Willkommen auf Kringels Homepage!

Auf dieser Seite stelle ich Bücher, Filme und Games vor, mit denen ich mich in den letzten vier Wochen beschäftigt habe. Außerdem berichte ich ab und zu über besondere Erlebnisse.

 

25.05.2017

Jenseits des Todes (DVD)

 

Im achten Fernsehfilm aus der Reihe »Die Scharfschützen« plagt sich Major Richard Sharpe mit einem ganzen Sack voller Probleme. Er muss den französischen Colonel Leroux unschädlich machen, der von Napoleon zur Gefangennahme des britischen Meisterspions »El Mirador« entsandt wurde, außerdem hat er eine stumme junge Frau am Hals, die ihm auf Schritt und Tritt folgt. Obendrein rasselt er erneut mit seinem alten Feind Sir Henry Simmerson zusammen. Als ob das noch nicht genug wäre, wirkt sich der Beziehungsstress zwischen dem Scharfschützen Harper und der Spanierin Ramona auch auf Sharpe aus. Doch das alles wird bedeutungslos, als Sharpe beim Kampf um eine französische Festung, der für die Briten durch Verrat in einem Desaster endet, mit zwei lebensgefährlichen Wunden auf dem Schlachtfeld liegen bleibt …

23.05.2017

Mission: Impossible II (Blu-ray)

 

Dieser Film ist so ziemlich das genaue Gegenteil von »Mission: Impossible« aus dem Jahre 1996. Ich halte ihn für langweiligen, auf platte Action reduzierten Schrott, in dem es nur darum geht, dass Tom Cruise möglichst heldenhaft aussieht. Die Story ist so dünn, dass sich eine Zusammenfassung im Grunde gar nicht lohnt. Ethan Hunt geht mit einem kleinen Team für die IMF in den Einsatz. Diesmal müssen supergefährliche Viren sichergestellt werden, die von einem ehemaligen Kollegen Ethans gestohlen worden sind und auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollen. Gefühlte hundert Explosionen später ist’s endlich geschafft und der Film wandert in die hinterste Ecke der Sammlung.

22.05.2017

Boris Akunin: Russisches Poker

Aufbau Taschenbuch Verlag, 2003

192 Seiten

 

Im Jahre 1886 sorgt eine Bande von Betrügern in Moskau für Aufsehen. Die gewitzten Ganoven nutzen die Habgier und Leichtgläubigkeit ihrer Mitmenschen aus, um sich vor allem an wohlhabenden Bürgern und Adligen zu bereichern. Dabei geht es ihnen mindestens ebenso sehr um Ruhm wie um den Gewinn. Da die Gauner stets eine Spielkarte am Tatort zurücklassen, sind sie schon bald unter dem Namen »Pikbube« bekannt. Als sie Wladimir Andrejewitsch Dolgorukoi, den Generalgouverneur Moskaus, durch ein Täuschungsmanöver dazu bringen, die Residenz für 100.000 Rubel an einen Engländer zu verkaufen, legen sie sich allerdings mit dem Falschen an. Der Fürst fühlt sich in seiner Ehre gekränkt und beauftragt seinen besten Mann mit der Angelegenheit. Hofrat Erast Petrowitsch Fandorin, der scharfsinnige Sonderbeauftragte des Generalgouverneurs, setzt sich auf Pikbubes Spur. Dabei steht ihm sein neuer Assistent zur Seite, der ehemalige Botengänger Anissi Tulpov.

