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Auf dieser Seite stelle ich Bücher und Filme vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe.

 

17.05.2018

Justin Cronin: Die Spiegelstadt

Goldmann, 2018

990 Seiten

 

Zur Vorgeschichte siehe »Die Zwölf«.

 

Alle Ur-Virals bis auf Carter wurden vernichtet und somit auch alle Virals, die von ihnen abstammen. Carters infizierte Nachkommenschaft ist nicht aggressiv. Die so genannten »Dopeys« greifen keine Menschen an und leben im Verborgenen. Die Bewohner Kerrvilles und die dorthin übergesiedelten Überlebenden der Stadt Homeland bekommen somit jahrelang keinen einzigen Viral zu Gesicht. Widerstrebend übernimmt Peter Jaxon, der in Kerrville ein friedliches Leben mit seinem Neffen Caleb führt und den Status eines legendären Helden erlangt hat, ein Amt im Stab der Präsidentin der Republik Texas. Nach einiger Zeit tritt er ihre Nachfolge an. Allmählich wächst in den Menschen die Überzeugung, dass sie nun darangehen können, ihre in Trümmern liegende und weitgehend entvölkerte Welt neu aufzubauen. Da der Bevölkerungsdruck in der ummauerten Stadt stetig zunimmt und keine Gefahr durch Virals mehr zu bestehen scheint, werden die Tore schließlich geöffnet. Der größte Teil der Bevölkerung verlässt die Stadt und gründet Siedlungen in der umliegenden Gegend.

 

Seit Amys Verschwinden hat Peter Träume, die für ihn eher eine Art zweites Leben sind. Nacht für Nacht findet er sich in einem idyllisch gelegenen Landhaus wieder, in dem er mit seiner geliebten Amy zusammenlebt. In Wahrheit weiß niemand außer Peters altem Kampfgefährten Lucius Greer, was wirklich aus Amy geworden ist. Als Peter ihr zuletzt begegnet ist, war sie ein vollständig verwandelter Viral. An diesem Zustand hat sich nichts geändert. Amy und Carter haben zugelassen, dass Greer sie in einem gestrandeten Schiff einschließt. Dort überdauern sie die Jahre schlafend. Greer sucht sie regelmäßig auf, um sie mit Tierblut zu füttern. Dabei riskiert er sein Leben, denn Amy hat sich nicht unter Kontrolle, wenn sie erwacht, und attackiert ihn jedes Mal. Amy und Carter wissen, dass die Welt keineswegs frei von Virals ist, denn »Zero«, der erste Infizierte, aus dessen Blut das Virus zur Erschaffung der Zwölf gewonnen wurde, lebt noch immer. Greer hat eine Vision, in der er sich selbst auf dem Deck eines Schiffes stehen sieht, welches sich einer Insel nähert, über der eine auffällige Sternenkonstellation zu sehen ist.

 

Peters Freund Michael Fisher führt in all den Jahren ein einsames Leben auf dem Ozean. Mit einer instandgesetzten Jacht erkundet er die Küstenregionen der ehemaligen USA, wobei er feststellt, dass der Minengürtel, der angeblich zur Abriegelung des Landes installiert wurde, nicht existiert. Eines Tages stößt er auf die Bergensfjord, ein aus Oslo stammendes Schiff, mit dem Überlebende aus Europa zu einer Insel fliehen wollten, die sie für sicher hielten. Sie haben kollektiven Selbstmord begangen, als ihnen der Treibstoff ausgegangen ist. In der Bergensfjord findet Michael Informationen, denen zufolge sich die Virals nur in den USA entwickelt haben. Der Rest der Welt wurde von einer mutierten Version des Virus heimgesucht, der so schnell zum Tod geführt hat, dass sich die Menschen nicht verwandeln konnten. Somit liegt der Schluss nahe, dass die gut 200.000 Menschen in Kerrville alles sind, was von der Menschheit noch übrig ist. Nachdem Michael von Greer erfahren hat, dass die Virals irgendwann zurückkommen werden, beginnt er mit der Instandsetzung der Bergensfjord, um die letzten Menschen zu der Insel aus Greers Vision zu bringen. Auf dem Schiff würde allerdings nur ein Bruchteil der Bevölkerung Platz finden.

