Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher, Filme und Games vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

01.12.2016

Blu-ray: The Expendables 3 – A Man’s Job (Extended Director’s Cut)

 

Der dritte »Expendables«-Film ist leider der schwächste der Reihe, denn der Nostalgiefaktor, den ich als größte Stärke der ersten beiden Filme betrachte, wird sträflich vernachlässigt. Ja, es treten auch diesmal wieder viele alte Haudegen auf, aber ihnen wird weit weniger Aufmerksamkeit gewidmet als in den vorherigen Filmen. Demgegenüber nimmt die unreflektierte und obendrein als großer Spaß dargestellte Tötung unzähliger Feinde viel breiteren Raum ein. Über die dünne Story – Barney Ross will sich an tot geglaubtem Ex-Expendables-Gründungsmitglied rächen und rekrutiert zu diesem Zweck neue Teammitglieder – könnte ich hinwegsehen, aber irgendwie hat mir dieser Film einfach keinen Spaß gemacht, was vielleicht an der Monotonie der immer gleichen Kampfszenen liegt. Insbesondere beim zu langen Showdown beißen Fantastilliarden von gesichtslosen Schergen ins Gras, während die Expendables nicht mal Kratzer abbekommen…

28.11.2016

Haruki Murakami: Mister Aufziehvogel

btb, 2000

766 Seiten

 

Toru Okadas Leben ist an einem Wendepunkt angelangt. Er kündigt seinen Job bei einer Anwaltskanzlei, denn er hat erkannt, dass er nicht Jurist werden will. Seither beschäftigt er sich mit der Hausarbeit, während seine Frau Kumiko weiter arbeiten geht. Eine seiner Aufgaben besteht in der Suche nach dem entlaufenen Kater Noboru Wataya. Hierbei begegnet er May Kasahara, einer leicht verrückten Sechzehnjährigen in der Nachbarschaft, mit der er sich anfreundet. Toru konzentriert die Suche auf ein verlassenes Haus, in dessen Garten sich streunende Tiere May zufolge besonders gern aufhalten. Dort entdeckt Toru einen ausgetrockneten Brunnen. Der Kater bleibt jedoch verschwunden. Kumiko bittet Toru, die Hilfe der Hellseherin Malta Kano in Anspruch zu nehmen. Beim ersten Treffen mit der Frau erfährt Toru, dass Maltas Schwester Kreta vor längerer Zeit von Kumikos Bruder Noboru Wataya vergewaltigt worden ist. Die Hellseherin kann Toru nicht verraten, wo sich der Kater befindet. Sie warnt ihn vor unbestimmten Ereignissen in der Zukunft. Toru soll sich vor Wasser in Acht nehmen. Dadurch fühlt sich Toru an Weissagungen erinnert, die er und Kumiko vor Jahren von einem anderen Medium, einem gewissen Herrn Honda, erhalten haben.

 

Eines Tages bekommt Toru Besuch von Leutnant Mamiya, einem Kriegskameraden Hondas. Herr Honda ist gestorben und hat Mamiya gebeten, verschiedenen Personen – so auch Toru – Gegenstände aus seinem Nachlass zu bringen. Dann verschwindet Kumiko. Ihr Bruder behauptet, sie wolle Toru nicht mehr sehen. In einem angeblich von ihr selbst verfassten Brief teilt Kumiko mit, sie habe eine Affäre mit einem anderen Mann. Toru glaubt dies nicht; er befürchtet, Kumiko werde irgendwo gegen ihren Willen festgehalten. Inspiriert von den Kriegsgeschichten, die Mamiya erzählt hat, steigt Toru in den ausgetrockneten Brunnen hinab, um in Ruhe nachdenken zu können. Am Grunde des Brunnens hat Tour einen beunruhigenden Traum. Er durchdringt eine immaterielle Wand, findet sich in einem Hotel wieder und hat dort seltsame Erlebnisse. Bei der Rückkehr in die Realität schlägt etwas gegen seine Wange. Als Toru nach Hause zurückkehrt, sieht er im Spiegel, dass sich auf seiner Wange ein handtellergroßes Mal befindet, das er früher nicht hatte. Einige Zeit später wird der Brunnen zugeschüttet.

 

Toru irrt durch die Stadt und begegnet der reichen Frau Akasaka. Sie wird durch das Mal auf ihn aufmerksam. Frau Akasaka interessiert sich für Toru, denn sie erkennt, dass er dieselbe besondere Fähigkeit besitzt wie sie selbst. Sie stellt ihn ein, damit er ihre Klientinnen heilt. Toru braucht das Geld, denn er muss das verlassene Haus kaufen, um den Brunnen wieder benutzen zu können. Er ist sicher, dass er das Rätsel um Kumikos Verschwinden nur in der Parallelwelt lösen kann, die er vom Grunde des Brunnens aus zu erreichen hofft. Außerdem steht für ihn fest, dass Noboru Wataya etwas mit der Sache zu tun hat. Kumikos Bruder ist in die Politik eingestiegen und weitet seine Macht immer mehr aus. Welche Zwecke Noboru Wataya mit alldem verfolgt, ahnt Toru allerdings nicht…

 

Es ist schon nicht ganz einfach, einen Teaser zu diesem dicken Wälzer zu schreiben, denn rund um die vordergründige Geschichte von Kumikos Verschwinden (zu dem es übrigens erst nach vielen Kapiteln kommt) und Torus Suche nach ihr entspinnen sich unzählige Nebenhandlungen, deren Sinn mir ebenso schleierhaft geblieben ist wie die Bedeutung der eingeschobenen umfangreichen Rückblicke auf Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges. So erfährt man viel über May Kasaharas Gedanken- und Gefühlswelt, denn sie schreibt Toru lange Briefe, die er nie erhält. Kreta Kano berichtet über ihre Vergangenheit und schildert die schrecklichen Schmerzen, unter denen sie früher gelitten hat. Frau Akasaka hat einiges von sich und ihrem stummen Sohn zu erzählen. Ich-Erzähler Toru erinnert sich an länger zurückliegende Episoden, unter anderem daran, was er von seiner Frau über deren Familie erfahren hat. Und zu guter Letzt wird von einem kleinen Jungen erzählt, der merkwürdige Vorgänge im Garten seines Elternhauses beobachtet und sich buchstäblich verdoppelt.