 

Fandorin und Tulpov erfahren von neuen ungewöhnlichen Vorgängen in der Stadt. Bei einer Lotterie mit sofortiger Ziehung werden noble Anwesen in verschiedenen europäischen Städten verlost. Die Idee ist natürlich auf Pikbubes Mist gewachsen. Fandorin lässt den Schwindel auffliegen, doch die Gauner können entwischen. Noch ahnt Fandorin nicht, dass er es nicht mit einer Bande zu tun hat, sondern mit einem einzigen Mann, der sich selbst Momus nennt, in unzählige Rollen schlüpft und nur von einer Schauspielerin begleitet wird. Momus kann die Schlappe nicht auf sich sitzen lassen und setzt seine Fähigkeiten ein, um Fandorin um einige Wertgegenstände zu erleichtern, die der Geliebten des Hofrats gehören, einer verheirateten und extrem launischen Gräfin. Somit erhält der Fall für Fandorin eine persönliche Dimension. Es entspinnt sich ein trickreiches Intrigenspiel, bei dem Fandorin alle Register seines Könnens ziehen muss…

 

Gerade mal 190 Seiten, relativ großer Schriftgrad – von einem „Roman“ kann man da nur mit viel gutem Willen sprechen, eher von einer Novelle. Erzählt wird eine Schelmengeschichte mit humorvollem Grundton und einem sympathischen Hochstapler, der mich sehr an Thomas Manns Romanfigur Felix Krull erinnert hat. Der Schlagabtausch zwischen Momus und Fandorin hat mir viel Spaß gemacht, denn hier treffen zwei ebenbürtige Verwandlungskünstler aufeinander. Ich muss jedoch sagen, dass die großmaßstäblichen Täuschungsmanöver beider Seiten arg konstruiert wirken und schließlich etwas zu sehr ins Absurde abrutschen. Da die Erzählperspektive ständig zwischen Fandorin / Tulpov und Momus wechselt, weiß der Leser stets mehr als die Protagonisten. Dem Vergnügen schadet das nicht.

 

Mit Anissi Tulpov wird dem russischen Tausendsassa Fandorin ein zweiter Partner neben dem Japaner Masa zur Seite gestellt. Tulpov ist das genaue Gegenteil seines Herrn: Hässlich, ungeschickt und mit Geistesgaben nicht gerade überreich ausgestattet dient er Fandorin als unvoreingenommener Beobachter und als Gehilfe in einer aufwändig inszenierten Scharade, in deren Verlauf sich der naive Bursche in Momus‘ Partnerin verliebt. »Russisches Poker« ist sicher nicht der beste Fandorin-Roman. Ein amüsanter Pageturner für zwischendurch ist er auf jeden Fall.

 

17.05.2017

Mission Impossible (Blu-ray)

 

Dieser Film hat die beliebte gleichnamige Fernsehserie aus den Sechzigern/Siebzigern für meine Generation adaptiert und auf Blockbuster-Niveau gehoben. »Mission: Impossible« kann auch heute noch überzeugen und man kann wohl behaupten, dass Tom Cruise erst durch ihn zum internationalen Superstar geworden ist. Allerdings wirken Tempo und Spezialeffekte mit zwanzigjährigem Abstand betrachtet doch etwas angestaubt und so ganz überzeugt Tom Cruise, der hier noch sehr jugendlich wirkt, nicht in der Rolle des Top-Agenten Ethan Hunt, der nach einem katastrophal fehlgeschlagenen Spezialeinsatz für einen Verräter gehalten und gejagt wird. Um sich zu rehabilitieren und den wahren Maulwurf in den eigenen Reihen zu überführen, muss Hunt ins CIA-Hauptquartier einbrechen und den bestens gesicherten Zentralcomputer hacken. Eine wahrhaft unmögliche Mission, zumal es mehr als nur einen Verräter gibt…

15.05.2017

Philip K. Dick: Marsianischer Zeitsturz

Fischer, 2014

283 Seiten

 