 

Nach dem Kampf gegen Horace Guilders Rotaugen und die Ur-Virals wurde Alicia Donadio, die ebenfalls das Virus in sich trägt, von Zero nach New York gerufen. Sie folgt dem Ruf und ist fest entschlossen, Zero zu töten, scheitert jedoch, weil sie von seinem Blute stammt. Alicia soll Amy zu Zero bringen. Um Alicias Vertrauen zu gewinnen, erzählt er ihr die Geschichte seines Lebens. So erfährt Alicia, welche Absichten Zero wirklich verfolgt…

 

…und die sind fast schon erschreckend belanglos. Achtung, Megaspoiler: Aus Trauer um den Verlust seiner Geliebten will Zero die gesamte Menschheit ausrotten. Amy, in der er anscheinend so etwas wie eine Seelenverwandte und gleichzeitig ein Ärgernis sieht, soll denselben Verlust erleiden wie er, damit sie seine Depressionen verstehen kann. Oder so ähnlich. Fannings Lebens-, Liebes- und Leidensgeschichte wird in einem fast 200 Seiten umfassenden Rückblick ausgebreitet. Zero war einst Prof. Tim Fanning, Harvard-Absolvent und hochangesehener Wissenschaftler, hat sich in die Frau von Jonas Lear (dem späteren Initiator des Projekts Noah) verliebt und ein Verhältnis mit ihr angefangen. Die beiden wollten sich nach Griechenland absetzen, doch die Frau ist auf dem Weg zu Fanning, der bei der großen Uhr im Grand Central Terminal auf sie gewartet hat, an Krebs gestorben. Dieses Ereignis beherrscht auch hundert Jahre später noch Fannings gesamte Gedankenwelt.

 

Die Motivation des Erzschurken ist so gut oder schlecht wie jede andere, die man sich hätte ausdenken können, aber im Grunde wird das alles überhaupt nicht gebraucht. Durch den Rückblick werden keine entscheidenden neuen Informationen über die Herkunft des Virus vermittelt und vielleicht wäre es sogar besser gewesen, hätte der Autor es bei den bisherigen Andeutungen über Zeros wahre Identität belassen. Die Banalität des Ganzen zerstört das Geheimnisvolle dieser Figur total. Obendrein mutiert Fanning am Ende zu einer klischeehaften Riesenfledermaus, gegen die im Showdown (der allerdings – typisch Cronin – keineswegs das Ende des Romans darstellt) gekämpft werden muss. Abgesehen von dem meines Erachtens zu langen Rückblick enthält der Roman viele Subplots mit unzähligen Nebenfiguren, die alle wirklich schön geschrieben und durchaus nicht langweilig sind, sich letzten Endes aber als überflüssiges Beiwerk oder bestenfalls als sehr weitschweifige »atmosphärische Elemente« herausstellen. Im obigen Teaser habe ich diese Elemente gar nicht erst erwähnt, auch geht daraus nicht hervor, dass der Roman einige teils sehr große Zeitsprünge enthält, was dem Spannungsbogen abträglich ist.

 

Figurenzeichnung und Weltenbau sind Cronins Stärken, das will ich gar nicht bestreiten. Ich wage jedoch zu behaupten, dass er es mit der Verhältnismäßigkeit nicht so hat. Cronin wird in Werbetexten immer mit Stephen King verglichen. Diese Vergleiche sind nicht falsch, denn wenn King 100 Seiten füllt, wo 10 ausreichend wären, da bringt Cronin es auf 1000! Na ja, das ist jetzt übertrieben. Dennoch muss ich feststellen, dass die aus »Der Übergang«, »Die Zwölf« und »Die Spiegelstadt« bestehende Passage-Trilogie eine Straffung bitter nötig hätte, wobei die meisten Kürzungen im dritten Band vorzunehmen wären, weil er der Trilogie nur wenig Neues hinzuzufügen hat. Was hinzugefügt wird, gefällt mit nebenbei bemerkt nicht in jedem Fall. Zum Beispiel gleitet die Geschichte für meinen Geschmack zu weit ins Esoterisch-Kitschige ab, wenn Figuren, die gerade erst oder vor längerer Zeit gestorben sind, im Jenseits ein glückliches Leben miteinander führen. Manchmal hapert es an der Glaubwürdigkeit, etwa wenn in den neu gegründeten Siedlungen Menschen auf eine Art und Weise verschwinden, die bei jedem, der in einer Welt voller Vampire aufgewachsen ist, die Alarmglocken zum Klingeln bringen müsste – was aber nicht geschieht.

 

Wie dem auch sei: Insgesamt habe ich die Lektüre nicht bereut. Das ist nicht der übergreifenden Story der Trilogie geschuldet, sondern Cronins Erzählkunst, bei der trotz vieler Redundanzen und Abweichungen keine Langeweile aufkommt.