 

Noch schwerer fällt mir die Einschätzung, welche Bedeutung all das für die Story hat und ob der Roman überhaupt eine Story hat. Zieht der Aufziehvogel (den Toru aufgrund seines schnarrenden Rufes so nennt) wirklich die Welt auf wie eine Spieluhr? Versetzt sich Toru wirklich in eine Parallelwelt, in der er es mit der »Essenz« realer Personen zu tun bekommt und in der sich der Kampf mit seinem Erzfeind Noboru Wataya entscheidet? Besitzt er wirklich übernatürliche Fähigkeiten, mit denen er Frau Akasakas Kundinnen heilt? Kann Kreta Kano wirklich ihren Geist vom Körper trennen und in Torus Träume eindringen? Und wenn es sich um Symbole handelt – wofür stehen sie? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall entsteht eine surreale Atmosphäre, die mich ein wenig an Geschichten Franz Kafkas und sehr an Filme David Lynchs erinnert hat. Somit war ich erneut von jenem Gefühl der faszinierten Ratlosigkeit gepackt, das mich bei Murakamis Romanen immer überkommt.

 

Die Rückblicke auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges scheinen irgendwie mit der Gegenwartshandlung verknüpft zu sein, aber auch hier wird nur wenig angedeutet und nichts aufgelöst. Diese Kapitel waren für mich aber besonders interessant. Ich wusste zum Beispiel bis jetzt nichts von der Existenz des Kaiserreiches Mandschukuo, welches die Japaner seinerzeit in der Mandschurei errichtet hatten und das nach Kriegsende an China zurückgegeben wurde.

 

Ich weiß also nicht, was der Autor mir sagen will. Dennoch konnte ich den Text genießen, denn wenn ich schon nicht kapiere, was erzählt wird, so kann ich mich doch daran erfreuen, wie es erzählt wird. Murakami schreibt ebenso plastisch (und wortreich, aber das soll keine Negativkritik sein) wie Stephen King, lässt selbst phantastische Geschehnisse glaubhaft werden und vermittelt Stimmungen in einem schnörkellosen, irgendwie distanziert wirkenden Ton. Wieder einmal fällt mir auf, dass Murakami banale Alltäglichkeiten sehr genau schildert. So erfährt man, was genau Toru zum Abendessen kocht, wie er Hemden bügelt und so weiter. Vielleicht ist genau das der Clou bei Murakamis Romanen? Dass lediglich Atmosphäre erzeugt werden soll und man daher nicht nach tieferer Bedeutung suchen sollte?

 

24.11.2016

Blu-ray: Abraham Lincoln Vampirjäger

 

Abraham Lincoln, der von 1861 bis 1865 amtierende 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat die Abschaffung der Sklaverei vorangetrieben und sein Land durch den Bürgerkrieg geführt. Doch all das hat einen der Öffentlichkeit nicht bekannten Hintergrund, wie aus Lincolns geheimem Tagebuch hervorgeht. In Wahrheit war Lincoln ein Vampirjäger! Bewaffnet mit versilberter Axt und ausgebildet in der Kunst des Tötens hat er schon vor Beginn seiner politischen Karriere untote Blutsauger in Springfield vernichtet, um Rache für den durch sie verschuldeten Tod seiner Mutter zu nehmen. So ist er in Konflikt mit dem dämonischen Plantagenbesitzer Adam geraten. Dieser Jahrtausende alte Urvampir hat sich sowie seine blutdürstige Brut viele Jahre lang mit Sklaven gemästet und von der Errichtung einer Nation der Untoten geträumt…

21.11.2016

Jürgen Kehrer: Wilsberg und der tote Professor

Grafit-Verlag, 2002

192 Seiten

 

Professor Günter Kaiser, Sprachwissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und als Schürzenjäger bekannt, hat seiner Frau Marie vor der Heirat versprochen, er werde künftig die Finger von Studentinnen und Kolleginnen lassen. Marie hat ihm geglaubt, in letzter Zeit aber den Verdacht geschöpft, dass er seine Machtposition missbraucht, um sich Frauen gefügig zu machen. Georg Wilsberg wurde mit der Observation Kaisers beauftragt. Der Privatdetektiv legt sich auf die Lauer, um belastende Fotos schießen zu können. Lange muss er nicht warten. Wilsberg beobachtet, wie Kaiser kurz nacheinander zwei Frauen in seinem Büro betatscht. Die erste entzieht sich den Zudringlichkeiten. Bei der zweiten hat der Lüstling mehr Erfolg. Doch dann bricht er über der Frau zusammen, während Wilsberg immer weiter knipst. Kaiser wurde erschossen und Wilsberg hat Fotos von der Tat gemacht! Für Hauptkommissar Stürzenbecher, der es nicht gern sieht, dass sich Wilsberg wieder einmal am Tatort eines Kapitalverbrechens herumtreibt, gilt Marie Kaiser als Hauptverdächtige. Eifersucht ist schließlich ein starkes Motiv. Wilsberg will der jungen Witwe helfen und beginnt mit der Suche nach Personen aus Kaisers Umfeld, die ein Mordmotiv haben könnten.