Zur Linderung des Bevölkerungsdrucks auf der Erde wurden Kolonien auf dem Mars gegründet. Die Auswanderungswelle kommt nach einigen Jahren mehr oder weniger zum Erliegen, denn die Besiedlung des roten Planeten ist mit größeren Schwierigkeiten verbunden als anfänglich gedacht. Frischwasser ist kaum vorhanden, die Verteilung wird streng reglementiert. Technische Einrichtungen und elektronische Geräte nutzen sich in der unwirtlichen Marsatmosphäre viel schneller ab als auf der Erde und es gibt kaum Ersatzteile. Aufgrund des Wassermangels sind Ackerbau und Viehzucht nur sehr eingeschränkt möglich, so dass Nahrung (insbesondere Meeresfrüchte und andere Delikatessen) zu horrenden Preisen von der Mutterwelt importiert werden muss. Zahlreiche auf dem Mars geborene Kinder leiden unter einer besonderen Art von Autismus oder schweren körperlichen Deformationen. Sie werden in ein Internierungslager abgeschoben. Zudem haben die Siedler ihre alten Nationalstreitigkeiten von der Erde mitgebracht, denn jeder Staat hat seine eigene Kolonie gegründet. Viele Siedler reagieren mit Depressionen auf die harschen Lebensbedingungen. Der begabte Mechaniker Jack Bohlen dagegen ist ausgewandert, weil er geglaubt hat, auf diese Weise der Schizophrenie entfliehen zu können.

 

Im Jahre 1994 wird Jack von Arnie Kott angeworben, einem der mächtigsten Männer auf dem Mars. Arnie hat erfahren, dass ein autistisches Kind namens Manfred Steiner möglicherweise die Zukunft vorhersagen kann. Manfreds Arzt Dr. Milton Glaub vertritt die Theorie, dass Manfreds Krankheit auf einer verzerrten Zeitwahrnehmung beruht. Für den Jungen verläuft die Zeit so langsam, dass er nichts versteht, wenn man mit ihm spricht. Jack soll eine Apparatur konstruieren, durch die menschliche Sprache verlangsamt wird, so dass eine Kommunikation mit Manfred möglich wäre. Arnie erhofft sich von Manfreds Gabe geschäftliche Vorteile. Diese Bemühungen kommen jedoch zu spät. Jacks Vater Leo reist zum Mars, um ein vermeintlich wertloses Stück Land billig zu erwerben. Dort soll auf Betreiben der Vereinten Nationen demnächst ein gigantischer Wohnkomplex mit allen möglichen Versorgungseinrichtungen gebaut werden. Das wäre der Todesstoß für Arnies Wirtschaftsunternehmen. Kurz nach Leos Ankunft dringt Jack tatsächlich zu Manfred durch. Der Junge zeichnet ein Bild, auf dem der noch nicht existierende Wohnkomplex zu sehen ist – allerdings als verlassene Ruine.

 

Gleichzeitig tritt Jacks Geisteskrankheit erneut zutage. Wieder und wieder durchlebt er denselben Abend bei Arnie, wobei sich die Realität auf erschreckende Weise verzerrt. Jack vermutet, dass Manfred nicht nur in die Zukunft blicken, sondern den Zeitablauf verändern und den Menschen in seinem Umfeld die eigene destruktive Weltsicht aufzwingen kann…

 

Dieser Roman aus dem Jahre 1964, der in Deutschland zuerst unter dem Titel »Mozart für Marsianer« veröffentlicht wurde (1973), dürfte einer von Philip K. Dicks dystopischsten sein. Zumindest finde ich die Atmosphäre, die durch die Schilderung der Existenzbedingungen auf dem Mars entsteht, sehr düster. Alle Siedler leiden unter Wassermangel und Versorgungsengpässen. Der Schwarzhandel blüht. Man schluckt allerlei Psychopharmaka, um dieses Leben ertragen zu können, Selbstmorde sind nicht selten. Gelangweilte Hausfrauen stürzen sich in kurzlebige Affären. Die Schüler werden von Robotern unterrichtet, die immer wieder dasselbe Programm abspulen und den Kindern überholte Werte eintrichtern sollen. Die Ermordung der im Camp internierten behinderten Kinder zur »Reinerhaltung des Blutes« wird offen diskutiert. Die marsianischen Eingeborenen (eine zum Aussterben verdammte humanoide Spezies, die wahrscheinlich sogar mit den Menschen der Erde verwandt ist) werden verachtet, unterdrückt und ausgebeutet.