 

15.05.2018

Robin Hood (Director’s Cut)

 

Dies ist genau genommen nicht die tausendste Verfilmung der altbekannten Legende vom Outlaw, der von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben, sondern ein Prequel. Robin ist (noch) nicht der allseits bekannte Robin Hood, also ein für vogelfrei erklärter Adliger, sondern ein einfacher Bogenschütze namens Robin Longstride im in Frankreich kämpfenden Heer von König Richard Löwenherz. Robin und seine Gefährten überraschen französische Soldaten, die gerade einen Trupp englischer Ritter niedergemetzelt haben. Sie töten die Franzosen und nutzen die Gunst der Stunde, indem sie in die Rollen der ermordeten Ritter schlüpfen. So wird aus Robin Longstride Sir Robert Locksley von Nottingham. Als Robin nach England zurückkehrt, stellt er fest, dass es gar nicht so leicht ist, diese Rolle wieder loszuwerden, und dass er mitten in eine Verschwörung hineingeraten ist…

08.05.2018

Resident Evil: The Final Chapter (Blu-ray)

 

Der sechste Film frei nach Motiven der Videospielserie Resident Evil soll das letzte Kapitel sein, einen siebten Film dieser Reihe soll es nicht geben. Tatsächlich wird die übergreifende Geschichte (so dünn sie auch sein mag) insoweit abgeschlossen, als man erfährt, wer Alice eigentlich ist und welche Pläne die Umbrella Corporation seit dem ersten Film wirklich verfolgt. Außerdem wird das Problem der T-Virus-Kreaturen endgültig gelöst. Allerdings ist der Kampf gegen Zombies und andere fiese Viecher auch am Ende des Films noch nicht ganz vorbei, so dass Fortsetzungen durchaus nicht ausgeschlossen sind. Von Prequels gar nicht zu reden. Ich muss sagen: Wenn potentielle weitere Filme genauso einfallslos und langweilig daherkommen wie »Resident Evil: The Final Chapter«, dann kann ich auf sie verzichten.

07.05.2018

William Shatner / David Fisher: Spock und ich

Heyne, 2016

301 Seiten, gebunden mit Bildteil

 

Jedermann kennt William Shatner und Leonard Nimoy oder vielmehr die von ihnen in der Fernsehserie »Raumschiff Enterprise« (»Star Trek«) sowie mehreren Kinofilmen verkörperten Figuren James T. Kirk und Spock. Mit Kirk und Spock sind die beiden Schauspieler weltberühmt geworden. Die Lebenswege des Kommandanten der NCC-1701 sowie seines vom Planeten Vulkan stammenden ersten Offiziers dürften jedoch allgemein bekannter sein als die der beiden Schauspieler. Beide haben einige autobiografisch geprägte Bücher veröffentlicht und es existieren zahlreiche weitere Quellen, zum Beispiel die (Auto-)Biografien anderer Schauspieler, die an der Erschaffung von »Star Trek« beteiligt waren. Ich habe vieles davon gelesen und glaube mir ein ungefähres Bild der beiden Männer machen zu können.

 

Nun hat Shatner also ein Buch geschrieben, in dem es nicht nur um ihn selbst gehen soll, sondern auch um seinen im Jahre 2015 verstorbenen Kollegen und Freund Leonard Nimoy. Dieses Versprechen wird eingelöst. Shatner geht ausführlich auf Nimoys familiären Hintergrund und seine ersten Gehversuche als Schauspieler ein, behandelt die Probleme während der Dreharbeiten zu »Star Trek« sowie die Entwicklungen in der Fernsehlandschaft und im Filmbusiness allgemein, skizziert Nimoys beruflichen Werdegang nach dem Ende der Serie inklusive der Unmöglichkeit, sich von Spock zu lösen, und blendet seine Alkoholsucht nicht aus. Es ist interessant zu lesen, was Nimoy sonst noch so gemacht hat, zum Beispiel hat er sich erfolgreich als Dichter und Fotograf betätigt. Shatner bezieht sich allerdings stets mit ein. Soweit es um die gemeinsame Arbeit oder die Stationen einer wechselvollen Freundschaft geht, ist das völlig in Ordnung. Böse Zungen könnten jedoch behaupten, Shatner habe Nimoys Lebensweg lediglich als Aufhänger für eine weitere Autobiografie benutzt. Etwas weniger Selbstdarstellung hätte dem Buch jedenfalls bestimmt nicht geschadet.

 

Ein großes Problem war und ist Shatners Humor. Natürlich kann ich nicht beurteilen, inwieweit hier romantisch verklärte Erinnerungen wiedergegeben werden und ich weiß nicht, inwieweit Shatners Selbstwahrnehmung der Realität entspricht. So bekommt man einmal mehr die allseits bekannten Anekdoten aus der »Star Trek«-Zeit zu lesen und Shatner macht einige Bemerkungen, die ich für verletzend halten würde, wären sie auf mich gemünzt. Shatner scheint zu glauben, dass seine Kollegen die Streiche, die er seinerzeit nicht lassen konnte, genauso lustig fanden wie er selbst. Vielleicht sind sie einfach zu höflich, ihm zu sagen, wie so etwas wirklich ankommt? Und so gibt Shatner letzten Endes fast mehr über Shatner preis als über Nimoy.

