’s schwerfallen sollte.

 

23.08.2017

Independence Day: Wiederkehr (Blu-ray)

 

Außerirdische haben die Erde angegriffen und die Menschheit an den Rand der Auslöschung gebracht. Nur unter großen Opfern konnten die Aliens besiegt werden. Danach haben die Menschen alte Nationalstreitigkeiten überwunden und ihre Welt mit Hilfe der aus den abgestürzten Raumschiffen der Aliens geborgenen Technik neu aufgebaut. Neuartige Waffensysteme wurden entwickelt. Mächtige Geschützplattformen wurden im Erdorbit sowie auf dem Mond installiert und es existiert ein Frühwarnsystem in Form eines Außenpostens auf einem Saturnmond. Zwanzig Jahre später kehren die Aliens zurück. Diesmal ist eine Königin mit dabei, und sie ist ziemlich angepisst. Alle Verteidigungseinrichtungen der Menschheit werden mit einem Schlag beiseite gefegt. Wieder einmal steht der Weltuntergang kurz bevor, einige beim ersten Angriff stehen gebliebene Wahrzeichen werden vernichtet und es wird Zeit für das ganz große Heldentum… nur leider fehlen Identifikationsfiguren zum Mitfiebern, so dass das CGI-Effektgewitter größtenteils wirkungslos verpufft.

22.08.2017

Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 31: Vandalismus

 

Seit einigen Monaten kosten Bahnreisen noch mehr Nerven als sonst. Verspätungen, Verspätungen, Verspätungen und noch mehr Verspätungen. Regelmäßig verpasse ich meine Anschlüsse, muss mich abholen lassen oder viel früher als geplant losfahren, um zu einer vernünftigen Zeit anzukommen. Hinzu kommen wie üblich fehlende oder falsche Durchsagen, Anschlusszüge, von denen man gerade noch die Rücklichter sieht, weil sie natürlich nicht warten, Gruppen von grölenden, pöbelnden Betrunkenen beiderlei Geschlechts auf den Bahnsteigen sowie in den Zügen, die niemals auch nur ansatzweise vom Bahnpersonal zur Ordnung gerufen werden und nicht zuletzt heruntergekommene Bahnhöfe, in denen man sich alles andere als wohl fühlt. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen und ich fürchte, daran wird sich nie etwas ändern. Ohne die Möglichkeit, mich per Smartphone jederzeit über die aktuelle Verspätungslage an allen Unterwegsbahnhöfen zu informieren und noch kurz vor Abfahrt einen Sitzplatz zu reservieren und/oder eine Fahrkarte zu kaufen (Grund für letzteres sind die verschlechterten Konditionen für den »Flexpreis«) wäre ich aufgeschmissen. Mir tun die Leute leid, die sich völlig ahnungslos und unerfahren in dieses Inferno stürzen…

 

Aber manchmal kann man der Deutschen Bahn wirklich keinen Vorwurf machen, vor allem dann nicht, wenn wieder mal irgendwelche Knallköpfe auf die Idee kommen, sie müssten Bahnanlagen beschädigen. So wird immer wieder Metall gestohlen, zum Beispiel Kupferkabel. Prompt fallen ganze Signalanlagen aus. Im Juni 2017 war es besonders schlimm, als Kabelschächte rund um Leipzig in Brand gesetzt wurden, so dass der Bahnverkehr in Sachsen weitgehend zusammengebrochen ist. Auch anderswo in Deutschland hat es an dem Tag solche Vorfälle gegeben. Wer macht sowas? Es soll sich um Anschläge von Gegnern des G20-Gipfels in Hamburg gehandelt haben. Für solche Aktionen fehlt mir jegliches Verständnis, selbst wenn es sich »nur« um Sachbeschädigung handeln würde, in deren Folge hohe Kosten für die Bahn und Unannehmlichkeiten für die Reisenden entstehen. Durch solche Aktionen werden aber Menschen in Gefahr gebracht und das sollte selbst für »Aktivisten« gleich welcher Couleur ein No-Go sein.

 

Am vergangenen Wochenende nun erneut Vandalismus, diesmal haben eine Signalanlage und ein Kabelschacht im Landkreis Havelland gebrannt. Folge: Massive Störungen auf den Fernverkehrsstrecken Berlin-Hamburg und Berlin-Hannover. Am Sonntag gab’s immer noch erhebliche Probleme, so dass ich mich mal wieder durchschlagen musste. Noch weiß man nicht, wer diesmal dahintersteckt. Mir persönlich ist die Motivation für solche Taten egal, eine Rechtfertigung gibt es meiner Meinung nach nicht. Wer so etwas tut, ist kriminell und gehört hinter Gitter. Oder noch besser: Man sollte diese Leute zwingen, mit einem Sparpreisticket und ohne Smartphone an einem Freitag- oder Sonntagnachmittag, vorzugsweise zu Ferienbeginn, von Hintertupfingen nach Posemuckel zu fahren. Vielleicht würden sie was draus lernen.

 

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