 

Kandidaten sind schnell gefunden. Kaisers Assistentin Dr. Viola Kohlmann gehört zu jenen Frauen, die dem Professor zu Willen waren, weil sie sich berufliche Vorteile davon versprochen haben. Obendrein hat Kaiser Viola mit allen möglichen Aufgaben belastet, um sich in Ruhe mit dem Studium aussterbender Geheimsprachen befassen zu können. Violas Ehemann Wolfgang ist im Bilde. Zur Eifersucht kommt in seinem Fall echte Existenzangst, denn sollte die Affäre bekannt werden, würde er seinen lukrativen Job verlieren. Außerdem ist er Jäger und hätte somit nicht nur ein Motiv, sondern auch die nötigen Mittel für einen Mord. Er hat allerdings ein Alibi. Ein gewisser Professor Varnholt zählt ebenfalls zum Kreis der Verdächtigen. Er war Kaisers Intimfeind, und zwar nicht nur auf fachlicher Ebene. Kaiser hat herausgefunden, dass Varnholt früher als V-Mann für den Staatsschutz gearbeitet und Dossiers über linke Studenten angelegt hat. Möglicherweise wollte Kaiser ihn erpressen. Dann gibt es da noch Daniel Kaiser, des Professors Sohn aus erster Ehe. Der junge Mann bricht bei Marie ein, um sich Kaisers wertvolles Dokumentenarchiv unter den Nagel zu reißen. Daniel gibt selbst zu, seinen Vater gehasst zu haben.

 

Es bleibt nicht bei diesem Einbruch. Jedes Mal ruft Marie Wilsberg zu Hilfe. Er übernachtet bei ihr und verliebt sich in sie. Doch er wird das Gefühl nicht los, dass sie ihm etwas verheimlicht…

 

In Wilsbergs vierzehntem Fall werden recht viele falsche Spuren gelegt, aber keine, die auf den wahren Täter hindeutet. Wilsberg konzentriert sich auf einen bestimmten Verdächtigen, den er schließlich überführt zu haben glaubt. Auch der Leser soll das glauben, bis dann auf den letzten Seiten doch noch ein Plot-Twist folgt, bei dem es sich aber ebenfalls um eine in die Irre führende Fährte handelt! Die Auflösung kommt somit für meinen Geschmack zu überraschend. Der wahre Täter wird mehr oder weniger aus dem Nichts herbeigezaubert. Zugegeben, die Person ist von Anfang an dabei, aber auf sein Motiv konnte man nicht kommen. Mir persönlich gefallen Kriminalfälle besser, in denen Kommissar Zufall keine so große Rolle spielt. Dennoch kann ich den Roman empfehlen, denn Wilsberg ist wie immer sympathisch, die ironischen Bemerkungen des Ich-Erzählers sorgen für den typischen Humor und man erfährt ein bisschen was über eine Sprache, die mir bislang völlig unbekannt war: Masematte. Dazu gibt’s sogar einen Wikipedia-Artikel.

 

Mit 192 Seiten ist dies der bislang längste Wilsberg. Auf diesen Umfang kommt der Roman allerdings nur wegen einer Episode aus Wilsbergs Privatleben. Seine Tochter Sarah ist jetzt zehn Jahre alt und hat ihren eigenen Kopf. Sie kommt eines Tages nicht von der Schule nach Hause. Große Aufregung bei Wilsberg und seiner Exfrau! Ist aber alles nicht so schlimm. Das Mädchen ist nur heimlich nach Münster gefahren, weil sie Angst wegen einer schlechten Mathenote hatte. Sie lümmelt längst in Wilsbergs Wohnung herum, während die Eltern noch vor Panik rotieren. Sollte der Autor die Absicht gehabt haben, den Leser glauben zu lassen, Sarah sei von jemandem entführt worden, dem Wilsbergs Schnüffelei ein Dorn im Auge ist, dann hat das leider nicht funktioniert.

 

Auch von Franka gibt es Neuigkeiten zu vermelden. Sie arbeitet nicht mehr für Wilsberg, sondern für einen angesehenen Rechtsanwalt. Wilsberg zieht die Referendarin zu Maries Verteidigung hinzu. Aus der bissigen Emo-Punkerin ist eine angepasste Businessfrau geworden. Schade! Die Reibereien zwischen ihr und Wilsberg haben mir immer besonders gut gefallen.

 

17.11.2016

DVD: The Artist

 

Ein Schwarzweißfilm? Ohne Ton? Prämiert mit fünf Oscars im Jahre 2012? Das klingt interessant, trotzdem hätte ich um The Artist womöglich immer einen weiten Bogen gemacht, wenn ich den Hauptdarsteller Jean Dujardin nicht schon vor Jahren in der Rolle des Geheimagenten OSS 117 ins Herz geschlossen hätte. Also habe ich jetzt doch mal einen Blick riskiert und ich habe es nicht bereut. Mit The Artist wird eine längst vergangene Zeit zu frischem neuem Leben erweckt. Der Film hat seine Oscars definitiv verdient! Dujardin spielt hier den Stummfilmstar George Valentin, mit dessen Karriere es nach der Markteinführung des Tonfilms steil bergab geht. Seine letzte Rettung ist ausgerechnet eine junge Schauspielerin, die von George »entdeckt« wurde und im von ihm verachteten Tonfilm grandiose Erfolge feiert…

