


Auf dieser Seite findet ihr nur meine aktuelle Lektüre. Ältere Bücher archiviere ich von Zeit zu Zeit hier. Im Archiv findet ihr eine alphabetisch sortierte Übersicht aller Bücher.
Stapel ungelesener Bücher (Archivseite)
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Cornelia Funke: Tintenwelt 1 - Tintenherz Cecilie Dressler Verlag, 2003 575 Seiten, gebunden
Die zwölfjährige Meggie Folchart ist Büchernärrin. Diese Leidenschaft hat sie von Mortimer geerbt, ihrem Vater, der als Restaurator arbeitet. Meggies Mutter Teresa ist vor neun Jahren angeblich zu einer Reise aufgebrochen und nie zurückgekehrt.
Eines Nachts wird Mortimer von einem geheimnisvollen Fremden aufgesucht, der sich Staubfinger nennt und einen gehörnten Marder namens Gwin bei sich hat. Meggie belauscht das Gespräch der beiden Männer und hört Staubfingers Warnung vor einem gemeinsamen Feind namens Capricorn. Staubfinger behauptet, Capricorn habe Mortimer nach langer Suche aufgespürt. Alle drei fahren am nächsten Tag zu Meggies Großtante Elinor Loredan. Meggie erfährt, dass es Capricorn nicht unbedingt um Mortimer geht, sondern um ein Buch mit dem Titel »Tintenherz«. Elinor soll das Buch in ihrer riesigen Sammlung verstecken. Als Meggie unerlaubterweise einen Blick in das Buch wirft, ist sie sehr überrascht, eine detailgetreue Abbildung Gwins darin zu sehen.
Wenig später erscheinen der Messerstecher Basta und andere Schergen Capricorns. Sie entführen Mortimer. »Tintenherz« fällt ihnen nicht in die Hände, weil Elinor es heimlich gegen ein anderes Buch ausgetauscht hat. Meggie will ihren Vater auf eigene Faust retten. Staubfinger führt sie und Elinor zu Capricorns Bergdorf. Von dort aus führt Capricorn eine grausame Schreckensherrschaft über die ganze Gegend. Staubfinger erweist sich als Verräter; er liefert Meggie und Elinor an Capricorn aus. Er war es, der Capricorn auf Mortimers Spur gebracht hat. Meggie und Elinor werden zu Mortimer in eine Zelle gesperrt. Jetzt endlich erfährt Meggie die Hintergründe für all diese Geschehnisse.
Vor neun Jahren hat Mortimer seiner Frau aus »Tintenherz« vorgelesen. Plötzlich sind Staubfinger, Capricorn und Basta erschienen, Teresa dagegen ist verschwunden. So hat Mortimer erfahren, dass er die Gabe besitzt, Gegenstände und Lebewesen aus Büchern »herauszulesen«. Es muss jedoch immer ein Austausch stattfinden - für alles, was aus einem Buch herausgelesen wird, muss etwas anderes darin verschwinden. In den seither vergangenen Jahren hat Mortimer vergeblich versucht, Teresa wieder in die reale Welt zurückzuholen. Das ist ihm ebenso wenig gelungen, wie er es fertig gebracht hat, Staubfingers sehnlichsten Wunsch zu erfüllen und ihn wieder in das Buch »hineinzulesen«. Capricorn dagegen will keineswegs in die Buchwelt zurückkehren. Er benötigt lediglich einen begabten Vorleser wie Mortimer, um Schätze und neue Gehilfen zu erlangen…
Soviel in aller Kürze zum Grundgerüst der Handlung; mehr kann ich nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten. Genau genommen ist der Handlungsverlauf so vorhersehbar, dass ihr vermutlich schon nach den obigen Zeilen wisst, wie die Geschichte ausgeht. Obendrein dreht sie sich im Mittelteil praktisch einmal um sich selbst. Man ist nach einigen hundert Seiten genauso weit wie zuvor, ohne einen echten Handlungsfortschritt erlebt oder entscheidende neue Erkenntnisse gewonnen zu haben.