 

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass das in Ich-Form verfasste Buch eigentlich Co-Autor David Fisher zuzurechnen ist. Er soll es anhand von Interviews mit Shatner geschrieben haben. So wird der Eindruck von Unstrukturiertheit erklärlich, den ich bei der Lektüre hatte. Klar, die Kapitel orientieren sich im Wesentlichen chronologisch am Lebensweg Nimoys und Shatners, insgesamt wird aber ziemlich viel hin und her gesprungen, vorgegriffen, zurückgeblickt und abgewichen.

 

»Ich und Spock« ist angenehm zu lesen, teils sogar berührend ich möchte es als durchaus angemessene Würdigung Leonard Nimoys bezeichnen. Das Buch enthält viele Einblicke in die komplexe Persönlichkeit eines außergewöhnlichen Menschen – aus der subjektiven Sicht William Shatners.

 

06.05.2018

Spaß mit der Deutschen Bahn Teil 33 – Nur geträumt?

 

Ich berichte nicht mehr so oft von den Abenteuern, die ich bei meinen zahlreichen Reisen mit der Deutschen Bahn erlebe, aber das heißt nicht, dass es nichts zu berichten gibt. Ganz im Gegenteil! Es ist nur so, dass im Grunde immer dasselbe geschieht, so dass ich mich ständig wiederholen müsste. Meine Verspätungsstatistiken belegen, dass von Zuverlässigkeit bei der Bahn keine Rede sein kann (hier die Zahlen für 2017 – der Trend hat sich bis jetzt fortgesetzt) und an den von den lieben Mitreisenden ausgehenden Belästigungen, über die ich mich schon im Jahre 2012 beklagt habe, hat sich auch nichts gebessert. Was ich von dem halte, was die Bahn unter »Service« versteht, habe ich ebenfalls schon oft genug geschrieben.

 

Hier nur ein kleines Beispiel aus jüngerer Zeit, nämlich vom 13. April 2018. Es war ein Freitag, an dem im Öffentlichen Dienst gestreikt wurde. Busse und Straßenbahnen fuhren in Mainz nicht, deshalb machte ich früher Feierabend und rief ein Taxi, dessen baldige Ankunft mir zugesichert wurde. Es kam nicht, aber das ist eine andere Geschichte. Also fuhr ich nach längerer Wartezeit mit dem Auto zu einem Parkhaus in Bahnhofsnähe, das ich bei ähnlichen Gelegenheiten schon oft genutzt habe. Man kann dort als Bahnreisender relativ günstig parken - für Mainzer Verhältnisse. Die Parktickets konnte man bisher immer am Fahrkartenschalter kaufen. Ich stellte mich dort also an. Nach zwanzigminütiger Wartezeit war ich endlich dran. Ich hatte jetzt noch ca. 15 Minuten Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Man teilte mir mit, Tickets fürs Wochenende müsse ich im Parkhaus kaufen, die seien am Bahnschalter nicht mehr erhältlich. Ich eilte zurück zum Parkhaus (noch 10 Minuten bis zur Abfahrt), nur um dort zu erfahren, dass man die Tickets nicht im Voraus erhält. Man bezahlt, wenn man von der Reise zurückkommt! Ja verdammt noch mal, warum hat der Typ am Schalter mir das nicht gleich gesagt? Ich also im Stechschritt zurück zum Bahnhof, wo die Einfahrt des Zuges soeben angesagt wurde… mit der Ergänzung, dass der Intercity abweichend an einem anderen Bahnsteig ankommen werde! Und das war ganz offensichtlich die erste Ansage dieser Art, denn alle anderen Reisenden, die diesen Zug nehmen wollten, standen auch noch am falschen Bahnsteig. Sie hasteten jetzt zusammen mit mir zum richtigen Bahnsteig, wo der Zug auch schon einfuhr - in umgekehrter Wagenreihung…

 

Solche und noch viel derbere Späße erlebe ich an jedem Wochenende. Ist es da verwunderlich, dass mich das bis in meine Träume hinein verfolgt? Manchmal träume ich, dass mein Zug am Zielort ankommt, ich aber nicht rechtzeitig aussteigen kann, weil ich erst meine Plünnen einsammeln muss, die ich um mich herum verteilt habe. Das ist merkwürdig, denn im Gegensatz zu anderen Fahrgästen, die auf diese Weise gern mal den Sitz neben sich blockieren, mache ich so etwas nie. Ich habe nur eine Reisetasche unter dem Sitz und ein Buch in der Hand. Neulich habe ich von einem Bahnhof geträumt, von dem aus ich in meiner Kindheit oft gefahren bin, aber seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Traum war das Gebäude irgendwie vergittert, so dass ich durch ein Fenster kriechen musste. Auch der Bahnsteig war durch mehrere Gitter so abgeriegelt, dass der Zug gar nicht zu erreichen war. Sehr seltsam.