14.11.2016

Philip K. Dick: Die drei Stigmata des Palmer Eldritch

Fischer, 2014

247 Seiten

 

Die Erde ist hoffnungslos überbevölkert. Infolge der globalen Erwärmung darf man sich an manchen Tagen nicht mehr ohne Schutzkleidung und Kühlaggregate ins Freie wagen. Wer es sich leisten kann, macht Urlaub an den weitgehend abgeschmolzenen Polkappen, wo es noch kühler ist. Die Superreichen unterziehen sich einer Behandlung, die angeblich zu einer beschleunigten Evolution führt und ihnen leistungsfähigere Gehirne sowie widerstandsfähigere Haut beschert. Zur Minderung des Bevölkerungsdrucks wurden bereits Millionen Menschen von den Vereinten Nationen »eingezogen«, das heißt, sie wurden zur Besiedlung mehrerer Planeten und Monde des Sonnensystems gezwungen. Es ist abzusehen, dass die Erde früher oder später unbewohnbar sein wird. Die Existenzbedingungen in den Kolonien sind allerdings noch weit erbärmlicher. Die Siedler müssen Tag für Tag unter größten Strapazen ums Überleben kämpfen, wobei sie nur wenig oder gar keine Hilfe von den zuständigen Behörden der UN erhalten.

 

Um dieses Dasein ertragen zu können, flüchten die Kolonisten so oft wie möglich in die Scheinwelt von Perky Pat. Diese Puppe und ihr männliches Pendant Walt sind die Zentralfiguren einer riesigen Produktpalette miniaturisierter Alltagsgegenstände, die zu so genannten »Layouts« zusammengestellt werden können. Damit lassen sich Situationen aus dem Leben auf der Erde nachstellen, welches die Kolonisten für immer verloren haben. Durch den Konsum der illegalen Droge Can-D können sich die Nutzer buchstäblich in die Layouts hineinversetzen. Sie schlüpfen in die Identität der Puppe, so dass deren kitschige Kunstwelt zu ihrer Wirklichkeit wird, in der sie alle möglichen Phantasien ausleben können. Darüber hinaus erleben die Can-D-Nutzer unter dem Einfluss der Droge eine Bewusstseinsverschmelzung, was zur Entwicklung verschiedener religiöser Kulte in den Kolonien geführt hat. Der mächtige Konzern P.P. Layouts, geführt von Leo Bulero, hält das Monopol auf Perky Pat. Mehrere Präkogs (Menschen, die in begrenztem Ausmaß in die Zukunft blicken können) prüfen neue Produkte vor Markteinführung auf ihren wahrscheinlichen Erfolg. Außerdem versorgt Bulero die Kolonien mit Can-D.

 

Eines Tages gerät Bulero unter Druck. Die letzte Can-D-Lieferung wurde abgefangen. Barney Mayerson, Buleros bester Präkog, wurde eingezogen und soll demnächst zum Mars deportiert werden. Ausgerechnet in dieser Situation tritt ein Konkurrent für P.P. Layouts auf den Plan. Der Industrielle Palmer Eldritch ist mit einer Substanz aus dem Proxima-Centauri-System zurückgekehrt, aus der sich Chew-Z gewinnen lässt. Diese Droge hat keine der schädlichen Nebenwirkungen von Can-D und soll legalisiert werden. Vor allem aber benötigt man bei ihrer Nutzung keine Layouts, um sich in eine Traumwelt zu versetzen. Diese alternative Realität ist von der echten Welt nicht zu unterscheiden und verheißt eine Art Unsterblichkeit, denn wer Chew-Z konsumiert, für den verändert sich der Zeitablauf. Mayerson sagt voraus, Bulero werde Eldritch töten. Bulero versucht den Eintritt dieser Zukunft zu verhindern, muss aber feststellen, dass Eldritch sterben muss, wenn das Solsystem gerettet werden soll. Denn hinter Eldritch steht eine Macht, deren Ziel darin besteht, alle Menschen mittels Chew-Z in Kopien ihrer selbst zu verwandeln…

 

Es ist kaum zu glauben, dass dieser meisterliche Roman, der in Deutschland früher unter dem Titel »LSD-Astronauten« veröffentlicht wurde, schon Mitte der Sechzigerjahre erstmals erschienen ist. Globale Erwärmung, Überbevölkerung, allmächtige Konzerne, Transhumanismus, Flucht in virtuelle Welten – das sind Themen, die aktueller gar nicht sein könnten! Fast noch erstaunlicher finde ich die Tatsache, dass Philip K. Dick keine 300 Seiten benötigt, um diesen ebenso komplexen wie verstörenden Weltenentwurf für den Leser greifbar, »erlebbar« zu machen. Viele Romane Dicks enthalten sehr ähnliche Szenarien, insbesondere die Zersetzung der Realität unter dem Einfluss fiktiver Drogen und die Besiedlung lebensfeindlicher Welten des Sonnensystems. Das gilt auch für den typisch Dick’schen Humor, bei dem einem oft das Lachen im Hals steckenbleibt, und für kleine Details wie beispielsweise die von den Kolonisten auf dem Mars zur Eindämmung einer Schädlingsplage eingesetzten selbststeuernden Fallen. Wer schon einige Romane aus Dicks Feder gelesen hat, wird sich hier also wie zu Hause fühlen. In diesem Zusammenhang sollte ich die gute deutsche Übersetzung lobend erwähnen.