Auch ist die Idee, dass man Bücher »betreten« oder die Protagonisten einer fiktiven Geschichte in die Realität herüberholen kann, durchaus nicht neu - siehe »Die unendliche Geschichte« von Michael Ende oder Jasper Ffordes Romane um die LiteraturAgentin Thursday Next. Außerdem bleiben die Hauptfiguren seltsam konturlos bzw. schablonenhaft. Das gilt weniger für Meggie, aus deren Sicht der größte Teil des Romans erzählt wird, dafür umso mehr für Mortimer und leider auch für die Schurken, deren Bösartigkeit nur behauptet, aber kaum wirklich gezeigt wird. Einzig Staubfinger ist eine etwas ambivalentere, undurchsichtigere und deshalb interessantere Figur.
Das klingt jetzt alles recht negativ, aber so mager die Story auch sein mag: Cornelia Funke erzählt so gut, dass ich trotzdem gefesselt war. Positiv hervorzuheben ist dabei, dass vor düsteren Tönen nicht zurückgeschreckt wird, obwohl sich das Buch an ein jugendliches Publikum richtet. Hinzu kommen einige köstliche Szenen, zum Beispiel mit der streitbaren Elinor. Und nicht zuletzt ist der Roman natürlich als Hommage an Bücher und Leseratten zu sehen. Kein Wunder, dass ich mich davon angesprochen fühle! Insgesamt muss ich sagen: Ich hätte mir zwar etwas mehr Tiefgang gewünscht, aber möglicherweise bin ich einfach nur zu alt für das Buch. Lesenswert ist es dennoch, und es macht auf jeden Fall Lust auf die beiden Folgebände.
31.01.2012
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Jens Lossau / Jens Schumacher: Der Schädelschmied Egmont-Lyx, 2011 350 Seiten
Unweit von Nophelet, der Hauptstadt des Königreiches Sdoom, liegt die ausschließlich von Zwergen bewohnte Stadt Barlyn. Der autarke Zwergenstaat erstreckt sich über Dutzende Ebenen tief unter dem Gengostok-Gebirge und ist ein wichtiger Handelspartner für alle anderen Länder, denn in den Minen von Barlyn werden das wertvolle M’nir-Metall und das universell einsetzbare Grobonskonit abgebaut. Außerdem stehen praktisch alle Staaten bei der Barlyner Staatsbank in der Kreide. Der Reichtum Barlyns basiert auf ständigem Wachstum. Dies wiederum kann nur durch das reibungslose Funktionieren einer straff durchorganisierten Bürokratie erreicht werden. Deshalb ist das Entsetzen groß, als Schürfminister Borkudd, nach Lordprotektor Hindrych zweitwichtigster Mann im Staat, eines Nachts ermordet aufgefunden wird - im Inneren seines fensterlosen Büros, dessen einzige massive Tür von innen verschlossen und durch mehrere Riegel gesichert ist. Borkudds Schädel wurde von Dutzenden Sechs-Zoll-Nägeln durchbohrt. Als dies bekannt wird, geht in Barlyn die Angst vor einem Phantom um, das nicht einmal durch massiven Fels aufgehalten werden kann. Wenig später wird vom Erscheinen eines grauenhaften Ungeheuers in den Bergwerksstollen berichtet. Wie nicht anders zu erwarten, leiden darunter bald die so wichtigen Förderquoten.