 

Im Grunde ist das Kolonisierungsprojekt bereits gescheitert. Die Siedler können auf lange Sicht nicht überleben, und so gibt es in Manfred Steiners bizarren, beunruhigenden Visionen, die sich mit den psychotischen Schüben Jack Bohlens überlagern, nur Verfall und Verwesung. Menschen verwandeln sich in von Fäulnis zerfressene Schreckgestalten, die Welt um sie herum zerfällt. Die entsprechenden Textstellen sind ziemlich heftig! Entfremdung dürfte das Schlüsselwort des Romans sein – ein klassisches Thema in P.K. Dicks Romanen. Jack Bohlen steht kurz davor, Frau und Kind zu verlassen, kann keine Beziehung zu den gesellschaftlichen Institutionen herstellen, hält die Menschen in seiner Umwelt für Maschinen, verliert allmählich die eigene Identität und weiß am Ende nicht mehr, ob seine subjektive Realität überhaupt noch »wirklich« ist oder nur ein Produkt des kranken Geists eines autistischen Kindes…

 

10.05.2017

Terra Formars (Blu-ray)

 

Diese Verfilmung einer japanischen Manga-Serie ist derart langweilig, dass ich mir verwundert die Augen gerieben und mich gefragt habe, ob wirklich der von mir sehr geschätzte Regisseur Takashi Miike dafür verantwortlich ist. Dabei klingt die Story gar nicht uninteressant: Der Mars wurde mit Hilfe einfacher Pflanzen und Tiere so umgewandelt, dass dort Menschen leben können. Vor der Besiedlung müssen Kakerlaken beseitigt werden, die sich auf dem Mars massenhaft vermehrt haben. Das sollen »Freiwillige« übernehmen – Verbrecher und andere gescheiterte Existenzen, die ansonsten ins Gefängnis oder in die Todeszelle gewandert wären. Man verschweigt ihnen, dass die Kakerlaken zu menschengroßen Ungeheuern mutiert sind. Damit die Menschen gegen diese Wesen bestehen können, wird ihre DNS mit Insekten-Erbgut aufgewertet. Wenn sie sich ein spezielles Serum spritzen, verwandeln sie sich in Mensch-Insekten-Mischwesen und gewinnen Superkräfte, mit denen sie den Riesenschaben einheizen können.

08.05.2017

Robert Charles Wilson: Spin

Heyne, 2016

523 Seiten

 

Eines Nachts gegen Ende des 21. Jahrhunderts verschwinden die Sterne. Auch der Mond ist nicht mehr zu sehen. Alle Satelliten stürzen gleichzeitig zur Erde zurück und der Kontakt mit der Internationalen Raumstation bricht ab. Die Sonne geht am nächsten Tag wie gewohnt auf, aber der Nachthimmel bleibt vollkommen schwarz. Es kann festgestellt werden, dass der ganze Planet in eine Art Energiefeld gehüllt wurde, welches offenbar von zwei gigantischen, unangreifbaren Raumstationen erzeugt wird, die über den Polen schweben. Raumfahrzeuge können die Membran durchdringen. Sternenlicht und kosmische Strahlung werden jedoch komplett abgeblockt. Sonnenlicht und Wärme, ohne die kein Leben auf der Erde möglich wäre, werden von der Membran erzeugt. Der Wechsel von Tag und Nacht ist nur simuliert. Die echte Sonne ist genauso unsichtbar wie jeder andere Himmelskörper. Die Membran hat noch eine andere Funktion, deren Folgen den Menschen erst nach und nach bewusst werden: Der Zeitablauf innerhalb der schwarzen Hülle, die künftig als »Spin« bezeichnet wird, weicht dramatisch vom restlichen Universum ab. Jedes Jahr auf der Erde entspricht ungefähr 100 Millionen Jahren außerhalb der Spin-Membran.