 

In der ersten Hälfte des Romans geht es nach einer sehr kurzen Expositionsphase (tatsächlich wird man mitten in die Handlung hineingeworfen) hauptsächlich um die Versuche Leo Buleros, seinen Konkurrenten Palmer Eldritch auszubooten, sowie um die Sorgen und Nöte der zweiten Hauptfigur, des Präkogs Barney Mayerson, der seiner Ex-Frau nachtrauert, um seinen Posten bei P.P. Layouts kämpft, in den oben genannten Machtkampf verwickelt wird und schließlich auf dem Mars landet. Dann wird Bulero beim Versuch, zu Eldritch vorzudringen, gefangen genommen und erhält eine Chew-Z-Zwangsinjektion. Von diesem Moment an wissen weder die Protagonisten noch der Leser, was noch real ist und was nicht. Bulero entkommt irgendwann aus Eldritchs Alternativwelt – oder doch nicht? Plötzlich zeigen alle möglichen Leute die drei Stigmata des Palmer Eldritch. Wie er haben sie eine robotische Armprothese, Stahlzähne und künstliche Augen. So ergeht es später auch Mayerson. Befinden sich beide also immer noch in einem von Eldritch erschaffenen und kontrollierten Paralleluniversum, oder wird die Realität allmählich von etwas überlagert, das von außerhalb kommt? Klare Antworten werden nicht geliefert.

 

Hier erhält der Roman eine religiöse Komponente. Mayerson kommt zu der Überzeugung, dass Eldritch irgendwo in der Leere des Alls zwischen Proxima Centauri und Solsystem von einer Wesenheit übernommen wurde, die den Menschen bereits bekannt ist (Gott), aber ganz andere Charaktereigenschaften hat als bislang angenommen. Somit wäre Gott eine böswillige Entität, die ihre Existenz zu sichern beabsichtigt, indem sie die Menschheit durch sich selbst ersetzt, was durch Drogenkonsum anstelle des Abendmahls bewirkt wird. Wow! Das muss man erstmal sacken lassen.

 

13.11.2016

No Man’s Sky

Sony Playstation 4

 

Was ich bisher in den unendlichen Weiten des Universums von No Man’s Sky erlebt habe, könnt ihr im Archiv nachlesen.

 

Raumkapitän Kringels Logbuch. Teil 5: Ernüchterung und Frustration

 

Um die restlichen Reisemeilensteine zu erreichen, bin ich auf der Route Richtung Zentrum der Galaxie von einem Sonnensystem zum nächsten gewarpt, habe mit zahlreichen Aliens gesprochen und noch mehr feindliche Schiffe zerstört. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich in der Galaxienkarte alle Black Holes sehen konnte. Ich glaube, dass das vor Absolvierung der Meilensteine nicht so war. Also hat mir die Fleißarbeit wider Erwarten doch etwas gebracht! Nur mit der Durchquerung Schwarzer Löcher lässt sich der Weg ins Zentrum der Galaxie innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne schaffen. Mit normalen Warpsprüngen wäre das selbst nach einer Verbesserung des Antriebssystems, mit der die Reichweite erhöht wird, so nicht möglich. Ich habe nach unzähligen normalen Warpsprüngen immer noch knapp 30.000 Lichtjahre vor mir, denn mit dem Warpantrieb kann ich maximal ca. 200 Lichtjahre zurücklegen! Wenigstens muss ich keine Ressourcen zur Herstellung von Warpkernen beschaffen, denn in jeder Atlas-Station gibt’s zwei Warpkerne gratis. Sollte man mehr Kerne brauchen, muss man sich nur in den normalen Raumstationen umschauen. Dort gibt es Lagerräume, in denen Antimaterie und andere benötigte Ressourcen gelagert sind. Allerdings wird der Atlas-Pass zum Öffnen der Lagerraumtüren benötigt.

 

Bild 21: In diesen immer gleich aussehenden Lagerräumen findet man alles, was man zur Herstellung von Antimaterie braucht

Endlich habe ich den letzten Meilenstein und somit die Platin-Trophäe eingeheimst. Seitdem habe ich nichts anderes mehr getan als von Sonnensystem zu Sonnensystem zu springen. Wozu noch Raumkämpfe ausfechten, mit Aliens handeln, auf Planeten landen und so weiter? Das wäre absolut sinnlos, denn es würde sowieso nichts mehr geschehen – das Gameplay ist längst ausgereizt. Alles wiederholt sich endlos, so dass sich meine Motivation schnell dem absoluten Nullpunkt genähert hat. Außerdem bin ich meinem Ziel immer noch nicht signifikant nähergekommen und obendrein wird bei jedem Flug durch ein Schwarzes Loch eines meiner im Raumschiff, Exo-Anzug oder Multitool installierten Technik-Upgrades zerstört, so dass ich zu Reparaturzwecken erst wieder mühsam Rohstoffe sammeln müsste. Da ich nichts davon für den Raumflug brauche, habe ich darauf verzichtet.

 

Nur durch eine Sache wurde ich zunächst noch bei der Stange gehalten. Wenn man in einer Atlas-Station mit der dortigen Konsole interagiert, wird man persönlich angesprochen und erhält mehr oder weniger kryptische Botschaften, sofern man einen bestimmten Status bei den Reisemeilensteinen erreicht hat. So habe ich erfahren, dass nicht nur die drei intelligenten Völker vom Atlas erschaffen worden sind, sondern das ganze Universum – und zwar meinetwegen!

 

Bild 22: Eine von vielen Botschaften, die mir auch nicht weiterhelfen

Ich bin nicht dahintergekommen, was ich tun muss, um das letzte diesbezügliche Geheimnis zu lüften, aber inzwischen interessiert es mich nicht mehr. Außerdem will ich gar nicht mehr wissen, was mich im Zentrum der Galaxie erwartet. Somit wandert das Spiel unvollendet ins Regal. Schade!