 

Die Deutung meiner wirren Träume überlasse ich euch…

 

03.05.2018

Rogue One: A Star Wars Story (Blu-ray)

 

Die Handlung dieses Films ist zwischen »Die Rache der Sith« und »Krieg der Sterne« angesiedelt, ziemlich dünn und für all jene, die »Krieg der Sterne« kennen, auch vorhersehbar. Es geht darum, dass das Imperium seine Machtposition zu festigen beabsichtigt, indem es die Rebellenallianz mit Hilfe des Todessterns vernichtet und diese gigantische bewaffnete Raumstation danach als Mittel zur Einschüchterung potentieller Gegner einsetzt. Die Rebellen erfahren von einer Schwachstelle des Todessterns und müssen nun die Konstruktionspläne in ihren Besitz bringen. Darum herum wird die Story von einer jungen Frau gestrickt, die ihr Leben lang geglaubt hat, ihr Vater sei ein Verräter, dann aber erkennt, dass er in Wahrheit alles geopfert hat, damit das Imperium letztlich doch besiegt werden kann. Der Film bietet fantastische Bilder, doch leider sind die Hauptfiguren keine Sympathieträger, so dass mir ihr Schicksal gleichgültig geblieben ist…

01.05.2018

Philip K. Dick: Und die Erde steht still

Bastei Lübbe, 1985

195 Seiten

 

Acht Personen, darunter Jack Hamilton und seine Frau Marsha, befinden sich auf der Besucherplattform des Belmont-Bevatrons in San Francisco, als der dortige Protonenstrahldeflektor außer Kontrolle gerät. Ein sechs Billionen Volt starker Strahl künstlich erzeugter kosmischer Energie äschert Teile des Gebäudes ein. Die Besucher sowie der Besichtigungsleiter Bill Laws stürzen durch das Energiefeld in die sechzig Fuß tiefer liegende Kammer des Bevatron-Supermagneten hinab, wobei alle bis auf den Kriegsveteranen Arthur Silvester das Bewusstsein verlieren. Alle überleben, wenn auch teils so schwer verletzt, dass sie einige Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Jack und Marsha dürfen noch am selben Tag nach Hause zurückkehren, doch beide spüren, dass etwas nicht stimmt. Jack wird von einer Biene gestochen, nachdem er geflucht hat. Ein Heuschreckenschwarm fällt über ihn her, als er eine böse Lügengeschichte erzählt, um eine ebenfalls zu den Opfern des Bevatron-Zwischenfalls gehörende Frau namens Joan Reiss zu erschrecken.

 

Jack hat seinen Job als Leiter des Forschungslabors von California Maintenance verloren (ein Konzern, der Lenkraketen für die Regierung herstellt), weil bei einer Sicherheitsüberprüfung festgestellt wurde, dass sich Marsha für linksgerichtete Gruppierungen interessiert. Jack stellt sich beim Konkurrenzunternehmen Electronics Development Agency vor und wird auf Anhieb engagiert. Allerdings scheint man sich bei EDA weniger für Fachkompetenz zu interessieren als für moralische Integrität und den Glauben an die »Heilige Schrift des Zweiten Bab«. Nach verschiedenen bizarren Erlebnissen begreift Jack, dass er und die anderen Besucher des Bevatrons in Wahrheit immer noch in der Magnetkammer liegen. Die Zeit steht praktisch still, denn sie befinden sich in einer Parallelwelt, die von Arthur Silvesters Geist erzeugt wird. Der erzkonservative Exsoldat ist Anhänger einer kruden Religion, und in seiner Welt geschehen buchstäblich Zeichen und Wunder. Gebete werden erhört und Sünden durch göttliche Intervention bestraft…

 