 

Der Zusammenbruch der satellitengestützten Telekommunikation und die nicht zu leugnende Tatsache, dass unfassbar mächtige Wesen aus unbekannten Gründen in das Schicksal der Erde eingegriffen haben, sind für die Menschheit schon traumatisch genug. Aufgrund der Erkenntnis, dass die Sonne im Vergleich zur Erde extrem schnell altert, müssen sich die Menschen obendrein mit dem bevorstehenden Weltuntergang auseinandersetzen. In wenigen Jahrzehnten Erdzeit – vielen Jahrmillionen Spin-Zeit – wird die Sonne das Ende ihres Lebenszyklus erreichen und die Erde verschlingen. Selbst die Spin-Membran, so wird angenommen, kann den Planeten dann nicht mehr schützen. Manche Menschen stürzen sich angesichts der Aussichtslosigkeit dieser Situation in alle möglichen Vergnügungen. Es kommt zu Selbstmordwellen und die Kriminalitätsrate steigt ständig. Im Laufe der Jahre schießen die verschiedensten religiösen Sekten und Kulte aus dem Boden.

 

Die Raumfahrtbehörden aller Länder entwickeln ein Programm zur Kolonisierung des Mars, das ohne den differierenden Zeitablauf nicht möglich wäre. Zunächst werden widerstandsfähige Bakterienstämme zum Mars geschossen. Samen höher entwickelter Pflanzen folgen. Da in jeder Sekunde Erdzeit mehrere Jahre außerhalb der Membran vergehen, kann man praktisch zusehen, wie der lebensfeindliche Nachbarplanet der Erde zu einem Ort wird, an dem Menschen existieren können. Zahlreiche bemannte Raketen fliegen zum terrageformten Mars. Man hofft, dass die Kolonisten dort überleben und eine Kultur aufbauen können, die Antworten auf die Fragen liefert, wer die Erschaffer der Membran sind, was sie mit dem Spin erreichen wollen und wie man den Tod der Sonne überleben kann…

 

In obigem Teaser skizziere ich lediglich die Ausgangssituation, die zugrundeliegende Idee. Sie ist an sich schon wahrhaft faszinierend und ermöglicht verblüffende Gedankenspiele. Man stelle sich vor: Während man morgens aufsteht, duscht und gemütlich frühstückt, entstehen und vergehen auf dem terrageformten Mars ganze Staaten. Revolutionäre Entdeckungen werden gemacht, anderes Wissen gerät in Vergessenheit. So werden die Erdenmenschen, die jetzt mit dem Frühstück fertig sind, zur Arbeit fahren und sich auf den Feierabend freuen, für die Nachfahren der Marskolonisten allmählich zu mythischen Wesen. Aber damit nicht genug. Die »Hypothetischen« (so werden die Konstrukteure der Spin-Membran bezeichnet) verfolgen offensichtlich einen ganz bestimmten Plan. Ich spoilere jetzt ein wenig: Sobald die Marsbewohner eine Zivilisationsstufe erreicht haben, die dem ihrer Vorfahren mindestens ebenbürtig ist, wird auch der Mars in eine Spin-Membran gehüllt! Und es gibt noch viele weitere auf die gleiche Weise isolierte Planeten in der Milchstraße. Am Ende des Romans wird enthüllt, wer die Hypothetischen sind und was mit der Erde weiter geschieht. Ganz unaufdringlich und umso effektvoller breitet Wilson dieses großmaßstäbliche Szenario vor den Augen des Lesers aus.