 

Ich habe Reviews gelesen, in denen moniert wurde, dass Inhalte beworben wurden, die im Spiel nicht zu finden sind. Außerdem sollen Screenshots zu Werbezwecken verwendet worden sein, die gar nicht die Spielgrafik zeigen. Nun, ich habe mir keine Trailer oder andere Werbung angesehen, deshalb kann ich das nicht beurteilen. Versprochen wurden angeblich Landungen auf Asteroiden, Kampfhandlungen in der Atmosphäre von Planeten, mit NPCs besiedelte Handelsaußenposten, Ringwelten, komplexes Verhalten von Kreaturen, Sehenswürdigkeiten wie abgestürzte Frachter oder größere Bauwerke, große Weltraumflotten und riesige Schlachten im All, an denen man sich beteiligen kann. Einige Versprechungen sind nicht ganz falsch. Flotten und Raumkämpfe sind vorhanden, aber keineswegs »riesige«. Man hat es nur mit maximal einem Dutzend Schiffen zu tun. Ob man in Planetenatmosphären kämpfen kann, müsste ich ausprobieren – aber dazu habe ich jetzt keine Lust mehr. Es gibt durchaus NPCs in Gebäuden und Raumstationen, aber immer nur einen einzigen und sie machen immer dasselbe, nämlich so gut wie nichts. Landungen auf Asteroiden, Ringwelten und Sehenswürdigkeiten habe ich tatsächlich nicht gesehen und die Kreaturen interagieren höchstens insofern mit ihrer Umwelt, als sie sich füttern lassen und den Spieler dann zur Fundstelle seltener Rohstoffe führen.

 

No Man’s Sky ist kein schlechtes Spiel, zumindest hatte ich diesen Eindruck in den ersten Stunden. Für eine Weile macht die Erkundung neuer Planeten wirklich Spaß. Anfangs war ich motiviert, die Ausrüstung aufzuwerten und an den Reisemeilensteinen zu arbeiten. Doch irgendwann ist die Motivation wegen der endlosen Wiederholung derselben Inhalte sowie der Abwesenheit echter Ziele und Herausforderungen restlos verloren gegangen.

 

Ursprünglich hätte ich dem Spiel die Note 3 gegeben, aber rückschauend betrachtet wäre das nicht gerechtfertigt. Die Note 4 passt da schon eher. Tatsächlich finde ich es inzwischen schade um die Zeit, die ich mit No Man’s Sky verschwendet habe.

 

10.11.2016

DVD: Timm Thaler

 

In dieser mit dreizehn 25-Minuten-Episoden etwas zu langen, insgesamt aber auch heute noch sehenswerten Fernsehserie aus dem Jahre 1979 spielt der junge Thomas Ohrner die Titelfigur, einen dreizehnjährigen Schüler aus Hamburg, der ein unwiderstehliches Lachen hat. Nach dem Tod seines Vaters verkauft Timm das Lachen an den teuflischen Baron de Lefouet, einen der reichsten und mächtigsten Männer der Welt. Die vertraglich zugesicherte Gegenleistung besteht darin, dass Timm ab sofort jede Wette gewinnt, und sei sie noch so verrückt. Zu spät erkennt Timm, dass das Lachen sein kostbarster Besitz war und dass der Baron dieses Lachen missbraucht, um Menschen zu täuschen, die sonst niemals Geschäfte mit ihm gemacht hätten. Timm reißt von zu Hause aus, um die auf der Insel Aravanadi inmitten eines Vulkans verborgene Geheimbasis des Barons zu finden und sein Lachen zurückzugewinnen. Schon bald müssen der Baron und dessen Gehilfe Anatol feststellen, dass Timm ein nicht zu unterschätzender Gegenspieler ist, zumal er in der Nonne Agatha und dem Schiffskoch Heinrich wertvolle Freunde findet. Doch auch der Baron hat noch so manchen Trick auf Lager…

08.11.2016

Blu-ray: Scouts vs. Zombies – Handbuch zur Zombie-Apokalypse

 

In dieser für einen ab 16 Jahren freigegebenen Film sehr blutigen Horrorkomödie stellen sich nicht etwa heldenhafte Soldaten, genmanipulierte Kampfamazonen oder Ex-Polizisten der Zombie-Apokalypse entgegen, sondern… Pfadfinder. Die jugendlichen Scouts Ben, Carter und Augie wollten eine Nacht im Zeltlager verbringen beziehungsweise sich von dort wegschleichen, um an einer Highschool-Abschlussparty teilzunehmen, doch daraus wird nichts. In einem Labor wird ein Erreger freigesetzt, durch den alle Infizierten in nach frischem Menschenfleisch gierende Untote verwandelt werden. Um zu überleben und Carters Schwester Kendall (in die sich Ben verliebt hat) zu retten, müssen die Jungs alle bei den Pfadfindern erworbenen Kenntnisse einsetzen. Nachdem sie sich im Baumarkt ausgerüstet und improvisierte Waffen hergestellt haben, geht das tricktechnisch toll gemachte Gemetzel erst so richtig los…

07.11.2016

Mike Resnick: Mallory und der Taschendrache

Bastei Lübbe, 2012

381 Seiten

 

Vor vier Jahren ist der Privatdetektiv John Justin Mallory in eine magische Parallelwelt gelangt, die er nicht mehr verlassen kann. Seitdem führt er mit der ehemaligen Großwildjägerin Winnifred Carruthers eine Detektei in einer Version von New York, die Mallorys alter Heimat nicht in allen Details gleicht. Anstelle von Yellow Cabs zockeln gelbe Taxi-Elefanten durch die Straßenschluchten, lästige Straßenhändler treten meist in Gestalt von Goblins auf, im Untergrund leben Trolle, die sich von U-Bahn-Chips ernähren, und bei Tierausstellungen werden nicht etwa die Rassestandards von Pudeln und Siamkatzen bewertet; stattdessen treten Züchter von Drachen, Gorgonen und anderen Fabelwesen gegeneinander an. Die Ergebnisse solcher Zuchtshows sind stets Gegenstand von Wetten mit sehr hohen Einsätzen.