Dieser Roman ist zusammen mit »Die seltsame Welt des Mr. Jones«, »Die rebellischen Roboter« und »Die Invasoren von Ganymed« im Sammelband »Die Welten des Philip K. Dick« erschienen, welcher außerdem ein Vorwort sowie ein kurzes Essay über Dicks Leben und Werk von Uwe Anton enthält. »Und die Erde steht still«, 1957 erschienen und Dicks Frühwerk zuzurechnen, wartet nicht mit den üblichen Science-Fiction-Versatzstücken auf. Dick lässt die Handlung im Jahre 1959 spielen und benutzt nur ein einziges futuristisches Gadget (das Bevatron), um Geschehnisse in Gang zu setzen, die sich in imaginierten Welten ereignen. Die Bewusstseine der acht Unfallopfer sind anscheinend infolge der Bestrahlung miteinander verschmolzen. Jeweils ein Bewusstsein ist dominant und diktiert die Verhältnisse für die anderen. Silvesters verdrehte Religiosität ist ein gutes Beispiel für die Aktualität dieses Autors. Der Exsoldat nimmt die Bibel wörtlich, und so wirkt die von ihm erschaffene Welt wie der Traum eines evangelikalen Fundamentalisten! Dick treibt den Irrsinn auf die Spitze und macht diesen Teil des Romans zu einer köstlichen Religionssatire.

 

Nachdem es Jack gelungen ist, Silvester in dessen Welt mattzusetzen, findet er sich nicht wie erhofft in der Realität wieder. Stattdessen wird der Geist der prüden Hausfrau Mrs. Pritchet dominant. Nach und nach lässt sie alles verschwinden, was sie für anstößig, schädlich oder auch nur unästhetisch hält, bis sie sich am Ende selbst eliminiert. In der nächsten Parallelwelt bekommen es die Protagonisten mit den beunruhigenden Wahnvorstellungen einer verklemmten Paranoikerin zu tun. Mit der letzten Episode vollendet Dick den Zirkelschluss der Rahmenhandlung, in der er die Auswüchse der McCarthy-Ära aufs Korn nimmt. Folgendes Zitat bringt es auf den Punkt: »Und eine Frau, die Friedenspetitionen unterschreibt, kann dieses Land dennoch von ganzem Herzen lieben.«

 

26.04.2018

Spider-Man: Homecoming (Blu-ray)

 

Nach seinem erfolgreichen Einsatz im Bürgerkrieg zwischen Iron Man und dessen Anhängern sowie Captain Americas Fraktion wünscht sich Peter Parker alias Spider-Man nichts sehnlicher, als ein echter Superheld zu sein und in die Reihen der Avengers aufgenommen zu werden. Peter hat erstaunliche Kräfte und kann auf die Hightech-Gimmicks des Spider-Man-Anzugs zurückgreifen, den er von Tony Stark geschenkt bekommen hat, aber es mangelt ihm an Erfahrung. Er ist schließlich erst 15 Jahre alt und geht noch zur Schule. Starks Faktotum »Happy« Hogan soll Peter im Auge behalten und dafür sorgen, dass der Junge nicht allzuviel Unfug in seinem heimatlichen Stadtteil Queens treibt. Als Peter einem Schwarzmarkthändler namens Adrian Toomes auf die Schliche kommt, der immer wieder außerirdische Technik aus den Beständen der Avengers stiehlt, sieht er seine Chance gekommen, sich endlich zu beweisen… Soweit mein kurzer Teaser zum ersten Spider-Man-Film aus dem Marvel Cinematic Universe. Eine ausführliche Zusammenfassung und eine Begründung dafür, warum ich »Spider-Man: Homecoming« für einen der besten MCU-Filme überhaupt halte, findet ihr in meinem Archiv.

23.04.2018

David Brin: Existenz

Heyne, 2012

893 Seiten

 

Mitte des 21. Jahrhunderts führen Naturkatastrophen, Kriege und andere globale Krisen zu tiefgreifenden Umwälzungen. Infolge des Klimawandels haben sich die Küstenlinien verändert. Einige Städte sind bereits untergegangen, andere werden durch gigantische Dämme vor den Fluten geschützt. Nach dem »Furchtbartag«, an dem mehrere Großstädte der USA nuklear verseucht wurden, ist es zu einem gesellschaftlichen Wandel gekommen, der als Big Deal bezeichnet wird. Eine aus zehn Ständen bestehende Kastengesellschaft wurde etabliert, an deren Spitze eine Erbaristokratie der Superreichen steht. Der alte Geldadel bildet eine Klade konservativer Clans mit neofeudalistischen Tendenzen, für die allerdings (wie für alle Aspekte des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens) das Prinzip der totalen Transparenz gilt. Permanenter Onlinezugang zu den globalen Informationsnetzwerken ist für jedermann garantiert. VR-Brillen sind der letzte Schrei. Künstliche Intelligenzen sind entstanden, deren Gefahrenpotential niemand einschätzen kann. Durch Genmanipulationen wurden Schimären erschaffen (so wurde der Neandertaler zu neuem Leben erweckt) und zum Teil gleich wieder ausgerottet. Viele Menschen sind nicht mit der immer schneller voranschreitenden technischen Weiterentwicklung einverstanden. Die Abkehrbewegung des so genannten Propheten Tenskwatawa agitiert gegen den unkontrollierten Fortschritt, findet immer mehr Anhänger und gewinnt politische Macht.