 

Das klingt jetzt vielleicht nach Gigantomanie, aber Wilson macht nicht den Fehler, den Leser mit ausufernden Beschreibungen zu erschlagen. Zunächst einmal lässt er die Auswirkungen des Spins auf die menschliche Gesellschaft nicht außer Acht. Das Buch beschäftigt sich mit einer Vielzahl von Themen; verschiedene gesellschaftliche und politische Reaktionen werden vorgestellt. Alle sind absolut glaubwürdig. Zudem gelangt tatsächlich ein Marsianer zur Erde. Was er im Gepäck hat, sorgt für neuen Zündstoff. Wilson geht aber noch einen Schritt weiter und bricht die Geschehnisse auf die persönliche Ebene herunter, das heißt, er richtet sein Augenmerk auf drei differenziert charakterisierte Hauptfiguren. Ich-Erzähler ist Tyler Dupree, dessen Schicksal eng mit dem der hochbegabten Zwillinge Jason und Diane Lawton verbunden ist. Tyler, Jason und Diane sind Teenager, als die Spin-Membran entsteht. In den folgenden Jahren wird Jason von seinem superreichen Vater zum Leiter des Terraformingprojekts gemacht. Diane sucht ihr Heil in der Religion und heiratet ein Sektenmitglied. Tyler, unglücklich in Diane verliebt, wird Arzt. Jason zieht ihn hinzu, als bei ihm Symptome einer fortschreitenden neurologischen Krankheit auftreten, die vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden müssen. Die Ausarbeitung eines komplexen Beziehungsgeflechts ist in diesem Roman mindestens genauso wichtig wie die vordergründigen Ereignisse rund um den Spin. Zudem wird die Geschichte in zwei Zeitebenen erzählt; einmal chronologisch fortlaufend seit der Nacht, in der die Sterne verschwinden, und einmal Jahrzehnte später, als die Welt sich – um mit einem anderen Autor zu sprechen – weitergedreht hat.

 

Die Verknüpfung ganz individueller Einzelschicksale mit einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel und wahrhaft kosmischen Geschehnissen ist dem Autor bestens gelungen. Durch die Identifikation mit dem Ich-Erzähler werden selbst die unglaublichsten Dinge begreifbar, der Roman wird nie zu abgehoben und eignet sich deshalb meiner Meinung nach auch sehr gut für Leute, die mit Science Fiction sonst nichts am Hut haben. Ich zähle »Spin« zu meinen Lese-Highlights der letzten Jahre.

 

02.05.2017

Usedom

 

Usedom, nach Rügen die zweitgrößte Insel Deutschlands und zugleich die östlichste (die Grenze zu Polen verläuft durch den Ostzipfel), wird auch »Sonneninsel« genannt, denn statistisch gesehen bekommt Usedom die meisten Sonnenstunden des ganzen Landes ab. Davon, dass das selbst im diesjährigen kalten Frühling zutraf, konnten wir uns während eines Kurzurlaubs vom 24. bis 28. April überzeugen. Während es bei uns zu Hause die ganze Woche fast nur geregnet hat, hatten wir von Dienstagabend bis Freitag auf Usedom herrlichen Sonnenschein!

 

Ende des 19. Jahrhunderts galt Usedom als Berlins Badewanne. Adlige und Mitglieder der gehobenen Gesellschaft kurten hier, vorzugsweise in den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin an der Nordküste, die durch einen endlosen feinsandigen Strand und eine schöne Uferpromenade, die Europapromenade, miteinander verbunden sind. Kaiser Wilhelm II. hat sich regelmäßig auf Usedom aufgehalten, viele Reichsmark sind vor allem in die Kaiserbäder geflossen. So hat sich eine wunderbare, ganz typische »Bäderarchitektur« entwickelt, die den real existierenden Sozialismus gut überstanden hat und in den letzten Jahren aufwändig restauriert wurde. Altehrwürdige Hotels wurden wieder in Betrieb genommen, neue sind entstanden. Unseren Aufenthalt haben wir in Ahlbeck verbracht, dem östlichsten Kaiserbad, von dem aus die polnische Stadt Swinoujscie (Swinemünde) nur einen ausgedehnten Spaziergang entfernt ist, und zwar im luxuriösen Hotel Ahlbecker Hof, entstanden im Jahre 1890 und laut Reiseführer ein Prunkstück der Bäderarchitektur.