 

Mallorys neuester Fall führt den Detektiv ins Züchtermilieu. Ein gewisser Buffalo Bill Brody drückt Mallory tausend Dollar in bar in die Hand und beauftragt ihn mit der Suche nach dem entführten Drachen Flauschie. Brody ist Züchter und Flauschie ist die Favoritin eines am nächsten Tag stattfindenden Wettbewerbs. Sollte Mallory den Drachen bis zum Ausstellungstermin finden, winken ihm weitere fünftausend Dollar. Mallory hofft auf einen leichten Job, denn selbst in diesem New York dürfte es schwer sein, einen Drachen zu verstecken. Doch Flauschie ist ein Taschendrache mit nur elf Zoll Schulterhöhe! Gemeinsam mit seiner Partnerin sowie dem Katzenmädchen Felina und dem Gremlin Jeeves (Flauschies persönlicher Wärter) stürzt sich Mallory in die Ermittlungen.

 

Ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Der Grundy, Mallorys Erzfeind, ist ebenfalls Züchter. Seine Chimäre Carmelita hat ohne die Konkurrenz durch Flauschie beste Aussichten, den Hauptpreis zu gewinnen. Der Grundy mag der übelste Dämon weit und breit sein, er ist aber auch Sportsmann. Er will auf ehrliche Art gewinnen und hätte Flauschie niemals angerührt. Somit hat Mallory nur noch eine Chance, dem Entführer auf die Spur zu kommen. Er muss dessen Quelle für elefantenförmige Marshmallowplätzchen finden, denn diese Leckerei ist die einzige Nahrung, die der Taschendrache zu sich nimmt…

 

Dies ist das letzte von drei Abenteuern John Justin Mallorys in einer abgedrehten Alternativwelt voller Fabelwesen, in der sich Phantastisches auf bizarre Weise mit Alltäglichem vermischt. Band 1 hat mir sehr gefallen. Der Genremix aus Fantasy und Detektivroman war für mich neu und interessant. Die durch Wortwitz und unzählige abgedrehte Ideen aufgelockerten Beschreibungen ungewöhnlicher Schauplätze haben bei mir für ein permanentes Grinsen gesorgt. In Band 2 wird alles wiederholt: Dieselben nur leicht abgewandelten Pointen und Gags, sehr ähnliche Situationen und Konstellationen, weitere Beschreibungen des »anderen« New York. Das fand ich langweilig.

 

Band 3 enthält lediglich Variationen von Elementen aus den Bänden 1 und 2. Ein McGuffin (Einhorn) wird durch einen anderen (Drache) ersetzt. Der Sinn des durchsichtigen Entführungsfalles besteht einfach darin, Mallory an neue Orte zu führen, die beschrieben werden können. Sehr oft hatte ich das Gefühl, denselben Text schon mehrfach gelesen zu haben. Das geht damit los, dass Mallory beim Versuch, die Festung des Grundy zu betreten, von dramatisch unfähigem / feigem Wachpersonal aufgehalten wird. Genau dasselbe ist in Band 2 geschehen. In diesem Stil macht Resnick weiter. Viele Dialoge sind nicht nur Wiederholungen aus den vorherigen Bänden – sie wiederholen sich sogar in diesem Band immer und immer wieder! Das ist nicht nur langweilig, sondern ärgerlich.

 

Ein paar neue Ideen sind durchaus vorhanden. So wird der Betrieb bei einer Rassetierausstellung auf amüsante Weise durch den Kakao gezogen. Resnick dürfte sich auf diesem Gebiet auskennen; laut Nachwort (es ist dasselbe wie in Band 1 und 2) haben er und seine Frau Collies gezüchtet und waren dabei jahrelang landesweit führend. Hinzu kommen sechs kurze Anhänge. Darin gibt Oberst Winnifred Carruthers nützliche Tipps für die Drachenjagd und solltet ihr beabsichtigen, in die Drachenzucht einzusteigen, findet ihr hier die gültigen Zuchtstandards.

 

03.11.2016

Arthur C. Clarke: Rendezvous mit Rama

Bastei Lübbe, 2008

302 Seiten

 

Nach einem Asteroideneinschlag im Jahre 2077, bei dem die Städte Padua, Verona und Venedig vernichtet werden, nimmt die Menschheit das Projekt »Spaceguard« in Angriff, damit sich eine derartige Katastrophe nie wiederholt. Alle Nationen arbeiten zusammen, um ein System zur Früherkennung zerstörerischer kosmischer Geschosse zu etablieren. Im Jahre 2131 – inzwischen haben die Menschen mehrere Welten des Sonnensystems besiedelt - entdeckt Spaceguard ein Objekt, das sich mit hoher Geschwindigkeit nähert. Das Objekt Nr. 31/439 ist keiner jener Gesteinsbrocken, die die Sonne auf weiten Umlaufbahnen umkreisen, sondern kommt aus den Tiefen des Alls. Es wird nach der hinduistischen Gottheit Rama benannt und genau beobachtet. Rama hat eine völlig glatte Oberfläche und rotiert extrem schnell. Bei einem Vorbeiflug fertigt eine unbemannte Sonde Bilder von Rama an, die keinen Zweifel mehr daran lassen, dass der vermeintliche Asteroid künstlichen Ursprungs ist. Es handelt sich um einen perfekten Zylinder mit 20 Kilometern Durchmesser und 54 Kilometern Länge. Somit steht fest, dass die Menschen sehr bald Besuch von einem außerirdischen Raumschiff erhalten werden. Rama gibt allerdings keine Funksignale ab. Es ist unklar, ob sich überhaupt Lebewesen in dem gigantischen Schiff befinden.