Da sich niemand erklären kann, wie der Mörder vom hermetisch abgeschlossenen Tatort entkommen konnte und warum er den Mord auf so bizarre Art verübt hat, wird das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie um Hilfe gebeten. IAIT-Chef Karliban entsendet Meister Hippolit, seinen besten Mann, der wie immer vom Troll Jorge begleitet wird. Die beiden IAIT-Agenten sind jedoch nicht die einzigen Ermittler vor Ort. General Glaxiko, unfähiges Oberhaupt der Nopheleter Stadtwache, sowie das Duo Oskulapius und Rekten sind nach Barlyn gereist, um die von Hindrych für die Lösung des Falles ausgelobten Goldkaunaps einzuheimsen. Hippolit ist nicht erfreut darüber, dass ihm andere Parteien ins Handwerk pfuschen, zumal er schon früher einmal auf sehr unangenehme Weise mit dem Privatdetektiv Oskulapius aneinandergeraten ist. Dieser kann nach kurzer Zeit mit einer Theorie aufwarten, die zwar nach Hippolits Meinung einige Lücken aufweist, aber immerhin plausibel genug klingt, um zur Beruhigung der Stadtbevölkerung ausgenutzt zu werden. Hippolit gibt sich nicht zufrieden, ermittelt weiter und stößt auf Hintergründe, durch die die gesamte Machtstruktur Barlyns in Frage gestellt wird. Selbst Jorge, der sich mehr für das Barlyner Bier und den Drollych-Schnaps interessiert als für mysteriöse Mordfälle, kann zur Aufklärung beitragen.
Dies ist der dritte gemeinsame Fall des ungewöhnlichsten Ermittlerduos im Fantasy-Genre. Womit Hippolit und Jorge es in ihren ersten beiden Fällen zu tun hatten, was es mit dem ungleichen Gespann auf sich hat und in welcher Beziehung diese Romane zu den früheren Werken von Lossau und Schumacher stehen, könnt ihr in meinem Kommentar zu »Der Elbenschlächter« nachlesen - siehe Archiv!
Erneut kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen, und wieder muss ich darauf hinweisen, dass man die beiden ersten Romane gelesen haben sollte, obwohl alle drei in sich abgeschlossen sind. Führt euch die ersten beiden köstlichen Fantasy-Krimis zu Gemüte, damit ihr alle Anspielungen und Querverweise verstehen könnt. Die Lektüre schadet aber auch aus einem anderen Grund nicht: Die Autoren wuchern quasi mit dem eigenen Pfunde und verlassen sich in Bezug auf Hippolits/Jorges Charakterzeichnung ein bisschen darauf, dass der Leser die beiden schrägen Typen schon kennt. Das ist aber eine kleine und vernachlässigbare Schwäche… »Schwäche« ist eigentlich sowieso schon ein zu schwerer Vorwurf. Man wird den Roman einfach besser zu schätzen wissen, wenn man Hippolit und Jorge bereits bei ihren früheren Abenteuern begleitet hat.
Ansonsten stimmt einfach alles. Die Story ist spannend, bleibt unvorhersehbar und ist wirklich gut erzählt - auch stilistisch hat sich das Autorengespann noch weiter verbessert. Das klassische »Mord im verschlossenen Raum« - Rätsel wird geheimnisvoll aufgebaut und plausibel gelöst - plausibel wohlgemerkt unter den Bedingungen des fiktiven Universums, das Lossau und Schumacher auch in diesem Roman weiter ausbauen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Lossau und Schumacher es immer wieder schaffen, mich mit originellen Ideen zu überraschen! Die komplett aus dem Fels gemeißelte Zwergenstadt mit ihrer so typisch »deutschen« Einwohnerschaft, ihrem thaumaturgisch-mechanischen Belüftungs- und Verkehrssystem und anderen liebevoll ausgearbeiteten Details kann rundum überzeugen. Das Ganze ist natürlich eine unverhohlene Parodie Bayerns und des Nationalsozialismus. Etwas mehr Subtilität hätte vielleicht nicht geschadet... Der Humor ist derb und manchmal ziemlich schwarz, erschöpft sich aber nicht in platten Kalauern und nimmt nicht überhand, sondern wartet vor allem mit merkwürdigen Charakteren, bizarren Situationen und viel Wortwitz auf. Sherlock Holmes und Dr. Watson (= Oskulapius und Rekten) werden ebenso auf die Schippe genommen wie übertriebene Bürokratie, das Münchner Oktoberfest, Fremdenfeindlichkeit und so manches Fantasy-Klischee.
26.01.2012
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Frank Borsch: Perry Rhodan Neo 9 - Rhodans Hoffnung VPM, 2012 Kindle-Edition
Infos zu diesem Buch findet ihr in meinem Archiv. Hier klicken!
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