Am Strand von Ahlbeck, im Hintergrund das Seetel-Hotel Ahlbecker Hof

Seine fünf Sterne hat das Hotel auf jeden Fall verdient (insbesondere das riesige, hochwertige Frühstücksbüffet), auch wenn die Einrichtung mal modernisiert werden könnte. Kronleuchter, dunkles Holz, Messing, Stuck und Schnörkel mögen das Flair vergangener Zeiten vermitteln, mein Ding ist dieser Stil nicht. Der Service ist prima. Housekeeping morgens und abends, aufmerksame Bedienung beim Frühstück, stets hilfsbereites Personal, eigener Spa-Bereich und kostenloser Fahrservice. Das Hotel steht direkt an der Strandpromenade. Strand und Seebrücke sind praktisch direkt vor der Tür. Am Anfang der Seebrücke steht ein ebenfalls historisches Gebäude; ein Brückenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem sich jetzt eine Kneipe befindet. Die Seebrücke dient als Anleger für Ausflugsschiffe. In Ahlbeck gibt’s recht viel Gastronomie, an zwei Abenden zog es uns jedoch ins Brauhaus im benachbarten Heringsdorf. Dort gibt’s Inselbier, Bierschnäpse und –liköre sowie deftige Hausmannskost und zum Nachtisch unter anderem Bierami Su. Nach Heringsdorf spaziert man ganz gemütlich innerhalb einer halben Stunde über die Europapromenade, die übrigens bis Swinoujscie führt.

An der Europapromenade: Gusseiserne Uhr und Brückenhaus in Ahlbeck

Man sollte mindestens eine ganze Woche auf Usedom verbringen, um alle sehenswerten Orte besuchen und die herrliche Natur erkunden zu können. Bei schönem Wetter, wenn man auch mal den einen oder anderen Tag im Strandkorb verbringen möchte, sollten es vielleicht sogar zwei Wochen sein. Wir hatten leider nur drei Tage, An- und Abreise nicht mitgerechnet. Diese Zeit haben wir hauptsächlich für lange Wanderungen und Strandspaziergänge genutzt, daher kann ich hier gar nicht so viel schreiben.

 

Zwischen Ahlbeck und Swinoujscie erstreckt sich ein überraschend weitläufiger Forst. Durchquert man ihn Richtung Osten, so erreicht man irgendwann eine Schneise in der Landschaft. Am Wegesrand stehen Pfeiler in den deutschen und polnischen Nationalfarben – das ist die Grenze. Kontrollen finden nicht statt, es gibt keine Mauern, Zäune, Schlagbäume, Checkpoints oder dergleichen. Auf der polnischen Seite, an der Hauptstraße praktisch direkt hinter der Grenze, erstreckt sich ein Labyrinth kleiner Buden durch die Gassen eines Wohngebietes. Auf diesem »Polenmarkt« kann man Zigaretten, allerlei Krimskrams, Süßigkeiten, Ramsch und »Markenartikel« zweifelhafter Herkunft sowie vermutlich raubkopierte Filme kaufen. Aus reiner Neugier haben wir uns das mal angeschaut. Preise verglichen oder gar eingekauft haben wir nicht, ich kann also nicht sagen, ob die Angebote günstig sind. Auf deutscher Seite fand gerade das Sandskulpturenfestival statt. Viele phantasievolle Figuren und Arrangements konnten bewundert werden.