 

In aller Eile wird eine bemannte Mission auf den Weg geschickt. Das irdische Raumschiff Endeavour nähert sich Rama und landet auf einer der Flachseiten des Zylinders. Commander Bill Norton und seine Leute haben nur wenige Wochen Zeit zur Erkundung des Objekts, denn Rama wird der Sonne auf seiner Flugbahn gefährlich nahekommen. Norton entdeckt eine Zugangsschleuse, die sich problemlos öffnen lässt. Die Crew durchquert die Schleuse und findet sich im Inneren eines gigantischen Hohlraumes wieder. An den Innenwänden des Zylinders entsteht aufgrund der hohen Rotationsgeschwindigkeit künstliche Gravitation von etwas mehr als der Hälfte der Erdschwerkraft. Dort gibt es Strukturen, die an Städte und Fabriken erinnern, einen umlaufenden Ozean, sowie andere Anlagen, die darauf schließen lassen, dass Rama als flugfähiges Habitat für intelligente Lebewesen gedacht war. Allerdings ist das Innere Ramas tot, dunkel und in der Weltraumkälte gefroren – das jedenfalls glauben die Männer und Frauen der Endeavour, bis das Innere Ramas von gigantischen Kunstsonnen erhellt wird und allmählich auftaut, je näher das Habitat der Sonne kommt. Nortons Leute stellen fest, dass Rama keineswegs leblos ist. Automatische Steueranlagen werden aktiv, Kunstwesen der verschiedensten Art tauchen auf und in der unzugänglichen Hemisphäre jenseits der zylindrischen See erwachen mächtige Aggregate zum Leben…

 

»Rendezvous mit Rama« bildet den Auftakt einer vierbändigen Reihe, war aber angeblich bei der Erstveröffentlichung (1972) als eigenständiger Roman geplant. Das finde ich verwunderlich, denn der Roman endet ziemlich abrupt. Man erfährt nicht, woher Rama kommt, warum das Habitat erschaffen wurde, wohin es unterwegs ist und so weiter. Die Menschen müssen leicht gedemütigt feststellen, dass ihr Sonnensystem keineswegs Ramas Ziel war, sondern nur eine Zwischenstation! Das Habitat hat dort lediglich Fahrt für die nächste Etappe der Reise aufgenommen. Somit bleibt am Ende im Grunde alles offen. Es kann natürlich sein, dass das so beabsichtigt war. Man muss ja nicht jedes Rätsel auflösen! Bei mir wurde auf jeden Fall jenes schwer zu definierende Gefühl ausgelöst, das für kundige SF-Fans mit »Sense of Wonder« ausreichend umschrieben ist. Ich gehe aber davon aus, dass einige Fragen in den nächsten Romanen beantwortet werden. Band 2 liegt schon in meinem SUB!

 

»Rendezvous mit Rama« ist spannend, obwohl der Roman fast keine Handlung und nur wenig Figurenzeichnung enthält. Das soll nicht heißen, dass nichts geschieht oder dass keine sympathischen Figuren vorhanden wären. Der Schwerpunkt liegt jedoch eindeutig auf der Erkundung Ramas, also auf der Beschreibung dieses interessanten Objekts. Nach und nach dringen Norton und seine Leute tiefer in das Habitat ein, enträtseln einige Geheimnisse (wobei sie von einem auf dem Mond tagenden Komitee unterstützt werden) und geraten durchaus mal in Gefahr. Eine Story im eigentlichen Sinne ist aber ebenso wenig vorhanden wie Figurenentwicklung. Zu den politischen/gesellschaftlichen Verhältnissen auf der Erde und den Kolonien im 22. Jahrhundert erfährt man relativ wenig. Clarke beschränkt sich in dieser Hinsicht auf Andeutungen. Trotzdem war ich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, was nicht zuletzt daran liegt, dass viel Wert auf Realismus gelegt wurde. Vielleicht verweilt Clarke manchmal etwas zu ausführlich auf technischen Details, aber auch das hat seinen Charme. Der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz. »Rendezvous mit Rama« ist Science (vergleichbar mit »Apollo 13«) plus Fiction, wobei selbst die Fiktion auf dem Boden der Tatsachen fußt. Sehr schön!

 

Ältere Inhalte (Archiv)

  Kringels Archiv

In meinem Archiv findet ihr ältere Inhalte von dieser Page:

- Bücher

- Filme

- Games

- Kommentare

 

Zusätzliche Inhalte im Archiv:

- Perry Rhodan

- Atlan

- Bilder

- Storys

Aktueller Perry Rhodan-Heftroman im Archiv: Nr. 2885 - Der Leidbringer (Autor: Robert Corvus)

(c) VPM KG Rastatt
DruckversionDruckversion | Sitemap
© Johannes Kreis 2002 - 2016