 

Der Astronaut Gerald Livingstone sucht im Erdorbit nach Weltraumschrott, der sich ausschlachten lässt oder aus der Umlaufbahn entfernt werden muss, weil er eine Gefahr für die Raumfahrt darstellt. Dabei entdeckt Livingstone ein Artefakt, das eindeutig nicht von der Erde stammt. Es handelt sich um einen großen eiförmigen Kristall, der bei Berührung Bilder von nichthumanoiden Lebewesen sowie Schriftzeichen zeigt. Diese Entdeckung sorgt weltweit für großes Aufsehen, beweist sie doch, dass es außerirdisches intelligentes Leben gibt. Das Artefakt wird der Öffentlichkeit während einer internationalen Konferenz präsentiert. Die Ermittlungsreporterin Tor Powlow reist per Luftschiff zur Konferenz, verhindert einen Terroranschlag und wird künftig als Heldin gefeiert, zahlt jedoch einen hohen Preis für ihren Mut. Sie erleidet schwerste Verbrennungen, so dass das, was von ihrem Körper noch übrig ist, in einem Überlebenstank bleiben muss. Die Artefakt-Konferenz wird zu einer Sensation beispiellosen Ausmaßes, als sich herausstellt, dass in dem Kristall nicht etwa nur Bilder gespeichert sind, sondern die Bewusstseinsinhalte von Lebewesen, und als die Schriftzeichen lesbar gemacht werden können. Der Kristall ist nichts anderes als eine Sonde, eine Art Botschafter, der Kontakt mit anderen Völkern herstellen soll. Seine erste Botschaft lautet »Schließt euch uns an!«

 

Der Müllsammler Peng Xiang Bin lebt mit seiner Frau Mei Ling und seinem kleinen Sohn an der Mündung des Flusses Huangpu vor der großen Mauer, die Alt-Shanghai vor dem steigenden Meeresspiegel schützt. Peng Xiang Bins Heim ist eine ehemalige Strandvilla, die in früheren Zeiten mehrere Millionen New-Hong-Kong-Dollar teuer war, jetzt aber teilweise überflutet ist und praktisch keinen Wert mehr hat. Arme Familien können Anspruch auf derartige Gebäude erheben, wenn es ihnen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens gelingt, sie zu sichern und wiederaufzubauen. Um das benötigte Geld zusammenzukratzen, muss Peng Xiang Bin auf riskante Tauchgänge in der Bucht gehen, denn Bergungsgut wird immer rarer. Eines Tages entdeckt Peng Xiang Bing die im Meer versunkene Residenz eines vor vielen Jahren gestorbenen Multimillionärs. Ein Lagerraum ist noch intakt. Dort hat der ehemalige Besitzer unzählige Edelsteine aufbewahrt. Ein besonders großer, Jahrtausende alter Kristall spricht zu Peng Xiang Bin, sobald er ans Licht geholt wurde. Auch dieses Artefakt ist ein außerirdischer Botschafter. Er bezeichnet den anderen als Lügner…

 

Ausgangspunkt dieses Mammutwerks sind zwei Überlegungen. 1.: Wie kann die Menschheit die unzähligen Fallen umgehen, die zu ihrem Untergang führen könnten? Abgesehen von kosmischen Katastrophen (z.B. Einschläge großer Meteoriten), die sowieso nicht beeinflusst werden können, scheint unsere Spezies ja mit allen Mitteln an der Selbstvernichtung zu arbeiten. Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung, Vernichtung ganzer Ökosysteme - das sind nur ein paar Beispiele für das, was wir unserer Welt und somit uns selbst antun. 2.: Wenn wir davon ausgehen, dass es allein in unserer Galaxie über 100 Milliarden Sonnen gibt, und dass unzählige Galaxien existieren, die viele Millionen Jahre älter sind als unsere – warum haben wir dann noch keine Hinweise auf jene intelligenten Völker entdeckt, die sich irgendwo im Universum in all dieser Zeit entwickelt haben müssen? Diese Frage ist unter der Bezeichnung »Fermi-Paradoxon« bekannt (siehe Wikipedia) und hat unmittelbar mit der ersten zu tun. Eine Erklärung für das Fehlen außerirdischer Zivilisationen könnte nämlich darin bestehen, dass selbige untergehen, bevor sie in der Lage sind, interstellare Raumfahrt zu betreiben oder zumindest mit Zivilisationen in anderen Sonnensystemen zu kommunizieren. Kern des Romans ist also nichts weniger als die Frage nach der Bestimmung der Menschheit.