Sandskulpturenfestival 2017

In Swinoujscie sind der Kurpark mit verschiedenen alten Wehranlagen sowie die Mühlenbake am Beginn der Hafeneinfahrt einen Besuch wert. Das alles kann man von Ahlbeck aus gut erwandern. Für weiter entfernte Ziele, zum Beispiel Peenemünde, empfiehlt sich ein Tagesticket, mit dem man die Usedomer Bäderbahn, alle Busse sowie Mietfahrräder nach Belieben nutzen kann. Das kostete im Jahre 2017 nur 24 Euro für zwei Personen und wurde von uns weidlich ausgenutzt. In Peenemünde sind nur noch wenige Überreste der Heeresversuchsanstalt zu sehen, in der Wernher von Braun während des zweiten Weltkrieges an den »Wunderwaffen« der Nazis gearbeitet hat. Diese Zeit wird in einem Museum dokumentiert. Im Hafen liegt ein ausgemustertes Raketen-U-Boot, das betreten werden kann. Interessanter fand ich die Phänomenta, eine Art Wissenschaftsmuseum zum Anfassen. Man kann unzählige verblüffende Experimente durchführen, wenn man nicht das Pech hat, gleichzeitig mit Schulklassen dort zu sein.

 

Nach so vielen per pedes zurückgelegten Kilometern gönnten wir uns am letzten Tag eine Rundfahrt mit einem Minizug. Diese Gefährte fahren nicht über Schienen, sondern ganz normal über die Straßen, aber nur mit 25 km/h, sodass man alles in Muße genießen kann – Erklärungen eines Fremdenführers inbegriffen. Es werden verschiedene Touren angeboten. Bei der von uns gewählten wurden drei Stopps eingelegt. Der erste in Benz, wo man die Kirche St. Petri aus dem 17. Jahrhundert besichtigt.

Der Minizug beim ersten Halt in Benz

Zweite Station ist Rankwitz am Peenestrom, wo man in einem wirklich sehr guten Fischrestaurant schlemmen kann. Den letzten und schönsten Aufenthalt hat man beim Wasserschloss Mellenthin. Dieser stattliche Herrensitz beherbergt heute ein Hotel, ein Restaurant und eine Brauerei. Wer das Schloss besuchen will, muss den Burggraben überqueren und zwei Euro Brückenzoll entrichten. Der wird im Restaurant zurückerstattet. Dort gibt es gar köstlichen selbstgebackenen Kuchen! Das eigentliche Highlight der Tour sind allerdings die Natur und das dörfliche Leben im Hinterland. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, durch ein Freilichtmuseum zu fahren! In so manchem winzigen Dorf scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Zugegeben, die landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht unbedingt Hingucker (die glücklichen Schweine, Kühe, Schafe usw. aber schon), einzelne Gebäude machen einen etwas heruntergekommenen Eindruck und auf den teils ziemlich schlechten Straßen wird man manchmal ganz schön durchgeschüttelt. Die herrlichen Ausblicke auf den Gothensee, das Achterwasser, die Mellenthiner Heide usw. machen das mehr als wett. Man kann allerlei Wildtiere beobachten und mit etwas Glück sieht man einen der hier heimischen Seeadler. Ich könnte mir durchaus vorstellen, hier meinen Lebensabend zu verbringen.

Dorfidyll in Benz

Wir hatten einen tollen Urlaub auf Usedom, er war nur viel zu kurz. Es gibt so viel mehr zu unternehmen, also müssen wir wohl wiederkommen!

26.04.2017

DVD: Taxi Driver (Collector’s Edition)

 

In diesem immer noch aktuellen Psychodrama spielt Robert De Niro den Taxifahrer Travis Bickle, einen orientierungslosen jungen Mann, der einsam in New York lebt und seine Schlaflosigkeit kompensiert, indem er Taxifahrer wird. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen nimmt Bickle jede Fuhre an. Er fährt zu den unbeliebtesten Zeiten und selbst in die gefährlichsten Gegenden der Stadt. Was er dort sieht und erlebt, weckt in ihm den Wunsch nach einem großen Regen, der den ganzen Abschaum von den Straßen wäscht. In Bickle wächst das Gefühl, dass er irgendetwas tun muss. Nachdem er bei der Wahlkampfhelferin eines Präsidentschaftskandidaten abgeblitzt ist, konzentriert er sich auf Iris Steensma, eine minderjährige Prostituierte, die er auf den rechten Weg zurückzubringen versucht. Es endet in einem Ausbruch blutiger Gewalt…

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