 

Brin findet in »Existenz« durchaus überzeugende Antworten auf diese großen Fragen. Wie sich herausstellt, gibt es nicht nur die beiden im Teaser genannten Kristallsonden, sondern abertausende auf der Erde und im All. Die meisten behaupten, der Untergang sei unausweichlich und der einzige Ausweg bestehe in der millionenfachen Reproduktion eben solcher Sonden, in denen die hochgeladenen Bewusstseinsinhalte ausgewählter Personen für immer weiterexistieren können, während sie zu fernen Welten reisen, um die Warnung weiterzutragen. »Es ist ein verdammter Kettenbrief« - so bringt es ein Teilnehmer der Artefakt-Konferenz auf den Punkt. Es zeigt sich jedoch, dass die Behauptung des Botschafters eine selbsterfüllende Prophezeiung ist und dass der Menschheit durchaus andere Wege offenstehen. Pluralismus, Offenheit und Gelassenheit, verbunden mit vorurteilsfreier, kritikoffener Forschung, so verstehe ich Brins Roman, ist der Königsweg.

 

Diese Themen kommen erst in der zweiten Romanhälfte aufs Tapet. Das Hauptaugenmerk des Romans liegt zuvor auf dem Weltenbau. Wir lernen den facettenreichen Kosmos aus der Perspektive zahlreicher Protagonisten kennen. Im obigen Teaser habe ich bei weitem nicht alle genannt! Weitere wichtige Personen sind z.B. Hamish Brookeman, ein berühmter Regisseur und Autor, der zur Abkehrbewegung gehört, sich später aber von dieser löst, sowie Hacker Sander, Sohn einer Multimilliardärin, der sich die Zeit mit ebenso kostspieligen wie gefährlichen Hobbys vertreibt, durch Zufall auf intelligenzoptimierte Delphine stößt und dadurch eine neue Lebensaufgabe findet. »Wichtig« bedeutet, dass es viele Kapitel mit dem Blickwinkel dieser Personen gibt. Ob dieser Umfang wirklich gebraucht wird? Nun, eine gewisse Weitschweifigkeit lässt sich nicht abstreiten. Man könnte teilweise sogar von »Zähflüssigkeit« sprechen. Es ist Brin hoch anzurechnen, dass er doch immer wieder die Kurve kriegt und die meisten Handlungsebenen zu einem akzeptablen gemeinsamen Ende führt.

 

Allerdings schlägt er bis dahin einige Umwege ein und führt (Zeit-)sprünge durch. Nach über 650 Seiten beginnt plötzlich ein neuer Abschnitt, die bisherigen Geschehnisse liegen dann 30 Jahre zurück – und das ist nicht der letzte derartige Bruch. Ich hatte den Eindruck, dass Brin ursprünglich einen ganzen Romanzyklus schreiben wollte, die dafür vorgesehenen Ideen dann aber doch in einem einzigen Buch unterbringen musste. »Existenz« ist somit keine ganz leichte, aber durchaus lohnende Lektüre, die zum Nachdenken anregt.

 

19.04.2018

Der Dunkle Turm (Blu-ray)

 

Wenn man Stephen Kings mehrere tausend Romanseiten umfassenden Zyklus »Der Dunkle Turm« verfilmen möchte, der in einer sehr komplexen Welt mit umfangreichem geschichtlichem Hintergrund spielt, unzählige Figuren, zahlreiche Nebenhandlungen, Rückblenden sowie Geschichten innerhalb von Geschichten enthält und in dem mehrere Genres miteinander vermischt werden, kann man sich entweder genau an die Vorlage halten und alles verfilmen. Dann muss man sehr viel Geld in die Hand nehmen und mindestens ebenso viele Kinofilme wie Romane herausbringen, nämlich sieben. Oder man pickt sich eine Episode für einen einzigen Film heraus. Dieser müsste dann mindestens drei Stunden lang sein, um die typische Epik des Zyklus wiederzugeben. Oder man nutzt lediglich Figuren und Motive aus den Romanen für ein eigenständiges Werk. Für letzteren Weg hat man sich entschieden. Leider ist dabei trotz guter schauspielerischer Leistungen ein banaler, schlecht zusammengeschusterter und leider auch langweiliger 08/15-Actionfilm herausgekommen, den man wirklich nicht gesehen haben muss.

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